Lieber mehr Ubisoft-Spiel, als ‚Ubisoft‘-Spiel

Far Cry 6: In diese 5 Open World-Fallen darf Ubisoft zum Release nicht tappen

  • Joost Rademacher
    VonJoost Rademacher
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Far Cry 6 will Open World-Fans zum Release mit einem riesigen Baller-Spielplatz betören. Hoffentlich tappt Ubisoft nicht in eine dieser fünf Fallen.

Toronto, Kanada – Bald schickt Ubisoft uns wieder auf tropische Inseln, um charismatische Volksunterdrücker unschädlich zu machen. Far Cry 3 hat die Ubisoft-Open World in Shootern salonfähig gemacht und Far Cry 6 will das Guerilla-Chaos so richtig auf die Spitze treiben. Die bisherigen Trailer versprechen massenhaft Explosionen und einen gewohnt imposanten Bösewicht. Aber Far Cry 6 ist nun einmal Far Cry und damit, wie immer, ein Open World-Spiel. Das Konzept hat zuletzt immer mehr Probleme aufgeworfen, die der sechste Teil vermeiden sollte.

Name des SpielsFar Cry 6
Release07. Oktober 2021
HerausgeberUbisoft
SerieFar Cry
EntwicklerUbisoft Toronto
PlattformenPS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X, PC
GenreFirst-Person-Shooter, Open World

Far Cry 6: Alle wollen Open World, aber nicht jede:r kann Open World

Große, zusammenhängende, frei zugängliche Spielwelten sind schon lange keine Neuigkeit mehr. Schon ewige Jahre vor Far Cry 6, oder überhaupt dem ersten Far Cry, gaben Spiele ihren Spieler:innen nur zu gerne Welten, die sie nach freiem Belieben erkunden konnten. Wo man in linearen Games an die Hand genommen wurde, um eine Geschichte – wie vom Studio beabsichtigt – möglichst knackig zu erleben, bedeutete eine offene Welt Freiheit – in vielerlei Hinsicht.

Seit Zeiten von The Elder Scrolls 2: Daggerfall oder Shenmue hat sich aber einiges im Open World-Genre getan. Von GTA über Assassin‘s Creed bis hin zu Far Cry hat sich das Genre eine neue, feste Identität erarbeitet. Riesige Umgebungen voller Aktivitäten, unzählige Sammelgegenstände und Inhalt für Spielzeit im dreistelligen Stundenbereich dominieren in seinen Genrevertretern. Far Cry 6 verspricht, auch so ein Spiel zu werden.

Far Cry 6: 5 Open World-Probleme, die in diesem Spiel nicht passieren dürfen

Aber Open Worlds haben sich in eine Ecke gefahren – genau durch die Elemente, die sie so beliebt gemacht haben. Zu oft verlassen sich Studios auf schiere Größe und weit verbreitete Features, die zum guten Ton gehören, „weil es seit Jahren so gemacht wird“. Das Open World-Genre hat deshalb heute so einige Probleme. Wir haben uns fünf besonders schwere Vergehen rausgesucht, von denen wir hoffen, dass Far Cry 6 sie irgendwie umgehen wird. So hätte das Spiel auch eine Chance, einer der besten Shooter im Jahr 2021 zu werden.

Far Cry 6: 5 Open World-Probleme – So viele Quest Marker, so wenig zu tun

Die Formel kennt man schon aus den Vorgängern von Far Cry 6: Hier gibts einen Funkturm, da eine zu befreiende Siedlung, dort noch einen Funkturm, eine Schatzkiste, eine Siedlung, einen Funkturm und immer so weiter. Heutige Open World-Spiele, besonders die von Ubisoft, lieben es, die Spielwelt mit Quest Markern und wichtigen Orten nur so vollzuballern. Die Map soll möglichst viel bieten und uns Stunde um Stunde in der Spielwelt halten. Blöd nur, dass diese Aktivitäten progressiv austauschbarer geworden sind. 250 Orte auf der Karte reduzieren sich auf fünf Aktivitäten, die wir je 50 mal im Wechsel durchgrinden.

