Amazon: Alles zum Internet-Riesen

Amazon: Alles zum größten Online-Versandhandel – Von Games bis Cloud Computing

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Amazon ist der Marktführer im Online-Versandhandel. Hier gibt es alle Infos über das Unternehmen von Jeff Bezos. Von Games über Amazon Prime bis Cloud Computing.

Seattle, Washington - Amazon ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das vor allem als marktführender Onlineversandhändler bekannt ist. Daneben ist der börsennotierte Konzern auch einer der richtungsweisenden Anbieter im Bereich Cloud-Computing. Amazon wurde 1994 in Seattle von Jeff Bezos gegründet und startete zunächst als Online-Buchhandel. Nach Deutschland kam das Unternehmen Ende der 1990er Jahre. Im Jahr 2020 erzielte Amazon einen Umsatz von 386 Milliarden US-Dollar, wovon 29,5 Milliarden Euro in Deutschland erwirtschaftet wurden.

Unternehmensname / FirmennameAmazon.com, Inc. (kurz Amazon)
Gründungsjahr1994
GründerJeff Bezos
BrancheVersandhandel, Onlinehandel, digitale Distribution, Cloud Computing
SitzSeattle, Washington, USA
Umsatz 2020386,06 Milliarden US-Dollar

Amazon - Gründungsgeschichte

Im Jahr 1994 gründete der Informatiker Jeff Bezos in seiner Garage in Seattle das Unternehmen Amazon. Seine Idee: Mithilfe des Internets das Einkaufen von Waren zu vereinfachen und damit einen echten Mehrwert für Kunden zu schaffen. Die Vision eines „Everything Stores“ war zwar von Anfang an vorhanden, gestartet hat Bezos aber mit einem reinen Online-Buchhandel. Warum gerade Bücher? Sie eignen sich für den Verkauf im Internet besonders gut, da sie einfach zu lagern, verpacken und zu versenden sind. Am 3. April 1995 wurde das erste Buch („Fluid Concepts and Creative Analogies“ von Doug Hofstadte) verkauft.

Amazon wurde von Jeff Bezos 1994 in einer Garage in Seattle gegründet.

Ab Oktober 1995 war der Marktplatz unter amazon.com der breiten Öffentlichkeit zugänglich. Allerdings war der Name Amazon nicht die erste Wahl des Gründers. Ursprünglich hätte das Unternehmen „Cadabra“ heißen sollen, was an den Zauberspruch „Abracadabra“ erinnern soll. Schließlich war Onlineshopping damals für viele wahrlich „magisch“. Angeblich wurde der Name aber als „Cadaver“ missverstanden, weshalb Bezos ihn wieder verwarf. Auch die darauffolgende Idee „Relentless“ wurde wieder verworfen.

Das Logo von Amazon

Schließlich fiel die Wahl aus zwei Gründen auf den Namen Amazon: Erstens war der Anfangsbuchstabe A ein Vorteil, da zu damaligen Zeiten Suchmaschinen die Ergebnisse alphabetisch reihten. Zweitens soll der Name des größten Flusses der Welt zeigen, wie groß und bedeutend das Unternehmen künftig werden soll.

Kleiner Fun Fact: Gibt man relentless.com ein, wird man auch heute noch zu Amazon weitergeleitet. Im Jahr 1997 machte Amazon bereits einen Jahresumsatz von 147,8 Millionen US-Dollar. Allerdings: Erst 2001 erwirtschafte das Unternehmen seine ersten Gewinne, da in den ersten Jahren der Fokus stark auf Investitionen lag.

Amazon: Markteintritt in Deutschland und Weiterentwicklung des Online-Handels

In den deutschen Markt trat Amazon mit Übernahme des Unternehmens Telebook Inc. ein, welches Marktführer im Online-Buchhandel war. Es werden die ersten Büros in Süddeutschland eröffnet und ein Logistikzentreum in Bad Hersfeld in Betrieb genommen. In weitere Folge kommen immer mehr Sortimentsbereiche wie DVD, Video, Musik und Elektronik hinzu.

Amazon gründete das erste Logistikzentrum Deutschlands in Bad Hersfeld.

