Age of Wonders Planetfall in der Vorschau: Verkopfte Strategie für Hardcore-Nerds

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Age of Wonders: Planetfall – Kann das altbackene Strategiespiel in der Vorschau überzeugen?

Ein Notarzteinsatz auf dem Weg nach München hat aus den drei Stunden, die wir eigentlich Age of Wonders Planetfall anspielen wollten, nur mickrige eineinhalb gemacht. Was sehr schade ist, denn der neue Ableger der Age of Wonders Reihe ist der Traum eines jeden nerdigen Teenagers, der es kaum erwarten kann, nach der Schule an den heimischen Rechner zu kommen, um in einer anderen Welt zu versinken. Und das waren wir schließlich alle mal, oder? Oder?

Storystern oder untergegangene Sonne?

Age-of-Wonders-Runden-Kampf

Age of Wonders hat leider keine Zwischensequenzen, die meiste Zeit verbringen wir in der Übersichtskarte und auf dem Schlachtfeld

Dabei hätten wir die Zeit durchaus zur Genüge nutzen können, Age of Wonders: Planetfall ist nämlich zuallererst umfangreich und enorm komplex. Allein in den ersten Spielstunden lernen wir mehr als in so mancher Vorlesung. Die Story von Planetfall lässt sich jedoch recht kompakt zusammenfassen: Nach dem Zusammenbruch des galaktischen Empires und der Star Union stehen sich die einzelnen Fraktionen des Universums im Konflikt über die von Ruinen überzogene Galaxie gegenüber. Diese einzelnen Völker haben jedes eine eigene mehr oder weniger originelle Backstory. So sind die Vanguard beispielsweise eine klassisch-humanoide Gruppe von Kämpfern, die nach langer Zeit aus ihrem künstlichen Cryosleep erwachen und in ihre Heimat zurückkehren, nur um die Regierung gestürzt vorzufinden. Die Amazonen hingegen sind ein rein weibliches Volk der Wälder, die Kir’ko ehemals durch Gehirnwäsche gesteuerte Sklaven des Empires. Auf den ersten Blick wirken alle Völker individuell und interessant ausgearbeitet und wir können es kaum erwarten ihre Stärken zu nutzen und ihre Geschichten zu erleben.

Charaktereditor mit RPG-Ausmaß

Charakter-Editor-Age-of-Wonders-Planetfall

Bastelspaß vor Spielbeginn: Im Charaktereditor haben wir alle Freiheiten

Beim Stichwort individuell und interessant ausgearbeitet kommt uns auch gleich der Charaktereditor in den Sinn. Wir können aus Unmengen vorgefertigter Helden (und Antihelden) unseren Befehlshaber auswählen oder sogar selbst einen erstellen. Dabei bietet uns das Spiel eine Menge Möglichkeiten, unsere ganz persönliche Spielweise einzubauen. Wollen wir lieber einen kämpferischen Kriegshäuptling oder einen gerissenen Diplomaten? Die Einstellungsoptionen, die so manchem RPG in nichts nachstehen, lassen uns Eigenschaften und Stärken für unseren Anführer wählen, sowie Waffen und Aussehen. Ein Punktesystem sorgt dabei für Regulation: Wer ein extra Kriegsgefährt möchte, das zwei Punkte kostet, kann sich das leisten, indem er seinem Charakter noch eine negative Eigenschaft wie Kleptomanie oder Geiz aufhalst, die im Gegenzug zum Malus mehr Punkte gewährt. Genauso simpel wie spaßig!

Taktisch fordernd: Das Kampfsystem

Age-of-Wonders-Runden-Kämpfe-Fertigkeit

Eure Einheiten haben Fertigkeiten und Standard-Angriffe

Weniger simpel aber genauso spaßig fanden wir den Kampfmodus. In einem top-down-view kontrollieren wir unsere Truppen in einem rundenbasierten System. Dabei hat jede Einheitentruppe drei Aktionspunkte, die wir für normale Angriffe, Spezialfähigkeiten oder Neu-Positionierung auf dem Schlachtfeld nutzen dürfen. Die KI fanden wir in den ersten Kämpfen taktisch durchaus durchdacht, wir können uns also durchaus vorstellen, wie fordernd die Schlachten im späteren Spielverlauf sein dürften. Hier hoffen wir, dass es Triumph gelingt, die Kämpfe in jedem Stadium des Spiels gleichzeitig anspruchsvoll und doch fair zu halten.

Age-of-Wonders-Planetfall-Hexafelder

Das Hexagon-System ist ein zentrales Spielelement der Age of Wonders Serie – verschiedene Farben zeigen an, wie oft man nach der Bewegung noch angreifen kann

Positionierung ist dabei durchaus sehr wichtig. So ist es beispielsweise essenziell, Fernkampfeinheiten in Deckung zu positionieren. Aber Faktoren, wie der Schadensbonus, den wir durch Flankieren des Gegners erhalten oder eine erhöhte Miss-Chance bei zu hoher Entfernung, machen die Kämpfe enorm taktisch. Auch gibt es zerstörbare Umgebungen, wie beispielsweise Tanksilos. Zerstört man diese, raubt man dem Gegner damit wichtige Deckung. Dazu gab es aber in den ersten Kämpfen leider recht wenige Einsatzmöglichkeiten. Ein größeres Angebot an Möglichkeiten, mit dem Gelände zu interagieren, hätte den Kämpfen noch mehr Faszination und Tiefe gegeben.

