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Trailer: Filme und Games in Kurzform – Das steckt hinter ihrer Faszination 

  • Jonas Dirkes
    vonJonas Dirkes
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Wie funktionieren eigentlich Trailer zu Filmen und Games? Und warum machen sie uns so hungrig auf mehr? Wir erklären die Kunst hinter der Kunstform.

  • Trailer für Filme und Games sind heutzutage nicht mehr wegzudenken.
  • Mittlerweile Ist YouTube zur ersten Anlaufstelle für Teaser und Trailern zu Filmen und Games geworden.
  • Wie schaffen es Trailer, Zuschauer immer wieder ins Kino zu ziehen oder Games zu kaufen?

Hamburg, Deutschland - Schonmal gefragt, warum es eigentlich Trailer heißt? Das hat tatsächlich nichts mit Trailerparks oder dem Anhänger für einen LKW zu tun. Das englische Wort bedeutet zu deutsch so viel wie Nachhängen: Heute ist es kaum zu glauben, aber Trailer wurden ursprünglich nicht vor, sondern nach dem Film im Kino gezeigt. Die Vorschauen auf kommende Video-Produktionen hingen der Hauptattraktion also nach, wodurch sie ihren Spitznamen Trailer erhielten. Der ist bis heute geblieben, auch wenn Teaser und Trailer nun das Erste und nicht das Letzte sind, was Zuschauer zu sehen bekommen. Egal ob Filme oder Games: Trailer entwickelten über die Jahrzehnte ihre ganz eigene Faszination, manche bringen den Zuschauern gar mehr Freude als das fertige Produkt. Heute löst YouTube das Kino ab, was die erste Anlaufstelle für Teaser und Trailer angeht. Aber wie funktionieren die kleinen Vorschauen eigentlich, was lässt uns es nicht aushalten, den beworbenen Film nicht auszulassen?

Was ist ein Trailer? Eine Definition der Videos in Kurzform

Trailer und Teaser sind ganz schön pfiffig. Sie können aus dem langweiligsten Drama einen Actionkracher und aus der Blödel-Komödie ein gefühlvolles Biopic für den Zuschauer machen, wenn sie es wollen. Sie zeigen uns stets das Beste und weigern sich dafür vehement, auf die Bremse zu treten. Aus Inglourious Basterds macht der erste Kino-Trailer beispielsweise einen wahren Nazi-Slasher-Film, während im Film typisch für Tarantino eigentlich fast nur geredet wird. Hinter den kurzen Videos steckt also weit mehr als es auf den ersten Blick scheint.

Werbefilm, der unter Verwendung von Ausschnitten, Texteinblendungen, grafischen Elementen, Sprecherstimmen, Musik und Toneffekten die bevorstehende Kinovorführung eines Films ankündigt

Vinzenz Hediger in Lexikon der Filmbegriffe (Universität zu Kiel)

Als grobe Definition von Trailern kann man veranschlagen, dass sie ein Zusammenschnitt der aufregendsten Szenen eines Films sind, die so aneinandergereiht und mit Musik und Text versehen werden, dass der beworbene Film attraktiv für eine Masse der Zuschauerschaft wird. Deswegen wird im Trailer zu Inglourious Basterds auch nicht viel geplaudert, was eine Mehrzahl an Zuschauern letztendlich langweilen dürfte, sondern lieber die Erwartung geweckt, dass Brad Bitt beziehungsweise Aldo Raine mit seinem Battalion auf pausenlose Nazijagd gehen wird. Dabei steht der klassische Trailer in Abgrenzung zum Teaser. Beim Teaser wird nämlich in der Regel Bildmaterial verwendet, das explizit für das kurze Werbevideo zusammengestellt wurde. Szenen aus dem Film oder Game selbst sind dafür nicht zwingend notwendig.

Trailer erstellen ist ein Handwerk – Oder die Antwort auf die Frage: Wieso bin ich schon wieder ins Kino gegangen?

Der standardisierte Trailer hat heute mindestens drei Checkboxen, die abgekreuzt werden müssen: Grundlegend muss die Prämisse des Films beworben, dann der Konflikt der Handlung für den Zuschauer aufgezeigt werden, den unsere Helden zu bewältigen haben und schlussendlich folgt ein rasanter und schnell geschnittener Ausblick auf all die Hürden, die dafür genommen werden müssen. Nahezu jeder Kino-Trailer folgt diesem Aufbau. Das funktioniert, da fast alle Filme (zumindest westliche Produktionen) nach dem selben Erzählmuster aufgebaut sind.

