Filesharing: Download von Games ist teurer denn je

  • Marco Kruse
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Umso aktueller die heruntergeladene Datei ist, desto teurer die Abmahnung. So ist es auch bei Games: wer die neuesten Konsolen- oder Computerspiele lädt, der muss zum einen mit besonders hohen Abmahnkosten und Schadensersatzforderungen rechnen. Zum anderen verfolgen die Rechteinhaber die Urheberrechtsverletzungen bei ihren aktuellen Verkaufsschlagern am penibelsten, und ermitteln gezielt gegen deren Anbieter. Wer sich also die neuesten Erscheinungen wie Dragon Age: Inqusition mithilfe von Filesharing auf den Computer zieht, der ist für eine Abmahnung besonders gefährdet.

Dass kostenlose Downloads von urheberrechtlich geschützten Dokumenten – seien es Filme, Bücher, Musik, Hörbücher, aber auch Games für PC und Konsolen – meistens illegal sind, sollte dem überwiegenden Anteil an Internetnutzern bekannt sein. Die mediale Berichterstattung über „Abmahnwellen“ hat die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisiert.

Trotzdem treten Urheberrechtsverletzungen – wie die hohe Anzahl der Mitglieder in Tauschbörsen zeigt – immer noch in großem Ausmaß auf. Das liegt sicher daran, dass den meisten Schuldigen das entsprechende Unrechtsbewusstsein fehlt. Schließlich erfordert es keine ausgeprägte kriminelle Energie, die begehrten Dateien auf die Festplatte zu ziehen. Dabei spart man sich den Gang ins Geschäft und das Geld für die oft recht teuren Produkte. Neben Bequemlichkeit und den (trügerischen) Sparmöglichkeiten ist ein weiterer Grund für die Nutzung der illegalen Downloadmöglichkeiten die Vermutung, dass eine Strafe ausbleiben wird.

Abmahnungen für den Download von Computer- oder Konsolenspielen sind häufiger geworden

Tatsächlich erhalten die wenigsten Mitglieder von Tauschbörsen eine Abmahnung. Doch gerade bei Computerspielen ist hier in den letzten Jahren eine erhöhte Aufmerksamkeit der Ermittler festzustellen. Im Jahr 2013 gab es einen deutlichen Anstieg beim Anteil der Abmahnungen bezüglich von Spielen: diese stiegen von 4% auf 7,1%. Da Computerspiele im Vergleich zu Musik und Filmen eher in die Sparte „Nischenprodukt“ gehören, erklärt sich der zunächst eher gering wirkende prozentuale Anteil. Tatsächlich sind die Rechteinhaber von Computerspielen heutzutage aber aufmerksamer denn je und mahnen hier in verstärktem Ausmaß bei Urheberrechtsverletzungen ab.

Bei dieser neuen Abmahnwelle müssen jetzt insbesondere die Anbieter illegaler Downloads mit Sanktionen rechnen. Denn die Ermittler konzentrieren sich bei der Suche nach Abmahn-Kandidaten auf diejenigen, die die illegalen Downloads selbst anbieten. Hierbei drohen zudem höhere Geldstrafen als bei einem „einfachen“ Download. Vielen Usern ist außerdem immer noch nicht bewusst, dass sie beim Download von Dateien aus den sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerken automatisch auch selbst zum Anbieter werden.

Im Peer-to-Peer-Netzwerk wird jeder zum Anbieter

Im Unterschied zur Filesharing-Software (BitTorrent und ähnliche Programme) stellen Peer-To-Peer Netzwerke eine Tauschbörse dar, bei der die Daten nicht direkt von einem Server heruntergeladen werden, sondern von den Mitgliedern des Netzwerkes, die die Tauschbörse bilden. Dabei ist der User des Netzwerkes nicht nur Konsument, sondern er bietet automatisch auch selbst Dateien an. Dies ist sogar dann der Fall, wenn der Download nicht einmal abgeschlossen war und dem Mitglied nur als Fragment vorliegt. Die Option, selbst Anbieter zu werden, lässt sich in einem Peer-to-Peer-Netzwerk für gewöhnlich nicht deaktivieren.