Statt einer spannenden Welt, die unseren Forscherdrang kitzelt, erhalten wir durchgetaktetes Gameplay, das nach 5 Stunden alle seine Karten in der Open World ausgespielt hat. Genrevertreter wie Just Cause oder Assassin‘s Creed Valhalla sind dieser Sünde mit ihren Meeren von Questmarkern auf der Karte besonders schuldig. Binnen kürzester Zeit stellt sich eine Routine ein, die mehr nach Arbeit, als nach Spielspaß anmutet. Far Cry 6, das kannst du besser.

Far Cry 6: So eine Wüste aus Quest Markern ist hässlich und überfordernd

Man schaue sich nur mal The Witcher 3 oder Red Dead Redemption 2 an, die ihre Welt mit dynamischen Events und umfangreichen Nebenquests zum Leben erwecken. Far Cry 6 könnte sich natürlich auch einfach in der schieren Menge der Aktivitäten reduzieren, aber mehr Variation reinbringen. Manchmal steht Qualität eben noch über Quantität. Hauptsache ist, wir müssen in Far Cry 6 keine ewig lange Checkliste belangloser Beschäftigungen sehen. Aber am Ende ist es nun einmal ein Spiel von Ubisoft. Das Studio ist für seine überladenen Welten ja schon berüchtigt.

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Far Cry 6: 5 Open World-Probleme – Der Zwang, alles erleben zu müssen

Dieses zweite Problem mit Open World-Spielen geht ein wenig aus dem ersten hervor. Manchmal muss man sich vor Augen führen, dass die Entwicklung von Videospielen extrem harte, extrem schwierige Arbeit ist, an der Hunderte von Menschen auf einmal beteiligt sind. Diese Arbeit will und sollte gewürdigt werden, was für einige Studios allerdings daraus besteht, in einem Durchgang alles zu zeigen, was ein Spiel zu bieten hat. Egal, ob der/die Spieler:in das will oder nicht. In Open World-Spielen gibt es daher einen wichtigen Unterschied zwischen dem Gefühl, alles sehen zu wollen und dem Gefühl, alles sehen zu müssen.

Ersteres entsteht vor allem aus eigener Motivation: man fühlt sich in der Welt wohl, mag das Gameplay und die Aktivitäten, also möchte man damit so viel Zeit wie möglich verbringen. So macht das Spiel auch über längere Zeit Spaß. Zweiteres hingegen sollte Far Cry 6 vermeiden. In manchen Spielen ist man durch die Strukturierung der Welt oder die Verteilung der Hauptmissionen auf der Map gezwungen, die gesamte Welt zu bereisen und Nebenaktivitäten zu machen – entweder um zu lange Wege zu überbrücken, oder um ein nötiges Level für die nächste Region zu erreichen. Die Spiele fühlen sich so immer mehr nach Arbeit an. Schlimmer noch: man bekommt das Gefühl, dass sie die Zeit der Spieler:innen nicht respektieren.

Far Cry 6: Zwingt die Leute nicht zu jeder Kleinigkeit

Selbst eigentlich gute Spiele haben mit einem guten Gleichgewicht aus eigener Motivation und Notwendigkeiten zu kämpfen. Ghost of Tsushima fächert seine Hauptmissionen so weit aus und ist so penetrant mit Hinweisen (verdammte Vögel), dass man nicht drum herum kommt, sich unterwegs mit Nebenaktivitäten zu beschäftigen, auch wenn man es gar nicht möchte. Far Cry 6 könnte sich hierfür beispielsweise gut an Far Cry 3 orientieren, das seine Hauptquests in weniger weite Entfernungen voneinander legte, sodass die Wahl für Nebenbeschäftigungen optional war, statt verpflichtend zum Überbrücken der Spielzeit.

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Far Cry 6: 5 Open World-Probleme – Ich will Berge sehen, Gandalf. Berge!

Wo Far Cry 6 aber vermeiden sollte, wie Far Cry 3 zu sein, ist in seinem Weltdesign. Die tropischen Pazifikinseln des dritten Teils sind schön anzusehen, keine Frage. Mehr als Palmen und Strand haben sie kaum zu bieten. Gerade in einer Zeit, in der die Spielwelten von Open World-Spielen immer gigantischer werden, ist abwechslungsreiches Design der Umgebungen unerwartet wichtig. Ohne eine gewisse Vielfalt fühlt sich die Reise durch die Welt eines Spiels schnell inkonsequent an und es fehlt das Gefühl, wirklich Fortschritte in der Reise zu machen.

