Test: Tales of Symphonia Chronicles

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Namco zeigt sich endlich gnädig und veröffentlicht mit Tales of Symphonia Chronicles zwei der wichtigsten Japano-Rollenspiele des letzten Jahrzehnts im HD-Gewand für die PlayStation 3. Vielleicht sollte ich besser von einem der besten JRPGs des letzten Jahrzehnts sprechen, denn der eigentliche Star der neuen HD-Collection ist ganz klar Tales of Symphonia und nicht sein Wii-Nachfolger Dawn of the New World.

Der Erstling der Duologie gilt unter vielen Fans nämlich auch heute noch als Namcos bestes Tales-Spiel. 2003 erschien der Titel erstmalig auf dem Game Cube und sorgte dort mit seinen geschmeidigen 60 FPS für flüssige und schnelle Kämpfe, was den Titel seinerzeit zu einem Pflichtkauf für Anhänger des Genres machte. Leider basiert die HD-Portierung auf die nur in Japan veröffentlichte PlayStation 2-Version, die zwar mit neuen Inhalten, dafür aber mit nur 30 Frames pro Sekunde ausgestattet war. Ein eigentlich herber Qualitätsverlust für ein Spiel, das Zocker mit zeitgemäßer Optik zum Kauf anlocken soll.

Die Welterneuerung

Eine bevorstehende Dürre und das Regime der Desians machen Sylvarant zu einem unwirklichen Ort des Kummers und der Verzweiflung. Monster treiben ihr Unwesen, Menschen werden versklavt und Rassenkonflikte gehören an der Tagesordnung. Inmitten dieser zerütteten Welt lebt der Held unseres bevorstehenden Abenteuers, Lloyd Irving, ein fauler Tunichtgut, der noch nicht ahnt, was das Schicksal für ihn bereithält.

Um Sylvarant vor dem Untergang zu bewahren, muss Lloyds beste Freundin Colette eine lange Reise antreten, und verschiedene Tempel ausfindig machen. Ihr Ziel ist es, ein vollwertiger Engel zu werden, um die langerwartete Welterneuerung einzuläuten. Damit sich die Auserwählte nicht alleine den Gefahren einer solchen Reise aussetzen muss, fasst Lloyd den Entschluss, Colette auf ihrer Mission zu begleiten. Doch irgendetwas verheimlicht der Engel in spe.

Gewalt ist immer eine Lösung

Ganz alleine müssen sich Lloyd und Colette allerdings nicht den vielen Gefahren von Sylvarant stellen. Mit von der Partie sind weitere Freunde und Begleiter, die mit ihren unterschiedlichen Stärken ein nahezu unschlagbares Team bilden - vorausgesetzt ihr wisst diese auch gekonnt einzusetzen, denn das Kampfsystem von Tales of Symphonia Chronicles hat es in sich. Auf den ersten Blick wirkt es wie stumpfes Button-Mashing: Wie vom Teufel besessen, muss auf den X-Button des Controllers eingehämmert werden, immer und immer wieder, doch mit der Zeit verlangt das Spiel mehr von euch ab.

Mit zwei unterschiedlichen Angriffstypen müsst ihr Monstern und anderem Gesocks auf die Pelle rücken. Mit den normalen Angriffen fügt ihr minimalen Schaden hinzu und ladet euch mit TP (Technical Points) auf, die ihr für eure Tech-Angriffe benötigt. Die Techs zeichnen sich durch ihre unterschiedlichen Bewegungsabläufe und Wirkungen ab. Manch ein Tech kann eine schützende oder heilende Wirkung auf eure Gruppe haben, während ihr mit anderen fliegende oder weit entfernte Gegner besser zu fassen bekommt. Im Menü könnt ihr eure erlernten Fähigkeiten ganz nach Belieben auf den Richtungstasten platzieren. Erlernt ihr einen neuen Angriff, könnt ihr diesen sogar während des Kampfes ausrüsten.

Wollt ihr die fiesen Monster und Desians noch einmal so richtig vermöbeln, bieten sich sich die Unison-Angriffe an. Ist die U.Angriff-Leiste voll, können all eure Gruppenmitglieder - vorausgesetzt sie nehmen am Kampf Teil - nacheinander Tech-Angriffe einsetzen. Nur das Timing muss stimmen, denn wechselt ihr im U.Angriffs-Modus, so stehen die Tasten X, Dreieck, Viereck und Kreis je für ein Mitglied eures Teams. Läutet ihr euren U.Angriff beispielsweise mit Lloyd ein, muss sobald sein Angriff ausgeführt wurde, die nächste Attacke folgen, sonst bricht eure Combo-Kette und ihr habt eure U.Angriffs-Leiste umsonst verbraucht.