Aber egal ob Anbieter oder passiver „Konsument“: Eine Abmahnung kann jeden treffen, der sich an illegalem Filesharing beteiligt. Um die Adressen der Abzumahnenden herauszufinden, wenden sich die Rechteinhaber an eine Anwaltskanzlei, die die IP-Adressen der Verdächtigen ermittelt. Der Netzprovider muss dann die Adressen bekannt geben. Eine Abmahnung stellt ein außergerichtliches Verfahren dar, das Film-, Musik-, und Spielehersteller nutzen, wenn sie ihre Rechte verletzt sehen. Im Urheberrechtsgesetz heißt es dazu:

„Der Verletzte soll den Verletzer vor Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens auf Unterlassung abmahnen und ihm Gelegenheit geben, den Streit durch Abgabe einer mit einer angemessenen Vertragsstrafe bewehrten Unterlassungsverpflichtung beizulegen.“

Durch das unbürokratische Verfahren kann eine Vielzahl an Nutzern zur Rechenschaft gezogen werden; für die Rechteinhaber ist das Abmahnungsverfahren mit dem geringstmöglichem Aufwand und den höchsten Erfolgschancen auf Schadensersatz verknüpft. Dies hat leider auch dazu beigetragen, dass Anwaltskanzleien die Abmahnkosten als Geschäftsmodell begreifen und teilweise überzogene Anforderungen stellen.

Welche Abmahngebühren fallen an?

Eine Abmahnung besteht aus verschiedenen Posten, die der Beschuldigte bezahlen muss. Übrigens auch dann, wenn er selbst den Filesharing-Verstoß nicht begangen hatte – sofern sein WLAN-Netz nicht ausreichend gesichert war und es deswegen einem Hacker möglich war, illegal Dateien über die eigene IP-Adresse herunterzuladen, gilt die sogenannte „Störerhaftung“-

Bezahlen oder nicht?

Doch was ist zu tun, wenn ihr ein Abmahnschreiben erhaltet? Experten weisen darauf hin, dass eine versendete Abmahnung häufig nicht weiter verfolgt wird, wenn der Beschuldigte sie ignoriert und nicht bezahlt. Verlassen könnt ihr euch darauf jedoch nicht. Eine Reaktion auf das Abmahnschreiben ist deswegen erforderlich, zumindest wenn sich die Kanzlei ein zweites Mal meldet. Viele Abmahnschreiben haben jedoch Formfehler. Im Zweifelsfall hilft ein Gespräch mit einem Anwalt, der gerade auf die Unterlassungserklärung einen kritischen Blick werfen sollte. Bevor ihr überhaupt auf eine Abmahnung eingeht, überprüft, ob…

Erst wenn diese Punkte zutreffen, stammt die Abmahnung von einem seriösen Anwalt und ist dementsprechend ernst zu nehmen. Ob der Beschuldigte – als Anschlussinhaber – tatsächlich selbst die Urheberrechtsverletzung begangen hat, oder ob ein Hacker verantwortlich ist, ist entscheidend. Hier gilt manchmal die Störerhaftung, aber unter gewissen Umständen muss der Anschlussinhaber den Forderungen der Anwälte nicht nachkommen, z.B. wenn sein WLAN-Netz gehackt wurde, obwohl es gesichert war.

Die Unterlassungserklärung nicht ungeprüft unterschreiben

Der Abmahnung liegt eine Unterlassungserklärung bei. Mit der Unterzeichnung der Unterlassungserklärung erklärt sich der Abgemahnte bereit, künftig keine illegalen Downloads mehr vorzunehmen. Hält er sich nicht daran, dann droht eine weitere, verschärfte Geldstrafe: 5001 Euro werden dann durchschnittlich bei einem weiteren Filesharing-Verstoß fällig.

Heikel wird es jedoch, wenn laut Unterlassungserklärung nicht nur zukünftige Downloadaktivitäten härter bestraft werden sollen, sondern die Unterlassungserklärung als Schuldeingeständnis fungiert. Dann kann der Abgemahnte bald mit erneuter Post der Kanzlei rechnen, denn die erhöhten Strafen für einen weiteren Verstoß gelten dann auch für bereits vergangene Filesharing-Aktivitäten. Deswegen sollte die Unterlassungserklärung genau geprüft werden, bevor sie unterzeichnet wird. Genauere Informationen zu den Möglichkeiten der verbraucherfreundlichen Modifizierung der Unterlassungserklärung und wann eine Abmahnung aufgrund von Formfehlern ignoriert werden darf, finden Interessierte auf www.abmahnung.org.

Teuer kann es ebenfalls werden, wenn hinter den Rechteinhabern ein großer Konzern steht, denn dann sind auch die finanziellen Mittel für Abmahnwellen vorhanden. Ein Beispiel in der Gamer-Szene ist der Konzern Sony, der unter anderem Abmahnungen an Blogger verschickte, die eine Anweisung zum Hacken der PlayStation3 posteten. Denn nicht nur bei illegalen Downloads kann eine Abmahnung drohen, auch bei sonstigen Verletzungen der Rechte von Konzernen verfügen diese über das Rechtsmittel einer Abmahnung. Darüber hinaus können auch Privatpersonen – sofern sie Rechteinhaber sind – einen Abmahnanwalt beauftragen.

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