Chinesischer Smartphonehersteller

Xiaomi: Größter Smartphone-Hersteller der Welt – Handys und andere Technik

  • Peer Schmidt
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Xiaomi ist aktuell der größte Smartphone-Hersteller der Welt. Das Unternehmen aus Peking in China stellt aber nicht nur Handys, sondern auch weitere Technik-Geräte her.

Peking – 2010 gegründet konzentrierte sich Xiaomi in den ersten Jahren hauptsächlich auf den asiatischen Markt. Mittlerweile gehört die Marke zu den führenden Herstellern von Smartphones weltweit und weitet ihr Angebot durch die Gründung von Tochterfirmen und den Kauf anderer Unternehmen immer weiter aus. Neben Smartphones entwickelt Xiaomi mittlerweile auch Notebooks, Activity Tracker, Smartwatches und viele verschiedene Produkte rund um Smarthome und Lifestyle.

UnternehmenXiaomi Tech
RechtsformAktiengesellschaft
Gründung6. April 2010
SitzeHaidian, Peking, Volksrepublik China
BrancheSmartphones Tabletcomputer Smart Home

Xiaomi: Geschichte und Gründung des Smartphone-Herstellers aus China

Die Gründung des Unternehmens Xiaomi Tech erfolgte im April 2010. Zu den wichtigsten Gründungsmitgliedern gehörten der Unternehmer Lei Jun als Hauptinvestor, der bis heute CEO des Unternehmens ist sowie Lin Bin, der als Präsident fungiert. Die fünf weiteren Gründer haben Positionen als Vizepräsidenten von Xiaomi inne. Der Name der Marke besteht im Chinesischen aus den beiden Zeichen für „klein“ und „Reis“, die zusammen auch für „Hirse“ stehen. Damit spielt der Name auf eine buddhistische Weisheit an, nach der ein kleines Reiskorn genauso bedeutsam und groß sein kann wie ein Berg. Bereits zwei Jahre nach Gründung konnte sich die Marke auf dem chinesischen Markt etablieren und jährlich mehr als zehn Millionen Smartphones verkaufen.

Xiaomi-Chef Lei Jun: Der Elektronikkonzern plant eine E-Auto-Fabrik in Peking.

Mit dem wirtschaftlichen Erfolg begann Xiaomi einen umfangreichen Wachstumskurs. Dazu gehörte einerseits die Gründung weiterer Unternehmen, um das Portfolio der Marke zu erweitern. Andererseits kaufte Xiaomi auch bekannte Marken auf und integrierte deren Wissen und Technik in die Weiterentwicklung der eigenen Produkte. Ab 2017 nahm die Marke erstmals auch den europäischen Markt ins Visier und eröffnete hier die ersten offiziellen Mi Stores. Vorher waren Produkte von Xiaomi nur über das Internet verfügbar. Seit 2019 gibt es auch Mi Stores in verschiedenen deutschen Städten.

Xiaomi Smartphones: Xiaomi Mi, Redmi und Pocophone – Die erfolgreichen Handy-Modelle

Bereits mit seinem ersten Smartphone, dem Xiaomi Mi 1, erregte Xiaomi internationales Aufsehen in der Mobilfunkbranche: In Hinblick auf die technische Ausstattung stand das Modell den derzeitigen Marktführern in nichts nach, war dafür aber deutlich günstiger. Diesen Ruf als Marke für günstige High-End-Geräte konnte Xiaomi im Laufe der Zeit festigen und ausbauen.

Xiaomi Poco F3 5G-Smartphone.

Insgesamt umfasst das Angebot derzeit drei verschiedene Smartphone-Reihen, die wiederum üblicherweise aus mehreren Modellreihen bestehen:

  • Xiaomi Mi-Reihe: Mittelklasse- bis High-End-Smartphones mit mehreren Untergruppen
  • Xiaomi Mi Note: Modelle mit besonders guter Kamera und größerem Display
  • Xiaomi Mix: Besondere Smartphones mit innovativem Design
  • Xiaomi Mi A: Smartphones mit einfach zu updatendem Android One
  • Poco: Nur online erhältliche und dadurch günstigere Mittelklasse- und High-End-Smartphones

Mit der Zeit änderte sich die Namensgebung der Smartphone-Modellreihen: Die Hauptreihe wird künftig nicht mehr den Zusatz „Mi“ tragen, sondern nur noch als Xiaomi vermarktet. Dafür werden Redmi und Pocophone nur noch lose an den Mutterkonzern gekoppelt und als eigenständige Marken verkauft. Bis auf die besonderen Mi A Modelle sind alle Smartphones von Xiaomi mit dem auf Android basierenden Betriebssystem MIUI ausgestattet.

