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Tenet Film-Kritik: Was kann der neue Christopher Nolan Movie – Ein Blockbuster?

  • Jonas Dirkes
    vonJonas Dirkes
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Mit Tenet ist der neueste Film von Christopher Nolan erschienen. Wir sagen – spoilerfrei – ob der von Warner Brothers produzierte Movie Potenzial als Blockbuster hat.

  • Tenet ist der neue Film von Publikumsliebling Christopher Nolan.
  • Der Blockbuster ist die erste Big-Budget-Produktion, die seit Beginn der Corona-Krise ihren Einzug in die Kinos findet.
  • Die Hauptrollen in Tenet werden von John David Washington und Robert Pattinson gespielt.

Hamburg, DeutschlandChristopher Nolan ist ein Mainstream-Punker. Er ist so ein Typ, der sich im H&M das vorgebleichte Ramones-Shirt kauft: Irgendwie ziemlich rebellisch, irgendwie ziemlich sicher. Aber wen juckt’s: Alles ist Punk. Kein anderer Regisseur des 21. Jahrhunderts schafft es auf seine Weise mit den selben drei Akkorden so gekonnt sowohl Kritiker, Massen als auch den eigenen Anspruch, als letzter großer Autoren-Filmer des Blockbuster-Kinos, zu befriedigen. Stimmen Leidenschaft, verstimmte Gitarren und Wut im Bauch, dann funktionierte doch noch jeder Dreiminüter der Sex Pistols.

Bei Christopher Nolan ist das nicht groß anders. Auch sein neuestes Werk Tenet spielt die heiligen drei Lieblings-Akkorde: Eine hirnzerfließende Prämisse, bombastische Action-Set Pieces und ein Kurzauftritt vom immer noch quickfidelen Michael Caine. Aber reicht Tenet das, um dem gigantischen Hype gerecht zu werden, den Fans nach mehreren Verschiebungen von Verleih Warner Bros. über Monate aufgebaut haben?

Name des FilmsTenet
Erscheinungsdatum26. August 2020
RegisseurChristopher Nolan
Musik komponiert vonLudwig Göransson
KameraHoyte van Hoytema
DrehbuchChristopher Nolan

Tenet Kritik: Der neue Nolan soll das Kino im Alleingang retten

Tenet Kritik: Das ganze Gehirn weggelutscht - Lohnt sich Kino?

Von Tenet wird gerade regelrecht erwartet, die, durch die Corona-Krise zum völligen Stillstand gekommene, Kinolandschaft auf eigene Faust zu retten. Ein Heilsbringer, der auch mit seinen gezinkten Karten eigentlich nur verlieren kann. Selbst wenn Besucher in Scharen gen Lichtspielhaus pilgern, dürfte Tenet sowohl für Warner Bros. als auch für Kinos, deutlich hinter den Erwartungen bleiben. Knapp 200 Millionen Dollar soll Tenet in der Produktion verschlungen haben. Der selbe Wert lässt sich noch einmal für das Marketing Budget von Christopher Nolans neuem Film darauf rechnen.

Bedenkt man, dass Kinosäle, wenn überhaupt, derzeit maximal auf Sparflamme besetzt werden, dürfte die Wirtschaftlichkeit der Tenet-Veröffentlichung in Zeiten der Corona selbst Laien stutzig machen. Bei Tenet geht es aber um mehr. Genau wie John David Washington im Film gegen einen körperlosen Feind in den Krieg zieht, kämpft auch Christopher Nolans neues Werk nahezu im Alleingang für ein unsichtbares Gut: Den Erhalt der Kinokultur – wehrte sich der Autoren-Filmer in der Vergangenheit doch vehement gegen eine digitale Veröffentlichung von Tenet. (Alle Film-Kritiken in der Übersicht)

Tenet Kritik: Effektreich aber nicht effekthascherisch

Man mag von Christopher Nolan halten was man will, jedoch auch mit Tenet beweist der Regisseur abermals, dass er die gesamte Klaviatur – oder um in unserer verpunkten Metapher zu bleiben das gesamte Griffbrett – bespielt und nicht nur die langweiligen weißen Tasten. Hier wird nicht recycelt oder widergekäut: Tenet ist von Zeh bis Scheitel ein absolut einzigartiges Kino-Erlebnis. Man muss nicht mögen was Nolan erzählt, aber auf welche Weise er es tut, ist schlicht verehrenswert. Selbst den staubigsten Locations wie Oper, Flughafen oder Ruinenstadt wird hier ein Geist eingehaucht, der nur so vor Originalität trieft und andere Blockbuster des Fachs vor Scham schlottern lässt.

Tenet Kritik: Schnieke Anzüge und Espresso dürfen im neuen Nolan nicht fehlen

Haptischer dürfte es dieses Jahr außerdem auch nicht mehr werden. Anstatt sich der Macht des CGI zu unterwerfen, ist Tenet nur mit circa 300 mickrigen VFX-Shots versehen. Nahezu alle Stunts – und ja, einige sind wirklich wahnsinnig – sind handgemacht. Nur zum Vergleich, ein Blockbuster-Spektakel wie Avengers: Endgame watet mit knapp 2.000 VFX Shots auf und selbst die durchschnittliche RomCom baut stärker auf Computertricks als Christopher Nolans neuer Film. Wir möchten an dieser Stelle nichts vom eigentlichen Tenet-Plot vorwegnehmen, aber nur so viel sei verraten: Wie der Film es schafft der ausgelutschten Thematik der Zeitreisen einen völlig neuen Spinn zu verleihen, ist beneidenswert. Die sogenannten Zeit-Inversionen in Tenet sind Kino-Maggi aus der zwei Liter Vorratsflasche. Aber aufgepasst: Zuschauer, die nicht ganz bei der Sache sind, lässt Tenet gnadenlos und ohne Rücksicht auf Verluste im Stich. 

Tenet Kritik: Inversion des Blockbuster-Kinos

Die verzwickten Gedankenspiele in Tenet versuchen auf beständiger Basis die Gehirnwindungen seiner Zuschauer zu Ballon-Figuren zu verknoten. Wer sich nicht vorsieht, dem wird das ganze Gehirn weggelutscht. Früh im Film wird Protagonist John David Washington dazu geraten nicht zu versuchen es zu verstehen, sondern es lieber zu fühlen. Ein Ratschlag, den Christopher Nolan wohl direkt an den Durchschnittszuschauer richtet. Nolans Filme waren stets trickreich, aber auch die verschiedenen Traumebenen in Inception sind leicht zu durchschauen, hat man das grundlegende Konzept des Films einmal verstanden. Möchte man Tenet durchschauen, ist auch das keine Raketenwissenschaft à la eines Kalibers wie Primer: Fordernder als Inception oder Interstellar ist Tenet aber alle Mal.

Tenet Kritik: Ein Pläuschchen zwischen John David Washington und Robert Pattinson

Wenn John David Washington und Robert Pattinson im nolanschen Informationshagel über Inversionen und theoretische Konzepte philosophieren, kann es schon vorkommen, dass das Hirn einen leichten Schubser benötigt, um am Ball zu bleiben. Hat es aber einmal Klick gemacht, öffnet sich die Tür in ein vollkommen frisches Sci-Fi Konzept, das herrlich zum Diskutieren einlädt. Wann gab es so etwas denn schon das letzte Mal? Das ist aufregend, das ist magisch, das ist Punk - das ist Kino in seiner reinsten Form und genau dort und nirgends anders sollte man Tenet auch gesehen haben. Punk(t).

Rubriklistenbild: © Warner Bros.

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