Lohnt sich Kino: Der goldene Handschuh (Filmkritik)

  • schließen

Gestatten, Honka. Für die Jungs im Handschuh nur „Fiete“ genannt, aber eigentlich ein Fritz. Geschwister, einige, aber eigentlich keine Ahnung wer die sind. Vorlieben sind rührende Schlager Schmonzetten, ein gutes Glas Oldesloher und Frauen. Da gibt es nur das Problem sie loszuwerden, nachdem sie gestorben sind. Der abgeklebte Wandschrank hat sich als nützlicher Stauraum für die zerstückelten Körperreste erwiesen. Stinkt nur etwas. Wenn Damenbesuch im Haus ist, stört sie der Geruch.

Jonas Dassler = Fritz Honka

Es ist fast gruselig wie der Stoff rund um den Hamburger Serienmörder Fritz Honka handgeschmiedet für Fatih Akin scheint. Honka ist ein absoluter Verlierer in allen Belangen, für die Akin ja schon immer ein Herz in seinen Filmen hat. Ein Hamburger Mythos aus einer fast vergessenen Zeit, ein Schreckgespenst in Kinderköpfen. Es schien nur logisch, dass Akin die Rechte an Heinz Strunks Bestseller „Der Goldene Handschuh“ erwarb. Vorfreude und Furcht gingen dabei allerdings Hand in Hand. Dass Akin, der sich mit Filmen wie „Gegen die Wand“ oder „Soul Kitchen“ einen Namen als Hamburger Heimatfilmer gemacht hatte, der perfekte Mann ist, um in das Kiezmilieu der 70er einzutauchen, stand außer Frage.

Sorge machte da schon eher die Besetzung Honkas. Dieser, während des Herzstück des Filmes in seinen frühen Vierzigern, sollte vom erst 23 Jahre alten Jonas Dassler verkörpert werden. Ein Wagnis, das sich ausgezahlt hat. Dassler ist für die Zeit des Films Honka - Punkt. Stunden um Stunden in der Maske sei Dank, liefert der junge Schauspieler eine Performance ab, die immer kurz vor, aber nie ins Lächerliche abdriftet und die Absurdität der Geschehnisse perfekt einfängt.

Von Korn und Torture Porn

Generell ist Der Goldene Handschuh ein handwerklich astreiner Film. Sets sind detailgetreu den Originalschauplätzen nachempfunden und auch wenn diese nahezu auf Honkas Wohnung und den Handschuh begrenzt sind, bekommt man das Gefühl, in eine vollkommen andere Zeit einzutauchen. Atmosphärisch hat Akin wirklich Berge versetzt, die sein Gruselmärchen fast schon leichtfüßig einrahmen. Der Handschuh fungiert dabei als Vorhof zur Hölle, in der Honkas Opfer zwischen Schnaps und Schlager auf ihren Sensenmann warten. Wer hier am Tresen sitzt ist eigentlich schon tot, hat es dabei nur nicht geschafft, zu sterben.

Honka pflückt seine Opfer wie überreife Früchte vom Baum und leitet sie mit dem Versprechen auf seine gut bestückte Hausbar in seine verranzte Dachgeschosswohnung, die irgendwo zwischen Pornokeller und Omas guter Stube zu verorten ist. Was den Frauen dann blüht ist reiner Wahnsinn, Versklavung, Vergewaltigung und auf jeden Fall der Tod. Die saftigen Details spart Akin in den meisten Fällen aus, schön ist das aber trotzdem nicht. Der Magen wird einem allerdings auch nicht umgedreht.

Zum Lachen ins Dachgeschoss

Wer hier den obligatorischen Schlag in die Magengrube erwartet, muss verdutzt feststellten, dass er fehlt. Akin scheint fieberhaft mit seinen Armen zu rudern und auszuholen, aber nie zum eigentlichen Schlag zu kommen. Der Film ist trotz seiner Aburdität (und den Litern an Korn) absolut nüchtern und scheint rein deskriptiv die Morde Honkas abzuarbeiten. Keine aufgedrückte Psychologisierung, weder des Täters noch der Opfer. Im Grunde erfährt man nicht viel. Die Banalität des Bösens bringt einem vielmehr zum Lachen, weil einem auch einfach nichts besseres mehr einfallen mag.

Und während des Films wurde viel gelacht, das Berlinale Publikum im Haus der Berliner Festspiele verließ entweder angeekelt den Saal oder kam aus dem erst ein wenig schamvollen Schmunzeln und später lauten Lachen nicht mehr heraus. Man mag sich einfach nicht vorstellen, dass sich solche Dinge wirklich zugetragen haben sollen. Alles wirkt so weltfremd, dass mehr als Lachen kaum möglich ist. So ist auf den ersten Blick vielleicht verwunderlich, aber auf dem zweiten logisch, dass Der Goldene Handschuh wunderbar als tiefschwarze Komödie funktioniert.

Was Akin aber leider verpasst ist seinem Film Tiefe zu geben. Die konterkarierenden Handlungsstränge, die in Strunks Buch Honka in ein anderes Licht setzen, wurden nahezu komplett gestrichen. Hier wird nur noch nacherzählt, eine Jahrmarktsattraktion geschaffen, die man sich für den Preis eines Kinotickets beschauen kann, während man sein Popcorn mampft. Vielleicht schmeckt das Bier kurzzeitig mal nicht so gut, mehr mag der Film aber nicht in seinen Zuschauer zu bewegen.

Fazit

Hat man die knapp zwei Stunden dann durchstanden, kann man sagen, dass man die zwei Stunden durchstanden hat, das war es dann aber schon. Wirklich viel zu sagen hat Akin nicht. Als absolut kurzweilige und auf eine sehr spezielle Art und Weise funktionierende Komödie, ist der Film ein echter Sehbefehl, mehr als eine ausgedehnte Geisterbahnfahrt durch ein Hamburg der 70er mit einem wirklich eindrucksvollem Monster ist Der Goldene Handschuh aber traurigerweise nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Teamfight Tactics: Alle Champions, Klassen und Origins in der Übersicht

Teamfight Tactics: Alle Champions, Klassen und Origins in der Übersicht

GTA 5 Online: Alles zum neuen Update - Wann öffnet das Casino?

GTA 5 Online: Alles zum neuen Update - Wann öffnet das Casino?

Teamfight Tactics (TFT): Item Tier List - Wem gebe ich was?

Teamfight Tactics (TFT): Item Tier List - Wem gebe ich was?

Gamescom 2019: Die Gaming-Messe ist eröffnet. Hier alle Infos die Du brauchst

Gamescom 2019: Die Gaming-Messe ist eröffnet. Hier alle Infos die Du brauchst

Kommentare