Kommentar – Schade Schalke

E-Sport: Schalke 04 – Ein Miracle Run war nicht genug

  • Janik Boeck
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Schalke 04 verkauft seinen Spot in der LEC. Der Verein zieht damit die Konsequenz aus einer desolaten Bundesliga-Saison. Ein Nachruf.

Gelsenkirchen – Ich habe mit Schalke 04 absolut nichts am Hut. Ob der Verein sportlich, finanziell oder anderweitig erfolgreich ist, tangiert mich peripher. Oder salopp gesagt: juckt mich gar nicht. Als Sportler und E-Sport-Enthusiast weiß ich aber einen derart historischen Club und dessen Bedeutung zu schätzen. Vor allem, wenn er eine solche Vorreiter-Position in der deutschen E-Sport-Landschaft einnimmt. Dass das nun erstmal ein Ende hat, ist, auch ohne emotionale Bindung zum Verein, frustrierend. Vor allem, weil die Leidtragenden nicht die Verantwortlichen sind und umgekehrt.

Name des VereinsFC Schalke 04
StandortGelsenkirchen
Arena/StadionVELTINS-Arena
Gründung04. Mai 1904
GeschäftsführungPeter Knäbel
Mitgliederzahl160.000 (Stand 2021)

E-Sport: Schalke 04 verkauft seinen LEC Spot als letzte Konsequenz der Eitelkeiten einiger weniger

Wer den Fußball und vor allem die Bundesliga verfolgt, wird von der Meldung, dass Schalke 04 den LEC-Spot (League of Legends European Championship) verkauft, nicht überrascht gewesen sein. Und auch sonst ist es schwer, an der aktuellen Situation in Gelsenkirchen vorbeizukommen. Die letzte Saison war die schlechteste in der über hundertjährigen Vereinsgeschichte und die logische Konsequenz jahrelanger Missstände. Schalke 04 ist nicht abgestiegen, Schalke 04 ist abgestürzt.

Schon im letzten Jahr kamen nach und nach Informationen an die breite Öffentlichkeit, bei denen man froh war, kein Fan des Vereins zu sein. Erst rettete sich Schalke 04 gerade so über die Ziellinie der Saison, dann drohte die Insolvenz und schließlich zeigte Clemens Tönnies, ein Prachtexemplar für scheinheilige Selbstdarstellung, sein wahres Gesicht. Die Basis, wie man so schön sagt, war empört, Tönnies musste nach rassistischen Äußerungen all seine Posten abgeben und verlor damit sein vermutlich liebstes Hobby.

Mit seinem Rücktritt ließ der demaskierte Fleischfabrikant dann auch gleich den Vorhang fallen, was den bis dahin verborgenen Scherbenhaufen offenbarte, der die Finanzen des Vereins sind. Tönnies ging, 217 Millionen Euro Schulden blieben. Wer sich schon länger mit dem Verein beschäftigt, wusste allerdings auch das schon vorher. Schalke 04, zu diesem Zeitpunkt ungefähr so sattelfest wie Christoph Kramer im WM-Finale 2014, fiel zusehends auseinander. Und die E-Sport-Abteilung riss der taumelnde Riese direkt mit sich. Das LEC-Team fällt damit der schillernden Selbstdarstellung und der blinden Gier einiger weniger zum Opfer, ohne jemals etwas falsch gemacht zu haben.

E-Sport: Schalke 04 fällt auseinander – LEC-Team leidet darunter

Was für Schalke 04 nach dem Sommer 2020 folgte, war eine Horror-Saison. Mit einem Punktedurchschnitt von 0,43 Punkten pro Spiel in der Saison 2020/21 stieg der Club aus dem Ruhrgebiet sportlich verdient ab. Und dabei war spürbar, dass die Leistung auf dem Platz nur der verlängerte Wirkungsbereich dessen war, was hinter den Kulissen schiefgelaufen war. Der Abstieg aus der Bundesliga war aber, wie sich jetzt herausstellte, nicht die letzte Konsequenz der Misswirtschaft einiger weniger. Denn neben der Fußballabteilung muss nun auch die Abteilung E-Sport der aktuellen Lage Rechnung tragen: Der LEC-Spot wurde für 26,5 Millionen Euro verkauft.

