Könnte es die Bann-Politik verändern?

Twitch-Bann: Streamer will Plattform verklagen – Sperre ungerechtfertigt?

  • Michael Warczynski
    VonMichael Warczynski
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Immer wieder gibt es wegen der Bans auf Twitch heiße Diskussionen. Nachdem ein Streamer die Plattform verklagt hat, soll diese nun Klarheit schaffen.

Kalifornien, USA – Die Bann-Politik von Twitch wurde in letzter Zeit sehr stark hinterfragt. Das lag allen voran an den Sperrungen von polarisierenden Stars der Plattform, wie Amouranth und Indiefoxx. Doch auch einem anderen Streamer, namens PhantomL0rd, ist die Bann-Politik des Streaming-Dienstes aus Amerika ein Dorn im Auge. Deshalb beschloss er die Plattform vor einem kalifornischen Gericht zu verklagen. Dabei stand die Bann-Politik von Twitch im Vordergrund und wurde stark angeprangert. Der Richter wird dazu aufgefordert, dass Twitch die Gründe für Sperrungen von Streamer:innen klarer definieren soll.

Name der PlattformTwitch
MuttergesellschaftAmazon
Gründung6. Juni 2011
Sprachen28
Web-Adressehttps://www.twitch.tv/
Nutzer pro Tagca. 17,5 Millionen (Stand Oktober 2020)

Twitch: Streamer verklagt die Streaming-Plattform wegen Banns vor Gericht – Urteil könnte alles verändern

Streamer James 'PhantomL0rd' Vargas hat Twitch bereits in der Vergangenheit vor Gericht verklagt. Sein Ziel war es, gegen seinen Perma-Bann vorzugehen und zeitgleich auch Richtlinien rund um Banns und Sperrungen klarer definiert zu bekommen. Damals gewann er den Gerichtsprozess und erhielt als Schadensersatz rund 20.000 US-Dollar vom Streaming-Dienst. Nun entscheidet er sich dazu, zusammen mit seinen Anwälten, ein weiteres Mal gegen Banns auf der Plattform anzugehen. PhantomL0rd fordert Klarheit und möchte, dass Twitch seine Richtlinien bezüglich des Umgangs mit ihren Partnern komplett abändert.

Vor Gericht wurde Twitch für einige ihrer Unklarheiten in den Richtlinien der Plattform kritisiert. Dabei wird sowohl die Inkonsistenz, als auch die mangelnde Transparenz bei Bans angeprangert. Streamer Phantoml0rd behauptet sogar, dass der Streaming-Dienst einen geheimen „Strike Guide“ hat, um Verbote zu entscheiden. Von diesem würden Partner jedoch nie in Kenntnis gesetzt. Aus diesem Grund lautete die Forderung der Anwälte von PhantomL0rd: „Twitch kann Partner nicht dauerhaft oder auf unbestimmte Zeit sperren, ohne den Grund für den Bann und eine Gelegenheit zur Reaktion des mutmaßlichen Fehlverhaltens anzugeben.

Twitch: Ungerechtfertigte Bans illegal? Streamer zerrt Plattform vor Gericht

Twitch: Die Forderungen der Anwälte im Detail – was bedeutet das für zukünftige Banns auf der Plattform?

Die Anwälte des Streamers fordern nun Punkte, die in Zukunft wohl einiges ändern könnten. So steht in den Forderungen geschrieben, dass Twitch nicht nur den Bann von PhantomL0rd aufheben, sondern gleich mehrere Dinge in den Richtlinien abändern müsse:

  1. Laut den Anwälten des Streamers muss der Streaming-Dienst allen voran Klarheit schaffen und deshalb auch in schriftlicher Form alle Verbote verfassen, die den Partnern keineswegs unterlaufen dürfen. Erst wenn die Streamer diese zur Kenntnis genommen haben, kann Twitch sie mit Strafen belegen, diese müssen aber im Voraus abgeklärt sein.
  2. Twitch darf Partner ihrer Plattform nur noch Sperren, wenn sie einen konkreten Grund dafür angeben. Begründungen, wie „Verstoß gegen andere Nutzungsbedingungen“ reichen nicht mehr aus.
  3. Jedem Streamer muss die Chance gegeben werden, sich zu einer Sperrung zu äußern, ohne Statement darf ein Bann nicht ausgeführt werden.
  4. Twitch darf Streamer nur dann bannen, wenn konkret gegen die Abmachung in der Partnerschaftsvereinbarung verstoßen wurde.
  5. Twitch muss ihre Partner immer wieder über jegliche Änderung(en) seiner Nutzungsbedingungen informieren. Streamer müssen diese auf einer Schaltfläche, die bestätigt, dass sie die Änderungen gelesen haben, akzeptieren.

Sollte der Richter aus Kalifornien den Forderungen zustimmen, könnte das ein großer Gewinn für jeden Streamer der Plattform sein, der sich in letzter Zeit wegen seines Banns ungerecht behandelt gefühlt hat. Sollte der Antrag zugunsten von PhantomL0rd akzeptiert werden, könnte es tatsächlich auch dazu kommen, dass die beliebte Twitch-Ikone Dr. Disrepect auf die Plattform zurückkehrt. Auch wenn das nicht passiert, sollte zumindest über den bislang ungeklärten Grund für seinen Bann ein offizielles Statement des Streaming-Dienstes verfasst werden.

Wie viel Einfluss ein derart wegweisendes Urteil für deutsche Streamer:innen hätte, bleibt jedoch abzuwarten. Gerichtsbarkeit ist auf Twitch nicht selten über regionale Statuten geregelt, sodass es durchaus dazu kommen könnt, dass US-amerikanische Streamer:innen künftig von der neuen Transparenz profitieren, hiesige Twitch-Stars wie MontanaBlack, Knossi und Co. aber leer ausgehen. Dennoch könnten die Forderungen von PhantomL0rd auch hierzulande zum Stein des Anstoßes für klarere Bann-Kriterien werden.

Rubriklistenbild: © imageBROKER/christophexvandercam/IMAGO / Instagram: phantoml0rdd (Montage)

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