Test: Battlefield 4

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Knarre geschultert? Granaten eingepackt und die Schlüssel für den M1 Abrams nicht vergessen? Dann fröhlich angetreten zu einer neuen Runde im Hamsterrad!

Kriegsmüde

Die große Ernüchterung in der Redaktion stellte sich bereits mit den ersten Trailern ein. Schnell war klar, diesmal steht kein neuer Meilenstein im Militärshooter-Genre ins Haus, sondern höchstens ein Battlefield 3.5. Dafür sind die Eindrücke mit dem Vorgänger noch zu markant, ist Battlefield 3 immer noch zu gut, als dass der vierte Teil einen ähnlichen Entwicklungssprung hinlegen und damit ähnliche Erwartungshaltungen entfesseln könnte. Wir wissen bereits, dass die Frostbite-Engine ein mächtiges Werkzeug ist, die auch noch mit der neuen Konsolengeneration Bestand haben wird. Also lag die gesamte Hoffnung auf perfektionierte, ausgeklügelte Inhalte.

Sie versuchen es nicht einmal. Nach einem Putsch in China regeln die amerikanischen Streitkräfte abermals die Weltordnung. Der Spieler schlüpft in die Uniform eines stummen Soldaten und arbeitet sich durch einen nahezu verstörend banalen Singleplayer. DICE und EA scheinen wild entschlossen der Kampagne jeglichen Hauch an Originalität auf Biegen und Brechen auszutreiben. Bereits in der ersten Viertelstunde werden stur wie ein Salvengeschütz die Klischees verfeuert, ohne irgendwelche Ambitionen abseits der austrampelten Pfade erkennen zu lassen. Wüstensetting - check. Abstürzender Helikopter - check. Einkrachendes Hochhaus - check. Das ist alles ohne Zweifel toll inszeniert! Bombastisches Action-Kino, das einfach klasse aussieht, aber den härtesten Fight leisten wir uns mit unserem Unterkiefer gegen das große Gähnen.

Für das Abenteuer in Battlefield 3 haben wir noch ohne Skrupel die Höchstnote gezückt. Wegweisende Optik, ein wortwörtlich unerhörtes Sounddesign, der knarzig-grimmige Elektro-Soundtrack, eine geschickt inszenierte Story, die sich auch für ruhige Augenblicke nicht schämte und Gänsehautmomente in nahezu jeder Mission servierte - der Militär-Shooter schien endlich erwachsen geworden zu sein.

Der Nachfolger klappt dagegen in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Battlefield 4 besitzt immer noch die brachialsten Shootouts im gesamten Genre! Besonders die vermehrten Partikel-Effekte wissen zu gefallen und der Sound ist wieder die Referenz, die man gar nicht genug hervorheben kann. In Sachen Technik spielt DICE also immer noch in seiner eigenen Liga.

Aber auch wenn die wenigsten den neusten Teil nur wegen dem Singleplayer kaufen werden, warum so bräsig und lieblos? Es gibt kaum Highlights. Eine Bootsmission kämpft vollkommen aussichtslos gegen die Intensität der ähnlich gelagerten Jetmission aus BF3 an. Einnehmende Kulissen wie die Straßen von Paris sucht man ebenfalls vergebens, eine Panzerschlacht in Shangahi erkennt man allenfalls an der Missionsbeschreibung. Zum Ende hin nimmt das Kontingent an Kisten, Containern und Fässern für das Mapdesign sogar so kuriose Ausmaße an, die man eher im preiswerten Shooter-Segment erwarten würde. Kein Vergleich zu der Abwechslung des Vorgängers mit seinen epischen Panzerschlachten, den Ballereien in der U-Bahn oder in einem Tresorraum, der Fallschirmsprung zu peitschendem Dubstep-Sound etc. Hier beleben einige Stürme sehr ansehnlich den Shooter-Alltag, das war's aber auch schon. Selbst einer potentiell spannende Mission an einem Staudamm fehlt es - auch das müde Wortspiel muss erlaubt sein - an Spritzigkeit.

Amis, go home!

Das Finale gibt sich zwar einen alternativen Anstrich, verreckt allerdings elendig im ungelenken Pathos und man fragt sich, wie das passieren konnte. Die Figuren bleiben einem ständig fremd, am meisten die eigene verstummte Figur. Das Acting ist erstklassig, besonders mit den Gesichtsanimationen kann man Eindruck schinden. Aber alles watet in einem melodramatischen Brei durch eine dreist wie lustlos zusammengebollerte Story, die so gar nicht zur kreativen Technik passt. "Ein Wolf beisst sich das Bein ab, wenn er damit in der Falle sitzt". Wer sich sowas ohne innerliches Aufstöhnen anhören kann, wird gefallen am Einzelspieler finden und ist sowieso breits selig, wenn er nur über den Lauf einer Waffe blicken darf. Egal auf was.

Der Spruch ist sym­p­to­ma­tisch. Lassen wir die Kampagne links liegen, kümmern wir uns ums Existenzielle. Dem Multiplayer natürlich.

A New Hope

Hier fühlt man sich sofort zu Hause. Connect- und Serverbrowser-Probleme inklusive, aber das war zu erwarten angesichts der Rekruten-Masse in den Startlöchern. Zuerst fallen die sinnvollen Detailverbesserungen auf, wie das neue/alte Commander-System oder die kleine Spielerkamera für das eigene Squad im Menü-Screen, damit man sofort erkennt, in welcher Situation der Kamerad grade steckt, an dessen Seite man spawnen will.