Tales of Symphonia Chronicles bietet ein tiefgründiges Kampfsystem, das sich erst im Laufe eures Abenteuers voll entfaltet. Wie ein Coach könnt ihr im Hintergrund entscheiden, wie sich eure Mannschaft im Kampf verhalten soll. Wer schwärmt aus? Wer kümmert sich um die kleinen Fische? Wer sorgt für die Defensive? Welcher Charakter untertützt die Gruppe mit Heilzauber? Es gibt viele Möglichkeiten euer Team auf den nächsten Kampf vorzubereiten und wer auf die Stärken und Schwächen seiner Feinde eingehen will, sollte sich vor jedem Kampf eine besondere Strategie überlegen.

Der perfekte Krieger

Fast genauso wichtig wie eine gute Strategie, ist ein gestählter Körper und den bekommt ihr in Tales of Symphonia Chronicles nur, wenn ihr beim Aufleveln auf ein paar wichtige Faktoren achtet. Zunächst gibt es da die Titel, die ihr durch verschiedene Aktionen und Ereignisse im Spiel freischalten könnt. Euer Titel legt fest, welche Statuswerte eures Charakters am meisten gefördert werden. Hier darf ruhig fleißig experimentiert werden, verskillen kann man sich dabei eigentlich nicht.

Aufwendiger wird es da eher mit den Ex-Gemmen, die ihr kaufen, in Truhen finden oder nach Bosskämpfen erhalten könnt. Diese Status-Boosts gibt es in unterschiedlichen Stärke-Stufen und müssen im Menü ausgerüstet werden. Jeder eurer Kämpfer verfügt über vier Slots, die ihr mit Gemmen füllen könnt. Mit den gesammelten Ex-Gemmen könnt ihr eure Truppe entweder mit neuen Fähigkeiten versorgen oder einzelne Statuswerte gezielt verbessern.

Narben der Zeit

Auch wenn die Kämpfe in Tales of Symphonia auch nach über zehn Jahren spannend und fordernd sind, sind die Jahre nicht ganz spurlos an diesem Klassiker vorübergezogen. Grafik-Liebhaber, die sich bereits an der Optik neuerer Tales-Spiele stören, werden mit Tales of Symphonia Chronicles sicher nicht warm. Klobige Spielfiguren, schlechte Lippen-Animationen und eine schlichte Oberwelt sind nur ein paar der optischen Unebenheiten, die einem beim ersten Anspielen ins kritische Visier springen. Leider läuft das Spiel auch nur mit 30 statt 60 FPS, da der in der Compilation vorliegende Titel auf der PlayStation 2-Version basiert und damit auch die Schwächen dieser Fassung ins HD-Zeitalter mitbringt.

Trotz all dieser kleinen Makel bleibt Tales of Symphonia Chronicles zumindest ein Muss für Freunde des JRPG-Genres. Wer generell mehr Wert auf Story und Gameplay legt, wird nach wenigen Stunden vergessen haben, dass Tales of Symphonia ein ganzes Jahrzehnt auf dem Buckel trägt. Der typische Tales of-Charme fesselt einen schon nach wenigen Stunden und kaum hat man sich versehen, schon tüftelt man bereits an neuen Strategien und stapelt die Leichen seiner gefallenen Gegner. Schön ist auch, dass ihr jederzeit zwischen der englischen und japanischen Sprachausgabe wechseln könnt.

Da war doch noch etwas!

Tales of Symphonia - Dawn of the New World ist das direkte Sequel des Game Cube-Klassikers und erschien hierzulande am 13. November 2009 für die Wii. Dem Erscheinungsjahr des Spiels entsprechend, dürft ihr also mit ein paar deutlichen Verbesserungen rechnen. Nicht nur optisch ist der Symphonia-Nachfolger deutlich zeitgemäßer, auch das Kampfsystem - wenn es auch kein Quantensprung darstellt - geht geschmeidiger von der Hand. Inhaltlich sollte man jedoch nicht zu viel erwarten, da der Titel vor allem Bezug auf die Ereignisse des ersten Teils nimmt. Viele bekannte Orte aus Tales of Symphonia werden euch noch einmal in überarbeiteter Optik vorgesetzt, dafür bekommt ihr aber einen neuen Hauptprotagonisten, ein abgeändertes Kampfsystem und einen bösen Lloyd serviert. Warum der jedoch plötzlich die Seiten gewechselt hat, müsst ihr schon selbst herausfinden.

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