Angespielt: A Plague Tale: Innocence

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A Plague Tale: Innocence – Hand in Hand ins Mittelalter – Bildquelle: Focus Interactive

Geschwister auf der Flucht – Nachdem wir uns im vergangenen Jahr einen ersten Eindruck der düsteren Pest-Geschichte machen konnten, durften wir A Plague Tale: Innocence nun endlich selbst anspielen. Nach rund 3 Stunden mit dem emotionalen Action-Adventure verraten wir, was euch zwischen Pest, Inquisition und Rattenplage so alles erwartet. So viel vorab: Freut euch auf einen stimmungsvollen Geheimtipp, den ihr unbedingt im Auge behalten solltet.

Auf der Flucht

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Vor verschlossenen Türen – Bildquelle: Focus Interactive

In unserer Session hatten wir die Möglichkeit, die ersten vier Kapitel des Spiels ausführlich anzuspielen und somit schon ein gutes Stück der 15-stündigen Reise zu erleben. Dabei konnten wir die Geschichte rund um Adelstochter Amicia und ihren kleinen Bruder Hugo von Anfang an bestreiten. Nach einem tragischen Vorfall im Herrenhaus der Familie sind die beiden Kinder gezwungen, die Sicherheit ihrer wohlbehüteten Heimat zu verlassen, um vor den Häschern der Inquisition zu fliehen. Ihr Weg führt sie durch scheinbar verlassene Siedlungen, wo sich die Bewohner aus lauter Angst in ihren Häusern verbarrikadieren, über verseuchte Farmen bis ins Zentrum des Pest-geplagten Paris. Die Schauplätze ihrer Flucht sind vielfältig und nicht immer düster.

Völlig hilflos suchen sie einen alten Bekannte ihres Vaters auf, von dem sie sich Unterstützung versprechen. Der Weg dorthin ist jedoch beschwerlich und gepflastert von todbringenden Ratten, die in Horden aus dem Boden hervorbrechen, um alles in ihrem Weg bis auf die Knochen zu verspeisen. Zu allem Überfluss leidet der naive Hugo unter mysteriösen Anfällen – einer der Gründe, warum die Inquisition hinter ihm her ist. Hand in Hand irren die beiden also durch ein chaotisches Frankreich, das wir so heruntergekommen selten gesehen haben. Ihr einziges Ziel: Überleben! Die fragile Beziehung zwischen den Geschwistern beleuchten die Asobo Studios dabei so hautnah, echt und ehrlich, dass inmitten all der Angst und Hoffnungslosigkeit immer wieder emotionale Leuchtfeuer aufflammen.

Schleuder im Anschlag

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Letzte Option: Schleuder – Bildquelle: Focus Interactive

Ganz so wehrlos wie es auf den ersten Blick scheint, sind die beiden dann aber doch nicht. Amicia hat ihre Schleuder im Gepäck, die ihr treue Dienste leistet. Steine finden sich an jeder Ecke, mit denen die clevere Adelstochter auf Töpfe, Vogelscheuchen oder andere Gegenstände in der Umgebung schießt, um ahnungslose Schergen der Inquisition abzulenken. Sind keine Steine in Reichweite, tut’s auch ein Topf. Kämpfen ist nur selten eine Option, denn die beiden Kinder sind weder erfahren noch kräftig genug, um es mit der Inquisition aufzunehmen. Stattdessen steht ausgedehntes Schleichen im Mittelpunkt ihrer Flucht, denn werden Amicia und Hugo entdeckt, endet ihre Reise meist schon mit einem einzigen Hieb und ihr müsst vom letzten Checkpoint neu anfangen. In der Regel gibt es mehrere Wege, an Gegnern vorbeizuschleichen, grundsätzlich habt ihr es allerdings mit einem extrem linearen Spiel zu tun.

