Meinung

PS5: Sieben Monate nach Release – Sonys beste Konsole, trotz Kinderkrankheiten

  • Joost Rademacher
    vonJoost Rademacher
    schließen

Die PS5 ist seit mehr als einem halben Jahr draußen. Es wird Zeit, einen ersten Blick zurück zu werfen: Ist die Konsole von Sony der große neue Brecher geworden?

Hamburg – Mehr als ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass wir mit der gesamten Redaktion die gleichen fünf Websites im Dauerlauf aktualisiert haben, um im Wust des riesigen Ansturms an eine PS5 zu kommen. Seit November 2020 ist die neunte Konsolengeneration im Gange und ebenso lange steht der weiße Next-Gen-Monolith von Sony in meinem Zimmer. Seitdem verbringe ich fast jede Minute, die ich zum Zocken nutze, an der PS5. Sechs Monate später wird es jetzt Zeit für einen ersten Rückblick auf Sonys beste Konsole aller Zeiten – und auf ihre Fehler.

Name der KonsolePlayStation 5 (PS5)
HerstellerSony Interactive Entertainment (SIE)
TypStationäre Spielkonsole
Generation09. Konsolengeneration
SpeichermediumBlu-Ray
Release19. November 2020

PS5: Der Status Quo vor Release – Diese Probleme hatte die PS4

Wer die Gegenwart verstehen will, sollte aber die Vergangenheit studieren. Bevor es also ins Detail geht, will ich nochmal einen Blick zurück werfen – und zwar ziemlich genau ein Jahr weit zurück. Im Juni 2020 wurde die PS5 offiziell angekündigt und ein Raunen ging durch die Fanbase. Hauptsächlich kam das von dem ungewöhnlichen WLAN-Router-Design der Konsole, aber bei dem gezeigten Gameplaymaterial schossen die Erwartungen schon ordentlich nach oben.

Erwartungen waren im Vorfeld ohnehin bereits ganz schön hoch. Nach sieben Jahren offenbarten sich die Schwächen der PS4 immer mehr und Fans pochten darauf, dass sie bei einer Nachfolgerkonsole ausgebessert würden. Ganz oben dürfte dabei die Lautstärke der Konsole gestanden haben. Schon früh zeichnete sich bei der PS4 ab, dass ihre Lüftung bei aufwändigeren Spielen ordentlich arbeiten musste. Später in ihrem Lebenszyklus glichen viele Konsolen bei der Nutzung schon fast einer Flugzeugturbine.

Dicht gefolgt kam dahinter der Wunsch nach schnelleren Ladezeiten auf der PS5. Manch einer mag sich erinnern: Bei Bloodborne steckte man in der ungepatchten Version gut und gerne für über eine Minute in einem einzigen Ladebildschirm. Bei späteren Spielen und so Mammutprojekten wie Red Dead Redemption 2 und The Witcher 3 sahen die Dinge nicht viel besser aus. Aber auf der PS5 wollten Fans auch nicht auf diese Titel verzichten und idealerweise noch ältere Spiele spielen. Deshalb war Abwärtskompatibilität ein großer Faktor für viele, gerade weil Sony diesen Wunsch lange ignoriert hat.

PS5: Sieben Monate nach Release – Sonys beste Konsole, trotz Kinderkrankheiten

Da hatte Sony also eine volle Liste mit Dingen, die die Fans sich von der PS5 erwarteten und erhofften. Dann kam am 19. November 2020 endlich der Release. Das Chaos rund um den Verkauf der Konsole, der bis heute andauert, wollen wir mal außen vor lassen, damit kann man einen komplett eigenen Artikel nochmal füllen. Aber die Eindrücke zur Konsole waren ziemlich wohlwollend – sieht das ein halbes Jahr später auch noch so aus?

