Drama, baby

Cyberpunk 2077: Journalist deckt nächsten Skandal auf – Firmen-Chef reagiert

  • Adrienne Murawski
    vonAdrienne Murawski
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Durch einen bekannten Journalisten wurde nun der nächste Skandal zu Cyberpunk 2077 aufgedeckt. Aufgrund der neuen Vorwürfe meldet sich nun der Firmen-Chef.

  • CD Projekt RED entschuldigte sich kürzlich in einem Video für das Release-Debakel von Cyberpunk 2077 auf Last-Gen Konsolen.
  • Der Journalist und Insider Jason Schreier hat nun mit einigen CD Projekt Red Mitarbeitern gesprochen und einen pikanten Bericht veröffentlicht.
  • CDPR Head of Studio Adam Badowski kann Schreiers Bericht hingegen nicht zustimmen und hat Kritikpunkte veröffentlicht.

Warschau, Polen – Was für ein Albtraum für CD Projekt RED! Das Debakel um den vermasselten Release von Cyberpunk 2077 will einfach nicht verschwinden. Wie gut, dass wir nicht in der Haut von CDPR stecken, sonst würden wir uns vermutlich richtig doll kneifen und versuchen aufzuwachen. Nun hat sich ein bekannter Journalist mit Insiderverbindungen zu CD Projekt RED Mitarbeitern gemeldet und beleuchtet die Situation nochmals ausgiebig. Daraufhin meldet sich sogar der sonst sehr schweigsame Head of Studio Adam Badowski zu Wort.

Release (Datum der Erstveröffentlichung)10. Dezember 2020
Publisher (Herausgeber)Bandai Namco (Europa), Warner Bros. (USA), Spike Chunsoft (Japan)
Serie-
PlattformPS4, Xbox One, Microsoft Windows, Google Stadia, PS5, Xbox Series X
EntwicklerCD Projekt RED
GenreAction-Rollenspiel, Open World

Cyberpunk 2077: So begann das Release-Debakel

Fangen wir ganz von vorne an. Am 10. Dezember wurde Cyberpunk 2077 nach acht langen Jahren endlich für den PC, aber auch auf PS4 und Xbox One und dank Abwärtskompatibilität natürlich auch für die Next-Gen PS5 und Xbox Series X/S releast. Doch entgegen der Erwartungen der Fans und der Aussagen von CD Projekt RED lief das Spiel nirgends perfekt. Auf dem PC waren zunächst etliche Bugs und Glitches, im Vergleich zu den Last-Gen Konsolen waren die jedoch harmlos. Denn auf den Standardmodellen der PS4 und Xbox One war das Spiel ungenießbar. Zahlreiche Fans beschwerten sich nicht nur über Bugs, sondern auch über ständige Crashes und extrem niedrige fps-Werte. Kein Wunder also, dass Cyberpunk 2077 auf MetaScore für die ältere Konsolengeneration User-Bewertungen zwischen 3 und 4 von 10 Punkten erhielt.

Das hat einige schwerwiegende Folgen für das polnische Entwicklerstudio hinter dem dystopischen Rollenspiel. So verloren nicht nur Fans das Vertrauen in CD Projekt RED, auch Investoren fühlen sich hintergangen und falsch informiert vom Studio, die Aktie sackte nach dem Release enorm ab und ein polnischer Anwalt wollte eine Sammelklage gegen CD Projekt RED einreichen. Zuletzt drohte sogar die polnische Regierung mit Sanktionen gegen das Entwicklerstudio.

Cyberpunk 2077: CD Projekt RED rudert zurück und entschuldigt sich

Das konnte CD Projekt RED so natürlich nicht im Raum stehen lassen. Bereits kurz nach Release folgte eine erste Entschuldigung auf Twitter und einige Hotfix Patches, um das Spielerlebnis noch vor dem neuen Jahr etwas zu verbessern. Zudem wurden zwei größere Patches für Januar und Februar angekündigt. Kürzlich meldete sich auch Co-CEO Marcin Iwiński in einem Video persönlich zu Wort und entschuldigte sich für das Debakel. In diesem übernimmt er, gemeinsam mit dem Rest der Führungsetage, die Verantwortung für den Schlamassel und stellt die Situation aus Sicht des Studios dar. So wollte CDPR Cyberpunk 2077 wohl zunächst für den PC optimieren und dann erst auf die Konsolen übertragen und anpassen. Das erklärt zumindest, warum es auf dem PC sehr gut spielbar ist und auf den älteren Konsolen kaum.