Das breite Sortiment findet sich seit dem Jahr 2000 auch im Logo von Amazon: ein Lächeln – von A bis Z. Mit Amazon Prime macht Amazon eine schnelle Lieferung zum neuen Standard. 2002 folgt ein weiterer Entwicklungsschritt: Das Unternehmen wird zum Marktplatz und bietet Drittanbieter die Möglichkeit, ihre Produkte über Amazon zu verkaufen. Ab dem Jahr 2007 können mit Amazon Kindle Bücher digital gelesen werden. In den folgenden Jahren entstehen viele weitere Logistikzentren und die erste deutsche Amazon Serie geht in Produktion. 2017 wird Amazon Fresh in Deutschland eingeführt.

Amazon: Onlinehändler für Games, Videospiele und Gaming-Hardware

Im Bereich Gaming und Unterhaltungselektronik hat Amazon ein extrem großes Angebot zu bieten. Insbesondere bei Videospielen macht der Onlinehändler Rekordumsätze. Zu den Top-Spielen und Gaming-Produkten in 2022 gehören unter anderem Pokémon-Legenden: Arceus für die Nintendo Switch, die PS5 von Sony und auch FIFA 22.

Die PS5 mit schwarzen Side-Plates. Amazon macht einen Großteil seines Umsatzes mit Gaming-Produkten.

In der Games-Kategorie bietet Amazon weitere Unterkategorien für Gamer an:

  • Computerspiele
  • Mitgliedschaft- & Guthabenkarten
  • Nintendo Switch
  • PlayStation 4
  • PlayStation 5
  • Virtuelle Realität (VR)
  • Xbox One
  • Xbox Series X

Amazon: Onlinehandel & Marktplatz - Provisionen, Auslagerung und Logistik

Umsatzstärkster Geschäftszweig von Amazon ist nach wie vor der Onlinehandel. Vielen ist gar nicht bewusst, aber Amazon ist nicht nur ein reiner Online-Shop, sondern auch ein Marktplatz. Händler haben die Möglichkeit, ihre Produkte über die Plattform anzubieten. Amazon erhält dafür eine monatliche Gebühr sowie Verkaufsprovisionen. Ebenfalls möglich: Die Auslagerung von Logistik und Versand an Amazon - das sogenannte FBA Programm („Fulfillment By Amazon“). Der durch dritte Händler erwirtschaftete Umsatzanteil im Vergleich zu den von Amazon selbst verkauften Produkte stieg in den letzten Jahren kontinuierlich. Im Jahr 2018 mache er fast sechzig Prozent aus.

Amazon: Web Service - Cloud-Computung, Datenspeicherung und Datenverarbeitung

Eine immer wichtigere Umsatzquelle von Amazon ist der Bereich Cloud-Computing. Amazon Web Service (AWS) wurde 2006 als Tochterunternehmen gegründet und bietet rund 175 verschiedene Dienste zur Speicherung und Verarbeitung von Daten an. Mittlerweile gilt AWS als führendes Unternehmen in diesem Bereich und viele bekannte Anbieter wie Netflix, Dropbox oder Foursquare greifen auf dessen Dienste zurück. Im Jahr 2019 erzielte Amazon Web Services einen Jahresumsatz von 35 Milliarden US-Dollar. Das sind zwar nur etwa 12 % des Gesamtumsatzes, macht aber rund 70 % des Gesamtgewinns aus.

Amazon Prime, Amazon Pay, Amazon Music und das Partnerprogramm

Amazon Prime bietet eine Mitgliedschaft, die einerseits noch schnelleren und kostenlosen Versand und andererseits den Zugang zum Streamingdienst für Filme und Serien bietet. Im Jahr 2019 gab es über 150 Millionen zahlende Prime-Mitglieder. Damit wurden 5,5 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet - 32 % mehr als noch im Jahr 2018. Neben den bereits beschriebenen Hauptgeschäftsfeldern ist Amazon noch in vielen anderen Bereichen tätig. Mit Amazon Music bietet das Unternehmen einen Online-Musikdienst, mit Audible einen Hörbuchanbieter sowie das Live-Streaming-Portal Twitch, auf dem Streamer ihre Live-Formate veröffentlichen können. Allerdings wechseln seit einigen Monaten viele bekannte Streamer aus unterschiedlichsten Gründen zu YouTube.

Mit Twitch sichert sich Amazon einen Platz unter den großen Streaming-Plattformen.

