Ist die Kritik gerechtfertigt?

Cyberpunk 2077: Schwere Transphobie-Vorwürfe – Spieler rufen zum Boykott auf

  • Adrienne Murawski
    vonAdrienne Murawski
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Haben die Entwickler von Cyberpunk 2077 etwa ein Transphobie-Problem? Nach dem Release werden schwere Vorwürfe laut. Nun rufen Spieler zum Boykott auf.

  • Cyberpunk 2077 wurde nach mehrmaligem Verschieben am 10. Dezember 2020 veröffentlicht.
  • In der Vergangenheit wurde Entwickler CD Projekt RED bereits mehrmals vorgeworfen, transphob zu sein.
  • Nach Release kochen die Vorwürfe erneut hoch und es wird zum Boykott von CD Projekt RED und Cyberpunk 2077 aufgerufen.

Warschau, Polen – Gerade erst erschienen und schon hagelt es die ersten Kritiken. Auch wenn Cyberpunk 2077 im Allgemeinen sehr hochgelobt wird, haben einige Tester:innen auch heftige Kritiken und Vorwürfe entgegenzubringen. An sich nichts Neues, schließlich hat das polnische Entwicklerstudio CD Projekt RED, welches ebenfalls die Spiele zu The Witcher produzierte, bereits Erfahrung mit negativen Kritiken. Doch diesmal wird sogar zum Boykott von Cyberpunk 2077 aufgerufen. Warum das Game boykottiert werden soll und ob die Vorwürfe gerechtfertigt sind, lest ihr hier.

Release (Datum der Erstveröffentlichung)10. Dezember 2020
Publisher (Herausgeber)Bandai Namco (Europa), Warner Bros (USA), Spike Chunsoft (Japan)
Serie-
PlattformPS4, Xbox One, Microsoft Windows, Google Stadia, PS5, Xbox Series X
EntwicklerCD Projekt RED
GenreAction-Rollenspiel, Open World

Cyberpunk 2077: Transgender als reiner Fetisch – Objektifizierung als Zeichen der Transphobie

Die ersten Vorwürfe, dass CD Projekt RED und zum Teil auch Cyberpunk 2077 transphob seien, tauchten bereits 2019 auf. Denn im Juni 2019 veröffentlichte CDPR ein kontroverses Poster, auf dem eine feminine Person mit einem abnorm großen, männlichen Genitalbereich gezeigt wurde. Die dargestellte Person wurde für eine Werbung des In-Game-Getränks Chromanticure genutzt und brachte CDPR jede Menge negative Kritik ein. Fans kritisierten bereits 2019, dass dieses Poster ausbeuterisch, verspottend und transphob wäre. CDPR hingegen verteidigte die Marketing-Maßnahme und das Poster, denn damit sollte dargestellt werden, wie Firmen in Cyberpunk 2077 den Körper als Objekt betrachten und nur für ihre Zwecke ausnutzen – CDPR wollte mit dem Poster also bewusst schockieren.

Die Transfrau Stacey Henly vom Polygon Magazin hat in einem ausführlichen Artikel beschrieben, wieso sowohl die Aussagen von CDPR, als auch Cyberpunk 2077 an sich, transphob sind und trans* Menschen diskriminieren. So machte CDPR auf Twitter einen transphoben „Witz“ und nutzte einen trans*-positiven Hashtag für die eigenen Marketingzwecke aus. Auch das Poster kommt bei Henly nicht gut weg, denn die Ausrede von CD Projekt RED wurde ihrer Meinung nach nicht im Spiel bekräftigt. Denn ihrer Meinung nach basiert Cyberpunk 2077 nach wie vor auf Cis-Gender-Stereotypen, anstatt die versprochene Flexibilität zu bieten.

Cyberpunk 2077: Kritik an eingeschränkter Stimmwahl – deshalb soll das Spiel transphob sein

Cyberpunk 2077 bot trans* Menschen die Hoffnung endlich auch einmal in einem Spiel repräsentiert zu sein, denn der Intimbereich der Spielfigur ist individuell anpassbar. So kann man beispielsweise eine Figur mit weiblicher Brust und männlichem Genital gestalten oder auch auswählen, dass es gar kein Geschlechtsteil gibt. Somit wären auch Personen repräsentiert, die sich keinem Geschlecht eindeutig zuordnen.