Cyberpunk 2077: Journalist legt sich mit CD Projekt RED an – Release-Desaster jetzt Chefsache

Während des Prozesses wurde das Studio jedoch immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt und dann kam natürlich auch noch Corona. So wurden die Konsolenversionen laut Iwiński intensiv getestet, jedoch kamen die Bugs und Performanceprobleme, die Spieler nach Release durchleben musste, bei den Tests angeblich nicht ans Tageslicht. Cue, Insider und Bloomberg-Journalist Jason Schreier.

Cyberpunk 2077: CDPR Mitarbeiter geben Journalist interessante Einblicke in den Entwicklungsprozess

Jason Schreier hat schon einige investigative Artikel geschrieben und ist bekannt für seine Beziehungen zu diversen internen Arbeitern von bekannten Entwicklerstudios, unter anderem natürlich auch zu Mitarbeitern von CD Projekt RED. Dieser berichtete bereits im Oktober 2020 über das gebrochene Crunch-Versprechen von CDPR an seine Angestellten und auch jetzt hat er sich wohl mit mehr als 20 Angestellten und Ex-Mitarbeitern über die Entwicklung von Cyberpunk 2077 unterhalten. Viele davon möchten verständlicherweise anonym bleiben, um ihre Karriere nicht zu gefährden. Im Artikel schreibt Schreier, dass CD Projekt RED laut Aussagen der Mitarbeiter sich auf das Marketing und die Entwicklungskosten von Cyberpunk 2077 fokussierte und dadurch einen unrealistischen Zeitplan vertrat, der massenhaft Überstunden lange vor dem letzten Push verlangte.

Natürlich hatte CD Projekt RED während der Entwicklung von Cyberpunk 2077 mit vielen Probleme zu kämpfen. So wurde das Spiel zwar 2012 bereits angekündigt, die eigentliche Entwicklung begann aber wohl erst 2016, nachdem The Witcher 3 als abgeschlossen galt. Nach Schreier und der Meinung der Mitarbeiter viel zu spät, denn Cyberpunk 2077 wurde auch noch auf einer neuen Engine entwickelt. So vergleicht ein Angestellter die Entwicklung von Cyberpunk 2077 mit der Fahrt eines Zuges, wobei die Gleise jedoch gerade erst gelegt werden.

One member of the team compared the process to trying to drive a train while the tracks are being laid in front of you at the same time. It might have gone more smoothly if the track-layers had a few months head start.

Jason Schreier

Weiter stellt Jason Schreier den Kopf des Studios, Adam Badowski, in den Fokus seines Artikels. So soll nach seiner Übernahme als Studioleitung so gut wie alles an Cyberpunk 2077 geändert und Top-Entwickler entlassen worden sein, weil diese eine andere Ansicht von Cyberpunk 2077 hatten, als Badowski. Außerdem soll sich CD Projekt RED mehr darauf fokussiert haben, Leute zu beeindrucken, anstatt tatsächlich abzuliefern. Als Beispiel nennt Schreier die Demovorführung von Cyberpunk 2077 auf der E3 in 2018 und bezeichnet diese als „größtenteils fake“. Fans und Journalisten waren zwar hin und weg von der Demo, allerdings fehlten viele der gezeigten Gameplay Features schlussendlich im Endprodukt. Auch einige Entwickler empfinden die Demo als verschwendete Zeit, die sie lieber in die tatsächliche Spieleentwicklung gesteckt hätten.