Mi User Interface: Xiaomis Betriebssystem für Smartphones und Co.

Bereits vor dem ersten veröffentlichten Smartphone stellte Xiaomi auch sein eigenes Betriebssystem für dieses vor. Das Mi User Interface, kurz MIUI, ist eine stark angepasste Version des weit verbreiteten Betriebssystems Android von Google. Optisch erinnern das Design und die Oberflächen stark an das Aussehen von iOS oder TouchWiz von Samsung. Dabei gibt es seit der Version MIUI 5 wesentliche Unterschiede zwischen den Ausgaben des Betriebssystems innerhalb Chinas und für den Rest der Welt: Da der Internetriese Google einigen staatlichen Vorgaben der chinesischen Regierung nicht nachkommt, sind die Dienste des Android-Entwicklers in diesem Land nicht verfügbar. Dementsprechend werden diese seit Mitte 2014 nicht mehr auf Xiaomi-Geräten innerhalb Chinas installiert.

Xiaomi Redmi Note 8 Pro Smartphone.

Stattdessen hat Xiaomi seine eigenen Dienste gestartet, um Nutzer:innen entsprechende Leistungen zu bieten und Gewinne zu erzielen. Diese sind nun sowohl innerhalb als auch außerhalb von China im Rahmen der Installation von MIUI enthalten und können auch nicht entfernt werden. Analog zu Google Mail, Google Maps oder Google Pay hat Xiaomi eigene Angebote zum Abrufen von E-Mails, Navigieren oder dem Bezahlen von digitalen Inhalten wie Themes und Spielen. Darüber hinaus gehört ein eigener Browser zum Umfang des Betriebssystems. Außerhalb Chinas ist die Nutzung der Anwendungen von Xiaomi eine Option, es gibt aber auch zahlreiche Alternativen.

Xiaomi: Smarphone-Zubehört, Smartwatches und andere Technik aus China

Wie die meisten Hersteller von Smartphones beschränkte sich auch Xiaomi bald nicht mehr auf die reinen Endgeräte. Stattdessen erweiterte die Marke ihr Angebot um entsprechendes Zubehör, mit dem die Smartphones ihr volles Potenzial entfalten und die das Leben ihrer Nutzer:innen noch leichter machen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Ladegeräte: Normale Charger und kabellose Ladegeräte für zuhause oder das Auto
  • Powerbanks: Tragbare Energiespeicher zum Aufladen von Smartphones oder anderen Geräten unterwegs
  • Wearables: Fitnesstracker zum Aufzeichnen der täglichen Aktivität und Schlafqualität
  • Smartwatches: Fitnesstracker mit erweiterten, smartphone-ähnlichen Funktionen
  • Bluetooth Boxen: Portable Lautsprecher zum Musik hören unterwegs
  • Kopfhörer: Bluetooth Kopfhörer optimal zur Verwendung mit den Xiaomi Smartphones
Xiaomi Mi Smart Band 5 Fitness- und Aktivitätstracker.

Das Design und die Funktionalität vieler Produkte im Bereich Smartphone-Zubehör erinnert an die Konkurrenten Samsung und Apple. Xiaomi scheint sich hier als dritter Mitbewerber positionieren zu wollen. Verglichen mit den beiden Marktführern sind die Produkte des Konzerns in der Regel günstiger, dafür etwas weniger leistungsstark. Für die meisten Kunden stellen sie dank ihres hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnisses trotzdem eine attraktive Alternative zu den beiden bisherigen Anbietern in diesem Bereich dar. Zunehmend platziert sich Xiaomi in diesem Feld als Unternehmen, das seinen Kunden alle nötigen Produkte aus einer Hand bietet.

