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Kazuki Takahashi: Nachruf – Das Leben und Wirken des Yu-Gi-Oh-Erfinders

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Von: Daniel Neubert

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Kazuki Takahashi, der Schöpfer hinter „Yu-Gi-Oh!“ verstarb im Juli 2022 im Alter von 60 Jahren. Wir schauen auf sein Lebenswerk und sein Vermächtnis zurück.

Okinawa – Am 6. Juli 2022 meldete die japanische Lokalzeitung Okinawa Times, dass die Küstenwache eine im Wasser treibende Leiche bergen konnte. Einen Tag später wird der Mann identifiziert. Es handelt sich um Kazuki Takahashi, den Autor und Mangaka, der insbesondere mit der Mangaserie „Yu-Gi-Oh!“ Weltweite Bekanntheit erlangte. „Yu-Gi-Oh!“ brachte mehrere Animes, unzählige Videospiele für PlayStation, Xbox, und Nintendo-Systeme, sowie das weltberühmte „Yu-Gi-Oh!“-Kartenspiel hervor. In diesem Artikel möchten wir auf Takahashis Leben sowie seine Werke zurückblicken und uns verabschieden.

NameKazuki Takahashi
Geboren04. Oktober 1961 in Tokio, Japan
Gestorben06. Juli 2022 in Okinawa, Japan
Bekannt fürYu-Gi-Oh, Advent Heroes

Kazuki Takahashi: Mangaka, Designer, Spielkind

Wer war Kazuki Takahashi? Kazuki Takahashi wurde im Jahr 1961 in Tokio geboren und hieß eigentlich mit bürgerlichem Namen Kazuo Takahashi und hatte schon immer eine Leidenschaft fürs Zeichnen. Bevor er Manga Autor wurde, war er Illustrator und arbeitete mit 20 Jahren als Werbedesigner bei einer Videospielfirma. Generell hatte Takahashi einen Faible für Spiele (unter anderem für Shogi und Majong), was sich auch in seiner Arbeit widerspiegelte. Takahashi sah sich selbst eher als Designer als einen Manga-Künstler, was möglicherweise auch darauf zurückzuführen ist, dass er viele Jahre mit seinen Konzepten für Mangas abgewiesen wurde.

Kazuki Takahashi ist tot. Der Zeichner und Schöpfer des Yu-Gi-Oh Comics ist mit 60 Jahren in Japan gestorben.
Kazuki Takahashi ist tot. Der Zeichner und Schöpfer des Yu-Gi-Oh Comics ist mit 60 Jahren in Japan gestorben. © picture-alliance/dpa/dpaweb (Foto: Peter Endig)

Sein erstes Werk als Mangaka „Tokiō no Tsuma“ veröffentlichte er 1990, nur zwei Jahre danach erschien „Tennenshoku Buray“ welches zwei Bände umfasste. Jedoch blieb der Erfolg noch eine Weile aus, bis Kazuki Takahashi 1996 mit „Yu-Gi-Oh!“ (zu. deutsch: Der König der Spiele) den Durchbruch schaffte. Mit dem Erfolg änderte Kazuo Takahashi auch seinen Künstlernamen zu „Kazuki Takahashi“.

Der Manga erschien ab 1996 bis 2004 wöchentlich im japanischen Manga Magazin „Shōnen Jump“. Mitte der 90er Jahre galt das Magazin mit einer Auflage von mehr als 6 Millionen Exemplaren als eines der meistverkauften Printmedien der ganzen Welt. Kazuki Takahashi profitierte in dieser Zeit enorm von der Popularität des Magazins.

Kazuki Takahashis „Yu-Gi-Oh!“ wird zum Selbstläufer

Der „Yu-Gi-Oh!“ Anime: Auf den extrem erfolgreichen Manga folgte 1998 die erste Anime-Umsetzung für das japanische Fernsehen. Takahashi schrieb an dieser ersten Adaption mit, welche von Toei Animation (dem Studio hinter One Piece) produziert wurde. Ab 2008 war Kazuki Takahashi nicht mehr an der Umsetzung des Anime beteiligt. Bis heute gibt es drei Haupt-Serien (mit vier Filmen) sowie insgesamt sechs Spin-off-Serien von „Yu-Gi-Oh!“. Der wohl populärste Anime bleibt bis heute eindeutig „Yu-Gi-Oh! Duel Monsters“, welcher von 2000 bis 2004 ausgestrahlt wurde.

„Duel Monsters“ ist die zweite Adaption des Mangas und umfasste 224 Episoden in insgesamt fünf Staffeln. Die Serie behandelt die Abenteuer des Schülers Yūgi Mutō, welcher sich mit seinen Freunden verschiedenen Gefahren im Reich der Schatten stellen muss. Dabei spielt das namensgebende Kartenspiel „Duel Monsters“ eine zentrale Rolle. Für das deutsche Fernsehen wurde die Fassung in seinen Dialogen und der Brutalität oft deutlich entschärft, um ein jüngeres Publikum anzusprechen.

