Der Aufstieg des Imperiums

Netflix: Alles zum Streaming-Anbieter – Filme, Serien & Kosten des Abos

  • Adrienne Murawski
    VonAdrienne Murawski
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Netflix ist mittlerweile wohl allen ein Begriff. Doch wie mauserte sich der DVD-Verleih eigentlich zum Streaming-Imperium? Alles zu Abos, Filmen, Serien & Kosten.

Los Gatos, Kalifornien – Mittlerweile ist Netflix wohl jedem und jeder ein Begriff. Doch wie konnte das US-amerikanische Unternehmen sich vom nationalen DVD-Verleih zum internationalen Streaming-Imperium mausern, das nun sogar seine eigenen Film- und Serienproduktionen erschafft?

Streaming-DienstNetflix
Monatliche Kosten7,99 € bis 17,99 €
Gründung29. August 1997
Umsatz25 Milliarden USD (2020)
GründerReed Hastings, Marc Randolph
CEOTed Sarandos, Reed Hastings

Die Netflix-Story: Die Erfolgsgeschichte des US-amerikanischen Unternehmens

Begonnen hat alles am 29. August 1997 im sonnigen Kalifornien. Reed Hastings war gerade dabei seine Firma Pure Atria für schlappe 700 Millionen US-Dollar zu verkaufen, als er und sein damaliger Marketingleiter von Pure Atria, Marc Randolph, sich dazu entschlossen Netflix zu gründen. Randolph bewunderte das damals noch junge Unternehmen Amazon und wollte gerne mit einem ähnlichen Modell erfolgreich werden.

Schnell war die Idee für einen Online-Verleih geboren, doch VHS-Kassetten waren zu fragil, um versendet zu werden. Wie gut, dass im März 1997 die DVD in den USA eingeführt wurde. Randolph und Hastings testeten kurzerhand den Versand der CD, stellten fest, dass dies ohne Probleme möglich war und Netflix war geboren. Mit knapp 1.000 Filmen und 30 Mitarbeiter:innen starteten die beiden mit der Online-DVD-Vermietung. Der Clou: Es sollten, im Gegensatz zu konventionellen Verleihen, keinerlei Gebühren für eine verspätete Rückgabe der DVDs anfallen.

Einer der beiden Gründer von Netflix: Reed Hastings.

Bereits ein Jahr nach der Gründung wollte Amazon den Online-DVD-Verleih kaufen, doch Randolph und Hastings lehnten ab. Nach drei Jahren verzeichnete das Unternehmen knapp 300.000 Abonennt:innen und konnte diese Zahl bis 2002 sogar noch verdoppeln- Im September 2002 versendete Netflix laut einem Bericht der New York Times knapp 190.000 DVDs pro Tag an insgesamt 670.000 Kund:innen.

Netflix: Das Unternehmen geht an die Börse – Start einer erfolgreichen Aktie

Am 29. Mai 2002 leitete Netflix dann bereits seinen Börsengang ein. Zum Preis von $15 je Aktie wurden 5,5 Millionen Stammaktien an Investor:innen verkauft. Knapp zwei Wochen später verkaufte das Unternehmen dann weitere 825.000 Stammaktien zum gleichen Preis. Im Jahr 2003 konnte Netflix dann erstmalig, bei einem Umsatz von 272 Millionen US-Dollar, einen Gewinn verzeichnen. Zuvor hatte das Unternehmen nur rote Zahlen geschrieben. Aus diesem Grund boten Reed und Hastings im Jahre 2000 auch dem Konkurrenzunternehmen Blockbuster an, Netflix für 50 Millionen zu kaufen.

Doch die Konkurrenz lachte die beiden Gründer nur aus und traf in diesem Moment wohl die schlechteste Entscheidung in der Unternehmensgeschichte. Denn Blockbuster meldete im Jahre 2010 Insolvenz an, während Netflix mittlerweile zu den erfolgreichsten Unternehmen der Welt gehört. Seit 2002 konnte Netflix seinen Umsatz kontinuierlich steigern und machte im Jahr 2020 insgesamt 25 Milliarden US-Dollar Umsatz.

Netflix: Vom DVD-Verleih zum Streaming-Imperium

Seinen stetigen Erfolg hat Netflix nicht zuletzt der Einführung des Streaming- bzw. Video-on-Demand-Angebotes zu verdanken. Bereits 2005 wollte das Unternehmen mit einer sogenannten Netflix-Box starten, mit der Filme über Nacht heruntergeladen werden konnten. Nachdem YouTube jedoch populär wurde, verwarfen die Gründer diese Idee und ersetzten sie durch ein Streaming-Konzept, das im Jahre 2007 das Licht der Welt erblickte.

Mit der Zeit wurden Netflix-Buttons auf Fernbedienungen immer häufiger.

