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Die Faszination japanischer Videospiele

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Von: Christian Böttcher

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Japanische Videospielikonen begleiten uns schon seit den Kinderschritten den Mediums. Welche Rolle sie auch heute noch spielen und was wir vom japanischen Einfluss gelernt haben, erfahrt ihr hier.

Was wir von der Faszination japanischer Videospiele früher und heute lernen können

Jeder der vor 1990 geboren ist, hat die großen Konsolen Kriege noch live miterleben dürfen. Es war der damalige Kampf der Titanen der Videospiel Industrie. Einer Industrie, die in den 1980er Jahren noch unmissverständlich aus Fernost dominiert wurde.

Als Nintendo Anfang der 1980er ihre erste Heimkonsole, das Nintendo Entertainment System oder besser bekannt unter dem Akronym NES, auf den Markt brachte, sollten sie damit eine vollkommen neue Ära der Heimunterhaltung einläuten.

Die Faszination für Videospiele, die durch die kleine graue Box geweckt wurde, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Was folgte war eine noch nicht dagewesene Zweiteilung des Marktes und der Spielerschaft. In Reaktion auf Nintendos Geniestreich veröffentlichte SEGA das Master System und begrub damit das Kriegsbeil für den Kalten Krieg der Videospiel Branche.

Der Wettbewerb der beiden Schwergewichte drückte dem Medium seinen Stempel auf und prägte die Spieleproduktion für Jahre mit einem japanischen Einschlag.

Nicht nur entsprangen viele der bis heute beliebtesten Videospiel-Ikonen wie Link, die Mario Brüder oder Kirby aus Fernost, auch ihre Spielekonzepte wurden weltweit kopiert.

Bis heute haben japanische Videospiele, besonders im Rollenspielsegment ihre ganz eigenen Alleinstellungsmerkmale.

Obwohl sich Spieldesignpraktiken im Zuge der Globalisierung immer mehr angenähert haben unterscheiden sich westliche RPG noch immer deutlich von dem meisten japanischen Produktion.

Selbstverständlich sind die allgemeinen Spielmechaniken dieselben in beiden Kulturen, allerdings geht die Umsetzung bisweilen soweit auseinander, dass wohl jeder, der schon einmal westliche RPG und ein JRPG in der Hand gehalten hat zweifelsohne die Unterschiede sofort bemerkt.

Nimmt man zum Beispiel Titel wie Bethesda’s Skyrim oder CD Projekt Reds The Witcher wird schnell klar, dass der Fokus dieser Spiele zumeist auf dem Entdecken und Erkunden liegt.

Die oberste Designmaxime ist die spielerische Freiheit und der Realismus, zumindest soweit es der Rahmen einer fantastischen Welt zulässt. Auch die geschichtliche Inszenierung legt in westlichen Titeln häufig den Fokus auf Entscheidungen des Spielers, mit allen daraus resultierenden Folgen.

Im Gegensatz dazu gehen JRPGs traditionell einen anderen Weg. Obgleich gerade JRPGs häufig Spiele von ausufernder Länge sind und damit auch zum Teil in riesigen Spielwelten stattfinden, spielen sie sich meist linearer als ihre westlichen Pendants.

Der Fokus liegt zumeist mehr darauf, den Spieler durch eine vorgefertigte Erfahrung zu führen, anstatt ihr Möglichkeiten an die Hand zu geben, diese umzugestalten.

Auch im ästhetischen Bereich sind die Japan-Sprösslinge eher bunt bis schrill und lassen ihre westlichen Konterfeis nicht selten blass erscheinen.

Beide Design-Entscheidungen sind kulturell begründet und lassen sich auf unterschiedliche Grundwerte zurückführen.

Ist die japanische Kultur eher auf das Gemeinwohl fokussiert, dominiert in den meist neoliberalen westlichen Ländern der Individualismus.

Jedoch soll dies keine kulturtheoretische Auseinandersetzung mit dem Spieldesign sein, sondern eher ein gemeinsamer Gedankensprung von dem östlich dominierten Videospielmarkt zu dem globalen Phänomen, das uns heute fasziniert.

Ich denke, gerade weil die JRPGs sich, als eines der wenigen Genres, ihre eigene Identität bis heute bewahren konnten, bergen sie eine unheimliche Faszination.

Nicht nur stehen die japanischen Traditionstitel wie Dragon Quest oder Final Fantasy wie ein Fels gegen jede Brandung, sondern immer mehr Hybridtitel konnten in den letzten Jahren Erfolge feiern.

Ich denke hier an Titel wie die Souls Reihe, die sich mit japanischem Charme und spieldesigntechnischer Kompromisslosigkeit in einem westlichen Setting inszeniert.

Auch der Erfolgstitel Stardew Valley ist ein Paradebeispiel für die Re-Mediation der ursprünglich japanischen Harvest Moon Reihe mit westlichen Mechaniken.

Letztlich denke ich, dass die Globalisierung der Spieleproduktion, gerade im Falle solcher Hybridisierungsprozesse eine Wohltat sein kann, solange wir Spieler die kulturelle Identität nicht wie in einem Casino verspielen.

Der Fortbestand kultureller Spieleinseln ist essentiell, um Austausch, Diversität und Re-Mediation überhaupt erst zu ermöglichen und Medienproduktion Marke Einheitsbrei zu bremsen.

Anstatt die Erosion kultureller und spielerischer Identitäten anzufeuern, haben wir Spieler noch alle Chancen, unser junges Medium divers zu halten.

Diese Chance wollen wir nicht verspielen und schlagen euch vor, eurem Spieltrieb lieber bei Mr Green Slotspiele zu befriedigen.

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