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7 vs. Wild: Nazi-Vorwürfe gegen Wildcard-Bewerber UrlagEntertainments

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Von: Daniel Neubert

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7 vs. Wild: Fritz Meinecke suchte für seine Show noch einen letzten Kandidaten. Einer der Favoriten hatte offenbar Verbindungen zur rechtsradikalen Szene.

Hamburg – Schon bald sollen die Dreharbeiten rund um die zweite Staffel der YouTube-Webserie „7 vs. Wild“ beginnen. Im Grunde stehen die Kandidat*innen schon fest. Um den letzten Teilnehmer und Gewinner der Wildcard machte Veranstalter Fritz Meinecke bis zuletzt jedoch ein großes Geheimnis. Meinecke reagierte in den vergangenen Wochen regelmäßig auf neue Bewerbungsvideos, doch einer der jüngsten Bewerber sorgte aufgrund seiner Vergangenheit für eine Kontroverse.

Titel7 vs. Wild
Episoden16
ProduzentFritz Meinecke
GenreYouTube Webserie
FormatSurvival-Challenge, Bushcraft, Wildnis
Abonnenten auf YouTube62.100 (Stand Juli 2022)

7 vs. Wild: Das steckt hinter dem Wildcard-Bewerber UrlagEntertainments

Worum geht es? Für die Webserie „7 vs. Wild“ gibt es neben den Teilnehmer*innen, die von Veranstalter Fritz Meinecke eingeladen wurden, auch die Möglichkeit sich auf eine sogenannte Wildcard zu bewerben. Wer Meinecke mit seinem Bewerbungsvideo überzeugen kann, darf daraufhin den letzten freien Platz im Teilnehmerfeld belegen und in der Survival-Show antreten. An dem Bewerber Willi Hesse, welcher auf YouTube auf seinem Kanal „Urlag Entertainments“ regelmäßig Videos veröffentlicht, wurde jetzt Kritik laut.

Wer ist Willi Hesse? Willi Hesse betreibt einen YouTube-Kanal, auf dem er sich unter anderem mit dem Zweiten Weltkrieg und historischen Antiquitäten, Waffen, Kleidung und Gegenständen auseinandersetzt. Darüber hinaus betreibt Hesse als Hobby sogenanntes „Reenactment“. Beim Reenactment geht es um die historische Darstellung oder auch Nachstellung von konkreten geschichtlichen Ereignissen. Dabei werden von den Darstellern auch Kostüme getragen, die authentisch sein sollen.

Woher kommt die Kritik an Hesse? In einem Beitrag im Subreddit des Podcasts „Lästerschwestern“ postete der User „Wegwerfi_4711“ am 4. Juli 2022 einen Beitrag, in dem er alle potenziellen Hinweise auf eine mögliche rechtsnationale Gesinnung von Hesse und seine Verbindungen zur rechten Szene zusammentrug. Dabei bemühte sich der Post im Subreddit um Neutralität, ohne Hesse generell vorschnell zu verurteilen. Auf der Website Playcentral.de erschien daraufhin ein Artikel, der sich mit weiteren Vorwürfen auseinandersetzte.

Hesse sorgte bereits 2016 für mediales Aufsehen als er im sächsischen Dorf Colmnitz zu Feierlichkeiten zur Gründung des Dorfes an einem Festumzug teilnahm. Dabei trug er eine Uniform, die Mitglieder des roten Kreuzes im dritten Reich trugen und einen Koffer mit gut sichtbarem Hakenkreuz zur Schau. Daraufhin ermittelte die Staatsanwaltschaft, und entlastete Hesse, da das Zeigen des verfassungsfeindlichen Hakenkreuzes offenbar „im Zusammenhang mit dem historischen Festumzug nicht strafbar“ gewesen sein soll. Auch überregionale Medien berichteten.

