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Ad Infinitum: Vom Studiprojekt zur grauenerregenden Geschichtsstunde – Entwickler im Interview

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Von: Joost Rademacher

Ad Infinitum will die Schrecken des 1. Weltkrieges völlig neu darstellen. Wir haben die Entwickler des Horrorspiels auf der Gamescom 2022 getroffen.

Köln – Die Gräben des ersten Weltkrieges müssen an sich schon ein fürchterlicher Ort gewesen sein. Endloses Gewehrfeuer, ewig stillstehende Fronten, dauerhaft gebrochene Soldaten sind nur wenige von vielen Faktoren, die den ersten „großen Krieg“ zu einem der finstersten Kapitel der Menschheit machen. Wie entwickelt man also in so einem Setting noch ein Horrorspiel? Dieser Aufgabe sehen sich Hekate, die Entwicklerinnen und Entwickler von Ad Infinitum gegenüber. Wir haben die Gründer des Studios auf der Gamescom 2022 getroffen und mit ihnen über die Entwicklung und den subtilen Horror ihres ersten großen Projektes gesprochen.

Name des SpielsAd Infinitum
ReleaseApril 2023
PublisherNacon, Bigben Interactive
EntwicklerHekate
PlattformPS5, Xbox Series X/S, PC
GenrePsychologischer Horror, Adventure

Ad Infinitum: So entstand der Psycho-Horror im ersten Weltkrieg

Wer sich in den letzten Jahren in der Bubble rund um Horror-Games bewegt hat, wird früher oder später auf den Namen Ad Infinitum gestoßen sein. Teaser und Trailer zu dem WW1-Horrorspiel geistern schon seit 2014 durchs Netz, aber erst 2023 soll der finale Release passieren. Thomas Lenz, Mitgründer von Hekate, erklärt uns den langen Weg zum fertigen Spiel, dass Ad Infinitum zunächst als Studentenprojekt ohne jegliche Finanzierung begann. Erst später hätten er und Lukas Deuschel, der zweite Mitgründer des Studios, den Schritt zur weiteren Professionalisierung gemacht.

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Aber nicht immer stand fest, dass der erste Weltkrieg eine so tragende Rolle im Spiel des Teams einnehmen würde. Lukas Deuschel erklärt, wie es dazu kam:

Ganz ehrlich: Der Gedanke war zuerst nur, ein Horrorspiel zu machen. Wir hatten uns zusammengefunden und hatten ähnliche Interessen, also Narration, Horror, n bisschen düster. (...) In Brainstormings hat sich dann herauskristallisiert, erster Weltkrieg ist n spannendes Thema. Damit fing es dann an und die Idee gebiert sich immer mehr und mehr, je mehr Input man reinbringt.

Lukas Deuschel, Hekate

Wer sich mit historischen Settings wie dem ersten Weltkrieg beschäftigt, muss sich zwangsweise Kritik über die Authentizität des ganzen gefallen lassen. Die Entwickler von Hekate wissen das und bewegen sich absichtlich ein wenig weg vom Anspruch an absoluten Realismus. Stattdessen lehnen sie sich bewusst ein wenig mehr ins Fantastische, aus gutem Grund.

Ad Infinitum Logo vor Screenshot
Ad Infinitum: Vom Studiprojekt zur grauenerregenden Geschichtsstunde – Entwickler im Interview © Hekate

Keiner von uns war ja [im Krieg] dabei, keiner kann sich vorstellen, wie das wirklich so ist. Alles, was wir eigentlich machen, ist ne Art künstlerische Interpretation von den Schrecken des ersten Weltkrieges, um da historisch zu reflektieren. Und dessen muss man sich bewusst sein. Das wissen wir auch und da ist eine massive Verantwortung mit dabei.

Thomas Lenz, Hekate

Bezüglich des Settings und der Umgebungen von Ad Infinitum, die nicht selten mitten in den Schlachtfeldern des großen Krieges liegen, ist Authentizität dennoch ein wichtiger Faktor. Die Entwickler*innen bei Hekate haben sich intensiv mit Aufzeichnungen und Materialien aus der Zeit auseinandergesetzt, zeitgenössische Gegenstände nach ihrer Funktionsweise untersucht und Ratschläge eines Historikers eingeholt. Bei allem Psycho-Terror, den das Spiel euch durchmachen lässt, soll eine akkurate Repräsentation der Zeit nicht ins Hintertreffen geraten.

Ad Infinitum: Schwimmen gegen den Horror-Strom – So wollen die Entwickler euch gruseln

Psycho-Terror ist für Ad Infinitum das richtige Stichwort, denn die Entwickler*innen von Hekate wollen in ihrem Spiel einen eher psychologischen Horror-Ansatz verfolgen. „Thought-provoking nightmares“ nennen Deuschel und Lenz ihr Motto für das Spiel und damit wollen sie sich ein wenig von anderen aktuellen Konventionen im Horror wegbewegen.

Das ist etwas, das du siehst bei vielen Horrorspielen heute – alle fünf Minuten hast du einen Jumpscare. Dann bist du in einem Asylum und hast eine Taschenlampe und dann kommt n Geist, der springt dir ins Gesicht. (...) Aber das ist nicht wirklich was, das bei dir bleibt. Wir haben das auch als Stilmittel im Spiel, aber wir haben noch eine ganz psychologische Ebene, wo du nach dem Spiel noch reflektierst.

Thomas Lenz, Hekate

Hekate will in Ad Infinitum in die Traumata eines Soldaten eintauchen und diese effektiv für die Spieler*innen greifbar machen. Von Leuten, die eigene Erfahrungen mit dem Krieg gemacht haben, bekommen sie dafür schon teils starken Zuspruch, wie Lukas Deuschel erklärt: „Wir sprechen etwas an, das Menschen für den Rest ihres Lebens lang prägt.“ Krieg sei letzten Endes, so ergänzt Thomas Lenz später, „rein psychologisch gesehen ein zeitloses Thema.“

Hekate gehen bei der Entwicklung offen mit ihren Inspirationen hinter Ad Infinitum um. Am Ende des Interviews kommen Filme und Spiele wie Jacob‘s Ladder, oder auch Silent Hill 2 zur Sprache – als Werke, in denen persönliche Traumata und ihre psychologischen Folgen stets im Mittelpunkt stehen. Trotzdem soll Ad Infinitum auf seinen eigenen zwei Beinen stehen: „Im besten Fall machen wir ein bisschen was Neues, oder etwas, das man nicht 1:1 mit etwas anderem vergleichen kann. Es wäre natürlich cool, wenn wir das schaffen,“ schließt Lenz ab.

Wer selbst noch mehr zum psychologischen Kriegs-Horror von Hekate erfahren will, sollte einen Blick in unsere Gamescom-Preview von Ad Infinitum werfen. Bis ihr selbst die Reise durch die Gräben des Weltkriegs und die Psyche eines Soldaten wagen dürft, müsst ihr noch bis April 2023 abwarten. Dann ist der Release von Ad Infinitum für PS5, Xbox Series X und PC vorgesehen.

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