Das System ist simpel wie genial: Der Zuschauer bekommt eine kleine Version des fertigen Films oder Games vor die Nase gesetzt, bei dem aber nicht alle Mysterien des Trailers oder Teasers beantwortet werden. Da der Mensch ein wissbegieriges Wesen ist, kann er es kaum ertragen, solche Lücken im Video nicht eigenhändig zu schließen. Auch wenn er weiß, dass James Bond am Ende den Tag retten wird, muss er die tatsächliche Bestätigung dafür bekommen oder zumindest wissen wie er es dieses Mal geschafft hat. Das geht nur, wenn er den fertigen Film im Kino sieht.

Ein zu Tode genutzter Trick, um Zuschauer gut mit dem beworbenen Film zu stellen, ist zusätzlich, den jeweiligen Trailer oder Teaser mit einem Gag zu beenden – manchmal auch ersetzt durch eine besonders imposante Actionszene. Der Grund ist einfach. Das Letzte was der potentielle Zuschauer aus dem Trailer mit nimmt, soll ihm ein besonders gutes Gefühl geben, damit man sich wohlwollend an den Film erinnert und mit ihm etwas Positives verbindet. Macht das nächste mal im Kino doch den Selbstversuch: Gut und gerne 80% der Trailer-Videos werden mit einem Witz oder Actionbombast beendet. 

Trailer: Egal ob Filme oder Games – Die Kunst des Aussparens

Es gibt aber auch Ausnahmen. Das sind meist aber keine standardisierten Filme, sondern Projekte die es eh vermeiden, nach den herkömmlichen Regeln zu spielen. Im Allgemeinen zeigen Film-Trailer keine Szenen, die im fertigen Film nicht zu sehen sein werden. Manchmal werden aber auch eigene Trailer zur Promotion des jeweiligen Films gedreht. Die Grenze von Teaser und Trailer verschwimmen hier und etwas Neues entsteht. Eines der wohl aufregendsten Beispiele für solche Trailer hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Als Alfred Hitchcock 1960 seinen zu großen Teilen selbst produzierten Film Psycho bewerben wollte, waren ihm durch kein Studiosystem die Finger gebunden mit einem ausgefallenem Trailer die Zuschauer ins Kino zu locken..

Im Trailer zu Psycho wandert der Master of Suspense selbst durch die Sets von Psycho und fasst die unaussprechlichen Ereignisse für den Zuschauer zusammen, die sich im Bates Motel und angrenzendem Wohnhaus zugetragen haben sollen. Natürlich werden die wichtigsten Details aufgrund ihrer Unaussprechlichkeit im kurzen Video ausgespart, weshalb es keinen anderen Weg gab, als sich den fertigen Film im Kino anzusehen, um zu wissen was wirklich geschehen ist - und vor allem wie.

Auch Filme wie James Camerons Terminator 2 oder Steven Spielbergs Jurassic Park warteten mit außergewöhnlichen Teaser-Trailern auf. Bei Terminator 2 bekommt der Zuschauer beispielsweise die eigens für den Trailer gedrehte Produktion eines T-800 zu sehen, während im Jurassic Park-Trailer fast schon wie in einem Lehrvideo das Prinzip des Jurassic Parks erklärt wird - langsam und besonnen, ohne auch nur einen einzigen Dino vor dem eigentlichen Kinobesuch zu zeigen. 

Trailer: Hat YouTube das Kino verdrängt?

Wenn Zuschauer heute einen Trailer wirklich sehen wollen, rennen sie nicht mehr in Scharen ins Kino, wie sie es vielleicht noch zum ersten Trailer von Star Wars: Episode 1 - Die Dunkle Bedrohung getan haben – nur um den Saal direkt nach dem kurzen Vorschau-Video wieder zu verlassen. Plante man heute eine ausschließliche Veröffentlichung eines Teasers oder Trailers im Kino, würde dieser Trailer vermutlich binnen Stunden durch einen Leak ihren Weg auf YouTube finden.

Selbstverständlich laufen Trailer und Teaser noch immer im Kino, aber ihre wichtigste Plattform ist heutzutage nunmal YouTube. Videos auf YouTube erreichen Zuschauer zu Zeiten und an Orten, an denen es das Kino nicht könnte. Wagt man einen Blick auf die Gesamt-Views eines Film-Trailers in den ersten 24 Stunden nach seiner Veröffentlichung, erreichen die Zahlen der großen Veröffentlichungen wie Avengers: Endgame, Der König der Löwen oder Fast & Furious 9 schwindelerregende Höhen.

