Meinung

Animal Crossing New Horizons: Ab auf die Insel – Flucht vor Realität mit Corona-Lockdown

  • vonAlexandra Grimm
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Das reale Leben im Corona-Lockdown kann ganz schön langweilig werden. Ein Glück, dass es das Inselleben von Animal Crossing New Horizons als Zufluchtsort gibt.

Hamburg, Deutschland –  Besser hätte es für Nintendo doch gar nicht laufen können. Zuerst bricht wie aus dem Nichts eine angsteinflößende Pandemie über uns herein, die unser Leben scheinbar völlig auf den Kopf stellt. Dann, kurz danach, bringt der Konzern ein Spiel auf den Markt, dass uns die Möglichkeit gibt, uns vor den Gefahren der Realität in eine heile Welt in Form einer virtuellen Insel zu flüchten. Die virtuelle Welt von Animal Crossing New Horizons scheint das reale Leben ganz schön blass aussehen zu lassen. Doch ist das Spiel damit besser als die Realität?

Release (Datum der Erstveröffentlichung)20. März 2020
Publisher (Herausgeber)Nintendo
SerieAnimal Crossing
PlattformNintendo Switch
EntwicklerNintendo
GenreLebenssimulation

Animal Crossing New Horizons: Besser als die Realität?

In Zeiten von Corona scheint es, als biete die Realität nichts wirklich Spannendes im grauen Alltag. Ausgestorbene Innenstädte aufgrund von Kontaktbeschränkungen, geschlossenen Restaurants und Geschäften sorgen für ein ödes Leben ohne Abwechslung. Sehnsuchtsvoll schaut man doch auf diverse Auswanderer-TV-Formate, in denen Mutige auf eine tropische Insel ziehen und den nervigen Alltagsstress einfach weit hinter sich lassen. Für den Otto Normalbürger mit einer Nintendo Switch im Besitz ist solch ein exotischer Ausbruch dank der virtuellen Welt von Animal Crossing New Horizons ganz leicht möglich.

Der Release von Animal Crossing New Horizons hätte nicht besser getimt sein können. Wahrscheinlich aus einem für Nintendo glücklichen Zufall heraus erschien der neueste Animal Crossing-Teil pünktlich zum ersten Lockdown in Deutschland, der am 22. März 2020 in Kraft trat und das öffentliche Leben zum größten Teil einfror. Plötzlich gab es keine Restaurantbesuche oder Shopping-Ausflüge mit Freunden mehr. Ansammlungen von mehr als zwei Personen wurden verboten und somit blieb der Bürger mit einem Gefühl von Ungewissheit und Hilflosigkeit zurück – und jeder Menge Langeweile.

Animal Crossing New Horizons: Wohlbefinden in der Realität durch virtuelles Spiel

Animal Crossing New Horizons bietet eine geradezu utopische Welt. Der Spieler zieht auf eine unbekannte Insel und wird sofort Inselsprecher mit der Berechtigung, das Eiland frei nach eigenen Wünschen zu gestalten. Auch die tierischen Bewohner der Insel scheinen einem nie böse zu sein – obwohl man ihnen öfter einmal eins mit dem Kescher übergezogen hat. In dieser kleinen virtuellen Welt braucht sich der Spieler nicht um einen gefährlichen Coronavirus zu sorgen. Es gibt es kein „Game Over“ oder Fehlschläge, es gibt nur Erfolge. Der Spieler scheint in dieser idyllischen Welt von Animal Crossing New Horizons die volle Freiheit ohne Regeln oder Beschränkungen zu haben.

Animal Crossing New Horizons: Inselleben besser als die Realität?

Wissenschaftler der Oxford Universität fanden heraus, dass das Spiel eine positive Wirkung auf das Wohlbefinden der Spieler hat. Das berichtete BBC vor wenigen Monaten. Somit kann man davon ausgehen, dass Animal Crossing New Horizons großes Suchtpotential hat. Für jede Handlung wird der Spieler mit virtuellem Geld oder Items belohnt. Durch die ständigen Erfolgserlebnisse fällt das Aufhören schwer und plötzlich spielen die virtuellen Errungenschaften des Insellebens eine größere Rolle als die langweilige Realität im Lockdown. Dazu kommt, dass der Tag in Animal Crossing in Echtzeit vergeht. Damit verfliegt auch die Zeit im realen Leben.

Animal Crossing New Horizons: Leben in der virtuellen Welt vs Realität

Ob man nun den lieben langen Tag mit der Angel die Gewässer abklappert oder mit dem Kescher Schmetterlingen hinterherjagt, bleibt jedem selbst überlassen. Ohne Stress und Anforderungen kann der Spieler tun und lassen, was er möchte. In der Realität gibt es ja eh nichts, was man während des Lockdowns großartig unternehmen könnte. Also gibt sich der Spieler dem Vervollständigen seiner „Faunapädie“ hin und erweitert das Repertoire des Insel-eigenen Museums mit neuen Arten von Fischen und Insekten sowie Fossilien und verschiedenen bekannten Kunstgegenständen – ein bisschen Kultur muss schließlich auch sein.

Animal Crossing New Horizons: Inselleben besser als die Realität?

