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Nach Interview: Seehofer in der Kritik.

Mal wieder die bösen Videospiele

Nach Attentat in Halle: Horst Seehofer schießt gegen Gamer und kassiert Shitstorm

Nach dem Attentat in Halle äußerte sich der Bundesinnenminister Horst Seehofer zum schrecklichen Vorfall. Sein Hauptaugenmerk lag dabei auf der Gaming-Community.

Das Attentat in Halle am 9. Oktober 2019 erschütterte die gesamte Nation. Der rechtsextreme Attentäter plante einen Massenmord in einer Synagoge, jedoch schaffte er es zum Glück nicht, in das Gebäude mit 51 Menschen einzudringen.

Der Täter fuhr weiter durch die Stadt und tötete dabei zwei Personen und verletzte mehrere schwer. Bundesinnenminister Horst Seehofer äußerte sich nun zu dem Vorfall und wettert dabei gegen eine Gruppe, die schon in der Vergangenheit als Sündenbock herhalten musste. Dafür, dass er an der Thematik völlig "vorbei argumentiere", erntet der 70-Jährige nun massive Kritik.

Das sagt Seehofer

Horst Seehofer sagte nach dem Anschlag in Halle folgendes über gewaltbereite Rechtsextremisten: "Das Problem ist sehr hoch. Viele von den Tätern oder potenziellen Tätern kommen aus der Gamer-Szene. Manche nehmen sich Simulationen geradezu zum Vorbild. Man muss genau hinschauen, ob es noch ein Computerspiel ist, eine Simulation oder eine verdeckte Planung für einen Anschlag. Und deshalb müssen wir die Gamer-Szene stärker in den Blick nehmen."

Gaming-Community schießt zurück

Der Interview-Auszug machte schnell die Runde in den sozialen Medien und wurde bereits über 1,2 Millionen Mal aufgerufen. Kritisiert wird vor allem die Verallgemeinerung der Gamer. Auf Twitter posteten etliche User ihre Meinung zu der Debatte in Form von Memes. 

Ins Fadenkreuz des Innenministers gerieten die Gamer übrigens deshalb, weil der Täter seinen Anschlag im Livestream auf Twitch.tv, einer der erfolgreichsten Gaming-Plattformen, zugänglich machte. Für kontroverse Diskussionen sorgt in diesem Zusammenhang auch das ZDF, weil es die gefilmte Bluttat fälschlicherweise auf den erfolgreichen Kanal eines verifizierten CS:GO Kanals montierte. Das Ergebnis: Horst Seehofer nimmt Gamer aufs Korn.

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Vergleich zu Videospielen hinkt

Alle Gamer in ein und dieselbe Ecke zu stellen sei einfach lächerlich. So äußerten sich in den letzten Stunden etliche Gamer und Gamerinnen im Netz – und das völlig zurecht. In Deutschland spielt mittlerweile fast jeder zweite Bundesbürger Videospiele und darunter befinden sich natürlich nicht nur die seit Jahren verteufelten Ego-Shooter. Videospieler also pauschal auf die Hörner zu nehmen, sei nicht nur höchst fragwürdig, sondern eine schlichtweg falsche Taktik.

 Zur "Gamer-Szene", wie Seehofer sie nennt, zählen schließlich auch Spieler von "Farmville" oder "Minecraft". Auf Twitter wurden Seehofers Aussagen dahingehend ins Lächerliche gezogen.

Gamer in den eigenen Reihen

Die "Gamer-Szene" solle man laut Horst Seehofer "stärker in den Blick nehmen." Beginnen kann er damit direkt in der eigenen Partei. CSU-Politikerin Dorothee Bär beschreibt sich selbst auf ihrer Instagram-Seite als Gamerin. Ob die Staatsministerin für Digitalisierung nun unter besonderer Beobachtung steht, bleibt abzuwarten.

Attentäter lernte Waffenumgang in der Bundeswehr

Dass zwischen dem Schießen in einem Videospiel und dem Führen einer Waffe im echten Leben, Welten liegen, gilt seit Jahren als heißes Thema zwischen Politik und Gamern. Fakt ist: Der Attentäter absolvierte einen sechsmonatigen Wehrdienst bei der Bundeswehr. Dort lernte der Schütze, mit Waffen umzugehen. Ob Videospiele seine Fähigkeiten an der Waffe weiter verschärft haben, bleibt also höchst fragwürdig. Die Piratenpartei veröffentlichte dazu einen passenden Tweet:

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Lehrstunde für Seehofer

Doch nicht nur Hass und Wut auf den Innenminister herrscht im Internet vor. Viele empfehlen dem 70-Jährigen, auch im hohen Alter noch aus seinen Fehlern zu lernen. Was der Ehrenvorsitzende der CSU getan hat, sei eine Verallgemeinerung sondergleichen, auf die er zukünftig besser verzichten solle. Eine sich untereinander helfende Community, wie die "Gaming-Szene" eine ist, mit einem terroristischen Akt in Verbindung zu setzten, sei absolut falsch und in der Debatte über rechtsextreme Gewalt komplett fehl am Platz.

Die wohl wichtigste Lektion, welche Horst Seehofer aus dem Shitstorm mitnehmen kann, ist, dass er das nächste Mal besser zweimal nachdenkt, bevor er über Themen spricht, von denen er keine Ahnung hat. Das zumindest dürften sich aktuell wohl viele Gamer denken, die sich im Fadenkreuz des Urbayern nur allzu unwohl fühlen.

Horst Seehofer ist mal wieder in ein Fettnäpfchen getreten

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Von Henrik J

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