Lohnt sich Kino: Jigsaw

  • Christian Böttcher
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Sieben Jahre nach John Kramers vermeintlich letztem Spiel auf Leben und Tod, kehrt die schockierende, das Horror-Genre prägende Reihe rund um den Jigsaw-Killer zurück auf die Kinoleinwand. Eine Art Neuanfang soll her, der sowohl typisch psychologische Folterspielchen als auch eingefleischten Popcorn-Gore abliefern will. Wir haben für euch herausgefunden, ob Saw VIII: Jigsaw erfolgreich die blutigen Wurzeln der Reihe ausgräbt oder im stillen Schatten der Fortsetzungen hingerichtet wird.

Das Spiel beginnt erneut

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John Kramer, das kriminelle Genie hinter etlichen Gewaltorgien mit Rätselcharakter, ist seit rund 10 Jahren tot. Dennoch kommt es im inzwischen achten Teil der Serie immer wieder zu neuen Leichen in der Stadt. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Für dem kompromisslosen Detective Halloran (Callum Keith Rennie) stellt sich jedoch nur die Frage, ob für die Morde ein blutrünstiger Bewunderer des alten Jigsaw-Killers oder doch der Altmeister selbst verantwortlich ist. Zusammen mit den forensischen Tausendsassas Logan Nelson (Matt Passmore) und Eleanor Bonneville (Hannah Emily Anderson) begiebt er sich auf die Suche nach dem Ort, wo das sadistische Spiel ein weiteres Mal begonnen hat und macht eine schreckliche Entdeckung.

Inzwischen erwachen fünf Menschen angekettet in einem dunklen Raum. Erst als ein fader Lichtschein auf ihre Umgebung fällt und die markante Stimme ertönt, welche seit Jahren schweigen sollte, wird ihnen bewusst, dass sie die nächsten Teilnehmer in einem blutigen Spiel sind. Anna (Laura Vandervoort), Ryan (Paul Braunstein), Mitch (Mandela Van Peebles) und Carly (Brittany Allen) werden mit den Sünden ihrer Vergangenheit konfrontiert und müssen mitspielen, auch wenn es keine Gewinner gibt.

Schneller Schnitt trotz langer Folter

Saw gehört zu den Horror-Klassikern, die aufgrund ihrer schieren Härte und perfider Ideen eine ganze Generation von Gewaltporno-Filmen prägten. James Wans Debüt und die ersten beiden Fortsetzungen von Darren Lynn Bousman konnten dabei auf beeindruckende Art und Weise die Balance zwischen psychologischen Spielchen und explizitem Splatter halten. Nachdem die nachfolgenden Iterationen ihren Fokus klar auf ausgetüftelte Fallen und möglichst brutale Hinrichtungen legten, kehrt Jigsaw zurück zum verspielten Horror, der die Reihe so erfolgreich gemacht hat.

Der Film ist nicht ansatzweise so brutal und eindeutig in seinen Gewaltdarstellungen wie noch vor 13 Jahren, eröffnet damit allerdings auch all jenen die Tür zum Kinosaal, die mit Kaskaden von Blut und zerfetzten Gliedmaßen nichts anfangen können. Stattdessen funktioniert Jigsaw über die Laufzeit von 92 Minuten vielmehr als Thriller denn als amtlicher Horror-Streifen. In schneller Folge wird deshalb zwischen den eingepferchten Opfern und ermittelnden Polizisten hin- und hergeschnitten, um den Zeitdruck auf gelungene Art und Weise zu illustrieren. Das Gefühl der Machtlosigkeit und Unabwendbarkeit der Ereignisse vermitteln die Brüder Peter und Michael Spierig, deren Regiearbeit schon Daybreakers und Predestination zu Gute kam, mit richtig gutem Pacing.

