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YouTube vs. Lego: Baustein-Streamer bekommt von Community Rücken gestärkt

  • Joost Rademacher
    VonJoost Rademacher
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Der YouTuber Johnny‘s World muss aktuell einen Kampf gegen LEGO führen. Der dänische Spielzeug-Konzern hält einen Kontainer mit Steinen einer Alternativ-Marke beim Zoll fest.

Paderborn, Deutschland – Für Millionen von Menschen weltweit ist Lego der Name, der die Kindheit dominiert hat. Generationen sind mit den bunten Klemmbausteinen aus Dänemark aufgewachsen und geben ihr Spielzeug heute noch an ihre Kinder weiter. Allmählich bröckelt aber das Ansehen von Lego, sei es wegen immer teureren Sets bei weniger Inhalt oder wegen zwielichtigen Marktstrategien. Zuletzt kam das volle Ausmaß von Legos Drang zur Monopolstellung aber besonders zum Vorschein, als das Unternehmen einen YouTuber und Verkäufer von Spielzeug aus Paderborn aus dem Markt drängen wollte – und damit den Zorn der deutschen YouTube-Szene auf sich zog.

Name des UnternehmensLego A/S
Gründung1932 in Billund, Dänemark
CEONiels B. Christiansen
HauptsitzBillund, Dänemark
Mitarbeiterzahl13.974
Umsatz3,4 Milliarden Euro (2018)

YouTube vs. Lego: Konzern setzt YouTuber wegen Alternativspielzeug auf Blacklist beim Zoll

Die Rede bei diesem Verkäufer ist von Thorsten Klahold, der seit 2017 den YouTube-Kanal Johnny‘s World betreibt und darauf regelmäßig Videos über Modellbau, Bausteine und anderes Spielzeug hochlädt. Außerdem ist er der Geschäftsführer von Steingemachtes, einem Geschäft in Paderborn, das sich speziell auf Klemmbausteine von Herstellern wie Lego spezialisiert. Unter diesen Produkten ist auch Qman im Angebot von Thorsten Klahold, das als neues Alternativprodukt zu den Bausteinen aus Dänemark derzeit ein ansehnliches Sortiment aufbaut. Da dieses Sortiment besonders auf Kinder als Zielgruppe ausgelegt ist – eine Gruppe, die Lego zusehends entgleitet – fühlt sich Lego womöglich in dessen Stellung als Marktführer ein wenig bedroht. Anders ließe sich jedenfalls nicht erklären, wie der Konzern aktuellem Wissen nach gegen Klahold und Qman vorgeht.

Eigentlich sollte Klahold vor einigen Wochen einen Container mit neuen Qman-Artikeln erhalten. Der Paderborner ist praktisch der Generalimporteur von Qman für ganz Europa und liefert das Spielzeug eigenen Angaben nach an mehr als 50 weitere Händler. Das Problem ist nur, dass der Container niemals bei ihm aufgeschlagen ist. Stattdessen wird der Container beim Zoll festgehalten, nachdem ein nicht näher genannter Antragsteller beim Zoll angab, dass sich darin Artikel befinden könnten, bei denen eine Urheberrechtsverletzung vorliegt. Bei diesem Antragsteller handelt es sich aber hoher Wahrscheinlichkeit nach um eine Anwaltsfirma, die eben im Auftrag von Lego arbeitet.

So sitzt Thorsten Klahold jetzt auf Kosten für die Lagerung der zurückgehaltenen Waren, die vermutlich von Lego blockiert werden und muss den Erhalt des Containers lang und breit vor Gericht ausfechten. Viele Mitglieder der Modellbau-Szene, darunter auch Thomas Panke, a.k.a. Held der Steine, werfen Lego dabei jetzt vor, einen seiner eigenen Grundsätze von „fair play“ zu verraten, nur um die eigene Monopolstellung auf dem Markt zu sichern und Konkurrenz aus dem Markt zu treiben, bevor sie wirklich gefährlich werden kann. Der Held der Steine hat selber dazu ein 20-minütiges Video veröffentlicht, in dem er eindeutig Partei für Thorsten Klahold ergreift.

YouTube vs. Lego: Auch der Held der Steine schlägt sich auf die Seite von Thorsten Klahold

YouTube vs. Lego: Johnny‘s World startet Spendenkampagne – Auch Gronkh hilft

Klahold hingegen lässt sich selber nicht von den Drohgebärden von Lego seiner Existenz berauben. In einem mehr als halbstündigen Video auf YouTube hat er seine Situation geschildert und erklärt, wie das Einschreiten des dänischen Unternehmens und dessen Anwälte ihn ruinieren könnte. Anwälte würde er aber von Qman selbst bezahlt bekommen, um nicht auf den Kosten für die Gerichtsverhandlungen sitzen bleiben zu müssen und in einer Trotzaktion hat der Paderborner eine Spendenkampagne gestartet, um einen weiteren Container mit Qman-Spielzeug nach Deutschland zu holen und dieses gratis an bedürftige Kinder zu geben. Die Kampagne schlägt an, mit Gronkh hat selbst einer der Top 10 meist verdienenden Streamer Deutschlands für die Aktion gespendet.

YouTube vs. Lego: Deutsche YouTuber lehnen sich gegen Spielzeug-Konzern auf (Symbolbild)

Ursprünglich hat Klahold mit seiner Spendenkampagne bei GoFundMe nur 30.000 Euro sammeln wollen, mittlerweile liegt die GoFundMe-Seite aber bei fast 300.000 Euro. Neben Gronkh haben auch andere YouTuber wie Kinocheck oder eben Held der Steine für die Aktion gespendet und die Spendenkommentare sind voller Zuspruch für den YouTuber und Verkäufer, während Lego ordentlich sein fett weg bekommt. Eine andere Art von schmerzhafter Erinnerung an Spielzeug wie Lego hat MontanaBlack, der sich früher eine Verletzung mit einem Lego-Schwert zuzog. Aber auch der Streamer hat sich schon zu einem früheren Zeitpunkt für die Klemmbaustein-Community ausgesprochen, als der Held der Steine sich wegen seiner Videos im Streit mit Lego befand.

Rubriklistenbild: © dpa/Karl-Josef Hildenbrand

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