Test: Razer Kraken Tournament Headset – High End Sound für 100 Euro?

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Gaming Headsets gibt es wie Sand am Meer, in jeder Farbe und Ausfertigung erhältlich eilt den meisten Exemplaren ihr schlechter Ruf voraus. Wir haben uns mit dem Kraken Tournament Headset die Mittelklasse Variante von Razer angeschaut und berichten, ob ihr mittlerweile fetten Sound und Sprachqualität auch im Paket bekommt. 

Razer Kraken Tournament Headset

Das Razer Kraken in der Tournament Ausfertigung ist ein kabelgebundenes Mittelklasse Headset, das sich vornehmlich an eSport-Fans richtet. Als besonderes Verkaufsargument kommt die Turnierversion erstmals mit einem THX Spatial Audio Controller. Den kleinen Helfer könnt ihr einfach mit dem Klinkenanschluss des Headsets verbinden und über USB in euren Rechner einspeisen.

Per Lautstärkewippe sollt ihr dann bequem zwischen Spielton und Sprachchat wechseln können, sowie den Bass analog kontrollieren. Im Lieferumfang ist außer der Gebrauchsanweisung und den obligatorischen Razer Stickern weiter nichts enthalten. Erwerben könnt ihr die Krake in der giftgrünen Razer Edition, oder wahlweise im schlichten Schwarz. Aus einer Mischung von Aluminum, Hart- und Weichplastik gefertigt, ist der Köpfhörer stabil, wenn auch nicht besonders hochwertig. Gerade der Bügel weiß zu gefallen und kommt angenehm gepolstert und enorm flexibel daher.

Surround-Sound auf Knopfdruck

Im Laufe der letzten Jahre hat Razer nicht viel am Design ihrer Kraken-Reihe geschraubt. Die zwei fast komödiantisch großen Ohrmuscheln sind großzügig mit einer Mischung aus Kunstleder und Stoff überzogen, außen prangt wie gewohnt das Razer Logo. Natürlich sind beide Polsterungen zum Waschen abnehmbar. Das Ganze wird von einem ebenfalls gepolsterten Aluminiumbügel zusammengehalten. In der linken Hörerschale befindet sich das ausfahrbare Mikrofon und an dem 3,5mm Audiokabel sind eine Lautstärkewippe sowie ein Stummschalter angebracht.

Allerdings müsst ihr das Headset nicht per Klinke mit eurem Rechner verbinden, sondern könnt es auch direkt in den mitgelieferten Vorverstärker einstecken. Den kleinen AMP verbindet ihr dann per USB mit eurem Rechner und könnt sofort Bass sowie Tonverteilung steuern. Besonderen Wert hat Razer auf die Nutzung im eSport-Bereich sowie genereller Flexibilität im Multiplayer-Setting gelegt. Durch die eingebaute Lautstärkewippe könnt ihr so kinderleicht Spielton und Voicechat austarieren. Spielt ihr mit Freunden ein MMO und wollt den Spielton in der Cutscene hochdrehen? Kein Problem, einfach die Tonverteilung Richtung Spielton schieben. Selbiges gilt für die besonders spannenden Momente in eurem lieblings Battle Royale. Um eure Widersacher auch wirklich genauestens orten zu können, verspricht Razer auf Spiele optimierten Raumklang, den ihr über den Vorverstärker ein- und ausschalten könnt.

THX Spatial Audio

Der THX Audiocontroller erfüllt zwar seinen Zweck, ist aber deutlich minderwertiger gefertigt als der Kopfhörer. Einmalig könnt ihr das sonst sehr leichte Plastik auf einer beliebigen Oberfläche festkleben. Habt ihr Razer Synapse installiert, generiert euch das Helferlein auf Knopfdruck virtuellen Surround-Sound. Die softwareseitige Aufwertung des Klangerlebnisses ist gerade bei Gaming Headsets Gang und Gäbe, rechtfertigt aber weder Neukauf noch Aufpreis. Potentiell sorgt der zusätzliche Widerstand von 3,5mm Audio auf USB für Übersetzungsfehler und gerade die Verarbeitung des Verstärkers hätte deutlich runder ausfallen können. Insbesondere die Lautstärkewippen haben zu viel Spiel und sind unangenehm zu bedienen. Hier hätten wir uns einen vernünftig beschwertes Bedieninterface gewünscht, wie noch bei älteren Modellen der Reihe.

Tragekomfort

Trotz der Razer-typischen, beachtlichen Größe der Kopfhörer ist das Gerät relativ leicht und drückt, dank der komfortablen Polsterung auch nach mehreren Stunden Nutzung nicht. Nie hatten wir das Gefühl, der Bügel würde sich an unseren Schädel klammern oder unangenehm auf die Ohrmuschel drücken. Nach längerem Gebraucht werden die Ohren allerdings etwas warm. Die Overear Polsterung schirmt Außengeräusche optimal ab, ohne euch gleich das Gefühl zu vermitteln, einen Eimer auf dem Kopf zu haben. Der Bügel lässt sich in neun verschiedenen Stufen einrasten und ist aus stabilem, wenn auch flexiblem Aluminium gefertigt. Auch das Lautstärkerad am Kabel ist angenehm zurückhaltend und funktional designed. Leider konnte uns die Fertigung des Mikrofons nur bedingt überzeugen. Das Audioeingabegerät lässt sich flexibel verbiegen und auch problemlos wieder einfahren, falls ihr den Kopfhörer mal nur zum Musikhören nutzt oder transportieren wollt.