Für das Video-on-Demand-Angebot hat Netflix extra ein personalisiertes Empfehlungssystem entworfen, welches auf dem Fernsehverhalten und den Bewertungen von jedem Kunden und jeder Kundin basierte. Das Unternehmen wollte das System aber noch besser machen und stellte daher eine Million US-Dollar an diejenigen bereit, die einen verbesserten Algorithmus programmieren könnten. 2009 erhielt diesen Preis das Team „Bellkor‘s Pragmatic Chaos“.

Mit Beginn des Streaming-Angebotes zog sich Netflix immer mehr aus dem DVD-Verleih zurück. Trotzdem gibt es bis heute einige wenige Nutzer:innen, die sich noch immer DVDs von Netflix ausleihen. Das waren im Jahr 2020 noch rund 2 Millionen US-Amerikaner:innen. Weltweit erfreut sich das Unternehmen aus Los Gatos aber bereits an über 200 Millionen zahlenden Kund:innen und ist, bis auf China, Syrien, Nordkorea und der Krim, auf der ganzen Welt verfügbar.

Netflix: Riesige Auswahl an Serien und Filmen – Wachsender Fokus auf Eigenproduktionen

Ab 2014 war Netflix dann auch in Deutschland verfügbar und startete zunächst mit einem kleineren Angebot an Filmen und Serien. Mittlerweile bietet der Streaming-Dienst seinen Abonnent:innen aber knapp 2.600 Filme und über 1.000 Serien, darunter mehrere Eigenproduktionen. Die Eigenproduktionen von Netflix nehmen immer mehr Platz ein und sind nicht selten sehr erfolgreich.

Zu den besten Filmproduktionen von Netflix zählen beispielsweise Enola Holmes, The Old Guard oder auch Bird Box – Schließe deine Augen. Alle drei Filme wurden von mindestens 76 Millionen Haushalten gesehen. Bei Serienproduktionen ist Netflix jedoch noch erfolgreicher. So zählen Stranger Things, Haus des Geldes, Grace and Frankie, The Crown oder natürlich auch die Fantasy-Serie The Witcher dazu. Zu Staffel 2 von The Witcher wurde nun endlich das Startdatum bekannt gegeben.

The Witcher ist eine der neuesten Eigenproduktionen von Netflix.

Dank des ausgeklügelten und verbesserten Empfehlungssystems müssen sich Kund:innen aber nicht erst durch tausende Filme und Serien kämpfen, sondern bekommen eine passende Auswahl vorgeschlagen. So gibt es die Top 10 Auswahl, die auf jeden und jede individuell abgestimmt ist, oder auch die Top 10 des Landes. Man kann also auch sehen, was der Rest des eigenen Landes aktuell gerne guckt. Die riesige Auswahl an Filmen und Serien bringt jedoch einen Nachteil mit sich: den sogenannten Netflix-Effekt.

Der Netflix-Effekt: Wenn die Wahl zur Qual wird

Der Psychologe Barry Schwartz geht dem Netflix-Effekt in seinem Buch Paradox of Choice auf den Grund. Das Phänomen kennt vermutlich jede:r: Auf Netflix oder auch bei jedem anderen Streaming-Anbieter sucht man nach dem perfekten Film oder der perfekten Serie. Man sucht so lange nach der vermeintlich perfekten Unterhaltung, dass man am Ende doch zu einem altbekannten Film oder einer vertrauten Serie greift. Bei der weiß man schließlich, dass man nichts falsch machen kann. Die schier unendlich wirkende Auswahl überfordert Menschen enorm – egal ob bei Netflix oder beim Supermarkt.

Womöglich hat Netflix aus diesem Grund seine neueste Funktion eingeführt. Früher musste man dafür spezifische Webseiten aufsuchen, heute kann man es in Netflix per Knopfdruck auswählen. Die Rede ist vom Zufall. Wer sich partout nicht entscheiden kann, kann mittlerweile Netflix seine nächste Serie oder Film bestimmen lassen. Auch hier bezieht sich der Streaming-Anbieter auf die Vorlieben der einzelnen Kund:innen. Damit entgeht man dem Netflix-Effekt in Zukunft womöglich leichter.

Netflix: Drei Abo-Optionen – Entscheidung zwischen Preis, Qualität und Endgeräten

Auch beim Abo-Modell haben Kund:innen von Netflix die Qual der Wahl. Je nach Qualität, Endgerät und Budget können Nutzer:innen zwischen drei Modellen wählen. Beim Basis-Modell können Single-Haushalte zuschlagen, die nicht viel Wert auf die beste Qualität legen. Für einen Preis von 7,99 € im Monat kann man mit einem Endgerät die Inhalte von Netflix in SD-Qualität ansehen. Beim Standard-Abo erhöht sich der Preis auf 12,99 € pro Monat. Dafür können aber auch zwei Geräte gleichzeitig Filme oder Serien auf Netflix ansehen und das in HD-Qualität.