Spielerische Tiefe entsteht aus einem recht simplen Crafting-System, dass es Amicia erlaubt, ihre Steinschleuder und Taschen Stück für Stück zu verbessern. Überall in der Welt findet ihr Materialien wie Schwefel, Stoff oder Alkohol, die ihr an einer der seltenen Werkbänke des Spiels zu neuen Upgrades verwertet. Mit dem ersten Upgrade der Schleuder sind eure Kopfschüsse von nun an beispielsweise tödlich – vorausgesetzt, die Gegner tragen keinen Helm. Darüber hinaus schaltet ihr mehr Slots für Steine oder Töpfe frei. Im späteren Spielverlauf kommen sogar ein paar Elemente aus der Alchemie hinzu, die dem Spiel einen leichten Fantasy-Touch verleihen. Mit einem sogenannten Ignifer hat Amicia so die Macht, erloschene Feuer aus der Ferne neu zu entzünden.

Gewaltiger Ärger

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Blut statt Wasser – Bildquelle: Focus Interactive

Dass aus A Plague Tale: Innocence kein berüchtigter Walking-Simulator wird, verdankt das Spiel außerdem seiner Rätsel-Mechanik. Immer wieder stellt euch das Spiel vor kleinere Aufgaben, die uns allerdings selten Probleme bereiteten. Hier müsst ihr einen Hundekäfig durch die Gegend schieben, um eine vorher unzugängliche Klippe zu erklimmen, da schießt ihr mit Steinen auf eine Kette, um Licht-spendende Kronleuchter von der Decke fallen zu lassen. Die Geschwister müssen dabei zusammenarbeiten, sodass Hugo ihnen ein ums andere Mal das Leben rettet, weil er durch winzige Durchgänge kriechen und so verschlossene Türen öffnen kann. Die Rätsel sind allesamt recht schnell durchschaut, stellen aber eine nette Ergänzung zum narrativ-getriebenen Adventure dar.

Lediglich in einer Szene muss Amicia ihre Schleuder nutzen, um im offenen Kampf gegen einen Ritter zu bestehen. Hier erwartet euch eine Art Boss, der zunächst so gar nicht in das Universum des Spiels passen will. Mit ein paar gezielten Treffern auf die Knotenpunkte seiner Rüstung steht er uns bald ohne Helm gegenüber, sodass wir ihm gekonnt einen Stein zwischen die Augen schießen. Sekunden später begreift Amicia jedoch, was sie gerade getan hat und bricht unter ihrer Schuld schluchzend zusammen. Mord und Totschlag sind in der Welt von A Plague Tale: Innocence allgegenwärtig, das Spiel verkommt allerdings nie zu einem eiskalten Gore-Fest, sondern trifft immer die richtigen emotionalen Töne.

Ende der Unschuld

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Gemeinsam stark – Bildquelle: Focus Interactive

Das funktioniert hervorragend, weil die Beziehung zwischen den Geschwistern in vielen Nuancen inszeniert wird. Wir lernen Amicia als frech und aufgeschlossenen kennen, die brutalen Geschehnisse auf der Flucht gehen aber nicht spurlos an dem jungen Mädchen vorbei. Quittiert sie das ewig wehleidige Jammern ihres kleinen Bruders anfangs noch mit genervten Sprüchen, wächst sie schon bald in ein fast mütterliches Verhältnis zum hilflos überforderten Hugo hinein. Um das gemeinsame Überleben zu sichern, stellt sie das eigene Wohl hinter das ihres Bruders. Fieberhaft versucht sie den kleinen Hugo vor den Schrecken des Mittelalters abzuschirmen und dessen Unschuld zu wahren – auf Kosten ihrer eigenen. Trotz der ständigen Gefahr nimmt sich das Spiel Zeit für seine Figuren, sodass jede noch so kleine Gefühlsregung bei uns eine amtliche Gänsehaut hinterlassen hat.