Das bewährte Levelsystem ist weiterhin eine sichere Bank. Mit Verzückung nimmt man Rangaufstiege und freigespieltes Zubehör während des Spiels wahr. Im neu aufgemachten und durchaus liebgewonnenem Battlelog kann man jetzt Battlepacks auspacken, die kleine Goodies wie EXP-Points oder Waffenzubehör bereithalten. Sowas gefällt bereits den Team Fortress 2 oder Payday 2-Spielern, kleine Geschenke erhalten schließlich die Freundschaft.

Am Spielgefühl haben die Entwickler zum Glück kaum geschraubt. Damit setzt sich Battlefield 4 erneut wohlig zwischen die Stühle der kompakten Call Of Duty-Raufereien und dem ARMA-Realismus. Dieser Militärshooter-Multiplayer macht auch ohne die Skills eines E-Sportlers Spaß! Die eigene Spielfigur steckt einiges ein und durch die ausschweifenden Maps, die taktischen Möglichkeiten mit Vehikel und Umgebung gibt es ausreichend Chancen dem Gegner beizukommen. Selbst einem Messerkill ist man diesmal nicht ohne Möglichkeiten der Gegenwehr ausgeliefert - ein spaßiges Feature.

Und wenn man trotzdem ständig einen auf den Deckel bekommt, kann man sich immer noch an der Schlachtatmosphäre ergötzen. Kein anderer Multitplayer auf dem Markt bietet eine ähnlich intensive Synergie von Epik und technischer Raffinesse. Und mit dem vierten Teil setzt Dice sogar noch einen drauf! Die PR-Abteilung tauft es "Levolution", wir nennen es lebendige Spielwelt. Man kann darüber streiten, ob diese Neuerung das wackelige "4" im Titel rechtfertigt. Für uns rangiert "Levolution" jedenfalls über dem üblichen Map-Pack-Niveau und DICE setzt hier abermals die Standards, die wir uns für die Zukunft wünschen.

Leben in der Bude

"KI"-Directors kennen wir bereits aus Left 4 Dead oder Payday, doch erst Battlefield haucht einer dynamischen Map nun auch Leben ein. Dazu braucht es gar nicht viel. Die Karte "Dawnbreaker" beginnt in der Nacht und im Laufe der Schlacht geht die Morgensonne auf. Eine kosmetische Spielerei, die aber die eh schon beispiellose Immersion mit der zerstörbaren Spielwelt auf einen neuen Level hievt. Und dann gibt's dann gibt's noch die XXXL-Spektakel!

"Paracel Storm" beginnt mit Urlaubs-Flair. Bei strahlendem Sonnenschein und spiegelglatter See ringen die Soldaten um ein Inselgrüppchen. Boote schippern waffenstarrend am Strand entlang, unvorsichtige Helis verwandeln sich in ansehnliche Feuerbälle vor dem karibischen Himmel, der sich in der Entferung bereits merklich verdunkelt. Ein Sturm zieht auf. Das Spielfeld wird grauer, Wind und Regen peitscht über die Landschaft. Ich rette mich aus einem brennenden Boot in die Fluten und erkenne in der Ferne vor meterhohen Wellen, wie sich ein havariertes Kriegsschiff vom Sockel eines Windrads losreisst und auf eine der Inseln aufläuft. Das Gefecht wird für einen Augenblick egal und merklich stiller, die meisten können ihren Blick anscheinend kaum vom Geschehen abwenden und es ist tatsächlich einer der berühmten "Battlefield"-Momente, bei denen man diesmal gerne den Kampf mit dem Unterkiefer verliert und staunend verfolgt, wie ein neuer Kampf-Abschnitt entsteht.

Natürlich wird es sich irgendwann totlaufen und leider besitzt nicht jede Karte ähnliches Hollywood-Kino. Aber auch wenn nur eine Map langsam geflutet wird oder ein in sich zusammensackender Wolkenkratzer fast schon beklemmende 9/11-Assoziationen erzeugt, hier macht DICE wieder einmal alles richtig und das Gesamtpaket wird endlich wertig.

Happy End?

Trotzdem. Es bleibt ein fahler Nachgeschmack und DICE wie EA müssen aufpassen, nicht in ihr eigenes Hamsterrad zu geraten. Mit dem Singleplayer wird man gegen die Call Of Duty-Konkurrenz in dieser Form nicht bestehen und auch für den Multiplayer wird es eng, wenn man sich irgendwann eine stolze "5" an die Brust pappen will. Auf dieser Schiene wird es keine Zukunft geben, dabei wäre ein Leichtes aus der aufkommenden Tretmühle auszubrechen und sich wieder attraktiver zu machen. Schmeisst die blassen, stummen Schiessbudenfiguren aus der Kampagne und gebt uns endlich Marlowe zurück! Wir wollen wieder ein mitreissendes Abenteuer mit unserer geliebten Bad Company! Oder wagt endlich den nächsten logischen Schritt und renoviert Battlefield 2142 mit der neuen Engine. Auch dieses Battlefield macht wieder zu viel Spaß, als dass wir es in der Beliebigkeit bzw. Kommerz-Trott siechen sehen wollen.

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