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Als Leak bezeichnet man sensible Daten, die von Hackern oder Whistleblowern öffentlich gemacht werden (Symbolbild)

Alle Fakten zum Leaken

Leaks: Dokumente, Games und mehr - das leaken Hacker und Whistleblower 

Seit WikiLeaks und Snowden ist der Begriff in aller Munde: Doch wo wird noch geleakt und was hat es damit auf sich?

  • Was sind Leaks und was kann geleakt werden?
  • Welche Konsequenzen tragen Whistleblower und Hacker?
  • So haben Leaks unsere Welt geprägt.

Hamburg - Fast alles, was auf dieser Welt existiert, kann geleakt werden - und wird es auch: von geheimen Kriegsplänen und Steuerakten bis hin zu Alpha- und Beta-Versionen von Games, Videos und Musik, landen täglich Dateien in der Öffentlichkeit, die von den Besitzern geheim gehalten wurden. Welche Plattformen und Akteure stecken hinter den Leaks und welche Auswirkungen hat Leaken eigentlich?

Leaks werden bekannt: Was hat WikiLeaks veröffentlicht?

Spätestens seit den medienwirksamen Enthüllungen der Plattform WikiLeaks und der Verhaftung von Julian Assange ist das Thema Leaks in aller Munde. 2007 veröffentlichte die Enthüllungsplattform Dokumente, die Korruption in Milliardenhöhe im Umfeld des ehemaligen Präsidenten Kenias bewiesen, was von der britischen Zeitung The Guardian publiziert wurde. Weitere Skandal-Veröffentlichungen, wie die Toll-Collect-Verträge in Deutschland, die Guantánamo Files aus den USA und die umstrittenen E-Mails von Hillary Clintons Wahlkampfleiters 2016, kurz vor der Präsidentenwahl in den USA, waren nur ein Bruchteil der großen Datenmasse, die über dieses Portal den Weg in die Öffentlichkeit fand. WikiLeaks ist eine von Hackern und Netzaktivisten betriebene Online-Plattform unter dem Motto "We open governments." Die Plattform will denen zur Seite stehen, die "unethisches Verhalten" in Regierungen oder Unternehmen enthüllen wollten. Dafür bietet WikiLeaks anonymisierte Kontakt-Kanäle an - etwa über das Tor-Netzwerk. 

WikiLeaks-Sprecher Julian Assange trat viele Jahre öffentlich für die Plattform auf, bis er sich aus Angst vor einer Auslieferung an die USA 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London einquartierte.

Er ist das Gesicht von WikiLeaks: Julian Assange

Was ist ein Leak?

Das Wort "Leak" bedeutet ins Deutsche übersetzt "Leck" oder "Loch" und bezieht sich dabei auf eine undichte Stelle in Unternehmen, Organisationen und Regierungen. Entweder durch einen Whistleblower oder durch einen Hacker gelangen so die Daten über das "Leck" an die Öffentlichkeit, die eigentlich nicht für diese bestimmt waren.

Der Vorgang des Veröffentlichens wird dann als Leak bezeichnet. Wenn ein Whistleblower hinter dem Leak steht, dann handelt es sich meist um Mitarbeiter im Unternehmen oder um Mitglieder der Regierung, die Zugang zu den geheimgehaltenen Daten haben und diese gegen den Willen ihrer Vorgesetzten veröffentlichen.

Hacker dagegen dringen unerlaubt in interne Datenstrukturen ein, um an die geheimen Daten zu gelangen und diese zu stehlen.

Im Vergleich zur Spionage und Begriffen wie "Verräter" oder "Maulwurf", handelt es sich beim Leaken um öffentlichkeitswirksame Taten. Die geleakten Daten und Dokumente sollen immer dem öffentlichen Interesse dienen, nicht politischen oder wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen oder Regierungen.

Je größer das "Leck" ist, desto größer ist auch der mediale Aufschrei.