PS5: Eine Konsole, ihren Vorgänger zu bannen

Ich hab die PS5 exzessiv genutzt, seitdem sie kurz nach Release bei mir reingeflattert kam. Das geht natürlich mit der Beschäftigung als Gaming-Journalist einher. Irgendwie muss man die Spiele, die man testet, ja spielen. Sie hat ihren Vorgänger aber auch privat vollkommen abgelöst. Ich habe meine alte, keuchende PS4 (Standard, nicht Pro) am 08. Dezember abgebaut und seitdem nicht einmal wieder aus der Schublade in meinem Bettkasten rausgeholt. Wenn ich momentan einen neuen Release spiele, oder ein verpasstes Spiel nachhole, spiele ich fast ausschließlich auf der PS5.

Vielleicht bin ich damit eine Ausnahme, jeder Mensch hat bekanntlich einen eigenen Geschmack und eigene Vorlieben. Während andere ihre Konsole also hauptsächlich als ‚teure Netflix-Maschine‘ nutzen, kann ich mich im Moment kaum vor Spielen retten, die ich auf der PS5 spielen möchte. Das liegt zu einem nicht unerheblichen Anteil daran, wie Sony die Fanwünsche mit dieser Konsole adressiert hat und wie kompromisslos schnell der bloße Akt des Spielens geworden ist.

PS5: In ein Spiel wie Resident Evil Village reinzuspringen dauert Sekunden

Was jetzt immer noch so erstaunlich ist, wie am ersten Tag, ist die Lautstärke der PS5. Es ist immer wieder erfrischend, eine Konsole einzuschalten, die beim Betrieb weitestgehend völlig die Schnauze hält. Für hypersensitive Ohren mag vielleicht, je nach Exemplar, ein Spulenfiepen vernehmbar sein, aber auf die Ohren eines regelmäßigen Konzertgängers stößt da nichts. Naja, fast nichts. Was viele Reviews gerne außen vor gelassen haben, ist das teilweise arg durchdrehende Laufwerk der Disc-Edition. Die Lüftung selbst bleibt aber praktisch unbemerkbar, was bei der Performance, die die Konsole raushaut, umso verrückter ist.

PS5: 4K, Raytracing, 60 FPS – Mehr als nur Buzzwords?

Mein Auge ist nicht super stark geschult, was Auflösungen angeht. Ich erkenne kaum noch Unterschiede zwischen 1080p und 4K und deshalb ist es mir auch ein Stück weit egal, wenn eine Konsole ein 1440p-Signal produziert und dann hochskaliert. Was ich aber erkenne, sind flüssige Bildraten. Bisher ist mir kaum ein Spiel für die PS5 untergekommen, das auf dieser Ebene irgendwie versagt hat. 60 FPS sind spätestens jetzt der neue Standard. Besonders bei The Last of Us 2 mit PS5-Patch fällt wieder auf, dass ein flüssiges Bild ein ungleich stärkeres Gefühl von Kontrolle in ein Spiel bringen kann.

Raytracing ist auch eins dieser großen Buzzwords, die Entwicklerstudios gerne um sich schmeißen, wenn es um die Performance und Grafikleistung von Spielen geht. Die ersten paar Konsolenspiele kommen jetzt auch mit Raytracing auf die PS5 und der Effekt ist... naja, er ist irgendwie da, aber noch nicht der erwartete Gamechanger. Völlig dynamische Lichteffekte und Reflektionen sind cool, aber manchmal scheinen Leute zu vergessen, was für eine Macht immer noch in den guten, alten, statischen Effekten liegt – wie beim 13 Jahre alten Mirror‘s Edge. Bisher fällt Raytracing hauptsächlich im direkten Vergleich auf, aber ich schreie nicht danach, wenn es mal fehlt.

