+
Zwei Hollywood A-Lister im Duett

Liefert Quentin Tarantino ab?

Lohnt sich Kino: Once Upon a Time in Hollywood

  • schließen

Once Upon a Time in Hollywood ist der neuste Film von Quentin Tarantino, der mit Stars wie Leonardo DiCaprio, Brad und Margot Robbie auftrumpft. Doch lohnt sich der Streifen fürs Kino? 

10 Filme, dann hört er auf. Zumindest laut eigener Aussage. Dass Kultregisseur Quentin Tarantino mit 10 Werken eine perfekte Filmografie schaffen und sich dann zur Ruhe setzen will, dürfte den meisten von euch bekannt sein. Und hört man auf die Resonanz von den Filmfestspielen aus Cannes, so scheint er mit seinem aktuellsten Werk Once Upon a Time in Hollywood seinem Karriereziel einen Schritt näher gekommen zu sein. Gleichzeitig löste die Geschichte um die Manson-Morde aber auch eine hitzige Kontroverse aus: Ist es moralisch vertretbar den brutalen Gewaltakt an der hochschwangeren Sharon Tate in den Film zu integrieren? Wird der Massenmord vielleicht sogar nur zu Zwecken der Unterhaltung missbraucht? Und inwiefern verfälscht Tarantino die Geschichte zu Gunsten der Fiktion? In den folgenden Zeilen findet ihr nicht nur die Antwort auf diese Fragen, sondern erfahrt auch, ob dem Regie-Altmeister mit seinem neunten Werk ein weiterer Geniestreich gelungen ist.

Tarantino #9: Zwischen Genie und Provokateur

Ein Ankerpunkt in Zeiten des Wandels

Alle Dinge im Leben unterliegen früher oder später der Vergänglichkeit, auch die Karriere. Dies erfährt der abgehalfterte Schauspieler Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) am eigenen, alkoholgetränkten Leib, als ihm der alteingesessene Filmproduzent Marvin Schwarz (Al Pacino) vor Augen führt, dass seine Karriere als TV-Star in Western-Produktionen vorbei sei und er stattdessen nach Rom ziehen und sich dem Genre der Italo-Western zuwenden solle. Wir schreiben das Jahr 1969. Es ist eine Zeit voller Umschwung und Rebellion. Eine Zeit, die einem enormen gesellschaftlichen Wandel unterliegt und dieser Wandel bekommt dem altmodischen Fernsehstar Rick überhaupt nicht gut. 

Während er im ersten Moment seinem Freund und Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt) weinerlich seine Angst vor der Zukunft bekundet, verteufelt er im nächsten Moment, was aus dem Los Angeles geworden ist, das er einst kannte. „Fucking Hippies“ an jeder Ecke und mehr exzentrische Anfälle als gerauchte Red Apple-Zigaretten. Wir sehen einen Mann, der verzweifelt versucht alten Prinzipien treu zu bleiben, während der Geist der Zeit langsam an ihm vorbeizieht. Schließlich ist das einzige, was einem im Wandel der Zeit bleibt, die eigene Identität.

Ein Film, ein Statement

Doch stellt sich diese Treue zu sich selbst als eine Herausforderung für Rick heraus. Schauspieler seien verlogene Menschen, sagt ein Hippie-Girl zu Cliff und thematisiert damit indirekt Ricks Verlogenheit, die Tarantino uns durch seinen einzigartigen Erzählstil regelrecht vorführt. Und genau dieser ist es, der einem im Kinosaal zunächst einmal schwer zu schaffen macht. Anders als bei Kill Bill, Inglourious Basterds oder Django Unchained ist der neunte Film von Tarantino eher eine ruhige Reise durch eine sich dem Ende neigenden Ära, bei der man sich den Großteil der Laufzeit nicht sicher ist, wohin diese Reise führt. 

Der Film reiht sich eher in die Sparte von Pulp Fiction oder Jackie Brown ein, bei denen sich dieSchlagfertigkeit des Films viel weniger im plötzlichen Affekt entfaltet, sondern langsam, aber dafür umso wirkungsvoller. Wenn man aber Rick und Cliff bei einem Feierabend-Bier auf dem Sofa sieht und wie sie sich voller Euphorie ihre eigene Arbeit ansehen oder auch Sharon Tate (Margot Robbie), die für ihren eigenen Film ins Kino geht, um die positiven Reaktionen der Zuschauer am eigenen Leibe mitzuerleben, so tun diese Figuren exakt das, was der Filmschaffende hinter ihnen tut: Kino zelebrieren. Und genau das ist es, wozu uns Tarantino mit Once Upon a Time in Hollywood einlädt.

Eine Liebeserklärung an klassisches Kino

Nostalgie pur

Durch seinen einzigartigen Erzählstil und der unkonventionellen Inszenierung sorgt Tarantino dafür, dass sich Once Upon a Time in Hollywood wie ein wilder Genremix anfühlt. Durch Schwarzweiß-Szenen im 4:3 Format, krisselige Bilder, rauschenden Ton oder gar unnatürlich wirkende Jumpcuts, die beispielsweise an den Nouvelle Vague-Stil eines Jean-Luc Godard erinnern, fühlt sich der Streifen umso mehr aus der Zeit gefallen an. Tarantino spielt mit den Möglichkeiten des Mediums wie mit der Erwartungshaltung der Zuschauer. Dabei gelingt es ihm eine Welt voller Liebe zum Detail zu kreieren, deren Zeitgeist nur so vor Authentizität und Aufrichtigkeit strotzt

Das Selbstbild, Fremdwahrnehmung, der Wandel der Zeit und wie einem all diese Phänomene auf verschiedenste Art und Weise zusetzen können. Once Upon a Time in Hollywood ist eine Huldigung an längst vergangene Tage, aber zugleich ein Spiegel gegenwärtiger Probleme. In kleinem Ausmaß oder auch in dem eines aussterbenden Hollywood-Stars. Man fühlt sich in eine Zeit versetzt, die man nicht persönlich miterlebt hat, doch schon zu vermissen vermag, noch bevor der Abspann über die Leinwand rollt. Die Bilder, die Soundtracks, die Kulissen. Das nostalgische Herz des Regisseurs schlägt hier lauter denn je und wir lieben es. Bild für Bild, Sekunde für Sekunde.

