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God of War Ragnarök demonstriert, woran Horizon Forbidden West monumental gescheitert ist

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Von: Janik Boeck

Kratos und Aloy haben 2022 von Sony je ein zweites Abenteuer bekommen. God of War Ragnarök hat Horizon Forbidden West allerdings klar in die Schranken gewiesen.

Hamburg – God of War Ragnarök ist das, was Horizon Forbidden West gerne geworden wäre. 2022 brachte Sony für PS4 und PS5 gleich zwei AAA-Titel auf den Markt, die ein zusätzlicher Kaufgrund für eine PlayStation werden sollten. Auf den ersten Blick könnten die Spiele nicht unterschiedlicher sein, dabei haben sie extrem viel gemeinsam. In einer Sache zeigt Kratos Aloy aber, wo der Hammer hängt.

Achtung, kleine Spoiler voraus!

God of War Ragnarök und Horizon Forbidden West steuern auf die Katastrophe zu – mal besser, mal schlechter

Beide Spiele steuern auf eine Katastrophe zu: Die Grundidee der beiden Geschichten ist die gleiche. In God of War Ragnarök und Horizon Forbidden West kämpfen wir darum, eine unvermeidliche Katastrophe doch noch irgendwie abzuwenden. In der Erzählweise wird aber spätestens klar, dass Kratos in einer völlig anderen Liga spielt.

Kratos im Kampf gegen Thor bei God of War Ragnarök
Kratos im Kampf gegen Thor bei God of War Ragnarök © Sony

God of War erzählt eine Geschichte von Prophezeiungen und lässt die Charaktere sich daran abarbeiten. Dabei macht das Spiel dann auch noch die Meta-Ebene auf und verhöhnt die eigenen Charaktere wegen ihrer hilflosen Versuche „sich vom eigenen Skript“ zu befreien. Die Leitfrage „Gibt es ein Schicksal oder bestimmen wir unser Sein selbst“ ist tonangebend und umgibt uns als Spieler*innen in jeder Szene.

Über den Autor

Janik hat sich in seinem Leben schon durch etliche tausend Quadratkilometer Open World gekämpft. Auf seinen Reisen durch diverse virtuelle Kontinente hat er vor allem eines gemerkt: Wenn eine Open World groß statt lebendig ist und vor allem zum Strecken der Spielzeit dienen soll, kann man es auch gleich lassen (looking at you Ubisoft). Das regt ihn vor allem deshalb auf, weil der Completionist in ihm jedes Mal getriggert wird, wenn er ein neues Fragezeichen auf der Map sieht.

Währenddessen scheitert Horizon Forbidden West gnadenlos daran, die eigene Geschichte fesselnd zu erzählen. Das Spiel setzt sich nicht mit der Bedrohung seiner Geschichte auseinander. Stattdessen verkommt die Story zu einer 0815-Handlung, in der die Bedrohung „Wir müssen uns beeilen, weil uns die Zeit davon läuft“ angesprochen werden muss, um präsent zu sein.

God of War Ragnarök lebt von den Charakteren – Horizon Forbidden West verzweifelt an seinen

Charaktere beleben und töten die Story: Dass God of War Ragnarök um ein Vielfaches besser darin ist, eine Geschichte zu erzählen, hat einen Grund. Die Figuren im Spiel bekommen den Raum, den sie benötigen. Sie treiben die Geschichte durch ihre Handlungen voran und rennen ihr nicht blind hinterher. Und dabei hat jeder Charakter eine Agenda, etwas, das sie antreibt und das man als Spieler*in nachvollziehen kann.

Aloy und Varl stehen in Horizon Forbidden West an einer Klippe
Horizon Forbidden West: Der Eindruck täuscht, Aloy arbeitet hauptsächlich allein © Guerilla Games

In Horizon Forbidden West folgen wir Aloy. Die ist zugegebenermaßen zwar sympathisch, kann die Geschichte aber nicht alleine tragen. Es fehlt ihr an Mitstreiter*innen, die sie herausfordern und ihre Entwicklung vorantreiben. Stattdessen wehrt sich Aloy permanent dagegen, im Team zu arbeiten. Das sorgt zum einen dafür, dass Aloy auf Dauer anstrengend wird und zum anderen, dass man das Verständnis für sie verliert.

Außerdem fristen die Nebencharaktere ein Schattendasein als Pappfiguren ohne nennenswerten Tiefgang. Da helfen alle Dialogoptionen der Welt nichts, wenn die Figur nichts zu erzählen hat.

God of War Ragnarök nutzt die Spielwelt zum verzaubern – Horizon Forbidden West zum erschlagen

Eine Open World zum Verlieben, eine zum Verlieren: Eine Spielwelt entscheidet, wie tief man als Spieler*in im Spiel und der Geschichte versinkt. God of War Ragnarök strotzt vor detailverliebten, lebendigen Levels, die allesamt ihren eigenen Charme mitbringen. Die Welt ergänzt die Geschichte, verleiht ihr Nachdruck und erweckt sie zum Leben.

God of War Ragnarök Kratos vor den nordischen Reichen
Die Spielwelt in God of War Ragnarök zieht einen sofort in die Geschichte © Sony

Horizon Forbidden West hat ebenfalls eine wunderschön gestaltete Welt – sie ist nur zu groß. Zwischen zwei Missionen der Kampagne muss man sich als Spieler*in manchmal eine gefühlte Ewigkeit durch Landschaft kämpfen. Das postapokalyptische Nordamerika sieht zwar umwerfend aus, kann aber nicht mit Inhalten aufwarten, die sich nach mehr anfühlen als reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.

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Bei all den Icons von Ruinen, Maschinen, Brutstätten und sonstigen Beschäftigungen geht dann auch irgendwann die angebliche Dringlichkeit flöten, die die Story eigentlich vermitteln will.

Kratos und Aloy buhlen um die Gunst der Fans – am Ende gewinnt das Schwergewicht

Zwei Spiele, zwei Gefühlslagen: Im Kern geht es in beiden Spielen um das Gleiche: Die Welt steht vor dem unausweichlichen Ende. Horizon Forbidden West wirft den Spieler*innen Sammelaufgaben und Pappfiguren um die Ohren, in der Hoffnung, die dünne Geschichte fiele dadurch nicht mehr auf. Die Protagonistin wehrt sich mit frustrierender Vehemenz, irgendeine Art von charakterlicher Entwicklung durchzumachen. Die Handlung verkümmert dadurch schnell zu einem 0815-Hollywood-Actionstreifen ohne Tiefgang oder emotionale Reaktion beim Spielen.

Aloy zielt mit einem Bogen auf Kratos
God of War Ragnarök ist Horizon Forbidden West meilenweit überlegen © Sony (Montage)

God of War Ragnarök hingegen hält die Bedrohung omnipräsent im Gedächtnis der Spieler*innen fest. Die Charaktere reiben sich an der Bedrohung und sich selbst auf, um sich durch ihr eigenes Straucheln letztlich weiterzuentwickeln. Verpackt in einer liebevoll gestalteten Welt voller kleiner Details zieht einen God of War Ragnarök in seinen Bann und lässt einen auch nach der Story so schnell nicht los.

Von God of War wird es keine Fortsetzung mehr geben, die Geschichte ist auserzählt. Horizon Forbidden West teasert hingegen einen weiteren Ableger an. Schade – andersherum wäre es besser gewesen.

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