Test: The Witch and the Hundred Knight

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Nippon Ichi Software ist bekannt für seine durchgeknallten Japano-Titel und diesen Ruf wollen sie offensichtlich auch nicht ablegen. Mit ihrem neusten Werk The Witch and the Hundred Knight erwartet den Spieler ein abgedrehtes Abenteuer mit der Hexe Metallia und ihren Schergen. Doch kann das Spiel überzeugen und treue Anhänger des Studios, welches besonders durch Disgaea zu seinem Glanz gekommen ist, in seine Gefolgschaft rufen? Unser Test verrät es euch!

Was wollen wir? Die Weltherrschaft natürlich!

Eine abgedrehte Geschichte ist neben dem äußerst genialen Charakterdesign das Markenzeichen eines jeden Titels aus dem Hause Nippon Ichi Software (NIS). Mit The Witch and the Hundred Knight, welches bereits im Herbst des vergangenen Jahres in Japan auf den Markt gekommen ist, möchte das Studio beweisen, dass es neben ihrer Spezialität, der Strategie-Rollenspiele, auch in anderen Genres überzeugende Qualität liefern kann. Auf den ersten Blick ist The Witch and the Hundred Knight ein ganz typisches Spiel Marke NIS, auf den zweiten Blick stellen Fans einige Änderungen fest, wie sie so fast noch nie bei dem Entwickler vorgekommen sind. Das Spiel bietet keine hübschen 2D-Sprites mehr, sondern alle Charaktere samt Welt sind komplett in 3D umgesetzt. Nach dem ersten Schock hat der treue NIS-Fan diese Hürde aber überwunden, und stellt das Gameplay mit seiner Geschichte auf den Prüfstand.

Metallia ist eine Sumpfhexe und in ihren Absicht sehr eigen. Was kann eine Hexe anderes wollen als die totale Herrschaft über den Wald? Nicht viel, aus diesem Grund ist es ihr Verlangen den gesamten Wald in ein einziges großes Sumpfgebiet zu verwandeln. Doch da sie ihren Sumpf nicht verlassen kann oder will, muss jemand anderes diese Aufgabe übernehmen. Hier kommen wir ins Spiel: In der Rolle des Hundred Knight liegt es an uns, den Wald in einen Sumpf zu verwandeln. Das ist aber leichter gesagt als getan, schließlich ist nicht nur der Sumpf bewohnt, sondern der Wald ebenfalls. Doch da wir mit einem Vertrag an Metallia gebunden sind, fügen wir uns unserem Schicksal und machen uns auf den Weg in den Wald.

Unser Ziel ist es die Säulen zu aktivieren, die überall im Wald verstreut sind. Einmal aktiviert dienen sie als Teleporter zurück in die Basis und zum Verteilen von Grade-Punkten. Um dem Gebiet Herr zu werden muss der Boss, der in diesem Spiel immer eine Wächter-Rolle einnimmt, das Zeitliche segnen. Jeder Boss in einem Gebiet bewacht eine unsichtbare Säule, die die Annexion des Gebiets vervollständigt. Und so spielt ihr euch von Gebiet zu Gebiet und schnetzelt alles nieder das euch vor die Klinge, oder den Hammer, Lanze, Knüppel, ..., läuft.

Mein Gesicht, mein Schwert, meine Zeit

The Witch and the Hundred Knight spielt sich wie ein typisches Hack'n-Slay, hat aber seine Eigenheiten. So tragt ihr nicht bloß eine oder zwei Waffen, gleich fünf davon könnt ihr ausrüsten. Doch solltet ihr bei der Wahl mit Bedacht entscheiden. Jede Waffe hat ein Symbol das den Augen eines Würfels ähnlich ist. Legt ihr die Waffen in der Reihenfolge eins bis fünf an, könnt ihr euren Schaden am Ende verdoppeln. Doch jeder Waffentyp hat ein anderes Schlagmuster und zudem sind beispielsweise gepanzerte Gegner nur gut mit einem Hammer zu erledigen. Auf diese Weise ergeben sich besonders im späteren Verlauf von The Witch and the Hundred Knight automatisch bestimmte Waffensets, die bei bestimmten Gegnertypen angelegt werden sollten. Allerdings wirkt das Kämpfen sehr schnell redundant und fühlt sich an, als hätte man nach einigen Stunden alles gesehen.

Um dem Titel des Spiels mit seinen 100 Rittern gerecht zu werden, könnt ihr neben dem Wonder Knight den ihr zu Beginn des Spiels kennen lernt, noch unzählige weitere Ritter spielen. Diese 'Facet' bekommt ihr vor allem als Belohnung nach einem siegreichen Kampf, doch auch Truhen könnten ein 'Facet' enthalten. Die einzelnen Ritter müssen alle individuell gelevelt werden und zeichnen sich durch differenzierte Statuswerte aus. Während der Wonder Knight alles durchschnittlich gut kann, hat der nächste einen hohen Angriff, aber dafür eine schlechte Verteidigung.

Und als wäre das noch nicht genug worauf man beim Spielen achten muss, rennt einem beim Erkunden die Zeit davon. Jede Tätigkeit, jeder Angriff, jeder Spurt kostet euch wertvolle Lebenszeit und ist diese einmal erloschen, heißt es 'Auf Wiedersehen'. Doch ganz verloren seid ihr nicht: Einmal gestorben, ist der Ritter keinesfalls verloren, was bei einer Gefolgschaft von bis zu 100 Rittern durchaus angenommen werden darf. Ihr könnt einfach bei der zuletzt aktivierten Säule starten und das Gebiet erneut versuchen.

Eine Lady ist was anderes

Die Protagonistin von The Witch and the Hundred Knight ist alles andere als eine feine Dame. In kaum einem anderen Spiel sind innerhalb der ersten drei bis vier Spielstunden so oft die Worte 'fucking whore' gefallen, wie in diesem. Und überhaupt ist Metallia eher von der bösen Seite der Macht: Sie macht sich alles und jeden Untertan und geizt nicht mit Beleidigungen. Leider schafft es The Witch and the Hundred Knight nicht in den ersten Stunden die humoristische Liga eines Disgaea zu erreichen. Metallia ist kein Mao, Valvatorez oder Laharl, die ungewollt durch ihre Art und Weise den Spieler immer wieder zum schmunzeln bringen.

Metallia wirkt fast so, als meine sie das wirklich ernst was sie von sich gibt, das ist für einen NIS-Titel ungewohnt. Doch sind die Dialoge wieder überaus abstrus und zeigen deutlich, von wem dieses Spiel entwickelt wurde. Die Optik ist nicht das, was man von Nippon Ichi Software gewohnt ist. Abgesehen von den liebevoll gezeichneten 2D-Sprites der Konversationen ist alles in einer 3D-Grafik gehalten, die leider nicht über PlayStation 2-Niveau kommt. Klar, auch ein Entwickler wie NIS muss Fortschritte in der Grafik machen, doch wenn es auf Kosten des Spielspaßes geht, weil die Grafik nicht überzeugen kann, dann ist es der falsche Weg. Hätten sie ein grafisches Konzept mit 2D-Sprites anvisiert, wer weiß wie genial es ausgesehen hätte? Doch zumindest beim Soundtrack machen die Japaner alles goldrichtig. Die Klänge von The Witch and Hundred Knight sind Zucker für die Ohren: und wer die Stücke aus Disgaea oder Guided Fate Paradox mag, wird mit diesem Soundtrack auch seine Freude haben.

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