Hinzu kommen wunderbar atmosphärische Lichtstimmungen und atemberaubende Landschaften, die A Plague Tale: Innocence trotz seiner düsteren Thematik zu einem optischen Erlebnis machen. Bevor die Inquisition auf dem Landsitz der Familie auftaucht, begleiten wir Amicia auf der Jagd mit ihrem Vater und erleben das ländliche Frankreich vor der Katastrophe – voller Leben, in leuchtenden Farben. Den Kontrast dazu bilden schwach erleuchtete Korridore oder brennende Windmühlen, die zeigen, welche Bedrohung von Pest und Inquisition ausgehen. Schnell stellt sich jedoch heraus: Der wahre Gegenspieler im Pest-verseuchten Paris ist nicht der Mensch, sondern die schier endlose Zahl an Ratten, die aus allen Winkeln der Spielwelt hervorbricht.

Ratten im Schatten

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Plagende Nager – Bildquelle: Focus Interactive

Die Pest hat eine ganze Armada der schwarzen Biester hervorgelockt, die sich nun an allem laben, was noch Fleisch auf den Knochen hat. In Szene gesetzt werden die Nager mithilfe einer eigens dafür entworfenen Grafik-Engine. Euch erwartet also nicht eine fleischlose Textur an Ratten, die den beiden Geschwistern auf die Pelle rückt, sondern eine wahre Flut an Viechern, die so wirken als hätten sie alle ein Eigenleben entwickelt. Auch wenn sie sich optisch allesamt recht ähnlich sind – schwarzer Pelz, rote Augen, violetter Schwanz – wuseln sie so unkontrolliert um die Kinder herum, dass sofort der Ekel in uns hochkocht. Glücklicherweise stellen sich die Ratten als recht lichtscheu heraus, was zu einem der spielerischen Alleinstellungsmerkmale von A Plague Tale: Innocence führt.

Sobald sich Amicia nämlich mit einer Fackel nähert, suchen die Nager das Weite und die beiden können sich vorsichtig einen Weg durch die heranstürmenden Biester bahnen. Natürlich wartet nicht an jeder Ecke eine Fackel auf euch, was das Duo vor ungeahnte Herausforderungen stellt. Hier gilt es kreativ zu werden, um die Umgebung für sich zu nutzen. Das Spiel mit Licht und Schatten ist also nicht nur eine erzählerische Komponente, sondern hat entscheidenden Einfluss auf das Gameplay. Alternativ nutzt ihr Äste, die euch nur kurz mit Licht versorgen und das Überleben der beiden auf einen Timer setzen. Im Grund schleicht ihr euch also von Lichtquelle zu Lichtquelle, um den Ratten aus dem Weg zu gehen und bleibt im Schatten, damit ihr der Inquisition nicht zum Opfer fallt – eine Kombination, die für reichlich Atmosphäre sorgt.

 A Plague Tale: Innocence erscheint am 14. Mai für PC, PlayStation 4 und Xbox One.
Bombastisch

Christian Böttcher

Nachdem Asobo Studio in der Vergangenheit lediglich an Videospielen mitgearbeitet hat, folgt nun das erste eigene Projekt: A Plague Tale: Innocence. Und was für eine stimmungsvolle Offenbarung da ins Haus steht! Die französischen Entwickler erzählen eine zutiefst emotionale Geschichte von zwei Geschwistern, die auf der Flucht vor der Inquisition das Pest- und Ratten-versuchte Frankreich durchqueren. Dabei schaffte es die Inszenierung, uns über gute 3 Stunden hinweg eine Gänsehaut zu verpassen, denn der Kontrast zwischen schockierender Gewalt und kindlicher Naivität gelingt in nahezu perfekt ausbalancierten Nuancen. Das Spiel orientiert sich stark an seiner Erzählung und rückt simple, aber stimmige Gameplay-Passagen in der Hintergrund. Amicia und Hugo bringen Licht und Schatten in eine Welt voller Graustufen, weshalb A Plague Tale: Innocence für uns schon jetzt zu den absoluten Hype-Titeln in diesem Jahr gehört.
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