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Lohnt sich Kino: Suicide Squad

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Oliver Koch

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Wenn man von einer kunterbunten Rasselbande spricht, denkt man am wenigsten an eine Gruppierung von kaltblütigen Wahnsinnigen. Dürfen wir vorstellen: Suicide Squad. Nach dem großen Kampf zwischen den beiden populärsten Helden des DC Universums wird nun die Seite gewechselt und eine Art Justice League des Bösen geschaffen. Wir waren vorab im Kino und verraten euch nun, ob uns der chaotische Trip mitreißen konnte.

Das Böse für das Gute

Um einer exorbitant großen und mit menschlichen Kräften nicht zu besiegenden Bedrohung entgegenzuwirken, beschließt eine Abteilung der US-Regierung Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Im Klartext: Warum das Leben unzähliger Soldaten aufs Spiel setzen, wenn man auch eine Gruppe von Superschurken in die Schlacht schicken kann, die sowieso nichts mehr zu verlieren haben?

Unter diesem Vorwand treffen die irrsinnigsten Mentalitäten aufeinander, die zuvor einen Großteil ihres Lebens hinter schwedischen Gardinen verbringen durften. Zu den Beteiligten zählen unter anderem Gestalten wie die exzentrische Ex-Psychiaterin Harley Quinn (Margot Robbie), der eiskalte Auftragskiller Deadshot (Will Smith), der selbstironische Captain Boomerang (Jai Courtney) und die unkontrollierbare Enchantress (Cara Delevingne).

Mit der kontrollierenden Hand des Soldaten Rick Flagg (Joel Kinnaman), der die Verantwortung für den zügellosen Haufen übernommen hat, stürzen sich die Verrückten in die dem Untergang geweihte Stadt und müssen ihre teuflischen Fähigkeiten erstmals für das Gute einsetzten. Doch werden sie sich auch noch benehmen, wenn sie erfahren, dass sie nur als Sündenbock losgeschickt wurden?

Zu viel des Guten

Für solch einen „bösartigen“ Film ist Suicide Squad ziemlich bunt geworden. Was sich in dem Trailer schon ein wenig anmuten ließ, hat sich auf der großen Leinwand bestätigt. Mit einem knallbunten Stil und einer nicht ganz so finsteren Ernsthaftigkeit, wie wir sie uns für so einen Film gewünscht hätten, entschieden sich die Verantwortlichen hinter dem Streifen dafür, die lässige Schiene zu fahren.

Musikalisch wurden die Szenen mit popkulturellen Songs der Rolling Stones, Queen oder auch Creedence Clearwater Revival untermalt, was uns ganz gut gefallen hätte, sofern man den Einsatz der Musik etwas besser geregelt hätte. Gefühlt wird leider jeder Song vom nächsten abgelöst, sodass hier zu viel des Guten eingesetzt wurde.

Visuell wirkt das Ganze von vorne bis hinten sowas von gekünstelt und ohne Seele, dass wir uns extrem schwer getan haben, uns damit anfreunden zu können. So werden beispielsweise in den ersten Minuten die Protagonisten vorgestellt: Einer nach dem anderen wird in einer verdammt kurzen und recht sinnlosen Sequenz erwähnt, während seine besonderen Charaktereigenschaften in kunterbunten Neonfarben aufpoppen. Nicht zu vergessen, dass einer von den Protagonisten außen vor gelassen wurde und man sich im weiteren Verlauf des Film fragte, wer denn dieser Typ im Hintergrund ist.

Zu wenig des Bösen

Für die meisten Kinogänger dürften die Protagonisten zudem ein großes Fragezeichen aufwerfen. Wer ist denn diese Enchantress und was kann die? Auf Fragen wie diese dürften nur wahre Comic-Kenner die Antworten schon vorab gekannt haben. Aber nun, nachdem wir den Streifen gesehen haben und uns einen Eindruck von den Fähigkeiten verschaffen konnten, blieb die Frage bestehen: Inwiefern sollen diese skurrilen Gestalten mehr ausrichten können als das Militär? Schließlich ballern und prügeln sie sich größtenteils durch die Gegnerhorden, was ein normaler Soldat ebenso tun könnte.

Zu Beginn wird von der leitenden US-Agentin die Frage aufgeworfen: „Was sollen wir tun, wenn ein böser Superman auf die Erde kommt?“ Und die Antwort darauf soll der Suicide Squad sein. Natürlich, denn was soll ein bösartiger Superman schon ausrichten, wenn Harley Quinn mit ihrem stinknormalen Baseballschläger angetanzt kommt?

Achja und dann wäre da noch der Joker (Jared Leto), der jeden Trailer und jedes Poster im Vorfeld dominiert hatte. Für einige sicherlich der Hauptgrund in diesen Film zu gehen. Was waren wir doch gespannt auf seinen Auftritt und als wir ihn das erste Mal zu Gesicht bekamen, da war er nach wenigen Sekunden auch schon wieder verschwunden. Beim zweiten und dritten Mal genau das gleiche Prozedere. Am Ende war er nicht mehr als drei oder vier Minuten  zu sehen und hat so gut wie gar nichts zum Film beigetragen. Hier sind wir vermutlich nicht die einzigen, die sich auf einen größeren Auftritt gefreut hätten.

https://www.youtube.com/watch?v=kV4rLgNlUIQ

Suicide Act

Schauspielerisch ist Suicide Squad zwar kein absolutes Fiasko, doch spielen die Hollywood-Größen Will Smith, Margot Robbie, Jared Leto oder auch Joel Kinnaman, der zuletzt in der vierten Staffel House of Cards eine absolut grandiose Performance an den Tag gelegt hatte, hier weit unter ihrem sonstigen Niveau. Dabei ist das größte Problem auch, dass sich in den 120 Minuten Laufzeit viel zu viele Protagonisten tummeln. Eine gerechte Screentime für jeden inklusive Beleuchtung der Persönlichkeiten und der Motivationen ist hier schlichtweg nicht möglich. So viel Potential und dann so ein wirres Resultat. Dabei ist die Schuld hier keineswegs dem Regisseur zuzutragen. Vielmehr sieht man erneut, was aus einem interessanten Projekt wird, wenn sich die Geldschöpfer der großen Studios daran vergreifen und der Film im wahrsten Sinne des Wortes zerschnitten wird. Egal ob Comic-Fan oder nicht, bei diesem Film bleibt jeglicher Spaß auf dem Kinoteppich liegen und die Diskussionen münden in hitzigen Rageparaden.

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