E-Sport: Die Geschäftsstelle des FC Schalke 04 in Gelsenkirchen

Das E-Sport-Team des FC Schalke 04 muss damit den Kopf für Fehler hinhalten, die es selbst nicht begangen hat. Denn in der LEC lief es für die E-Sport-Vertreter des Vereins nicht schlecht. Zwar konnte der Verein die Lücke zu den Top-Teams der Liga in den entscheidenden Momenten nie schließen, dennoch stabilisierte sich die Lage. Schalke 04 richtete sich ein Nest in den Top 4 ein.

Die Reise im E-Sport von League of Legends ging für den Verein im Jahr 2016 los. Damals nahm der Verein als erster Bundesligaclub an einer E-Sport-Disziplin teil, die keinen direkten Sportbezug, wie zum Beispiel FIFA, hatte. Für den deutschen E-Sport war das eine ganz große Sache. Einer der fünf größten Sportvereine der Welt bekannte sich öffentlich zu einer Wettbewerbsform, die von vielen Menschen eher belächelt wurde. Es war ein Statement für den E-Sport, egal ob er als Sport anerkannt ist oder nicht.

E-Sport: Schalke 04 erlebt in League of Legends viele Höhen und Tiefen

Für Schalke 04 war der Start in den E-Sport sicher kein leichter. Direkt nach dem ersten Split stieg das Team ab. Bei vielen, meine Wenigkeit eingeschlossen, machte sich die Befürchtung breit, dass der Verein das Projekt League of Legends wieder einstampfen würde. Schalke 04 hatte jedoch andere Vorstellungen. Und so erarbeitete man sich den Platz in der Liga.

Und auch beim Aufbau des Franchise-Systems der europäischen Liga investierte Schalke 04 und kaufte sich einen der begehrten Startplätze. Über die folgenden Jahre hinweg waren die Ambitionen des Vereins stets klar: mindestens in die Playoffs kommen, das eigentliche Ziel ist aber die Weltmeisterschaft. Immerhin das erste Ziel erreichte das Team stetig. Der Miracle Run im Summer Split 2020, bei dem das Team sich von einem Sieg in elf Spielen noch qualifizierte, ist das eigene Schalker Sommermärchen.

E-Sport: Schalke 04 verkauft LEC Spot

Doch nun hat das Kapitel LEC vorerst ein jähes Ende gefunden. Der FC Schalke 04 verkündete, dass man die Entscheidung getroffen habe, den Startplatz in der LEC zu verkaufen, um der allgemeinen Lage im Verein Rechnung zu tragen. In diesem Fall sogar wortwörtlich, denn die 26,5 Millionen Euro werden vom Verein dringend benötigt. Auch wenn sie im Angesicht von 217 Millionen Euro Schulden eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirken.

E-Sport: Schalke 04 ist erstmal raus aus der LEC und hinterlässt ein großes Loch

Das Resume zum Aus in der LEC des FC Schalke 04 fällt nüchtern aus. Tim Reichert, Leiter der eigens gegründeten FC Schalke 04 E-Sports GmbH, ist stolz auf das, was sein Team erreicht hat, weiß aber auch um die Sinnhaftigkeit der getroffenen Entscheidung. Enttäuscht wirkt er trotzdem. Und ich kann es ihm nicht verdenken, trägt er doch die Konsequenzen der Inkompetenz anderer.

Die E-Sport-Abteilung von Schalke 04 ist der Gier einiger schillernder Selbstdarsteller zum Opfer gefallen, die in ihrer Art zu wirtschaften offenbar so weit von der Realität entfernt waren wie Jana aus Kassel. Tim Reichert ist sich allerdings sicher, dass Schalke 04 nicht vollständig aus dem E-Sport verschwinden wird.

Und auch, wenn ich mit Schalke nichts am Hut habe, muss ich doch gestehen mir zu wünschen, dass er Recht behält. Denn alles in allem hat Schalke 04 die deutsche E-Sport-Landschaft um eine Marke bereichert, die anderen ein Vorbild sein kann. Schade, dass sie nun erstmal weg ist. Glück auf, Schalke 04.

Rubriklistenbild: © dpa: Bendikt Wenck

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