Far Cry 6: Hoffentlich so vielfältig wie hübsch

Man denke nur mal an The Elder Scrolls: Oblivion, das in der freien Spielwelt praktisch dauerhaft nach Schwarzwald aussah. Ohne viele einprägsame Wahrzeichen, Orte oder Biome gehen Orientierung und eine gewisse Identifikation mit der Spielwelt ganz fix verloren. Die Open World von Far Cry 6 besteht, trotz gigantischer Fläche, aus nur vier Regionen. Ubisoft Toronto hat hoffentlich dafür gesorgt, dass nicht nur zwischen den Umgebungen, sondern auch innerhalb der Regionen selbst genug Alleinstellungsmerkmale zu finden sind, um sie gut voneinander abzuheben.

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Far Cry 6: 5 Open World-Probleme – Wandern ist des Müllers Langeweile

Mit wachsender Größe haben Open World-Spiele wie Far Cry 6 oft noch ein weiteres Problem. Wichtige Orte wollen erst einmal erreicht werden. Zu Fuß sind die immer längeren Wege zwischen Zielen aber kaum noch zumutbar. Die naheliegendste Lösung sieht dabei ganz einfach aus: Schnellreise nutzen. Das einfache Teleportieren von Punkt zu Punkt geht für viele Spieler:innen aber entgegen dem Gedanken, eine Welt wirklich erforschen zu wollen. Also müssen ein paar fahrbare Untersätze her.

Far Cry 6: Ein bisschen Rasen kann nicht schaden

Die Schwierigkeit an Fahrzeugen ist aber, dass sie eher als Mittel zum Zweck genutzt werden, als dass sie ein spaßiges Element für sich werden. Also braucht es eine Fortbewegungsmöglichkeit, die an sich in der Bedienung schon Spaß macht. Das kann zum Beispiel Just Cause 2 extrem gut, die Greifhaken/Fallschirm-Kombi ist nicht nur schnell, sie macht auch noch richtig Laune.

Bei Far Cry 6 machen wir uns da auch wenige Sorgen. Die Far Cry-Spiele haben schon früher mit interessanten Fortbewegungsmitteln, wie Buggies, Paraglidern oder Mini-Helikoptern gelockt. Es wär nur umso enttäuschender, wenn Ubisoft sich da nichts neues einfallen lassen würde.

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Far Cry 6: 5 Open World-Probleme – Bitte keine Zahlenschieberei

Zu guter Letzt ist da noch die Problematik der Charakterentwicklung in Open World-Spielen. Das ist so eine Sache, die selbst den besten Vertretern des Genres öfter mal schwer fällt. Man sollte dazu sagen, dass RPG-Elemente wie Skilltrees schon lange zum guten Ton eines jeden Open World-Spiels zählen. Das bedeutet aber nicht, dass sie immer zur Qualität eines Spiels beitragen. Neue Fähigkeiten und Skills sollen merkliche Verbesserungen des Charakters bringen, ebenso wie neue Ausrüstungen. Heutzutage reicht es dagegen nicht mehr, nur ein paar Zahlen zu größeren Zahlen zu machen.

Far Cry 6: Ballern muss das

Wenn man schon lange Zeit mit dem Sammeln von Collectibles oder dem absolvieren langer Questreihen zubringt, dann gehört eine ordentliche Belohnung zur Langzeitmotivation einfach dazu. 5% mehr Leben durch einen neuen Skill oder 20 Schadenspunkte mehr durch eine neue Waffe sind zum Beispiel nicht gigantisch entlohnend.

Ein neues Waffenupgrade, das das Verhalten einer Waffe völlig verändert, oder völlig neue Fähigkeiten für mehr Optionen im Kampf, das sind schon andere Hausnummern. Was das angeht, haben wir große Hoffnungen für Far Cry 6. In den bisher gezeigten Gameplay-Szenen zu Far Cry 6 gab es schon einige abgefahrene Waffen zu sehen. Hoffentlich fühlt sich der Prozess, sie freizuschalten, genau so belohnend an, wie sie zu benutzen.

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Rubriklistenbild: © Ubisoft (Montage)

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