Von Format bis Ton: Tarantino bleibt sich treu.

Aldo Raine meets Calvin Candy

Der Stuntman macht die Arbeit, der Schauspieler erntet die Lorbeeren. So läuft das nun mal in der Maschinerie Hollywood. Doch bei Once Upon a Time in Hollywood sei dem nicht so. Verwirrung, Selbstzweifel, Fremdenhass, die Angst vor der eigenen Zerbrechlichkeit und natürlich Wutausbrüche. Eine Menge Wutausbrüche. So kriegen wir uns vor Lachen gar nicht mehr ein, wenn der Master of Freak-Out Leonardo DiCaprio als Rick Dalton sturzbesoffen im Bademantel mit einem Becher voller Margaritas eine wahre Rageparade hinlegt, weil sein Hass gegen die „fucking Hippies“ mal wieder die Kontrolle über ihn übernimmt. 

Gleichzeitig ist dieses Lachen aber auch ein stilles Leiden mit ihm, denn Rick ist eine Figur, die voller Leid, Schmerz und Trauer steckt und sich dies auch ansehen lässt, im Gegensatz zu der Figur von Pitt. Und genau dieser ist es, der DiCaprio insgeheim die Show stiehlt. Diese Coolness, diese Aura des absolut Selbstbewussten und die „Ich kriege das schon irgendwie hin“-Einstellung machen den Stuntman zu einer Figur, die sie unnahbar, rätselhaft und einfach nur verdammt interessant erscheinen lässt. Und wenn Pitt über die berüchtigte Spahn Ranch streift und sich ein beinahe horrorhafter Vibe über die Bild- und Soundkulisse legt, so merken wir, wie gut die Figur geschrieben und gespielt ist, weil wir jede Sekunde um sie bangen. Von wegen der Stuntman erntet keine Lorbeeren.

Wer stiehlt hier wem die Show?

Kultige Fact-Fiction

So konsequent wie Tarantino seinen neusten Film wieder einmal mit seinen üblichen Zutaten aus Fußaufnahmen, Red Apple-Zigaretten oder möglichen Verbindungen zu Figuren aus seinen anderen Filmen würzt, so konsequent legt er sich ein weiteres Mal die Rolle als Geschichtsschreiber auf. Und ohne zu viel vorweg zu nehmen können wir euch sagen, dass es Tarantino gelingt, mit Once Upon a Time in Hollywood einen würdevollen Umgang mit den real existierenden Figuren, allen voran Sharon Tate (Margot Robbie), zu inszenieren. Wie auch bei Inglourious Basterds lässt der Kultregisseurs es sich nicht nehmen, die Geschichte zu seinen beziehungsweise unseren Gunsten anzupassen.

Sogar bildlich wird uns dieser Mix aus Fakt und Fiktion vor Augen geführt. Cielo Drive, Los Angeles: Auf der einen Seite wohnt Rick Dalton, Vertreter einer sich dem Ende neigenden Ära und ein Produkt aus Tarantinos Feder. Auf der anderen Seite wohnt Sharon Tate mit ihrem Ehemann Roman Polanski (Rafal Zawierucha) als Repräsentanten einer neuen kulturellen Bewegung und natürlich als Opfer eines grausamen historischen Ereignisses. Fakt und Fiktion wohnen Haus an Haus. Und die Geschichte beeinflusst die Fiktion, wie auch die Fiktion die Geschichte beeinflusst. Und dadurch entsteht etwas wahrlich Einzigartiges. Oder kurz gesagt: Kult.

Geschichte und Fiktion im wild wirbelnden Rausch.

Fazit 

Once Upon a Time in Hollywood wird die Gemüter vermutlich spalten, doch keineswegs, weil es ein qualitativ schlechter Film ist, sondern vielmehr, weil es ein Film ist, der anders ist. Der unkonventionelle Erzählstil und die spezielle Inszenierung weichen von jeglichen Sehgewohnheiten des modernen Kinos ab und entpuppen sich als Ode an das längst vergessene Kino. Und wie sich Rick Dalton an den Wandel der Zeit anpassen muss, muss sich manch ein Kinogänger an den leicht verfremdeten Stil des Films gewöhnen, bevor er ihn zu huldigen weiß. So oder so erklären wir Once Upon a Time in Hollywood zum Pflichtprogramm für diesen Sommer. Allein, um in den hitzigen Diskussionen mitreden zu können, die es um diesen Film geben wird.

One Upon a Time in Hollywood startet am 15. August in die deutschen Kinos.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Teamfight Tactics: Alle Champions, Klassen und Origins in der Übersicht

Teamfight Tactics: Alle Champions, Klassen und Origins in der Übersicht

GTA 5 Online: Alles zum neuen Update - Wann öffnet das Casino?

GTA 5 Online: Alles zum neuen Update - Wann öffnet das Casino?

Teamfight Tactics (TFT): Item Tier List - Wem gebe ich was?

Teamfight Tactics (TFT): Item Tier List - Wem gebe ich was?

Gamescom 2019: Die Gaming-Messe ist eröffnet. Hier alle Infos die Du brauchst

Gamescom 2019: Die Gaming-Messe ist eröffnet. Hier alle Infos die Du brauchst

Kommentare