Neuer Look nach alter Formel

Auch die Bilder und Einstellungen, mit denen Jigsaw arbeitet, funktionieren im Rahmen des Thrillers hervorragend. Besonders, wenn man die Motive Schmutz und Chaos, sowie Sterilität und Ordnung in Beziehung setzt, überzeugt der Film mit einigen Innovationen. Vor allem in Saw IV-VI verkörperte der Ort des Spiels immer eine gewisse Ordnung. Die Räume, in denen die Opfer etliche Rätsel des Serienmörders knacken mussten, waren meist gekachelt und hatten immer einen etwas unpersönlichen, fast klinischen Charakter.

Im Kontrast dazu kam die Außenwelt, das Revier der Ermittler, häufig dreckig, chaotisch und verdorben rüber. Jigsaw dreht dieses Konzept kurzerhand um und verfrachtet den Ort der Folter auf eine verlassene Schweinefarm. Währenddessen sieht man Detective Halloran und seine Crew in klinischen Umgebungen nach Spuren suchen. Das Ergebnis dieser Umkehr: Die Folter-Szenen wirken deutlich hektischer und machen nicht nur den Charakteren die Hölle heiß, sondern sorgen auch beim Zuschauer für aufgestellte Nackenhaare.

Doch nicht nur Optisch kann das perfide Spiel um Leben und Tod überzeugen. Auch wenn auf das ikonische Saw-Thema  gänzlich verzichtet wurde, hat Charlie Clouser einen packenden Suspense-Soundtrack abgeliefert, der ausnehmend gut zur Thriller-Aufmachung vom achten Teil passt. Die Verbindung aus Torture Porn und gut aufgelegten Swing-Melodien ist keine überraschende Neuigkeit, funktioniert aber schon seit Reservoir Dogs hervorragend.

Kurzweilig erzählt und trotzdem packend

Schade dabei ist lediglich, dass die Figuren in Jigsaw nicht mehr sind als bloßes Kanonen- bzw. Fallenfutter. Genre-typische Rollen (Die Kluge, der Egoist, die Freizügige) werden nach Schema F verheizt und schnell wird klar, dass man sich besser die Mühe spart, sich ihre flachen Hintergrundgeschichten zu merken. Viele Möglichkeiten, mit gutem Schauspiel hervorzustechen, liefert der Film nicht. Vorwerfen kann man das dem Streifen allerdings auch kaum, denn Saw stand noch nie für ein tiefgehendes Rollendesign. Stattdessen haben die Macher im achten Teil voll und ganz auf das Drehbuch von Josh Stolberg und Pete Goldfinger gesetzt und damit voll ins Schwarze getroffen.

Jigsaw erzählt nämlich eine Geschichte, die erfrischend flott und kurzweilig daherkommt. Dabei schenkt der Film gerade den Ermittlern deutlich mehr Zeit als es noch die Vorgänger getan haben. In guter alter Thriller-Manier hat man über zwei Drittel des Films wirklich das Gefühl, die Geschehnisse könnten sich noch zum Guten wenden, obwohl das Spiel – Saw lässt grüßen – natürlich keine Gewinner zulässt. Auch wenn die Handlung über den Großteil der Laufzeit ziemlich linear erzählt wird, kann die Auflösung wirklich überraschen. Soviel können wir verraten: Es wird verquer und twisted. Gerade die letzten Minuten heben die Geschichte auf ein ganz neues Level und machen Saw VIII sehenswert. Daran können auch grenzdebil dämliche Dialoge nichts ändern.

Fazit

Saw VIII: Jigsaw ist nicht mehr das Splatter-Fest, was es einmal war. Stattdessen haben sich die Regisseure sichtlich bemüht, zu den psychologischen Wurzeln der Reihe zurückzukehren. Das funktioniert als Thriller erstaunlich gut, wird Horror-Fans allerdings nicht vollends befriedigen. Optisch ist der Film eine absolute Wucht und unterstützt in Zusammenarbeit mit bitterbösen Klängen die solide Geschichte – Twist inklusive. Wer wie ich ein Herz für die Reihe hat, wird auch vom achten Teil nicht enttäuscht werden. Jigsaw gehört ohne Zweifel in die Top 3 der bisherigen Saw-Filme.

Jigsaw läuft seit dem 26. Oktober in den deutschen Kinos

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