War‘s das mit den frischen Ideen?

Indiana Jones & James Bond: Gaming braucht neue Gesichter statt die Franchise-Knochenmühle

  • Jonas Dirkes
    vonJonas Dirkes
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Gaming steht gerade an einem Scheideweg: Entweder immer mehr Franchise-Titel wie James Bond und Indiana Jones oder seinen eigenständigen Charakter als Medium bewahren.

  • IO Interactive schraubt an James Bond, Bethesda an Indiana Jones – kommen bald nur noch Franchise-Spiele?
  • Gaming könnte sich gerade ähnlich wie die Kinolandschaft in eine Sackgasse manövrieren.
  • Gehen dem Gaming die Ideen aus und werden Fans bald nur noch mit Franchise-Massenware abgefrühstückt?

Hamburg – Als Bethesda vor kurzen ankündigte, an einem Indiana Jones-Spiel zu arbeiten, war meine Freude groß. Ich bin ein riesiger Fan der Filme und würde Dr. Jones in jedes Abenteuer folgen. Nachdem die anfängliche Euphorie ein wenig in den Magen gesackt ist, freue ich mich immer noch wie eine Krokette auf das Frittieren, aber im Hinterkopf fängt es bei mir dann doch an zu Arbeiten: Finden die gigantischen Kino-Franchise jetzt ihren Einzug ins Gaming? Wenn wir nämlich eine Sache nicht gebrauchen können, dann sind es gleichgeschaltete Games, die nach Schema-F Marvel, Star Wars, James Bond und Co. abarbeiten.

TitelIndiana Jones
EntwicklerMachine Games
ErscheinungsdatumTBA
HerausgeberBethesda
PlattformenTBA
GenreAction-Adventure

Indiana Jones & James Bond: Darf es noch ein wenig Franchise sein?

Die Liste ist mittlerweile ziemlich lang: Letztes Jahr kündigte der Hitman-Entwickler IO Interactive an, derzeit an einem eigenen James Bond-Spiel zu arbeiten. Neben dem Doppelnull-Agenten stehen in Zukunft auch eine Versoftung des Suicide Squads von Rocksteady an. Ubisoft wird nach der langweiligen Behandlung von EA und diversen Assasin’s Creed-Teilen ein Star Wars-Spiel entwickeln. Die Just Cause-Macher Avalanche Studios sitzen am Harry Potter-Game Hogwarts Legacy. Tomb Raider-Schmiede Crystal Dynamics veröffentlichte im letzten Herbst ein Marvel Avengers-Videospiel und nun wie gesagt auch noch Indiana Jones von Bethesda. Bei diesem Line-up fragt man sich schon, ob sich überhaupt noch eigenständige Spiele in der Entwicklung befinden. 

Indiana Jones & James Bond: Gaming braucht neue Gesichter statt die Franchise-Knochenmühle

Denn, ist euch etwas aufgefallen? Bis auf Rocksteady sind alle genannten Entwickler eigentlich für ihre eigenen Marken bekannt, die im Medium Videospiel geboren wurden. Hitman, Assasin’s Creed, Just Cause, Tomb Raider, The Elder Scrolls und Fallout – alles Aushängeschilder des Gamings. James Bond, Suicide Squad, Star Wars, Harry Potter, Marvels Avengers und Indiana Jones – alle auf der Leinwand unsterblich geworden. So unsterblich, dass sich die Kinolandschaft schon seit Jahren durch all diese schweren Namen den Rücken bricht. Der Franchise-Zwang im Blockbuster-Kino schiebt der Filmkunst schon für längere Zeit den Riegel vor.

Selbst ein eingeschworenes Kino-Urgestein wie Martin Scorsese musste mit seinem Herzensprojekt The Irishman auf Netflix ausweichen. Einen Mini-Release für die Leinwand gab es nur, um den Film für die Oscarverleihung zu qualifizieren. Schaut man sich spaßeshalber einfach mal die weltweite Top 10 der Einspielergebnisse von Kinofilmen in 2019 an – 2020 war ja nicht so das Kino-Jahr – dann findet sich unter allen zehn Spitzenplätzen nur ein einziger Film, der keine Fortsetzung oder ein Teil eines größeren Franchise ist. Der widerspenstige Rebell hört allerdings auf den Namen Ne Zha und ist ein chinesischer Animations-Film, von dem weder ich noch ihr jemals gehört habt. Zählt also auch nicht so wirklich.

Die Erfolgreichsten Filme 2019Einspielergebnis
Platz 1 – Avengers: Endgame2.797.800.564 US-Dollar
Platz 2 – Der König der Löwen1.656.309.419 US-Dollar
Platz 3 – Spider-Man: Far From Home1.131.927.996 US-Dollar
Platz 4 – Captain Marvel1.128.274.794 US-Dollar
Platz 5 – Toy Story 41.073.392.125 US-Dollar
Platz 6 – Aladdin1.050.693.953 US-Dollar
Platz 7 – Joker1.048.923.625 US-Dollar
Platz 8 – Fast & Furious: Hobbs & Shaw758.910.100 US-Dollar
Platz 9 – Die Eiskönigin 2742.060.467 US-Dollar
Platz 10 – Ne Zha700.547.754 US-Dollar

Tappen Games jetzt etwa auch in genau dieselbe Falle, in die Filme bereits vor Jahren traten? Die Zahlen sprechen jedenfalls dafür. Ist ein Kulturprodukt Teil eines Franchise – seien es nun Filme, Games oder Bücher – dann verkauft es sich merklich besser, als das jeweilige Konterfeit ohne Star Wars, James Bond oder Indiana Jones im Titel. Das ergibt natürlich auch voll Sinn, der Mensch ist immerhin ein Gewohnheitstier. Was wir kennen, das mögen wir, auch wenn wir es vielleicht nicht mögen.