Die bekanntesten Leaks der letzten Jahrzehnte

  • Der bekannteste Fall ist zweifelsohne der des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters und Whistleblowers Edward Snowden. Mit seinen Enthüllungen zur NSA-Affäre stellte er das politische Weltgeschehen auf den Kopf. Snowden bewies, dass die USA und das Vereinigte Königreich seit spätestens 2007 den Datenverkehr über das Internet verdachtsunabhängig überwachen und Gebäude und Personen ihrer Verbündeten gezielt ausspioniert haben, so auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.
  • Panama Papers: Mit den geleakten Daten der ehemaligen Kanzlei "Mossack Fonseca" ging das sogenannte "Panama-Beben" durch die Welt. Die veröffentlichten Daten bewiesen Steuervermeidung durch Offshore-Dienstleistungen, das Umgehen von UN-Sanktionen und Geldwäsche. Im Zuge der Daten Leaks gab es weltweit Strafmaßnahmen und Rücktritte. Das prominenteste Beispiel dafür war der Rücktritt des isländischen Premierministers 2016.
  • Watergate-Affäre: Natürlich gab es schon vor der digitalen Ära zahlreiche Leaks. Einer der bekanntesten Leaks der Nachkriegsgeschichte ist der Skandal um den damaligen US-Präsidenten Richard Nixon Anfang der 70er-Jahre. Das Weiße Haus musste, auf Beschluss des obersten Gerichts der USA, Tonbänder aushändigen, die den Beweis für Missbräuche von Regierungsvollmachten des Präsidenten gespeichert hatten. Nixon trat in Folge des Watergate Skandals von seinem Amt zurück.

Star Wars, Oscars-Filme und Musik: Leaks in der Unterhaltungs-Branche

Neben den großen politischen Enthüllungen gibt es aber auch Leaks in vielen anderen Bereichen des täglichen Lebens. Auch in der Unterhaltungs-Branche tauchen ständig neue Leaks zu Film, Musik und Games auf, die von den Fans mit Begeisterung aufgenommen werden.

Dabei handelt es sich meistens um noch unveröffentlichte Versionen von Games, Videos oder Song-Aufnahmen, die kurz vor der Veröffentlichung stehen. Was ein gefundenes Fressen für die wartenden und begeisterten Fans ist, ist oft ein Desaster für die Produktionsfirmen.

So wurden alleine im Januar 2020 über zehn Kinofilme geleakt und im Internet bereitgestellt. Darunter war auch der preisgekrönte Film "1917". Für die Produktionsfirmen der Filme bedeuten solche Leaks klare Einnahmeverluste an den Kinokassen, weshalb sie diese illegalen Verbreitungen verhindern wollen. Illegale Streaming-Portale kommen an die unveröffentlichten Filmdateien durch sogenannte "Screener". Das sind Film-Kopien, die zum Beispiel allen Jury-Mitgliedern eines Filmpreises für die Bewertung zugeschickt werden.

Einen anderen großen Leak konnte Disney 2019 gerade noch verhindern: Ein Schauspieler hatte das geheime Drehbuch von "Star Wars: Episode 9" verloren. Kurz darauf tauchte das verschollene Drehbuch in einer eBay-Versteigerung auf. Disney hatte davon sofort Wind bekommen und ersteigerte sich verloren geglaubte Drehbuch zurück. Das Ereignis blieb bei "Star Wars"-Fans natürlich nicht unbeachtet und brachte den als Leaks gehandelten Informationen um den Film große Aufmerksamkeit.

Fortnite, Pokémon und "Call of Duty": Leaks in der Gaming-Branche

Auch bei den Gamern wird gerne geleakt. So durchkreuzten unerwünschte Veröffentlichungen die Release-Pläne der Entwicklerstudios. Das sind die bekanntesten Fälle aus den letzten Jahren:

  • "Pokémon Schwert und Schild": Es war bereits der zweite Leak in einem Jahr für Nintendo. Kurz vor der Veröffentlichung des neuen Pokémon-Teils für die Nintendo Switch, wurden etliche Bilder des Spiels geleakt. Schuld daran war ein portugiesisches Games-Magazin, das eine Vorab-Exemplar für Rezensionszwecke erhalten hatte.
  • Fortnite: Wenige Tage vor dem Start der neuen Fortnite Season 2 (Season 11) wurden Bilder und Videos veröffentlicht, die die neue Map und Charaktere verraten hat. 
  • "Call of Duty: Modern Warfare Battle Royale": Eine geleakte Map regt die Vermutungen um den "Battle Royale Modus" an, der höchstwahrscheinlich noch in Season 2 erscheinen soll.

