Das war ein Schuss in den Ofen

Twitch: Mysteriöse Dating Show wirft Fragen auf — Streamer sind angeekelt

  • vonAdrienne Murawski
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Eine Dating-Show sollte auf Twitch für Quoten á la ‚Der Bachelor‘ sorgen. Nach merkwürdigen Anfragen an Streamer*innen ließ der Shitstorm nicht auf sich warten.

San Francisco, KalifornienDating-Shows sind uns allen bekannt und gehören für viele zu ihren Guilty Pleasures. Egal ob Frauen um einen Bachelor kämpfen, Singles sich hüllenlos auf einer einsamen Insel kennenlernen oder Zuschauer das Blind Date verfolgen können. Im Vordergrund steht doch meistens das Finden der großen Liebe. Eine Dating-Show auf Twitch wollte nun ein ähnliches Format wie „Der Bachelor“ für Streamer und Streamerinnen kopieren, doch machte dabei einige große Fehler und katapultierte sich damit ins Aus.

Name der PlattformTwitch
EigentümerAmazon
Gründung6. Juni 2011
Sprachen28
Web-Adressehttps://www.twitch.tv/

Twitch: Most Eligible – Show erntet innerhalb weniger Tage massiven Shitstorm

Was genau war passiert? Am 14. Februar 2021 begannen die Streamerin Third Artifact und der Streamer Zach Bussey unabhängig voneinander auf Twitter über die angebliche Dating-ShowTwitch‘s Most Eligible“ zu diskutieren. Third Artifact startete die Diskussion, da sie wohl selbst von den angeblichen Produzenten kontaktiert und gefragt wurde, ob sie ein Teil der Show sein möchte. Bussey hatte Twitch‘s Most Eligible bereits in einem früheren Stream kurz diskutiert, nun jedoch die Diskussion wieder aufgenommen, da er wohl zahlreiche Nachrichten von Streamer:innen bezüglich der Show erhielt. So schreibt Bussey: „Da [bei der Show, Anm. d. Red.] sind viele merkwürdige Dinge. Das Konzept ist, was es ist... aber die Tatsache, dass es aus Kostengründen mitten im Nirgendwo gedreht wird, ist seltsam... und die Wirtschaftlichkeit einer 6-stündigen Show ergibt für mich keinen Sinn.

Auch Third Artifact und viele weitere Streamer:innen stören sich am Grundkonzept der Dating-Show. Auf den ersten Blick scheint die Show nach dem Prinzip des Bachelors aufgebaut zu sein. Es werden zwei größere Streamer gezeigt, die angeblich ein Teil der Dating-Show sind: Bananaslamjammer und Wingsofdeath. Für die Kandidaten werden jedoch nur Streamerinnen gesucht, die wenige Follower auf Twitch haben. Frauen, die ihr Publikum auf Twitch vergrößern möchten, sollen also angelockt werden, in der Hoffnung, dass die Dating-Show dann ihr Durchbruch sein wird. Hier steht also nicht die Liebe im Fokus, wie es normalerweise bei Dating-Shows der Fall ist (oder zumindest sein sollte).

Twitch: Mitarbeiter der Show geben sich als andere Personen aus

Doch das ist nicht das einzige Merkwürdige an der Dating-Show. Die Show soll laut den Produzenten in einer abgelegenen Villa in den Apalachen in Kentucky gedreht werden. Hier klingelt bereits die erste Alarmglocke bei den meisten Streamerinnen. Hinzu kommt, dass die Mitarbeiter und Produzenten der Show kaum virtuelle Präsenz haben. Der LinkedIn Account des angeblichen Produzenten Matthew Pelletier hat lediglich 14 Kontakte und zeigt ihn als Gründer einer Online-Marketing-Firma an, die ebenfalls nicht im Internet auffindbar ist. Zudem konnte Bussey per Rückwärtssuche das Bild von Matthew Pelletier auch einer Seite von Matt Fox zuordnen. Streamerinnen berichteten, dass sie von eben diesem Matt Fox E-Mails erhalten hatten und nicht von Matthew Pelletier. Zudem nutze der E-Mail Account von Matt Fox ein Stock-Photo als Kontaktbild.

Twitch: Shitstorm gegen lüsterne Dating-Show – Streamer „angeekelt“

Streamer:innen wurden auch von einer Dame namens Brittany Good kontaktiert, diese nutzte ebenfalls ein falsches Bild als Kontaktbild, nämlich das einer bekannten indischen Schauspielerin namens Rashmika Mandanna. Auch der Name Brittany Good ist im Internet nicht auffindbar, ebenso wie einige andere Namen und Bilder des restlichen Teams. Wieso nutzt das Team einer Dating-Show falsche Namen und Bilder, wenn es nichts zu verbergen hat? Das Team hinter Twitch‘s Most Eligible hat zudem nicht besonders gut recherchiert, wen es kontaktieren sollte, sondern anscheinend einfach nur massenhaft E-Mails an alle möglichen Streamer:innen geschickt.

Twitch: Dating-Show gibt auf und löscht alles

So berichteten einige unter den Twitter-Threads von Third Artifact und Zach Bussey, dass sie kontaktiert wurden, obwohl sie nicht in den USA leben würden oder nicht einmal Single waren. Auch Minderjährige Streamer und Streamerinnen wurden wohl angeschrieben – ein absolutes No-Go. Bussey fragte Twitch‘s Most Eligible auf Twitter noch zahlreiche weitere wichtige Fragen, die unbeantwortet blieben und auch bleiben werden. Denn mittlerweile haben die Menschen hinter Twitch‘s Most Eligible alles gelöscht, was es über sie im Internet zu finden gab. Der Twitter-Account wurde entfernt, die Webseite ist nicht mehr auffindbar, auch die Webseite von Matt Fox, die zu Twitch‘s Most Eligible weiterleitete, ist verschwunden. Der Discord-Channel sowie ein YouTube-Channel, den Bussey mit Matt Fox (oder Matthew Pelletier) in Verbindung bringen konnte, wurden ebenfalls gelöscht.

Twitch‘s Most Eligible wollte sich wohl an Dating-Shows wie „Der Bachelor“ orientieren.

Mittlerweile hat sich auch einer der „Bachelor-Kandidaten“ geäußert. So sagte Wingsofdeath auf Twitter, dass er der Show aufgrund der Pandemie abgesagt hätte. Er hätte den Produzenten zwar erlaubt Fotos von ihm auf der Webseite zu verwenden, jedoch nicht als Kandidat und forderte wohl auch umgehend die Löschung des Kandidatenprofils. Auf TwitLonger hat sich Matthew Pelletier zu den Anschuldigungen und Fragen geäußert und eingeräumt, dass zahlreiche schwerwiegende Fehler begangen wurden und die Produktion der Dating-Show nun gestoppt werden würde. Da von der Show nichts mehr auffindbar ist, haben sich Matthew Pelletier und sein Team wohl vorerst zurückgezogen. In Zach Busseys letztem Stream kann man jedoch noch die gesamte Diskussion und einige tiefere Einblicke gewinnen.

Während die Produzenten hinter Twitch‘s Most Eligible aufgegeben haben, lässt ein anderer Streamer nicht locker und legt sich mit einer der größten sozialen Plattformen an. Denn MontanaBlack kämpft auf Instagram für Männer-Freiheiten. Auf der anderen Seite kämpft eine Streamerin gegen Sexismus auf Twitch und hat die wohl beste Antwort seit langem auf eine Belästigung im Chat.

Rubriklistenbild: © dpa/Piergiorgio Pirrone/Michael Nelson (Montage)

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