PS5 Control mit Raytracing sieht schick aus – 60 FPS sind mir aber lieber

Was sich in den vergangenen Monaten aber immer mehr als Gamechanger erwiesen hat, ist die lächerlich gut optimierte SSD der PS5. Noch haben nicht alle Studios die Power der neuen Festplatte umsetzen können. Wo sie aber richtig beansprucht wird, ist der Quantensprung in der Länge der Ladezeiten ein ganz fettes Plus für die neue Konsolengeneration. Als die ersten Videos zu den Ladezeiten von Spider-Man: Miles Morales kamen, dachten alle noch, sie wären editiert gewesen, aber die SSD ist wirklich extrem schnell. In Demon‘s Souls oder Resident Evil Village nimmt man Ladezeiten nicht einmal mehr wahr, viel mehr wirken sie wie ein einfacher Szenenübergang.

PS5: Der DualSense ist toll – aber lange nicht perfekt

Man kann auch kaum über die PS5 sprechen, ohne ein paar Worte über den DualSense zu verlieren. Das bedeutet auch, die Kinderkrankheiten der Konsole und des Controllers ein bisschen anreißen zu müssen. Wenn es um die bloße Ergonomie und Nutzbarkeit des DualSense geht, ist er über jeden Zweifel erhaben. Er muss sich vor dem Vergleich mit den Microsoft-Controllern für die Xbox Series X absolut nicht mehr verstecken.

Die neuen Features des DualSense, wie das haptische Feedback und die adaptiven Trigger, wurden schon zu Genüge breitgetreten. Deswegen sei nur gesagt, sie funktionieren toll und erste Spiele ziehen schon wirklich cleveren Nutzen aus ihnen, um die Spielerfahrung noch zu verbessern. Aber die Funktionen fordern ihren Tribut, und zwar in Form von Akkulaufzeit. Wenn der Controller nicht allzu sehr beansprucht wird, zum Beispiel bei älteren Spielen, hält er durchaus lange. Wenn aber seine Features gut ausgereizt werden, schluckt der DualSense Batterie, als wärs O-Saft beim Sonntagsfrühstück.

PS5: Ein toller Controller mit ordentlich Akkuhunger

Dann gibt es mit dem Controller in seiner aktuellen Version noch ein ganz gravierendes Problem, das beim Release kaum jemand so richtig kommen sehen konnte. Wir reden hier nicht nur von driftenden Analogsticks, was an sich schon unschön ist. Auch die Trigger scheinen eine Halbwertszeit zu haben. Mir sind bei beiden Controllern, die ich im Moment habe, nach etwa 3 Monaten die R2-Trigger kaputt gegangen, in dem sie jegliche Spannung auf ihren Federn verloren haben. Es gibt im Netz reichlich Berichte von weiteren Fällen und für zukünftige Iterationen muss Sony da einfach nachbessern.

Zuletzt noch ein paar Worte zur Farbe der Konsole und des DualSense. Ich mag das Weiß eigentlich. Der schwarze Klavierlack in der Mitte der Konsole ist streitbar, aber mir persönlich sagt das helle Design der PS5 eigentlich zu. Nur beim DualSense hat Sony da wieder nicht weit genug gedacht. Weil der Controller ebenfalls strahlend weiß ist, fällt Schmodder, der sich in den Rillen an der Unterseite des DualSense sammelt, schnell auf. Es wär zwar eine „Aus den Augen, aus dem Sinn“-Lösung, aber hoffentlich ändert sich das mit neuen Farbvarianten. Sony hat den PS5-Controller in rot und schwarz ja schon angekündigt.

PS5: Die neuen Controllerfarben dürften viele Fans freuen

PS5: Tolle Konsole, aber wird sie gut gefüttert?

Bisher gibt es an der PS5 also viel ‚Hui‘ und nur wenig ‚Pfui‘ zu melden. Tatsächlich glaube ich sogar, dass die Konsole rein technisch unter allen Sony-Maschinen den besten ersten Eindruck macht. Lediglich am DualSense muss nochmal mit einer zukünftigen Version nachgebessert werden, wenn man über den ersten Wow-Faktor und das grundlegende Handling hinausschaut. Aber müssen alle PS4-Besitzer:innen möglichst bald noch auf eine PS5 wechseln? Ich muss ehrlich zugeben: Ich bin mir da selber nicht so sicher.