Bestes Beispiel sind hier etwa die zahlreichen Live-Action-Verfilmungen bekannter Disney-Klassiker der letzten Jahre. Die Filme sind mit Abstand alles keine Kritiker-Lieblinge. Auch Zuschauer scheinen dem Konzept überdrüssig und sind nicht müde zu proklamieren, dass die Zeichentrick-Originale ja viel schöner wären – ins Kino rennen sie dann aber trotzdem alle, man ist ja schließlich ein großer König der Löwen-Fan. Und warum sollten die Produzenten von Filmen und Games auch ein Risiko eingehen, wenn sie mit einem bekannten Namen wie nun mal Star Wars, James Bond oder Indiana Jones einen festen Teil des Publikums in jedem Fall locken können?

Indiana Jones & James Bond: Gamer bleiben wehrhaft gegenüber dem Franchise-Wahn

Ganz so einfach ist die Rechnung bei Videospielen aber dann doch nicht. Vor Kurzem veröffentlichte Square Enix ihr lang erwartetes Marvels Avengers-Spiel, das – als wäre es ein Geschenk des Himmels – zum finanziellen Desaster für den Publisher wurde. Eigentlich stimmten alle Stellschrauben: Ein unglaublich starkes Franchise, mit Crystal Dynamics ein mehr als erfahrenes Entwicklerstudio und ein Action-Spiel als trendiger Looter-Shooter. Fans straften das kurzweilige Abenteuer trotzdem ab, ihnen fehle einfach die Seele im Marvel-Game. Ich sage: Gut so! Ich bin froh, dass Spieler noch immer einen eigenen Kopf behalten haben und einem mittelmäßigen Spiel nicht aus der Hand fressen.

Wenn das Medium Gaming doch von einer Sache lebt, dann ist es seine Diversität. Games haben ihre eigene Identität und müssen nicht auch noch in der ratternden Knochenmühle der großen Konzerne gemahlen werden. Nintendo beweist das wie keine andere Firma. So viele frische Ideen und Welten wie der Entwickler aus Japan kann sich wohl niemand anderes auf die Fahne schreiben. Hier würde man einen Teufel tun irgendwelche Franchise-Lizenzen zu versoften, weil sie besser bei Fans ankommen als neue Gesichter. Wozu auch, man hat sich über die Jahre doch immer wieder neue Marken geschaffen, die nahezu das gesamte Spektrum der Faszination Videospiele abdecken: Abenteuer mit Link, Familienspaß mit Mario und härtere Action mit Samus

Indiana Jones & James Bond: Gehen dem Gaming die Ideen aus?

Auch Sony kämpft für eine autarke Identität des Gamings. Hier braucht es keinen Indiana Jones, man hat doch Nathan Drake, der sich immer wieder in das nächste Abenteuer nach einem verlorenen Schatz stürzt. Ohne diesen Glauben an das Medium wären uns Leckerbissen wie The Last of Us 2, Death Stranding oder zuletzt Ghost of Tsushima sicherlich durch die Lappen gegangen. Aber leider bröckelt die Fassade. Auch Sony konnte sich einen Superheldenausflug mit Spider-Man und Spider-Man Miles Morales nicht nehmen lassen. Man sollte das allerdings keineswegs falsch verstehen: Die große Mehrheit der Lizenzspiele ist heutzutage erstklassig und spielenswert, so auch die Spider-Man-Spiele. Die Gefahr für Fans besteht allerdings darin, sich bald nur noch von Lizenz zu Lizenz, von Franchise zu Franchise zu hangeln und das kreative Momentum des Mediums Gaming zu verlieren. 

Indiana Jones: Bethesda will unseren Lieblings-Archäologen auf die neue Konsolengeneration bringen.

Spieleentwicklungen werden immer durchgetakteter und strukturierter. In den frühen Tagen des Mediums Gaming war das nicht so. Da gab es junge, wilde Programmierer, die zusätzlich auch noch Autoren und Regisseure für das digitale Medium sein mussten – ohne jegliche Ausbildung. Gleichzeitig war die Entwicklung eines Videospiels noch nicht so teuer, wie sie es Heute ist. Unter diesen Bedingungen entstanden frische und verrückte Spiele, die es Heute so wohl nicht mehr auf den Markt schaffen würden.

Gerade, wenn ein Indiana Jones oder James Bond ihren großen Auftritt auf der digitalen Bühne bekommt dürfte eigentlich wohl nichts mehr dem Zufall überlassen werden. Genau darum sollten wir aufpassen, dass uns Franchise-Spiele in den nächsten Jahren nicht überrollen und Fans das Besondere im Gaming stehlen. Leicht wird das vermutlich nicht, ich meine, wie cool ist das bitte, Bethesda macht ein Indiana Jones-Spiel! Es bleibt aber immer auch die Frage, was der jeweilige Entwickler anstatt dem Franchise-Spiel gemacht hätte und wie der Rest der Gaminglandschaft gerade ausschaut. Ich bin mir sicher, dass dem Gaming die Ideen noch lange nicht ausgehen – Sorge habe ich nur, dass diese Ideen auch zukünftig von Entwicklern umgesetzt werden können: Es braucht neue Gesichter im Gaming und nicht die ewig gleichen Namen.

Rubriklistenbild: © K. C. Green | Veröffentlicht am 28. Januar 2021

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