Cyberpunk 2077: Grauenhafte Arbeitsbedingungen bei CDPR für mehr Profit

Ein Ex-Mitarbeiter von CD Projekt RED, Adrian Jakubiak, sprach mit Schreier und sagte, dass er sich oft dazu genötigt fühlte massive Überstunden abzuleisten und teilweise 13 Stunden am Stück für 5 Tage die Woche schuftete, um den Ansprüchen von Managern gerecht zu werden. Nachdem er geheiratet hatte, verließ er das CD Projekt RED, da durch die extremen Crunch-Bedingungen schon einige Mitarbeiter ihre Familien verloren hätten. Zudem nutzten all die Überstunden nichts, denn die Entwicklung ging trotz allem nicht schneller voran. Basierend auf dem Entwicklungsfortschritt rechneten die meisten Angestellten wohl mit einem Release in 2022, also zwei Jahre später als tatsächlich geschehen. Trotzdem wollte die Führungsriege Cyberpunk 2077 nicht weiter verschieben, um einen „Double Dip“ zu ermöglichen.

Dieser Schuss ging eindeutig nach hinten los, denn anstatt den erfolgreichen Release von Cyberpunk 2077 zu feiern und an neuen DLCs und Erweiterungen zu arbeiten, muss CD Projekt RED nun den Schlamassel aufräumen, sich mit zahlreichen Problemen öffentlich auseinandersetzen und unter enormen Druck von Investoren und Fans abliefern.

Cyberpunk 2077: Head of Studio wehrt sich gegen Artikelaussagen

Kurz nachdem Jason Schreier seinen Artikel auf Bloomberg veröffentlicht hatte, meldete sich der sonst eher schweigsame Kopf des Studios, Adam Badowski, über Twitter zu Wort. Dieser scheint mit dem Artikel von Schreier ganz und gar nicht einverstanden zu sein und gibt seinen Input zu einigen Themen, die Schreier angeschnitten hat. So hat er eine besonders lange Erklärung für die angebliche „fake Demo“ auf der E3. Badowski schreibt in seinem Tweet, dass die Demo keineswegs fake gewesen sei, sondern es viele Inhalte, wie die Dumdum-Szene oder die Autoverfolgung, in Cyberpunk 2077 geschafft hätten. Außerdem sei es ganz normal, dass Demonstrationen nur eine „Vision“ seien und man deshalb auch das Wasserzeichen „work in progress“ hätte. Schließlich würde ein Spiel erst wenige Monate vor Release wie das Endprodukt aussehen.

Zudem sei es ganz normal, dass gezeigte Features im Verlauf der Entwicklung auch wieder verschwinden können, schließlich sei das ein Teil des kreativen Prozesses. Schlussendlich habe sich die Vision der Demo in etwas entwickelt das mehrere Bestnoten für die PC-Version von renommierten Kritikern auf der ganzen Welt erhielt. Natürlich ist die Version für die Last-Gen Konsolengeneration „ein anderer Fall, aber wir [CD Projekt RED, Anm. d. Red] [...] arbeiten super hart daran Bugs zu entfernen“. Alles im Allem ist Badowski nach eigenen Aussagen also sehr stolz und zufrieden mit Cyberpunk 2077 und würde die Situation keinesfalls als desaströs bezeichnen.

Natürlich äußerte sich Badowski auch zu den Vorwürfen, dass die meisten Mitarbeiter von CD Projekt RED der Meinung waren, dass Cyberpunk 2077 für einen Release in 2020 nicht bereit war. So schreibt er: „Sie [Jason Schreier, Anm. d. Red.] haben mit 20 Leuten geredet, manche davon ehemalige Mitarbeiter und nur einer, der nicht anonym ist. Ich würde das nicht die ‚meisten‘ bei über 500 Mitarbeitern nennen.“

Adam Badowski scheint von Jason Schreiers Artikel also nicht besonders angetan zu sein. Immerhin hat Schreier Badowski direkt auf seinen Tweet geantwortet und ihn eingeladen, sich auch zu den anderen Punkten seines Artikels zu äußern, fügt aber auch hinzu, dass sich CD Projekt RED auf Nachfrage nicht zu den Sachverhalten gegenüber Schreier geäußert hatte, bevor der Artikel live ging. Bleibt abzuwarten, ob Badowski oder jemand anderes von CD Projekt RED sich auch zu den anderen Punkten aus dem Artikel äußern wird oder die Diskussion nun (vorerst) beendet ist.

Rubriklistenbild: © CD Projekt Red / Twitter: @jasonschreier, @AdamBadowski / pixabay (Montage) / (Erstmeldung vom 18.01.2021)

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