Kampf der Streaming-Anbieter

Streaming: Facebook startet Großangriff auf Twitch – Streamer kassieren ab

  • Michael Warczynski
    VonMichael Warczynski
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Facebook verfolgt schon länger das Ziel, bekannte Streaming-Größen auf ihre Plattform zu locken. Ein lukratives Angebot soll die Stars der Szene nun überzeugen.

Menlo Park, Kalifornien – Facebook versucht bereits seit einigen Monaten, viele Streaming-Stars von Twitch wegzulocken. Bislang läuft der Plan zum engen Konkurrenten von Twitch zu werden ,nicht besonders erfolgreich, doch nun sollen die Bemühungen intensiviert werden. Dafür hat sich die Plattform etwas ganz Besonderes einfallen lassen: wechselnde Streamer:innen sollen volle Summen aus Abonnements der Community erhalten. Kein einziger Cent soll dabei für die nächsten zwei Jahre an Facebook gehen. Undurchsichtige Masche oder Eingeständnis an die Stars?

GründerMark Zuckerberg, Eduardo Saverin, Andrew McCollum, Dustin Moskovitz, Chris Hughes
GründungFebruar 2004, Cambridge, Massachusetts, Vereinigte Staaten
CEOMark Zuckerberg (4. Feb. 2004–)
HauptsitzMenlo Park, Kalifornien, Vereinigte Staaten
Umsatz70,7 Milliarden USD (2019)
TochtergesellschaftenWhatsApp, Onavo, Oculus VR, LiveRail

Streaming: Facebook will Twitch Konkurrenz machen – interessantes Angebot für Streamer

Über Twitter gab der Manager von Facebook Gaming, Josh Maresca, bekannt, dass von nun an intensiv daran gearbeitet werde, neue Streamer:innen für die Plattform zu gewinnen. Dabei sollen diese nicht nur mit exklusiven Verträgen ausgestattet werden, sondern ebenfalls bis ins Jahr 2023 alle Einnahmen von Abonnements erhalten. Damit erweitert der Streaming-Anbieter nun eine Initiative, die bereits im August 2020 gestartet wurde. Denn bereits zu diesem Zeitpunkt hat Facebook damit aufgehört, sich jegliche Einnahmen durch Abonnements in die eigene Tasche zu stecken.

Ein Abonnement auf Facebook kostet aktuell 4,99€. 30% dieser Summe ging bislang an Facebook selbst, 70% an den oder die abonnierte Streamer:in. Das soll sich nun ändern. Zukünftig soll in vielen Fällen der komplette Erlös eines Abonnements an die Content Creator selbst gehenI – ein echter Meilenstein. Im Vergleich zu Twitch sind die 30% übrigens noch ziemlich gering, denn die größte Streaming-Plattform der Welt beansprucht aktuell satte 50 Prozent der Creator-Einnahmen für sich.

Sollten bereits weltbekannte Streamer:innen zu Facebook wechseln, haben diese auch die Option, noch viel bessere Prozentsätze für sich auszuhandeln. Mit Exklusivverträgen versucht der Sozial-Media-Dienst vor allem die Anzahl an bekannten Gesichtern der Plattform zu erhöhen. An Platzhirsch Twitch biss sich der Konzern bislang aber die Zähne aus. Wie futurebiz.de berichtet, konnte Twitch im Januar 2021 sagenhafte 2 Milliarden Zuschauerstunden auf sich sich vereinen, während es Konkurrent Facebook nur auf knapp 450 Millionen Stunden brachte.

Auf Facebook genießen Creator neben der inzwischen deutlich besseren Bezahlung jedoch auch andere Vorteile. Während DMCA-Strikes auf Twitch gerade immer häufiger werden, hält sich die Musikindustrie gegenüber Facebook-Streamer:innen bislang bedeckt. Viele Streamer:innen spielen also auch weiter ungehemmt lizenzierte Musik auf dem eigenen Kanal. Da stellt sich natürlich die Frage: Wird Facebook laut Maresca jetzt zum Streamer:innen-Magneten oder steckt hinter der Kampfansage gegen Twitch mehr als man auf den ersten Blick sieht?

Um von den lukrativen Angeboten auf Facebook überhaupt profitieren zu können, müssen sich Streamer:innen für den Abo-Button nämlich erst qualifizieren. Die Partnerschaft mit Facebook ist dabei an gewisse Voraussetzungen geknüpft. Zum Beispiel müssen Accounts mehr als 10.000 Follower oder mehr als 250 „Wiederkehrer“ vorweisen. Außerdem sollten Streamer:innen entweder 50.000 Post-Engagements oder 180.000 Wiedergabeminuten in den letzten 60 Tagen aufweisen können.

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Einen Haken hat die ganze Sache mit der 100-Prozentigen Ausschüttung an Streamer dann aber doch noch. Denn laut dem Facebook Manager Josh Maresca erhalten Creator nur dann die gesamte Ausschüttung der Abonnements, wenn Fans diese über den Desktop abschließen. Doch dabei gibt es ein ganze entscheidendes Problem: laut einer aktuellen Nutzungsstatistik sind 80 Prozent der Facebook-Nutzer nämlich mobil unterwegs. Die 100-Prozent-Initiative von Facebook ist also nur für einen Bruchteil der Streamer:innen überhaupt interessant.

Erst vor einigen Monaten gab es einen Prozess zwischen Apple und Fortnite Entwickler Epic Games. Apple berechnet rund 30 Prozent pro Transaktion über ihre Telefone, somit ist es für Facebook kaum möglich, jede Zahlung komplett an die Streamer auszuzahlen. Damit scheint das Versprechen, dass 100 Prozent der Einnahmen an Streamer gehen, nur schwer realisierbar Es ist durchaus wahrscheinlich, dass es sich deshalb nur um einen geschickten Schachzug von Facebook handelt, um im Streaming-Business auf sich aufmerksam zu machen, ohne aber wirkliche Veränderung herbeizuführen.

Rubriklistenbild: © dpa / Daniel Reinhardt / Twitter: @TwitchDE (Montage)

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