Allerdings sieht die Stimmen-Auswahl ganz anders aus. Denn die weiblich anmutende Stimme bestimmt das Geschlecht der Spielfigur als weiblich, während die männlich wirkende, bzw. tiefere Stimme den Charakter als Mann identifiziert. Dies ist ein Problem, da, nach Henly, die Stimme für viele trans* Menschen weitaus wichtiger sei als der Intimbereich. Sie hätte sich dementsprechend für die realitätsgetreue Repräsentation gewünscht, dass es möglich ist, eine tiefere Stimme für einen „weiblicheren“ Körper einstellen zu können und trotzdem als Frau spielen zu können bzw. im Game dann mit dem Pronomen sie (she/her) angesprochen zu werden.

Cyberpunk 2077: Boykott wegen Transphobie – zeigt CD Projekt RED jetzt sein wahres Gesicht?

Auch für Menschen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen, gebe es in Cyberpunk 2077 somit keine Repräsentation, da man nur zwischen einer tiefen „männlichen“ oder höheren „weiblichen“ Stimme wählen kann. Zudem kritisiert Henly, dass ihr auch im Spiel selbst keinerlei trans* NPC oder Charaktere begegnet sind. Dies unterstreicht ihrer Meinung nach die Transphobie von Cyberpunk 2077 sowie natürlich auch von Entwickler CD Projekt RED.

Cyberpunk 2077: Fans verteidigen CD Projekt RED nach Transphobie-Vorwürfen vehement

Viele Online-Magazine, unter anderem CBR, them und Syrup, sprachen sich für die Seite von Henly aus und verurteilten CD Projekt RED sowie Cyberpunk 2077. Die Fans hingegen stellten sich schnell auf die Seite von Cyberpunk 2077 und hielten den Kritikern entgegen, dass diese überreagieren würden. So wird in einem Reddit-Forum ausgiebig diskutiert, was an den Vorwürfen wirklich dran ist. Darin melden sich auch einige User, die sich als trans* identifizieren, zu Wort und geben interessante Einblicke und erklären die Sachverhalte, auf die sich Henly und die anderen Magazine beziehen.

Einige stimmen mit Henly überein und verurteilen CD Projekt RED nicht nur aufgrund ihrer Aussagen, sondern auch aufgrund der Herkunft. Da Polen derzeit in den Medien vorwiegend aufgrund von negativen Schlagzeilen zu Anti-LGBTQ+ Richtlinien auffällt, schließen einige darauf, dass auch CD Projekt RED deshalb transphob sei. CDPR aufgrund diskriminierender Aussagen zu verurteilen, ist sicherlich gerechtfertigt, jedoch sollte man unserer Meinung nicht aufgrund der Herkunft CDPR Transphobie vorwerfen.

Einige trans* User:innen sehen das Poster und auch Cyberpunk 2077 sogar positiv, da in der dystopischen Zukunft der Spielewelt alles objektifiziert und für Werbemaßnahmen genutzt wird. Alle Menschen, egal ob trans* oder nicht, werden sexualisiert. Eine Userin geht sogar so weit und sagt, dass die Objektifizierung wenigstens „positiv“ sei, und impliziert, dass non-binary und trans* Körper attraktiv sind. Auch für Crunch musste sich CD Projekt RED bereits verantworten und zuletzt machte Cyberpunk 2077 mit diesem schlüpfrigen Liebes-Item Schlagzeilen.

Disclaimer: Wir distanzieren uns ausdrücklich von rechtsextremen, homophoben, transphoben, fremdenfeindlichen oder anderweitig diskriminierenden Aussagen, denn Hass hat bei uns keinen Platz. Durch Sternchen* oder Doppelpunkte: möchten wir alle Geschlechter ansprechen, egal ob cis, trans*, non-binary oder andere.

Rubriklistenbild: © CD Projekt RED/pixabay (Montage)

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