Die „Yu-Gi-Oh!“ Videospiele: „Yu-Gi-Oh!“ bringt es insgesamt auf ganze 56 Videospiele (Stand Juli 2022), verteilt auf 21 verschiedenen Systemen. Diese unfassbare Zahl steht stellvertretend dafür, wie groß und beliebt die Marke bis heute ist. Das ist auch wenig überraschend: Kaum ein anderer Manga bietet sich wohl so gut für eine Videospiel-Umsetzung an wie „Yu-Gi-Oh!“, in dessen Kern es ja bereits um ein Kartenspiel mit festen Regeln und Systemen geht. Die Spiele zur Serie wurden in erster Linie vom japanischen Publisher Konami veröffentlicht.

Screenshot aus dem Videospiel: „Yu-Gi-Oh! The Eternal Duelist Soul“
Als eines der besten Videospiele der Serie gilt bis heute der Titel „Yu-Gi-Oh! The Eternal Duelist Soul“. © Konami Digital

Als eines der besten Videospiele der Serie gilt bis heute der Titel „Yu-Gi-Oh! The Eternal Duelist Soul“, welches 2002 für den Gameboy Advance erschien. Das Spiel gilt bei Kritikern als Liebling, und erreichte seinerzeit einen Metascore von 81 Punkten. Auch wenn Kazuki Takahashi an der Entwicklung der meisten Videospiele wohl nicht persönlich beteiligt war, hätten diese Spiele ohne seine Manga-Vorlage und seine Kreativität wohl nie das Licht der Welt erblickt.

Kazuki Takahashi: „Yu-Gi-Oh!“ war nicht sein einziges Kartenspiel

Kartenspiele: Das offizielle „Yu-Gi-Oh“-Sammelkartenspiel basiert auf dem fiktionalen Spiel „Duel Monsters“, welches häufig von den Figuren des Mangas und des Animes gespielt wird. Die Firma Konami vertreibt das Kartenspiel seit 1999 und konnte bis 2021 weltweit nach Schätzungen etwa 35 Milliarden Karten verkaufen. Regelmäßig finden offizielle Turniere mit hunderten von Spielern statt, auch Weltmeisterschaften werden abgehalten. Insgesamt existieren rund 10.661 verschiedene Spielkarten, die teilweise Preise von bis zu 20.000 € erzielen können.

Screenshot von dem Livestream der Yu-Gi-Oh-Weltmeisterschaft 2019
Die Weltmeisterschaft von „Yu-Gi-Oh!“ wird inzwischen sogar live übertragen © Youtube / YuGiOhCardEU / TCG Final – Yu-Gi-Oh! World Championship 2019 – Berlin – Chia Ching Wang vs. Kouki Kosaka

Einige der Karten wurden im Laufe der Jahre von Kazuki Takahashi komplett neu entworfen. Die Karten zeichnen sich durch besondere Artworks aus, welche mit einer Signatur am unteren, rechten Bildrand zu erkennen sind. Doch neben „Yu-Gi-Oh!“ entwickelte Kazuki Takahashi das Kartenspiel „Advent Heroes“ welches sich an seiner Vorliebe für westliche Comics (wie beispielsweise „Hellboy“) orientierte.

Takahashis Spätwerk

Kazuki Takahashi führte in den vergangenen zwanzig Jahren ein recht ruhiges Leben und trat nur selten öffentlich in Erscheinung. Er arbeitete zuletzt eher an kleineren Projekten wie dem Kurz-Manga „The COMIQ“ (2018) oder einem Crossover zwischen Marvel Comics und Shonen Jump (2019). Nebenbei veröffentliche er auf Social Media alle paar Monate ein paar Artworks. Auf seiner inzwischen auf privat gestellten Instagram-Seite klingt die Profilbeschreibung von Kazuki Takahashi bescheiden und freundlich: „Ich mache Illustrationen, Comics und Zeichnungen! Schön, Sie kennenzulernen!“ Viel mehr Understatement geht nicht.

Eins steht fest: Millionen von Spielern und Fans werden den Mangaka aus Tokio niemals vergessen. Wir möchten uns an dieser Stelle bei Kazuki Takahashi für all die schönen Stunden und fantastischen Erinnerungen bedanken, die er uns mit seinen Charakteren und Geschichten geschenkt hat. Wenn man bedenkt, wie viele Fremde durch sein Kartenspiel schon zu Freunden geworden sind, fällt der Abschied von Takahashi eventuell ein bisschen leichter.

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