Lohnt sich Kino: Solo: A Star Wars Story (Filmkritik)

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Nach dem großen Erfolg von Rogue One, dem ersten Spin-Off im Star Wars-Universum, bekommt nun eine der beliebtesten Figuren aus der Saga ihre blühende Hintergrundgeschichte spendiert. Die Rede ist natürlich vom verschmitzten Han Solo. Sofort kommen einige Fragen auf: Kann Alden Ehrenreich in die riesigen Fußstapfen von Harrison Ford schlüpfen, um den jungen Piloten so charmant zu verkörpern wie wir ihn in Erinnerung haben? Leidet der Film unter der Last-Minute-Besetzung von Ron Howard als Regisseur? Kurz: Lohnt sich der Gang ins Kino für Solo: A Star Wars Story?

Vom Draufgänger zum Piloten

*An dieser Stelle folgt wie immer eine Spoiler-Warnung. Wer den Film unvoreingenommen schauen möchte, sollte am besten zur Wertung scrollen*

In der Galaxie herrschen dunkle Zeiten. Das Imperium regiert mit eiserner Hand und arbeitet mit Verbrechersyndikaten zusammen, um ein System nach dem nächsten zu versklaven. Dazu gehört auch der Wüstenplanet Corellia, von dem nicht nur die schnellsten Schiff der Galaxie stammen, sondern auch der extrem seltene Treibstoff Coaxium.

Der junge Han (Alden Ehrenreich), schon in seiner Jugend ein Draufgänger, schmiedet den Plan, eine Phiole des wertvollen Materials zu stehlen, um gemeinsam mit seiner Freundin Qi'Ra (Emilia Clarke) von Corellia zu verschwinden und das zu werden, was er schon immer sein wollte: Ein Pilot mit eigenem Schiff. Auf der Flucht läuft jedoch einiges schief und so muss er seine Angebetete allein zurücklassen. Er schwört, zurückzukehren, um Qi'Ra zu retten.

Einige Jahre später findet er sich jedoch nicht auf Corellia, sondern inmitten des galaktischen Krieges wieder – auf Seiten des Imperiums. Nachdem die Pilotenakademie ihn unehrenhaft entlassen hat, muss er sich nun als gewöhnlicher Fußsoldat verdingen. Während einer Schlacht stößt er auf das Ganovenduo Beckett (Woody Harrelson) und Val (Thandie Newton), heuert kurzerhand bei ihnen als Aushilfsschurke an und wird zum verschmitzten Schmuggler, den wir alle lieben.

Nicht jedoch, ohne zuvor seinen schlammigen, aber liebenswerten Weggefährten Chewbacca kennenzulernen. Als die skurrile Crew ihren ersten großen Raub allerdings gründlich vergeigt, schwindet bei Han auch die letzte Hoffnung, seine geliebte Qi'Ra jemals wiederzusehen. Doch wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.

Ungestellte Fragen - ungewollte Antworten

Während sich Rogue One Ende 2016 vor allem mit unbekannten Charakteren beschäftigte, die indirekten Einfluss auf die Skywalker-Saga genommen haben, rückt Solo – A Star Wars Story das Schicksal der Heldenfigur wider Willen in den Vordergrund. Han ist seit Beginn der Ur-Trilogie einer der Charaktere mit den meisten offenen Fragen in Bezug auf seine geheimnisvolle Vergangenheit.

Ron Howard bemüht sich, sein Spin-Off so zu gestalten, dass am Ende von 135 Minuten Laufzeit sämtliche der alten Fragen eine Antwort finden und spinnt gleichzeitig eine ganze Reihe loser Fäden, die in den kommenden Fortsetzungen aufgegriffen werden sollen. Ehrenreich hat schließlich bereits für drei weitere Ableger unterschrieben.

Wir erfahren also, woher Han seinen berühmten Blaster bekommt, was es mit dem Kessel-Run auf sich hat, wie er seinen Erzfeind Lando Calrissian (Donald Glover) kennenlernt und nicht zuletzt, woher sein ikonischer Nachname stammt. Leider schafft es der Film nicht wirklich, diesen Momenten die nötige Wucht zu verleihen und so wirkt es, als würde der Regisseur nach Strichliste vorgehen und ein Han Solo-Meme nach dem nächsten abarbeiten – Zweifelsohne unterhaltsam, aber ohne Konsequenz für den Film.

Eine Welt voller Verbrecher

Deutlich mehr Wirkung zeigt da schon die Welt, in der sich Solo und seine Crew bewegen. Howard zeichnet eine düsteres Bild voller Schmuggler, Verbrecher und Typen, die nur auf den eigenen Vorteil aus sind. Als bodenständige Heist-Geschichte funktioniert Solo – A Star Wars Story zwischenzeitlich phänomenal und zeigt, wie viel Potenzial in den Figuren steckt.

Als die Truppe unter größter Mühe einen fahrenden Zug ausraubt und plötzlich verfeindete Banditen auf den Plan treten, krallten wir unsere Nägel vor Spannung in den Kinosessel und konnten kaum erwarten, was als nächstes passiert. Diese dreckigen, bodenständigen, wenn auch spärlichen Momente, so gar nicht typisch für das Universum, sorgen für Abwechslung und machen aus dem Spin-Off mehr als nur eine schnöde Origin-Story.