Video: Die Top 10 der größten Video Games Leaks

Passwörter und E-Mails: Leaks im privaten Umfeld

Leider treffen Leaks nicht nur große Unternehmen oder Regierungen. Auch jeder Einzelne kann von Leaks betroffen sein. Wenn zum Beispiel Datenbanken mit Nutzerdaten gehackt und online veröffentlicht werden, dann sind oft tausende Internet-Nutzer betroffen.

Große Aufmerksamkeit erregte der Sicherheitsexperte Troy Hunt im Jahr 2019, als er eine riesige Datenbank mit fast 773 Millionen E-Mails und 21 Millionen Passwörtern ausfindig machte. Solche Listen werden von Hackern angelegt, um auch andere Accounts der User zu hacken. Der einzig effektive Schutz vor solchen Angriffen sind sichere und unterschiedliche Passwörter für jede Plattform. Außerdem kann jeder Nutzer über die Plattform "Have I Been Pwnd?" kontrollieren, ob seine E-Mail-Adresse in einer dieser Datenbestände auftaucht.

Leaks als Marketing-Strategie: alles Absicht?

Für Unternehmen scheinen Leaks immer nachteilig zu sein. Verraten Sie doch vor Veröffentlichungstermin interessante Details oder stellen sogar das gesamte Produkt bloß. Doch Leaks machen auch auf die Games, Videos und alle anderen Produkte aufmerksam, wenn die Information anscheinend unfreiwillig an die Öffentlichkeit gekommen ist.

Das lässt vermuten, dass auch manche Leaks mit voller Absicht und von langer Hand geplant ihren Weg zu den Fans gefunden haben und somit Teil der Marketing-Strategie geworden sind. Ein prominentes Beispiel war der anscheinend zufällig verlorene Prototyp des iPhone 4. Ein Entwickler hatte das Gerät 2010 in einem Biergarten liegen gelassen. Unter anderem der Spiegel munkelten im Nachhinein, ob es sich hierbei wirklich um einen unglücklichen Zwischenfall gehandelt hatte oder um einen inszenierten Gag von Apple. Schließlich waren Produktentwicklungen bei Apple bisher immer "top secret".

Doch trifft das sicher nicht auf alle Leaks zu. Erst recht nicht, wenn sich offensichtlich ein Hacker zu einem Leak bekennt. Dann zerstören die Leaks meistens die intensiv ausgearbeiteten Marketing-Pläne des Unternehmens.

Sind Leaks illegal?

Der Schaden für Unternehmen kann enorm sein. Umso mehr stellt sich die Frage, ob Leaken überhaupt erlaubt ist. Diese Frage lässt sich nicht mit einem klaren "Ja" oder "Nein" beantworten, denn es kommt immer ganz auf den Einzelfall an.

In Deutschland ist die Veröffentlichung von Daten, die nicht für diesen Zweck freigegeben wurden, generell nicht erlaubt. Doch um welche Daten hat es sich gehandelt? Ist nur ein heimlich geschossenes Foto veröffentlicht worden oder ist es ein ganzer Datensatz, der eine Regierung zu Fall gebracht hat? Auch das Land, in dem der Leak stattgefunden hat und die dort geltenden Gesetze sind entscheidend.

Dass sich Edward Snowden etwa nach seinem Leak über die NSA-Affäre in große Gefahr gebracht hatte, war dem Whistleblower schon vor Veröffentlichung klar. Er übergab die brisanten Dokumente außerhalb des Einflussgebiets der USA in Hongkong und flüchtete später weiter nach Russland. In den USA wird Snowden Diebstahl von Regierungseigentum, Spionage und mehr vorgeworfen.

Glimpflicher ist dagegen das Gamer-Magazin FNintendo davon gekommen. Dieses Magazin hatte durch eine Vorabversion des Spiels "Pokémon Schwert und Schild" Bilder des noch nicht veröffentlichten Games geleakt. Nintendo beendete daraufhin jede weitere Zusammenarbeit mit FNintendo.

nh

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