Dass man während des Lockdowns gar nichts mehr unternehmen kann, ist jedoch ein Irrglaube. Die Läden haben zwar geschlossen, rausgehen kann man aber trotzdem. Wem die Decke auf den Kopf fällt, der muss sich nicht sofort in die virtuelle Welt von Animal Crossing New Horizons stürzen. Stattdessen bietet die reale Welt immer noch gute Möglichkeiten, etwas Schwung in den Alltag zu bringen. Sei es ein Spaziergang im Park, eine Streifzug durch die „verwahrloste“ Stadt oder ein echter Angelausflug am See. Natürlich ist es bequemer, vom Sofa aus solche Dinge zu tun, aber ein bisschen frische Luft ab und an hat noch keinem geschadet. Und die bietet Animal Crossing New Horizons meines Wissens nach noch nicht. 

Animal Crossing New Horizons: Virtueller Inselspaß mit realistischen Aktivitäten

Wer während der Corona-Zeit kulturellen Ereignissen, wie Konzerten und Veranstaltungen, im realen Leben nachtrauert, wird von Animal Crossing New Horizons nicht im Stich gelassen. Jeden Samstagabend findet auf der Insel ein Konzert des Musikers K.K. Slider statt, der dem Spieler nach seinem Auftritt sogar noch eine Platte von dem gespielten Song gratis überlässt. Ansonsten sorgen Turniere und besondere Events im Spiel für Abwechslung und Spaß. Erst kürzlich wurde beispielsweise der Karneval in Animal Crossing New Horizons gefeiert.

Animal Crossing New Horizons: Inselleben besser als die Realität?

Sich mit Freunden zu treffen und etwas gemeinsam zu unternehmen ist während Corona nicht so einfach umzusetzen. Cafés, Bars und Restaurants haben geschlossen, damit bleiben nur noch die eigenen vier Wände. Und selbst dort sind nur kleine Zusammenkünfte erlaubt. Spieler von Animal Crossing New Horizons haben aber die Möglichkeit, sich virtuell auf ihren Inseln zu besuchen – ganz leger: Ohne Abstandsregeln und Mund-Nasen-Schutz-Verordnung. Damit bietet sich für Freunde eine hübsche virtuelle Welt, in der sie miteinander abhängen können. Nötig ist dazu nur eine Nintendo Online Mitgliedschaft. 

Traum vom Eigenheim – Inselleben schlägt Realität

Denjenigen, denen in Zeiten von Corona die regelmäßigen Shoppingtouren fehlen, könnte Animal Crossing New Horizons zumindest ein wenig Trost spenden. Dort gibt es keinen Lockdown mit geschlossenen Geschäften wie im realen Leben. Hier kann von morgens bis abends geshoppt werden, was das Zeug hält. Dabei gibt es in der Schneiderei und dem Insel-Laden alles, was das Spieler-Herz begehrt. Das reale Gefühl allerdings, beispielsweise vom Stoff der neuen Kleidung in den Händen, kann das Spiel nicht wiedergeben. Aber immerhin schmälert ein Shoppingtrip in Animal Crossing New Horizons den Geldbeutel der Realität damit nicht.

Animal Crossing New Horizons: Inselleben besser als die Realität?

Der Traum vom Eigenheim ist und bleibt oftmals in der Realität ein bloßer Wunsch. Nicht so in Animal Crossing New Horizons, wo man beginnend mit einem Zelt nach und nach seine eigene Villa erbauen kann. Dabei häuft der Spieler zwar einen riesigen Berg an Schulden an, jedoch lässt sich dieser durch den Verkauf von Fischen und Insekten leicht abbezahlen. Das Haus und die Insel lassen sich dann mit Einrichtungsgegenständen und Dekorationen aufpeppen. So entsteht eine individuelle Spielwelt, die sich jeder nach eigenem Geschmack gestalten kann. Die Gestaltung des eigenen Lebensumfelds in der Realität ist da sicherlich mühseliger.

Animal Crossing New Horizons: Fazit – Inselleben oder Realität?

In Zeiten von Corona hat sich Animal Crossing New Horizons als ideales Mittel im Kampf gegen Langweile erwiesen und konnte ein wenig Abwechslung in die vom Coronavirus geprägte Realität bringen. Betrachtet man Animal Crossing New Horizons unter sozialen Gesichtspunkten, erweist sich das Spiel als echter Retter. In einer Zeit von Distanz gelingt es Animal Crossing New Horizons, Nähe zwischen den Menschen zu schaffen.

Animal Crossing New Horizons: Inselleben besser als die Realität?

Doch obwohl das reale Leben momentan wie eingefroren erscheint, so stehen uns dort eigentlich viele Aktivitäten zur Verfügung. Wir dürfen angesichts der genommenen Möglichkeiten die Augen vor den vorhandenen nicht verschließen. Animal Crossing New Horizons ermöglicht eine utopische Wirklichkeit. Aber ob solch eine virtuelle Welt langfristig gegen die Realität ankommt, ist fraglich. Wer während der Pandemie viel Zeit auf seiner Insel verbracht hat, kann jetzt für kurze Zeit noch an einer psychologischen Studie über Animal Crossing New Horizons Spieler teilnehmen.

Rubriklistenbild: © Nintendo

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