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Mehr Geld für Spiele

Computerspieleentwicklung: Mit Förderung will nun auch der Staat mitmischen

  • Roberto Quentin
    VonRoberto Quentin
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Auch wenn Deutschland ein Export-Weltmeister ist, hängt es im Bereich Entwicklung von Computer- und Videospielen hinten an. Dies soll sich nun ändern.

Deutschland ist einer der größten weltweiten Absatzmärkte für Computerspiele. Insbesondere in den Corona-Zeiten wurden mehr Videospiele verkauft, als in den vorigen Jahren. Dennoch hinkt die Bundesrepublik bei der Entwicklung von Computerspielen hinterher. Während Länder wie USA oder Japan zahlreiche Publisher und Entwicklerstudios haben, kann Deutschland aktuell im weltweiten Markt nicht mithalten.

Games-Förderung soll Spiele-Entwicklung verbessern

Damit Deutschland in Zukunft konkurrenzfähig wird, will die Games-Förderung des Bundes Ende September 2020 mehr als 250 Millionen Euro für Spiele-Projekte freigeben. Damit will die Bundesförderung ein starkes Signal setzen und den Bereich einen weiteren Schub geben.

Der Computerspiele-Markt wächst auf der ganzen Welt und in Europa ist Deutschland der größte Absatzmarkt. Die Kaufkraft und die Zielgruppe sind für Publisher hier sehr attraktiv. Weltweit gesehen befindet sich Deutschland auf dem fünften Platz der Videospiel-Abnehmer. Bei der Entwicklung von Spielen sieht es jedoch ganz anders aus. Hier hinkt die Bundesrepublik hinterher. Dies ist doppelt schade, da die Videospiel-Entwicklung auch eine hohe Innovationskraft besetzt und auch andere Bereiche wie Bildung, Filmwirtschaft, Baubranche, Architektur oder Gesundheit und Pflege vorantreiben kann. Hier würden also gleich mehrere Branchen von der Entwicklung profitieren.

Cyberpunk 2077 ist einer der erfolgreichsten Titel im Jahr 2020. Das Entwickler-Studio kommt aus Warschau in Polen.

Trotz steigender Absatzzahlen sinkt der Marktanteil deutscher Spiele-Unternehmen

Auch wenn der Gesamtumsatz in der Spielebranche weltweit weiter steigt, hat Deutschland mit einem sinkenden Marktanteil im Vergleich der Spiele-Unternehmen zu kämpfen. Auch die Zahl der Angestellten in der Spielebranche ist in Deutschland aktuell rückläufig oder stagniert. Mit der Vereinbarung im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und der SPD wurde daher die Computerspielförderung im Jahr 2018 vereinbart, die Bundesweit greifen soll. Ziel ist den Entwicklungsstandort in Deutschland zu stärken und damit auch international wettbewerbsfähig machen. Dies ist der Grund für die 250 Millionen Euro Spritze in den kommenden Jahren für die Spiele-Branche.

Fördermöglichkeiten in der Pilotphase

In der Pilotphase der Computerspielförderung im Jahr 2019 gab es lediglich 200.000 Euro Förderung für kleine Projekte. Ab August 2020 wurden dann jedoch größere Förderbeträge in der zweiten Stufe mit der EU-Kommission abgestimmt. Seit September 2020 können nun Förderanträge für Computerspielprojekte eingereicht werden. Die Projekte erhalten eine Anteilsfinanzierung als nicht rückzahlbaren Zuschuss und richtet sich daher auch an Firmen und Unternehmen die ihren Sitz in der Bundesrepublik Deutschland haben. Es gibt jedoch einen kleinen Haken, denn die EU-Kommision wird das Spielprojekt einem Kulturtest in Hinsicht auf den Spielinhalt und den kulturellen Hintergrund unterziehen. Erst dann werden die Fördermittel bewilligt. Dies grenzt die Entwicklung natürlich ein einer gewissen Weise ein.

Übersicht über die aktuellen Förderprojekte in der deutschen Videospielbranche

Aktuell laufen mittlerweile mehr als 200 Projekte, die von der Förderung in Deutschland profitieren. Interessant ist die Tatsache, dass 99 Prozent der Projekte in der ersten Förderphase von kleinen und mittleren Unternehmen beantragt wurden. 87 Prozent darunter sind Kleinstunternehmen mit weniger als 10 MitarbeiterInnen. Damit ist der erste Schritt für eine Verbesserung in diesem Bereich getan.

Hamburg will Innovationsstandort in der Videspiel-Branche werden

Die Freie und Hansestadt Hamburg hat durch das Verlagswesen und die neuen Medien bereits seit der Jahrtausendwende den Ruf als „Medienstadt“. Nun will Hamburg die Entwicklung von Computerspielen weiter vorantreiben und hat eine eigene Spielförderung geschaffen, die ab 2020 mit 520.000 Euro im Jahr die Branche stärken will. Das Instrument ist die gamecity:Hamburg, welche sich um die Abwicklung der Spielförderung kümmert. Auch in Hamburg ist Ende 2020 vorerst eine Prototypenförderung vorgesehen. Hamburg setzt hier verstärkt auf Nachwuchsteams, um in der Zukunft auf die Herausforderungen der Spiele-Industrie gewappnet zu sein.

Computerspiel-Prototypen können dabei bis zu 80.000 Euro an Fördergeldern erhalten, die als nicht rückzahlbare Zuschüsse gelten. Die Projekte müssen dabei mindestens 25 % der Kosten tragen. In Hamburg können sich Entwicklergemeinschaften, aber auch einzelne Entwickler und sogar etablierte Entwicklerstudios für die Förderung bewerben. Einzige Voraussetzung ist ein Sitz in der Hansestadt Hamburg.

Hamburg gilt wie bereits erwähnt als einer der größten Standorte für die Vermarktung und Entwicklung von Videospielen in Deutschland. Dabei hat Hamburg auch eine große Anzahl an öffentlichen Ausbildungseinrichtungen in diesem Bereich, welche Fachkräfte und Entwickler für die Zukunft ausbildet. Durch die Förderung will Hamburg seinen Vorsprung im deutschen Markt weiter Ausbauen und den Standort für Personal in der Branche attraktiv machen. Hamburg würden dann ebenfalls in anderen Bereichen von dem Know-how und Wissenstransfer der Branche profitieren. Gleichzeitig wird Gründen und Start-ups ein großer Anreiz geboten ihren Sitz in der Hansestadt zu suchen.

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