Lohnt sich Kino: Ant-Man and the Wasp (Filmkritik)

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Seitdem die Credits von Avengers: Infinity War über den Bildschirm gerattert sind und nichts als brutale Leere zurückgelassen haben, hallt das Action-Spektakel mit solcher Wucht in unseren Köpfen nach, dass wir dringend eine Pause zum Luftholen brauchen. Die Lust auf bodenständiges Superheldenkino war bei uns noch nie so groß wie in den letzten zwei Monaten. Auftritt Ant-Man and the Wasp. Paul Rudd schlüpft ein zweites Mal in den Anzug und will zeigen, dass auch die Kleinsten von uns zu großen Dingen fähig sind – ganz ohne zerstörte Welten. Ob die Fortsetzung zweiten Wind bringt oder am Ende doch verpufft, haben wir für euch gecheckt.

Rückkehr des ameising Ant-Man

Scott Lang (Paul Rudd) hat ein Problem. Nachdem er vor zwei Jahren gemeinsam mit Captain America und den Avengers auf dem Leipziger Flughafen für mächtig Chaos gesorgt hat, liegt Ant-Man in Ketten. Nunja, einer Kette – einer elektronischen Fußfessel um seinen Knöchel, die ihn daran hindert, das Haus zu verlassen. Er steht kurz vor dem Ende der Bewährung, verbringt viel Zeit mit seiner Tochter und lernt Stück für Stück, was es heißt, ein guter Vater zu sein. Wie im Ameisenhaufen lebt er unter den wachsamen Augen der Regierung und des pflichtbewussten Agenten Jimmy Woo (Randall Park). Zwei Tage vor Ende seiner Frist ereilt ihn jedoch ein verhängnisvoller Anruf und er muss erneut in den Anzug schlüpfen, um sich seiner Vergangenheit zu stellen.

Die Bitte um Hilfe kommt vom ehemaligen Mentor Hank Pym (Michael Douglas) und seiner Tochter Hope van Dyne (Evangeline Lilly), die nach den Eskapaden der letzten Mission ganz oben auf den Fahndungslisten der Behörden stehen. Der grantige Physiker hat eine Möglichkeit gefunden, seine lange verschollene Frau Janet (Michelle Pfeiffer) aus dem subatomaren Raum zu befreien. Gelingen kann das riskante Unterfangen allerdings nur milhilfe von Scotts Fähigkeiten und experimenteller Technik. Die Zeit drängt, denn auch der zwielichtige Sonny Burch (Walton Goggings) und die dubiose Ghost (Hannah John-Kamen) hegen brennendes Interesse an der Technologie. Kann die Rettungsaktion glattgehen und Ant-Man wieder zu Dad-Man werden?

Definity statt Infinity

Die Fußball-WM und der strahlende Sommer machen in diesem Jahr auch vor dem Kino nicht Halt. Nach etlichen Wochen der Flaute macht Ant-Man and the Wasp den Anfang und möchte dem Sommerloch ein für alle Mal ein Ende bereiten. Regisseur Peyton Reed setzt zu diesem Zweck auf lockeres Action-Kino, das eine filmische Verschnaufpause zu den bedeutungsschwangeren Blockbuster-Epen aus dem MCU darstellt. Schließlich kann nicht jeder Streifen ein Kaliber à la Infinity War sein, den die Fortsetzung übrigens konsequent ausblendet.

Stattdessen erwartet euch eine grundsympathische Geschichte, in der es nicht darum geht, die Welt zu retten, sondern für Familie, Freunde und mit etwas Glück sogar alte Feinde einzustehen. Dieser Minimalismus mag nach Thanos' Kahlschlag bei einigen für Ernüchterung sorgen, als Fan von Marvels „kleineren“ Produktionen hat mich der Trip in die subatomaren Gefilde aber von Anfang bis Ende gut unterhalten.

Gegenspieler gesucht

Nicht zuletzt ist dieser Eindruck dem Tempo geschuldet, welches Ant-Man and the Wasp an den Tag legt. Abgesehen von der lächerlich kurzen Exposition, in der binnen Sekunden das Schicksal der verschollenen Janet abgefrühstückt wird, treibt Reed die Handlung schnell, stringent und spannend voran. Das ist auch bitter notwendig, denn auf euch prasselt ein wahres Feuerwerk altbekannter Persönlichkeiten ein, die alle ihren Teil zur Geschichte beitragen wollen.

Natürlich darf der gepflegte Tech-Talk zwischen Michael Douglas und seinem Rivalen Laurence Fishburne nicht fehlen, der erklärt wie genau Ant-Man die Frau des Physikers denn nun retten kann. Aber auch Walton Goggings und seine blassdunstigen Schergen verlangen ihre Screentime, obwohl sie nicht mehr sind als profitgierige Diebe, die so gar nicht in das große Ganze passen wollen. Und damit nicht genug. Auch der im Vorfeld wohl mysteriöseste Charakter Ghost braucht eine tiefgründige Hintergrundgeschichte, die erzählt werden will. Die Figuren erscheinen im ersten Moment allesamt vielschichtig, blickt man jedoch hinter die Fassade, bleibt keine klare Vorstellung eines Gegenspielers übrig. Zu viele ANTagonisten – zu wenig Zeit.