Tatsache ist, dass die Menge an wirklichen Next-Gen-Games, die einen Kauf der PS5 wirklich rechtfertigen, immer noch überschaubar ist. Selbst nach einem halben Jahr lassen sich die ‚Systemseller‘-Spiele noch an einer Hand abzählen. Das Problem: Die meisten dieser Spiele kommen auch für die PS4 noch raus. Höchstens Returnal und das Demon‘s Souls-Remake wären bisher echte Exklusivtitel, die einen Kauf rechtfertigen würden. Wenn ich aber mal ehrlich bin, haben die beiden Spiele bei aller Qualität eher wenig Reiz für den Mainstream. Vor allem sind Spiele für die PS5 teuer: 80€ hat nicht jeder Fan für ein Spiel parat.

PS5: Returnal fordert mit 80€ UVP einen ordentlichen Obulus

Ansonsten stellt sich die Frage, wie wichtig aufpolierte Leistung und Performance für jede Einzelperson ist. Die meisten Erfahrungen, die sich auf der PS5 lohnen, lohnen sich wegen der Abwärtskompatibilität zur PS4. Das heißt auch, dass der große Pull der PS5 weiterhin ältere Spiele bleiben, die viele schon kennen dürften. Mittlerweile bekommen immer mehr Titel ihre Patches und Upgrades spendiert, die sich die Power der neuen Konsole zunutze machen. Wer solche Klopper wie The Last of Us 2, Ghost of Tsushima oder God of War noch nicht gespielt hat, bekommt auf der PS5 immerhin die mit Abstand beste Version serviert.

Die PS5 hat letzten Endes definitiv ihren Nutzen. Ich selbst habe da auch das „Glück“, viele größere Spiele der letzten Jahre jetzt zum ersten Mal zu erleben. Die Auswahl der Spiele ist insofern für mich größer, als bei intensiven Zocker:innen, die sich jedes Spiel möglichst zum Release zu Gemüte führen und nach dem ersten Durchspielen beiseite legen. Aber so richtig angefangen hat die neue Konsolengeneration auch nach einem halben Jahr noch nicht. Das ist mit Sicherheit den vielen Verschiebungen und der Corona-Pandemie geschuldet. Ein paar Paukenschläge zeigen allerdings schon, wo die Reise hingehen wird – und die ist ordentlich glanzvoll und blitzschnell.

Rubriklistenbild: © Sony (Montage)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

MontanaBlack: Neue Freundin im Twitch-Live-Stream aus Malta – Monte erklärt
MontanaBlack: Neue Freundin im Twitch-Live-Stream aus Malta – Monte erklärt
MontanaBlack: Neue Freundin im Twitch-Live-Stream aus Malta – Monte erklärt
PS5 kaufen: Neue Konsolen beim Amazon Prime Day? – Die Chancen auf Nachschub
PS5 kaufen: Neue Konsolen beim Amazon Prime Day? – Die Chancen auf Nachschub
PS5 kaufen: Neue Konsolen beim Amazon Prime Day? – Die Chancen auf Nachschub
Amouranth gebanned – Sperre der Twitch-Streamerin für Pferdekopf-Video?
Amouranth gebanned – Sperre der Twitch-Streamerin für Pferdekopf-Video?
Amouranth gebanned – Sperre der Twitch-Streamerin für Pferdekopf-Video?
MontanaBlack: Freundin im Malta-Live-Stream – Twitch-Streamer klärt Fans auf
MontanaBlack: Freundin im Malta-Live-Stream – Twitch-Streamer klärt Fans auf
MontanaBlack: Freundin im Malta-Live-Stream – Twitch-Streamer klärt Fans auf

Kommentare