Xiaomi: Von Smartphones über Luftreiniger bis zu elektrischen Zahnbürsten

Mit zunehmendem Erfolg seiner Smartphones und des hauseigenen Betriebssystems weitete Xiaomi sowohl seine Ambitionen als auch seine Ziele immer weiter aus: So erschien zum Beispiel 2016 der erste Staubsaugerroboter von Xiaomi in Zusammenarbeit mit Roborock. Seit Mai 2018 begann die Marke außerdem mit dem Verkauf weiterer Smarthome-Produkte und -Lösungen über den weltweiten Onlinehändler Amazon. Diese sind somit für Jedermann in aller Welt erhältlich.

Xiaomi produziert neben Smartphones auch andere Elektro-Geräte, wie den Mi Air Purifier 3C Luftreiniger

Auch im Bereich Smarthome bietet Xiaomi ähnliche Funktionalität und komfortable Bedienung wie die Konkurrenz, kann deren Preise aber in der Regel leicht bis deutlich unterbieten. Dementsprechend konnte die Marke auch im Smarthome und Home-Automation-Bereich schnell Marktanteile für sich gewinnen.

Xiaomi: Mehr als ein Smartphone-Hersteller – Technik aus China

Derzeit umfasst das Portfolio von Xiaomi im Bereich Smarthome und Lifestyle unter anderem folgende Produkte und Produktkategorien:

  • Verschiedene Staubsauger- und Wischroboter
  • Manuelle Staubsauger
  • Luftfilter und Luftreiniger sowie Ventilatoren
  • Überwachungskameras und Kamerasysteme
  • Smarte Lampen und Leuchten
  • Tür- und Fenstersensoren sowie Bewegungssensoren
  • Thermometer, Feuchtigkeits- und Temperatursensoren
  • Router und WiFi-Verstärker
  • Rasierer, Haartrockner und intelligente elektrische Zahnbürsten
  • Rucksäcke, Koffer und Fingerabdruckschlösser
  • Werkzeuge wie elektrische Schraubendreher oder Akkuschrauber

Die Steuerung der Xiaomi Mi Smarthome Produkte erfolgt über die Mi Home App. Über diese lassen sich die verschiedenen Sensoren miteinander verknüpfen und Regeln bezüglich Warnungen vor Eindringlingen festlegen.

Xiaomi: Kritik, Kontroversen, Produkt-Nachhaltigkeit und Datenschutz

Wie bei den meisten großen Technikkonzernen gibt es auch rund um die Produkte von Xiaomi immer wieder Bedenken. Unstimmigkeiten rund um Patente oder Lizenzbestimmungen sorgten in der Vergangenheit für Aufsehen, konnten mittlerweile aber ausnahmslos beigelegt werden. Ein 2017 von Greenpeace veröffentlichter Nachhaltigkeitsbericht gibt Xiaomi schlechte Noten in allen Bereichen von der Umweltfreundlichkeit des verwendeten Stroms über die Wiederverwendbarkeit der Materialien bis hin zum Einsatz von gefährlichen Chemikalien. Dies stellt jedoch kein alleiniges Problem des chinesischen Herstellers, sondern eine allgemeine Tendenz in der Branche dar.

Xiaomi steht in Deutschland häufig im Visier der Datenschützer. Das Smartphone-Unternehmen aus China sagt aber, dass die Daten anonymisiert erhoben werden.

Immer wieder äußern außerdem Datenschützer Bedenken gegenüber Xiaomi. Grund dafür war oder ist, dass die Geräte des Herstellers personenbezogene Daten automatisch an die Server des Unternehmens in China oder an anderen Standorten weiterleiten. Xiaomi selbst gibt an, diese Nutzerdaten anonymisiert und daher mit den jeweiligen Richtlinien zum Datenschutz konform zu erheben. Anfang 2022 wurden zudem Vorwürfe über eingebaute Filter- und Zensurlisten in Smartphones von Xiaomi, die aus der Ferne aktiviert werden könnten, laut. Das Deutsche Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik konnte diese Angaben aus Litauen und Taiwan nach ausführlichen Untersuchungen aber nicht bestätigen.

Rubriklistenbild: © Wu Hong/EPA/dpa

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