Film-TrailerGesamt-Views in den ersten 24 Stunden (in Millionen)Erscheinungsjahr des Trailers
Avengers: Endgame\t289.02018
Avengers: Infinity War230.02017
Der König der Löwen224.62018
Es197.02017
Mulan175.12019
Fast & Furious 9151.02020
Fast & Furious 8139.02016
Thor: Ragnarok136.02017
Spider-Man: Far From Home\t135.22019
Die Schöne und das Biest127.62016

Zusammengezählt werden nicht nur die Views der Zuschauer auf Youtube, sondern über das gesamte Internet verteilt - einbezogen werden also auch Big-Player wie Facebook oder Twitter, auf denen auch Trailer und Teaser als Videos veröffentlicht werden. Natürlich macht YouTube einen Großteil aus und YouTube dürfte für viele heute auch die erste Anlaufstelle für Trailer sein.

Durch Plattformen wie YouTube werden Trailer außerdem anders geschaut: Da auf Youtube der Zuschauer nicht wie im Kino gegen seinen Willen mit einem Trailer konfrontiert wird, muss ein Trailer so klickbar wie möglich gestaltet sein. Das wissen auch die großen Produktionsfirmen, weshalb die kurzen Videos immer mehr relevante und imposante Szenen des Films vorweg nehmen, um die Zuschauer weiter auf Youtube zum Klicken zu bringen. Es ist also nicht nur ein diffuses Gefühl: Durch die Verwertung von Trailern auf YouTube, Facebook und Co. spoilern Trailer heute mehr Höhepunkte eines Films als je zu vor.

Trailer: Filme und Games in Kurzform – Das steckt hinter der Faszination

Trailer: Games sind nicht gleich Filme

Aber Trailer ist nicht gleich Trailer. Games haben sich im Vergleich zu Kinofilmen ihre ganz eigene Trailerform beziehungsweise Teaserform aufgebaut. Egal ob von Microsoft, Activision, Naughty Dog oder Rockstar Games: Anders als im Film müssen Trailer für Games nicht zwangsläufig Szenen enthalten, die im letztendlichen Game spielbar sind. Auch gibt es verschiedene Formen von Trailern. Neben den gewöhnlichen Gameplay-Trailern sind es vor allem die großen Cinematic-Trailer, die Aufmerksamkeit erhalten.

Anders als bei Kinofilmen üblich werden für Games kurze, animierte Videos bzw. Filme produziert, die nicht zwangsläufig das Produkt selbst näher bringen, sondern eher ein Gefühl für den Zuschauer transportieren wollen. Man denke nur an die weltberühmten Teaser und Trailer zu Fallout 3, Dead Island, oder nahezu jedem Titel von Blizzard. Der Spieler soll ein Gefühl dafür bekommen, in was für eine Welt er sich stürzen wird und nicht, was er in dieser Welt anstellen kann. Wer hätte nach dem ersten Trailer zu Death Stranding schon einen gigantischen Walking Simulator erwartet? Vermutlich nicht einmal Kojima selbst.

Games haben so gesehen die schlechteren aber auch aufregenderen Trailer. Schlechter, weil das eigentliche Produkt nicht optimal beworben wird und noch mehr Augenwischerei durch einzig für den Trailer erdachte Szenen betrieben wird. In manchen Fällen können durch gezeigtes Gameplay oder Grafikpracht auch Kontroversen wie etwa bei Sonys Killzone 2 oder Aliens: Colonial Marines entstehen, weil das fertige Produkt nicht den Versprechen der Trailer und Teaser an dem Zuschauer gerecht wurde. Auch aus dem Games-Diskurs sind die kurzen Videos also nicht mehr wegzudenken.

Aufregender sind Game-Trailer, weil kondensierte, künstlerische Projekte für einige Minuten ihren großen Platz im Rampenlicht finden und der Kreativität keine Grenzen gesetzt werden. Es müssen, anders als bei Filmen, ja nicht zwangsläufig nur Spielszenen gezeigt werden. Trailer und Teaser von Ubisoft folgen beispielsweise so gut wie immer einer eigenen, abgeschlossenen Narrative, die gleichzeitig auch den Ton für das zu bewerbende Spiel setzt. Im Grunde sind Trailer zu Games kleine Kurzfilme und jede Spielemesse ein kleines Filmfestival, auf dem alle Publisher den Zuschauern ihre Einsendungen als Video präsentieren. 

Rubriklistenbild: © Fight Club / 20th Century Fox

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