Wo ist Edgar Wright?

Das Ergebnis sind fragmentarische Szenen, die schnell vorbeiziehen und durchaus zum Schmunzeln und Mitfiebern anregen, aus Ant-Man and the Wasp aber keinen Film machen, der zu 100% rund ist. Dafür hat man scheinbar die titelgebende Wasp vergessen, denn der Charakter von Evangeline Lilly wird nicht nur nicht eingeführt, sondern in 118 Minuten Laufzeit nicht einmal bei ihrem schicken Spitznamen genannt. Schnell wird klar: Die Probleme des Sommer-Blockbusters liegen vor allem im durchwachsenen Drehbuch. Edgar Wright, Autor des ersten Teils, fehlt an allen Ecken und Enden.

In vielen Szenen lässt sich dem hochkarätigen Cast schlichte Unterforderung attestieren. Besonders Michael Douglas als verschrobener Physiker hat sichtlich Spaß bei der Arbeit, scheitert allerdings an den Möglichkeiten seiner Figur. Michelle Pfeiffer bekommt leider zu wenig Zeit vor der Kamera und dem ansonsten charismatischen Walton Goggins wird nach dem Totalausfall als Superschurke in Tomb Raider erneut eine Rolle aufgedrückt, die weniger Tiefgang hat als ein Plastikpool. Schade, denn die Stärken des Vorgängers sind ansonsten ungebrochen.

Kleine Geschichte - große Lacher

Zum Schießen komisch sind nämlich ein weiteres Mal Hank Pyms Alibi-Ameisen, die immer wieder durchs Bild wuseln und alltägliche Situationen zu Comedy-Gold machen. Aber auch die legendäre Heist-Crew aus dem Vorgänger ist mit von der Partie. Angeführt vom grandios aufspielenden Luis (Michael Peña) sorgt die planlose Truppe von ANTihelden für einen Lacher nach dem nächsten. Dabei ist der Humor deutlich weniger selbstreferenziell und vorhersehbar als von Marvel gewohnt und stattdessen auf eloquente und situationskomische Dialoge gepolt.

Ganz ähnlich verhält es sich auch mit der Action. Vor dem Film machte sich bei mir die Befürchtung breit, dass das Spiel mit den Größenverhältnissen – im Vorgänger unglaublich kreativ und erfrischend – sich etwas abnutzen würde. Wie falsch ich doch lag! Peyton Reed schafft es ein weiteres Mal, den „fliegenden“ Wechsel zwischen dem monströsen und winzig kleinen Ant-Man so fesselnd zu inszenieren, dass ich aus dem Staunen gar nicht mehr herauskomme. Welcher Film kann schon von sich behaupten, je einen Bösewicht mit einem überdimensionalen PEZ-Spender zerquetscht zu haben?

Tag-Team der Insekten

Wie wir es von Marvel mittlerweile kennen, gehen auch bei Ant-Man and the Wasp Action und Kameraführung Hand in Hand. Wieder spielt der Streifen mit dem Gegensatz groß und klein. Was als riesige Nahaufnahme einer Kampfsequenz beginnt, entpuppt sich in der nächsten Einstellung als Duell auf Fußnagelhöhe. Auch die flinke Wespe als Ergänzung zu Paul Rudds leicht überfordertem Ant-Man stellt sich in den Actionszenen als echte Bereicherung heraus.

Während der Ameisenmann spontan das Beste aus seiner Umgebung macht, geht Evangeline Lilly im Anzug deutlich geordneter, aber nicht weniger effektiv vor. Gemeinsam bilden sie den Kern der Action und sorgen für mächtig gute Laune im Kinosessel. Zumindest bis es zu einer der krassesten Post-Credits-Scenes der Marvel-Geschichte kommt. Also unbedingt sitzen bleiben, es lohnt sich!

Fazit

Ant-Man and The Wasp ist das Luftholen nach dem Auftauchen. Mit Infinity War sind wir in die Untiefen des MCU vorgedrungen und brauchen dringend eine Verschnaufpause. Genau das liefert Peyton Reed mit einer bodenständigen, lockeren Geschichte, in der es ausnahmsweise einmal nicht darum geht, die Welt zu retten. Euch erwartet unbeschwertes Sommerkino mit Schwächen im Drehbuch, aber allem an Bord, was schon den Vorgänger zu einem erfrischenden Streifen gemacht hat. Humor: Top, Action: Top, Geschichte: Ausbaufähig! PS: Nehmt euch in Acht vor PEZ-Spendern!

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