AboBasisStandardPremium
Preis7,99 €12,99 €17,99 €
Anzahl der Geräte, auf denen Netflix gleichzeitig angeschaut werden kann124
Anzahl der Geräte, auf denen man Downloads haben kann124
Unbegrenzter Zugang zu Filmen und Serienjajaja
Ansehen auf Laptop, Smartphone, Tablet oder Fernseherjajaja
HD verfügbarneinjaja
Ultra-HD verfügbarneinneinja

Das letzte und teuerste Modell ist die Premium-Variante. Für 17,99 € im Monat können hier insgesamt vier Geräte gleichzeitig auf Netflix-Inhalte zugreifen und diese in Ultra-HD-Qualität wiedergeben. Aber egal für welches Abonnement man sich entscheidet, bei allen drei Modellen hat man unbeschränkten Zugriff auf alle Filme und Serien, egal mit welchem Gerät. Mittlerweile kann man den Streaming-Dienst von den unterschiedlichsten Geräten aus ansteuern, egal ob das der heimische Smart-TV, das Smartphone, der Laptop, die PS5 oder die Xbox Series X sind.

Die Abbuchung der Monatsgebühr erfolgt immer an dem Tag, an dem man sich registriert hat. Mittlerweile bietet Netflix keinen kostenlosen Testzeitraum mehr an, im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern. Dafür kann man das Netflix-Abo jeden Monat kündigen. Wer sich also noch nicht sicher sit, kann zunächst das Basis-Abo abschließen und nach einem Monat entweder kündigen oder bei Bedarf auf eins der teureren Abonnements umsteigen.

Netflix: Kürzliche Preiserhöhung sorgt für Unmut bei Nutzer:innen

Zuletzt sah sich Netflix einiger Kritik der deutschen Abonnent:innen ausgesetzt, denn die Preise wurden erst im Mai diesen Jahres erneut erhöht. So kostete das Basis-Abo zuvor 11,99 € und die Premium-Variante 15,99 €. Für Mai 2021 kündigte Netflix dann die Preiserhöhung an, um „noch mehr großartige Unterhaltung zu bieten“. Aufgrund der immer noch anherrschenden Coronapandemie werfen einige Kund:innen dem Streaming-Anbieter vor, die Situation schamlos auszunutzen. Schließlich würden derzeit besonders viele Menschen auf Netflix zurückgreifen, um sich in den eigenen vier Wänden abzulenken.

Zudem seien die Eigenproduktionen von Netflix eher nach dem Schema Quantität vor Qualität produziert und würden für viele Kund:innen keine Preiserhöhung rechtfertigen. So einige Abonnent:innen wollten daher kündigen. Bisher ist jedoch nicht bekannt, ob die Preiserhöhung tatsächlich für eine Kündigungswelle gesorgt hat. Netflix kündigen, geht übrigens ganz einfach. Man muss sich nur bei Netflix einloggen, im Seitenmenü auf Konto klicken und unter „Mitgliedschaft und Rechnungsstellung“ auf den Button „Mitgliedschaft kündigen“ klicken.

Netflix: Geht das Unternehmen bald gegen Account-Sharing vor?

Ein anderes Vorhaben des amerikanischen Streaming-Anbieters aus Los Gatos könnte aber tatsächlich für eine Kündigungswelle sorgen. Denn offiziell ist das sogenannte Account-Sharing, also das Teilen des eigenen Accounts mit anderen Personen, die nicht im eigenen Haushalt leben, nicht erlaubt. Wie eine repräsentative Umfrage von Chip.de zeigt, teilen in Deutschland über 80% aller Netflix-Nutzer:innen ihren Account mit mindestens einer weiteren Person. Account-Sharing ist Netflix jedoch ein Dorn im Auge, weshalb das Unternehmen nun womöglich strikter dagegen vorgehen will.

Netflix: Vom DVD-Verleih zum Streaming-Imperium

In den USA berichteten bereits einige Kund:innen davon, dass sie beim Einloggen in den geteilten Account aufgefordert wurden, einen Code einzugeben. Dieser Code wurde dem Account-Inhaber per Mail oder SMS zugestellt. Gibt man den Code nicht oder zu spät ein, erscheint dann eine Meldung: „Starten Sie ihren eigenen Netflix-Account noch heute“. Bisher ist diese Meldung aber nur bei wenigen Abonnent:innen aufgetaucht. Bislang hat sich Netflix auch nicht offiziell dazu geäußert, dass sie beim Account-Sharing härter durchgreifen wollen. Angesichts der schieren Menge an geteilten Accounts könnte Netflix sich mit einer solchen Aktion jedoch ins eigene Fleisch schneiden. Schließlich wird wohl nicht jede:r anschließend auch ein eigenes Abo beim Streaming-Anbieter abschließen.

Rubriklistenbild: © dpa/Britta Pedersen

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