Test: Nintendo Land

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Mit der Wii schaffte sich Nintendo eine eierlegende Wollmichsau, wie sie im Buche steht. Unteranderem war es Titeln wie Wii Sports mit seiner Eingängigkeit und Simplizität zu verdanken, dass sich Nintendos Konsole verkaufte wie blaue Latzhosen im Rahmen einer Nintendo-Convention. Mit Nintendo Land möchte der japanische Videospielgigant nun das Erbe jener Titel antreten und die Wii U zu ähnlichem Ruhm verhelfen, wie dem Vorgänger seinerzeit. Doch ist die Tablet-Steuerung genauso unterhaltsam und intuitiv wie das Fuchteln und Schwingen mit der Wiimote?

„Kirmes kannste knicken!“

Nintendo Land, der digitale Freizeitpark für alle Nintendo-Jünger, öffnet seine bonbonbunten Pforten. Unsere Gastgeberin während unseres Aufenthalts ist dabei ein monoton sprechender Monitor namens Monita. Sie schleust uns durch den runden Hauptplatz, von dem aus wir zu den unterschiedlichen Attraktionen, den Minispielen, finden. Zwölf davon warten auf uns. Allesamt mit einem anderen zugrunde liegenden Konzept. Abseits davon, dass die Spiele für kurzweilige Unterhaltung sorgen sollen, demonstrieren sie außerdem, was in den Augen Nintendos alles mit der neuen Hardware anzustellen ist.

Da haben wir zum Beispiel kompetitive Spiele wie Luigi’s Ghost Mansion oder Mario Chase, in denen ein Spieler am Gamepad gegen bis zu vier WiiMote-Spieler antreten darf. Das Zauberwort ist hier „Asynchronität“. Im Geisterhaus übernehmen wir zum Beispiel einen Geist, dessen Bewegungen nur wir auf dem Gamepad, nicht aber unsere Gegenspieler auf dem TV-Schirm sehen können. Das von Splitscreen-Titeln bekannte „auf dem anderen Bildschirm spicken“ ist so schwer möglich und das Überraschungsmoment bei hitzigen Matches umso größer.

Bei kooperativen Spielen wie The Legend of Zelda Battle Quest oder Metroid Blast besitzt der Gamepad-Spieler ebenfalls sein eigenes Bild, was dafür sorgt, dass der TV-Bildschirm für die restlichen Spieler frei bleibt. Die Einzelspieler-Attraktionen sind ein Potpourri verschiedener Ideen. In Yoshi’s Fruit zeichnen wir für unseren grünen Dino einen Weg vor, der ihn idealerweise an Früchten vorbeiführt, die er dann verspeisen kann. Der Kniff an der Sache: Das appetitliche Obst können wir lediglich auf dem TV-Bildschirm sehen, nicht aber auf unserem Gamepad-Display. Dabei müssen wir uns an Punkten des Areals orientieren, umso den richtigen Weg einzeichnen zu können. In Captain Falcon’s Twister Race wiederum lenken wir die Geschicke des Gleitschiffs per Neigung des senkrechtgehaltenen Gamepads, auf dem wir das Geschehen aus einer entfernten Vogelperspektive sehen.

Von Bonbon-Bäumen und Yoshi Wagen

Die Minispiele funktionieren mal mehr, mal weniger gut. Ohne zusätzliche Spielpartner lässt sich aus dem Vergnügungspark aber nur wenig Spielzeit herausquetschen, nach einigen Durchläufen der einzelnen Attraktionen ist da schnell die Luft raus. Gerade in Gruppen von fünf Mitspielern kommt bei den Wettstreiten aber großer Spaß auf. Schade allerdings, dass gerade die Solospiele mit sechs Attraktionen den Mammutanteil von Nintendo Land ausmachen. Per „Attraktions-Rundfahrt“ dürfen wir mit mehreren Spielern aber zumindest abwechselnd unsere Kräfte in ihnen messen. Sollten wir gute Leistungen während der Spiele zeigen, werden wir mit Goldmünzen belohnt, die wir einem Pachinko-Minispiel gegen Dekoration für unseren Freizeitpark „eintauschen“ können.

Gerade da diese Belohnungen aber sehr lieblos ausfallen, bleibt die Motivation schnell auf der Strecke. Wir erhalten zum Beispiel einen Strunk Bananen, den wir per Touchpad antippen dürfen, um ein paar Details darüber zu erhalten, in welchem Spiel sie ihren Ursprung gefunden haben. Ein weiterer Knackpunkt ist der Hauptplatz des Nintendo Lands: Zwar ist die Idee des erkundbaren Freizeitparks lobenswert, aber wenn es faktisch nichts zum Erkunden gibt, fällt der nette Ansatz schnell flach. Schnell machen wir uns da lieber die Schnellwahl per Menü zunutze, anstatt uns per Pedes zu den einzelnen Spielen zu begeben. In den Minigames angekommen, zerrt dabei leider auch noch Gastgeberin Monita an unseren Nerven. Nicht nur müssen wir vor jedem Spielstart bis zu drei einleitende Sequenzen samt Anleitung per Tastendruck quittieren, nein, auch in der Attraktion selber werden besondere Kniffs bei jedem neuen Anlauf immer und immer wieder erklärt. Diese dürfen zu allem Übel auch nicht abgebrochen werden.

Bei den Spielen haben wir dabei unsere klaren Favoriten schnell gewählt. Gerade die kompetitiven Mehrspieler-Matches eines Luigi’s Ghost Mansion und Animal Crossing Sweet Day können mit drei bis vier Mitspielern durchaus längerfristig fesseln. The Legend of Zelda Battle Quest und Metroid Blast sind deren kooperative Gegenstücke, wobei letzteres auch im Deathmatch zu unterhalten weiß. Abgesehen davon rangieren die meisten Attraktionen zwischen gut und miserabel. Gerade Captain Falcon’s Twister Race und Donkey Kong’s Crash Course versagen auf voller Linie. Grafisch haben wir es hierbei natürlich nicht mit einer Machtdemonstration der neuen Hardware zu tun. In den meisten Fällen ist die Präsentation aber knackig und frabenfroh, wenn auch stellenweise etwas zu bunt und reduziert. Musikalisch nerven uns, trotz netter Reminiszenzen alter Klassiker, allzu quiekige zehn-Sekunden Loops.

ingame.de: Unser Wii U Special Offizielle Seite: Nintendoland.nintendo.com

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