Klang

Razer verspricht das optimale Klangerlebnis für Spieler, das besonders durch den virtuellen Surround Sound euer Gaming-Erlebnis deutlich aufbessern soll. Eines ist jedenfalls sicher, die Klangwelt des Razer Kraken ist ganz eindeutig besser im Spielkontext. Musikgenuss sollte also definitiv eurer sekundäres Interesse sein. Die Bässe sind wuchtig bis hinzu dumpf und wesentlich kräftiger betont als die Höhen. Gerade in actionlastigen Spielen fällt aber deutlich auf, dass das Kraken die verschiedenen Soundkanäle nur simuliert. Oft klingt der Ton schwammig, klare Kontraste sind hier so gut wie nie zu hören. In ruhigeren Spielen mit klarer kartographierten Soundeffekten wie Overwatch oder League of Legends hingegen kommt das Headset besser zurecht. Klare und feine Höhen dürft ihr aber auch hier nicht erwarten.

Auch die THX Spatial Audio Erfahrung konnte uns nur begrenzt begeistern. Zwar wirkt die Surround Klangwelt deutlich subtiler als bei klassischer Simulationssoftware, wirkte im Spiel jedoch unnatürlich. Wir hatten sogar den Eindruck, die Schritte oder Schüsse anderer Spieler besser im Standardmodus des Kraken orten zu können. Letztlich macht das Kraken aber einen relativen runden Gesamteindruck. Beim Musikkonsum sind Vocals klar ausdefiniert und nehmt ihr etwas Bass raus, sind auch die melodischen Instrumente gut hörbar.

Eine nuancierte Klangwelt wie bei einem Studiokopfhörer dürft ihr allerdings nicht erwarten. Tiefenstaffelung ist ein absolutes Fremdwort für das Kraken Headset und besonders der Hoch- und Superhochtonbereich wirkt sehr geschlossen. Die allgemeine Klangweite reicht für Pop-Musik und Filmgenuss und natürlich auch für die meisten Spiele aus, nur die Feinheiten verschwimmen auf dem Schlachtfeld in Battlefield oder in knallig Inszenierten Sequenzen bei Shadow of the Tomb Raider. Das Headset klingt also Gaming typisch, etwas aufgeregt und wenig organisch. Gerade Fans von Loudness und Bassboost kommen aber auf ihre Kosten.

Mikrofon

Die Mikrofon Qualität überrascht leider wenig. Zwar reicht es alle mal zur klaren Kommunikation in Spielen, fällt aber deutlich hinter Konkurrenz wie dem HyperX Cloud II oder dem Logitech G433 zurück. Aufgezeichnete Stimmen klingen dünn und diffus und auch das Noise Cancelling stellt mehr Fragen als es beantwortet. So werden die Features "Ambient Noise Reduction" und "Vocal Clarity" der Software identisch beschreiben. Beide sollen unerwünschte Nebengeräusche herausfiltern, wobei die Unterscheide der Einstellungen nicht näher erklärt werden. Hinzu kommt die bereits angesprochene Verarbeitung, so ist das Mikrofon zwar sehr flexibel aber klapprig und billig in die Aufhängung gesetzt.

Mittelklasse nicht so klasse?

Die Razer Krake in der Turnierversion ist absolut kein perfektes Headset, allerdings ist das bei einem Preis von aktuell knapp Hundert Euro auch nicht zu erwarten. Wie viele andere Gaming Headsets leidet das Kraken darunter, zu viele Areale gleichzeitig bedienen zu wollen, wobei es keinem so richtig gerecht wird. In den allermeisten Fällen kommt ihr besser weg, wenn ihr euch einen Studiokopfhörer und Mikrofon separat kauft. Da aber nicht jeder Lust darauf hat, noch mehr Hardware rumliegen zu haben, bleibt also die Frage zu beantworten: Ist das Razer Kraken für den verhältnismäßig moderaten Preis ein gutes Headset? Wir finden: Wer Lust auf die extravagante Razer Optik hat und ein mittelklasse Headset zum Spielen sucht, könnt mit dem Kraken glücklich werden.

Pros

  • hoher Tragekomfort
  • optimale Klangisolation

Cons

  • dumpfer, schwammiger Klang
  • THX Spatial Audio keine nennenswerte Verbesserung
  • dünne Stimmenaufzeichnung
  • Bugs in der Razer Synapse Software

Fazit

Das Razer Kraken in der Tournament Edition macht zum Preis von circa 100 Euro einen runden Eindruck, krankt aber an den selben Symptomen wie viele andere Gaming-Headsets. In den meisten Spielen erzeugt das Kraken eine wuchtige und stimmige Klangwelt, die zwar nicht sonderlich organisch wirkt, aber das Erlebnis gut unterstreicht. Leider merkt man dem Produkt die Mittelklasse von der Fertigung bis zum Klangerlebnis an. Besonders mittelmäßig kommt dabei das Mikrofon weg, während der Kopfhörer gerade in groß angelegten Actionszenen den typisch-basslastigen Klangmatsch liefert, den wir von Gaming Headsets kennen. Gerade im Stereogebrauch machen die wuchtigen Geräuschkulissen in der Mischung mit klaren Stimmen aber schon Spaß. Die Grundidee des Vorverstärkers gefällt uns per se auch gut, nur hapert es hier an einer ausgeklügelten Umsetzung. Letztlich sind die 20 Euro Aufpreis gegenüber der Pro V2 Variante hier also nicht gerechtfertigt.

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