Amazon Pay ist eine eigene Online-Bezahlfunktion. Auch im Bereich der Werbung ist das Unternehmen tätig: Über Amazon Advertising können Werbekunden verschiedenste Werbeformate sowohl auf Amazon als auch auf anderen Webseiten buchen - Ein Bereich, der derzeit ein sehr starkes Umsatzwachstum zeigt. Das Amazon-Partnerprogramm (Amazon Partnernet) ist das vermutlich größte und beliebteste Affiliate-Netzwerk: Blogger, Influencer und andere Content Creator erhalten eine Provision, wen jemand über den von ihnen eingebunden Link bei Amazon bestellt.

Ein Mitarbeiter des ersten Amazon-Fresh-Ladens in Europa räumt Einkaufstüten in ein Regal.

Mit Amazon Fresh ist der Internet-Riese auch als Lieferdienst tätig. In Deutschland beschränkt sich dies derzeit aber noch auf wenige Städte. Amazon Go ist eine Supermarktkette, die auf ein völlig neues Konzert des Einkaufens setzt: Es gibt keinerlei Kassen. Der Kunde wählt seine Produkte aus, Kameras und Sensoren erkennen dabei genau, welche Artikel eingekauft wurden. Die Bezahlung erfolgt automatisch über die im Amazon-Account hinterlegte Zahlungsmethode. Inzwischen gibt es mehr als 30 Amazon Go Filialen in den USA sowie in London (Stand 2021). Im 2017 übernahm Amazon außerdem die US-amerikanische Bio-Supermarktkette Whole Foods Market.

Amazon: Aktie, Börsenkurs und Kritik am Unternehmen

Die Amazon-Aktie [AMZN] konnte stark von der Corona-Pandemie profitieren, blieb 2021 aber letztendlich unter den Erwartungen. Trotzdem blickt ein Großteil der Analysten optimistisch auf die Amazon-Aktie und empfiehlt den Kauf. Vorstellbar ist auch ein Aktien-Split, da die Amazon-Aktie einen hohen nominellen Wert hat. Ein solcher würde die Amazon-Aktie optisch günstiger und somit für mehr Anleger attraktiv machen. Dies könnte den Kurs in die Höhe treiben.

Blick auf das Logo von Amazon.

Gegen den Kauf sprechen vor allem kartellrechtliche Untersuchungen, mit denen Amazon derzeit in der USA und in Europa konfrontiert ist. Sie stellen ein Risiko für das Unternehmen dar, da Geldeinbußen und im schlimmsten Fall Beschneidungen des Geschäftsmodells die Folge sein könnten. Amazon ist laufend mit starker Kritik konfrontiert. Dem Amazon Marketplace wird Marktmissbrauch vorgeworfen, da das Unternehmen nicht nur höhere Gebühren als andere Anbieter von den Verkäufern verlangt, sondern auch massiv Druck bei der Preisgestaltung ausübt. Auch die Bevorzugung eigener Produkte wird kritisiert und führte 2019 zu einem Kartellverfahren der EU-Kommission.

Amazon: Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit

Ein weiterer Vorwurf ist die Steuervermeidung. Amazon gelang es durch diverse Manöver, die inländischen Ertragssteuerzahlungen zu umgehen. Im Jahr 2018 soll Amazon in den USA bei einem Gewinn von 11,2 Milliarden US-Dollar keinerlei Steuern gezahlt haben. Ebenfalls immer wieder im Zentrum der Kritik: Die Arbeitsbedingungen in den Versandzentren von Amazon. Von ungerechtfertigten Entlassungen, über die ständige Überwachung bei der Arbeit bis hin zu fehlenden Sanitäranlagen tauchen laufend neue Vorwürfe auf.

Die Arbeitsbedingungen in Amazon-Versandzentren stehen oft in der Kritik.

Auch im Bereich der Nachhaltigkeit werden die Vorgehensweisen von Amazon stark kritisiert. Vor allem die massenhafte Vernichtung neuwertiger Produkte, die entweder nicht verkauft oder retourniert wurden. Greenpeace gab 2017 in seinem Bericht zur Nachhaltigkeit von Smartphones, Tablets und Laptops den von Amazon hergestellten Geräte die schlechteste Bewertung.

Rubriklistenbild: © Michel Spingler/AP/dpa/Archivbild

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