Einheiten gibt es scheinbar eine Menge, wir haben uns bisher größtenteils mit den klassischen Starter-Einheiten der einzelnen Fraktionen herumgeschlagen. Diese Einheiten können wir jedoch mit sogenannten Modules und Items aufwerten, weshalb auch die Start-Einheiten noch im Endgame ihren Nutzen haben sollen. Wie gut das dann wirklich aufgeht, konnten wir leider noch nicht testen.

Umfangreiche Sieg- und Spieloptionen

Age-of-Wonders-Planetfall-Vanguard-Forschungen

Wir hätten alleine drei Stunden damit verbringen können, uns alles durchzulesen

Besonders gut gefallen haben uns die verschiedenen Siegoptionen. Wer als brutaler Kriegstyrann über die Galaxis herrschen möchte, kann auf dem klassischen Weg eine bestimmte Anzahl ‚Territorium‘ einnehmen. Für scharfzüngige Diplomaten oder gerissene Wirtschafter gibt es aber noch weitere Siegmöglichkeiten, die unseres Wissens nach beispielsweise über Technologien freigeschaltet werden. Wir hoffen inständig, dass alle Wege zum Sieg sinnvoll ausbalanciert sind. Wäre es nicht absolut wundervoll, zu entscheiden, ob wir als die Kir’ko lieber in klassischer Zerg-Manier kriegslustige Monsterarmeen aufstellen oder uns als geachtete Handelsmacht an die Spitze der Galaxis wirtschaften? Hoffnung haben wir.

Zusätzlich gibt es noch die Doomsday-Technologien. Das ist eine Art Superwaffe, die jeder Spieler zu Beginn geheim wählt. Auch über die jeweiligen Doomsday Waffen kann am Ende das Spiel entschieden werden. Aber Age of Wonders: Planetfall ist nicht nur was die Siegbedingungen angeht komplex. Es gibt so viele Menüs und Einstellungsoptionen, dass wir in gleichem Maßen überfordert und begeistert waren. Alleine, um uns alles durchzulesen und anzuschauen, hätte unsere Zeit kaum gereicht. Auf den ersten Blick wirkt Age of Wonders: Planetfall durch diese hohe Menge an zu treffenden Entscheidungen, als würde unter der komplizierten Schale noch mehr Komplexität mit einer Unmenge an Tiefe und Wiederspielwert stecken.

Starke Atmosphäre, mangelnde Präsentation

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Diplomatie spielt genretypisch eine tragende Rolle

Auch wenn das Setting futuristisch ist, sieht Age of Wonders: Planetfall etwas veraltet aus. Die Menüs sind hin und wieder ein wenig unübersichtlich und die Grafik ist, besonders in den rundenbasierten Schlachten, alles andere als spektakulär. Gerade die Effekte bei Explosionen oder Spezialfähigkeiten sahen in unserer Vorschau-Version sehr dürftig aus. Im Weltkartenmodus stört das allerdings nicht wirklich, dieser hat uns gut gefallen. Und in dem verbringen wir ja schließlich auch die meiste Zeit. Auch stark: die vielen verschiedenen wunderbar ausgearbeiteten Charakter-Modelle. Hier wird an Detailreichtum nicht gespart, bisher gefielen uns alle Figuren sehr gut.

In der kurzen Testzeit hat uns auch der Soundtrack nicht wirklich überzeugt. Meist erzeugt er ein wenig Sci-Fi-Flair, ohne so richtig zu überraschen oder zu beeindrucken. Gleiches gilt für die Vertonung, im Regelfall sind nämlich nur kleine Teile der Dialogboxen von den jeweiligen Sprechern auch wirklich eingesprochen. Dies ist, genau wie der Mangel an Zwischensequenzen, durch das niedrige Budget zu erklären und wir können es Age of Wonders: Planetfall nur allzu leicht verzeihen. Denn durch die akribisch aufgebaute Spielwelt und die großartigen Völker kommt trotzdem eine Menge Atmosphäre auf.

Bombastisch

Tobias Hauser

Age of Wonders: Planetfall wirkte auf uns beim Antesten herrlich verkopft und dabei wunderbar komplex. Die Welt ist atmosphärisch und atmet Sci-Fi ohne dabei klischeehaft zu werden. Die Kämpfe sind taktisch und die KI fordernd, wobei wir im bisherigen Spielverlauf immer deutlich überlegen waren. Wenn Planetfall später im Spiel an Anspruch gewinnt, glauben wir, dass die Kämpfe auch auf längere Zeit motivierend bleiben sollten. Besonders angetan waren wir vom Charakter-Editor, der so manches RPG alt aussehen lässt. Kritikpunkte bieten die altbackene Grafik, die besonders im Bereich Effekte schwächelt und das Sounddesign, besonders wegen des an Stellen etwas aufdringlichen Soundtracks. Sollte es den Entwicklern gelingen, uns die nötige Langzeitmotivation zu bieten, glauben wir, dass mit Age of Wonders: Planetfall ein neuer Stern am Sci-Fi Himmel aufgehen könnte.
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