Wie wir es von Star Wars gewohnt sind, spielen die Sets und Actionsequenzen wieder auf allerhöchstem Niveau. Der Streifen zeigt uns ein ganzes Arsenal liebevoll gestalteter Welten, die allesamt mit ihrem ganz eigenen Charme, tollen Alien-Bewohnern und Schauplätzen glänzen. Ganz im Sinne der Geschichte wagt Howard gelegentlich sogar den Schritt zu richtig düsteren, fast postapokalyptischen Szenerien – gern mehr davon!

Die Kämpfe sind wie üblich durchdacht und toll choreographiert, auch wenn der enorm schnell geschnittene Action-Bombast auch etwas weniger Epochalität hätte vertragen können. Wir hätten uns etwas mehr clevere Schachzüge des Piloten gewünscht, um gerade diesen Kämpfen aus dem Weg zu gehen. Dieses Mal dreht sich schließlich nicht alles um die Rettung der Galaxis, sondern schlicht um Gier, Machthunger und Misstrauen.

Lando stiehlt die Show

Gerade letzteres bringen die größtenteils soliden Schauspieler mit Bravour auf die Leinwand. Nur einer kann Woody Harrelsen als verschlagenem Söldner den Platz an der Verbrecher-Sonne stehlen und zwar der gute alte Donald Glover, der Lando Calrissian mit einer Eloquenz und Cleverness spielt, die perfekt zum Charakter passt und bei der es richtig Laune macht zuzusehen und zu hören. Beide sind wie gemacht für den Streifen und reißen den Karren aus dem Dreck.

Als absolute Fehlbesetzung stellt sich im Verlauf des Films allerdings die sonst so wandelbare Emilia Clarke heraus. Ob das am schwächelnden Drehbuch liegt oder schlicht daran, dass sie so gar nicht in die Geschichte, das Genre und das Universum passen will, können wir nicht genau sagen. Sie wirkt einfach deplatziert, was nicht zuletzt an der fragwürdigen Rolle liegt, mit der sie betraut wurde. Ihr Charakter muss als Erklärung für alles herhalten und auf Krampf sämtliche Handlungsstränge zusammenraffen.

Alle Möglichkeiten, zu glänzen, bekommt auch der junge Han Solo in Form von Alden Ehrenreich. Unserer Meinung nach macht der aufstrebende Schauspiel einen guten Job, wenn es darum geht, die unbeschwerte Art des Piloten zu verkörpern - verschmitztes Grinsen inklusive. Trotzdem hätten wir uns statt dem lächelnden Saubermann einen etwas dreckigeren Han gewünscht, der mehr aneckt und polarisiert. Möglicherweise erleben wir in den kommenden Teilen eine Entwicklung von Ehrenreich zu genau diesem Han Solo.

Die Brücke schlagen

Grundsätzlich funktioniert Solo – A Star Wars Story als neue Perspektive auf einen alten Alten Helden tadellos. Problematisch wird es allerdings, wenn sich die Handlung beugen muss, um in das große Ganze rund um Skywalkers Vermächtnis hineingequetscht zu werden. Anders als Gareth Edwards mit Rogue One beweist Ron Howard hier leider nicht den Hauch von Fingerspitzengefühl.

Rogue One hat sich das vorhandene Universum kurzerhand geschnappt und eine Geschichte erzählt, die Kernmomente wie den Bau des Todessterns und dessen Konsequenzen als selbstverständlich annimmt. Das gab der Story Freiraum für eigene Ideen und einen persönlichen Stil. Solo hingegen versucht krampfhaft, das vielfältige Universum abzufeiern und sich selbst darin einzuordnen – Stichwort: Fanservice. Grundsätzlich kein schlechter Gedanke, aber leider schafft der Film den Absprung nicht und reißt Fans wie Neulinge somit immer wieder aus der Narrative, wenn er sich selbst zum zehnten Mal zitiert.

Ähnliches gilt auch für die Verbindung zur Ur-Trilogie und ihren Fortsetzungen. Hätte man die letzten 30 Minuten des Films die Klippe heruntergestoßen, bliebe ein gelungener Heist-Streifen mit einem nachvollziehbaren Ende, das Fans ohne Zweifel zufrieden gestellt hätte. Im besagten Finale hingegen synthetisiert Solo etliche Handlungsstränge, die im Kontext der Trilogie nicht nur keinen Sinn ergeben, sondern auch noch plump inszeniert werden. Die Auflösung bleibt viel zu erzwungen, weil Howard um jeden Preis die Brücke zum Universum schlagen muss - Integration fehlgeschlagen.

Fazit

Ron Howard hat mit Solo: A Star Wars Story ein Action-Feuerwerk mit endlosem Fanservice geschaffen - Nicht mehr und nicht weniger. Wir erfahren, woher einer größten Helden der Galaxis stammt und wie er zu dem wurde, was er heute ist: Solo. Als Verpackung dient dabei eine spaßige Heist-Geschichte, in der Woody Harrelson und Donald Glover ihr ganzes Potenzial entfalten können. Alden Ehrenreich hat noch einen langen Weg vor sich, um in die Fußstapfen von Harrison Ford zu treten und Emilia Clarke präsentiert sich genau so blass wie die letzten 30 Minuten des Films, in denen plumpe Handlungsstränge eröffnet werden, um genügend lose Fäden für drei Fortsetzungen zu schaffen - Deutlich schlechter als Rogue One, aber für Solo-Fans akzeptabel.

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