1. ingame
  2. Gaming News

Das heißeste Spiel von 2023 ist dieses Sowjet-Bioshock – dabei kann es nur enttäuschen

Erstellt:

Von: Joost Rademacher

Nach fast fünf Jahren Wartezeit soll Atomic Heart 2023 endlich erscheinen. Meine Erwartungen sind hoch, aber hat es überhaupt eine Chance, sie zu erfüllen?

Hamburg – Das Jahr 2022 neigt sich dem Ende, die größten Spiele sind erschienen, die Top-Listen geschrieben und Awards vergeben. Endlich klingt das Jahr 2023 nicht mehr, als wäre es eine Ewigkeit weit entfernt und auch die neuen Releases des Jahres rücken in greifbare Nähe. Ganz groß, fett und in Rot markiert habe ich für mich vor allem einen Titel: das abgefahrene Sowjet-Bioshock namens Atomic Heart. Es ist ein Wunder, dass dieses Spiel überhaupt erscheint, ein noch größeres Wunder wäre es aber, wenn es keine bittere Enttäuschung wird.

Name des SpielsAtomic Heart
Release (Datum der Erstveröffentlichung)21. Februar 2023
PublisherFocus Entertainment
EntwicklerMundfish
PlattformPS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X|S, PC
GenreFirst-Person-Shooter

Atomic Heart: Ein Shooter-Mysterium von einem unbekannten Studio – kann das gutgehen?

Was ist Atomic Heart eigentlich? Alles, was ich bisher zu Atomic Heart weiß, hab ich aus den unzähligen Trailern gelernt, die in den letzten fünf Jahren durchs Netz geflogen sind. Die tatsächlichen Fakten sind ziemlich dünn, obwohl es doch schon im Februar 2023, also in weniger als zwei Monaten, erscheinen soll. Aber sie reichen, um zumindest einen ganz groben Umriss von diesem Mysterium von einem Shooter zu erhalten.

Atomic Heart ist das erste vollumfängliche Projekt eines russischen Entwicklerteams namens Mundfish und wird wohl eine Art retrofuturistisches Sowjet-Bioshock. Im Universum von Atomic Heart ist die Sowjetunion zu einer technologisch ultra-fortschrittlichen Supermacht geworden, aber in einer der Forschungseinrichtungen des Landes gibt es einen Zwischenfall, der die lokalen Roboter, Menschen und alles dazwischen zum Durchdrehen bringt. Die Spieler*innen übernehmen die Rolle eines KGB-Agenten, der das Ganze geraderücken soll – das ist aber schon so ziemlich alles, was ich mir bisher zusammenreimen kann.

Atomic Heart ist eine der größten Spiele-Hoffnungen von 2023 – könnte aber auch die größte Enttäuschung werden
Das heißeste Spiel von 2023 ist dieses Sowjet-Bioshock – dabei kann es nur enttäuschen © Mundfish (Montage)

Es gibt übernatürliche Kräfte, abgefahrene Tech-Laserwaffen, ordentlich brutale Nahkampfknüppeleien, Atomic Heart will das volle Programm bieten. Mit einer Menge Glück könnte das alles auch ziemlich, ziemlich fett werden, wenn das Spiel seine Karten richtig spielt. Nicht ohne Grund ist Atomic Heart einer unserer 10 meist erwarteten Spielereleases im Jahr 2023.

Atomic Heart macht große Versprechen, und die sind schon richtig verlockend

Warum könnte Atomic Heart geil werden? Es ist keine Frage, dass Atomic Heart in allem bisher gezeigten Bild- und Videomaterial mächtig was hermacht. In Sachen Style, Gegnerdesign und Setting ist das Team von Mundfish da etwas dran, das ich (und ihr wahrscheinlich auch) noch nie gesehen habe. Guckt euch nur mal diese „Clown Trap“ an, die die Entwickler*innen vor vier Jahren schon gepostet haben. In diesem einen Gegner steckt mehr Originalität als in so manchem kompletten Ubisoft-Style-Open-World-Spiel aus der Retorte:

Dieses Gespür für Style und Inszenierung zieht sich durch jeden einzelnen Trailer, den Mundfish bisher zu Atomic Heart veröffentlicht hat. Auch in den Gameplay-Trailern kracht es gewaltig, wenn sich das Gunplay auch in Aktion gut anfühlt und das Setting durch eine überzeugende Story verschnürt wird, sollte ein sicherer Hit ins Haus stehen. Ach ja, und um die Musik kümmert sich Mick f***ing Gordon, der für Doom (2016) und Doom Eternal zwei der besten und härtesten Soundtracks des Jahrhunderts rausgehauen hat.

Und trotzdem, oder vielleicht gerade wegen so vielen guten Ersteindrücken, befürchte ich, dass Atomic Heart mich aufs härteste enttäuschen wird.

Atomic Heart sieht zu gut aus – Es könnte sich selbst zum schlimmsten Feind werden

Warum befürchte ich so eine Enttäuschung? Ganz einfach gesagt: Atomic Heart sieht zu gut aus. Mundfish hat verdammt hochgestapelt und alles deutet darauf hin, dass das Team weit über seiner Gewichtsklasse boxen will. Bei ResetEra, einem bekannten Insiderforum für Gaming, ist vor einigen Jahren ein Report aufgetaucht, der von extremen Problemen in der Entwicklung spricht. Viele der frühen Trailer sollen komplette Fakes sein, selbst spätere Gameplay-Trailer seien angeblich hart geskriptet und linear, sprich: während ich (und viele andere) von Atomic Heart umgehauen wurden, gab es eigentlich noch gar kein Spiel.

Die Befürchtungen um Atomic Heart gehen aber noch weiter. Der CEO von Mundfish soll völlig planlos in Sachen Spieleentwicklung sein, auch beim Rest des Teams soll es an vielen Kernkompetenzen gefehlt haben. Die Probleme gingen bei Mundfish an einem Punkt so weit, dass es die gesamte Entwicklung neu starten und dem Gameplay ein massives Downgrade verpassen musste. Das alles passierte, während Fans das Spiel schon vorbestellen konnten.

Screenshot aus Atomic Heart von Mundfish
Atomic Heart: Ist die große Shooter-Hoffnung nur eine Mogelpackung? © Mundfish

Kurzum: Für lange Zeit war Atomic Heart eine einzige Mogelpackung. So sehr ich es mir auch wünschen würde, kann mir schlichtweg nicht vorstellen, dass Mundfish eine komplette 180°-Wendung zu einem fertigen Spiel mit vollem Erfolg schaffen könnte. Selbst wenn einige der gröbsten Baustellen gefixt werden, wird anderer Stelle mit Sicherheit was herunterfallen. Das könnte die Story betreffen, das Gameplay, die Performance, oder im schlimmsten Fall ein bisschen von allem.

Es ist ein Wunder, dass Atomic Heart nach fünf Jahren in der Entwicklungshölle tatsächlich in zwei Monaten erscheinen soll. Ein noch größeres Wunder bräuchte es aber, damit es nicht an den Erwartungen, die es selbst geschaffen hat, zerbricht.

Auch interessant