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God of War Ragnarök ist richtig brutal, aber das härteste Spiel für Erwachsene ist Pokémon

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Von: Philipp Hansen

Die harmlosen Games Pokémon Karmesin & Purpur haben unseren Redakteur Philipp Hansen gebrochen. Die Gewaltorgie von Kratos konnte ihn nicht abhärten.

Hamburg – God of War Ragnarök ist nichts für Kinder, es geht brutal-blutig zu und die Geschichte kann selbst gestandene Väter zum Weinen bringen. Doch Pokémon Karmesin und Purpur auf der als Kinder-Konsole verschriene Nintendo Switch ist um Längen brutaler. Ganz aus dem Nichts brechen die knuddeligen Monster einen gestandenen Videospiel-Veteran und halten allen Erwachsenen einen schonungslosen Spiegel vor.

God of War ist nichts für Kinder und Pokémon Karmesin & Purpur sind nichts für Erwachsene

So brutal ist Kratos 2022: God of War Ragnarök ist gleich doppelt brutal. Es spritzt massig Blut und die emotionale Geschichte bricht jeden Vater in zwei Hälften. Im Spiel wird ein Feind mit der Axt gespalten wie ein spröder Holzklotz, da reißt Kratos einen Kiefer samt halben Unterkörper ab und dort teilen die Chaosklingen einen Feind in zwei gleich große Fleischfetzen. Schon die ersten Spielstunden lassen mehr Blut fließen, als es die 2018er-Version des Kriegsgottes taten.

God of War Ragnarök: Kratos schwingt die Axt
God of War Ragnarök: Kratos schwingt die Axt © Sony

Auch die Geschichte ist richtig erwachsen. Kratos und Atreus gehen nicht nur sprichwörtlich durch die Hölle (Helheim). Es werden tiefgründige Beziehungen erläutert. Wer keine Angst vor Spoilern hat, bekommt hier die Erklärung des komplexen Finales: God of War Ragnarök: Ende erklärt. Warum ist ausgerechnet Pokémon brutaler für Erwachsene als Kratos?

Niedliche Taschenmonster zerstören Erwachsene: 2022 wagt Pokémon den Schritt in die offene Rollenspielwelt, von der ich (und Millionen andere) seit Jahren träumen. Also habe ich mir gedacht, na komm, gibt den Games Arceus und Pokémon Purpur doch eine Chance. Seit 20 Jahren stürme ich mich also als Trainer voller Tatendrang los.

Über den Autor

Philipp Hansen schuftet als Redakteur bei ingame.de. Zudem ackert er noch als Lehrer an der Universität, weil Freizeit halt so undeutsch ist. Zum Glück machen ihm beide Jobs mächtig Spaß. Doch wie das so ist, gibt es Tage, an denen der werte Herr lieber nicht aufstehen möchte. Und je weiter weg der vorherige Urlaub rückt, umso stärker mehren sich die „will im Bett bleiben“-Tage, die man sich dann aber nicht gönnt. Denn es stehen ganz erwachsen Pflichten, Deadlines, Termine (und Rechnungen) an – und die armen Kollegen kommen ja auch nicht alleine zurecht. Also schlurft man einem Zombie gleich zur Arbeit, Tag für Tag. Seit 20 Jahren spielt er nun das erstmal wieder Pokémon und wurde direkt davon gebrochen.

Die technischen Schwächen von Pokémon Karmesin und Purpur grinse ich mit einem nostalgischen Lächeln recht locker weg. Doch dann kommt ein Kampf, der mich total unvorbereitet zerstört. Selten habe ich mich in einem Videospiel so persönlich getroffen gefühlt – Trigger Warnung für alle Arbeiter im Getriebe, es wird brutal!

Kratos ist ein Knochenbrecher, Aoki ist ein Seelenzerstörer

So brutal ist Pokémon: Irgendwann in der freien Welt trifft unausweichlich auf Aoki, einen Arenaleiter in Karmesin und Purpur. Der Kampf gegen Aoki ist so unterwältigend wie er genial ist. Das Highlight sind die Umstände und die Präsentation. Was Game Freak hier programmiert hat, ist pures Gaming-Gold.

Aoki, der Normal-Arenaleiter in Pokémon Karmesin und Purpur
Aoki, der Normal-Arenaleiter in Pokémon Karmesin und Purpur © Gamefreak /Nintendo

Aoki ist ein in einen Schwaz-grauen Anzug gekleideter Mann mittleren Alters. Sein Haaransatz geht zurück, seine Augen sind von müden Ringen gezeichnet. Er läuft natürlich leicht gebückt und hat von seiner (Schreibtisch)Arbeit einen fast schon gefährlich krummen Buckel.

Pokémon Karmesin und Purpur lassen mich nicht in meine Kindheit zurück

Antriebsloser Trainer als Spiegel: Während der Begegnungen mit Aoki möchte ich eigentlich lachen, weil alles so unwitzig-lustig ist. Doch in echt bin ich den Tränen nahe, weil ich mich einfach in großen Teilen selbst in dem Trainer sehe. Auch ich muss beim Arbeiten Texte schreiben, auf die ich eigentlich keine Lust habe (auf diesen Artikel hier habe ich natürlich Bock). Und beim Blick in den Badezimmerspiegel sehe ich da Augenringe und oh Schreck, kommt da das erste graue Haar?

Aoki in Pokémon Karmesin und Purpur ist ein 0815-Angestellter
Aoki in Pokémon Karmesin und Purpur ist ein 0815-Angestellter © Pokémon / Gamefreak

Entwickler Game Freak hält mit dem lustlosen Aoki allen Trainern einen Spiegel vor, die seit der ersten Stunde damals dabei sind. Früher war man voller Elan Pokémon-Trainer, fast ganz ohne Sorgen. Auf dem Weg durch die Jahre hat man dann Antrieb verloren, eventuell Pfunde zugenommen.

Gerade dann, wenn man sich in Stück seiner nostalgischen Kindheit in Karmesin und Purpur zurückholen möchte, verkloppt einem Pokémon mit einem Realitätshammer. So realistisch war Gaming selten, echt brutal! Ihr lacht nicht verzweifelt vor euch hin oder habt Angst vor dem nächsten Arbeitstag? Dann seid ihr einfach zu jung – oder zu glücklich.

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