Hesse scheint mindestens oberflächliche Kontakte oder Verbindungen zu Mitgliedern der rechten Szene zu pflegen oder gepflegt zu haben. So unternahm Hesse privat in der Vergangenheit immer wieder Wandertouren mit Mitgliedern der „Reconquista Germanica“, einem verdeckt operierendem rechtsextremen Netzwerk. Zudem folgte Hesse offenbar auf Instagram dem rechtsextremen Podcast „Die schwarze Fahne“ (inzwischen folgt Hesse der Instagramseite nicht mehr).

7 vs. Wild: Hesse reagiert mit Statement-Video auf die Anschuldigungen

Wie äußerte sich Hesse? Willi Hesse veröffentlichte am 07. Juli 2022 auf seinem Kanal ein siebenminütiges Video mit dem Titel „Klarstellung zu aktuellen Kontroverse“. Das Video wurde von Hesse inzwischen auf YouTube auf „nicht gelistet“ gesetzt. „Wie der eine oder andere vielleicht mitbekommen hat, kursieren im Internet gerade diverseste Anschuldigungen gegen mich, die versuchen mich in eine politisch rechte Ecke zu drängen.“ Hesse positioniert sich in seinem Video als Opfer und spricht davon, sich von seinen Bekannten, die Mitglieder bei „Reconquista Germanica“ waren, und rechtem Gedankengut, zu distanzieren.

„Es gibt natürlich noch andere wilde Behauptungen, dass ich in rechten Podcasts aufgetreten wäre, dass ich auf irgendwelche SS-Veteranen anstoßen würde in irgendwelchen Videos, das ist alles Quatsch. Nichts davon stimmt.“ Daraufhin postete der User Carsten Nerdberg am 8. Juli auf Twitter ein Video, in dem eben jene Szene zu sehen ist.

Wie reagiert Hesse auf das Video? Auf YouTube ergänzte Hesse daraufhin unter seinem Klarstellungsvideo in der Videobeschreibung folgenden Text: ​„Der Mann (auf den Hesse und sein Freund anstoßen) wurde als Jugendlicher mit 17/18 Jahren kurz vor Kriegsende für die Waffen-SS zwangsverpflichtet und hat da 3 Monate unfreiwillig mitgemacht, bis der Krieg vorbei war. Unser Gespräch bezieht sich offensichtlich auf seine Reenactment-Tätigkeit als Rotarmist im Alter, wir haben ihn beide noch persönlich kennengelernt und stoßen auf sein kürzliches Ableben an. Jeder, der dort etwas falsch versteht, ist einfach zu schwer von Begriff, und wird es nie verstehen.“

Zwei menschliche Silhouetten und das Logo von 7 vs Wild, das Bild ist Schwarzweiß
7 vs. Wild: Wildcard-Bewerber hatte scheinbar Verbindungen zur rechten Szene © 7 vs Wild/Instagram: sabrinaoutdoor/robertmarclehmann/Unplash

Einordung und Ausblick: Willi Hesse scheint jemand zu sein, der sich in seiner Freizeit gerne in historischen Uniformen aus dem Zweiten Weltkrieg zeigt (sei es in Videos oder auf Instagram), an öffentlichen Festumzügen verfassungsfeindliche Symbole zur Schau stellte und sogar selbst in seinem Statement zugeben musste, Kontakte zu Mitgliedern eines rechtsextremen Netzwerks unterhalten zu haben.

Es liegt nun an Fritz Meinecke und seinem Team, sich darüber Gedanken zu machen, welchen Personen sie mit ihren Videos eine öffentliche Plattform bieten wollen. Seitdem Meinecke auf sein Bewerbungsvideo reagierte, stiegen die Abo- und Zugriffszahlen auf die Videos von Hesse sichtbar. Bisher folgte auf die Kritik an Wille Hesse seitens Meinecke jedoch keinerlei Reaktion und Einordnung. Da die finale Entscheidung auf einen anderen Teilnehmer fiel, ist damit vermutlich auch nicht mehr zu rechnen. Dabei hätte Meinecke dadurch auch die Chance ergreifen können, sich und seine Show deutlich zu positionieren und abzugrenzen.

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