Angespielt: Dissidia Final Fantasy NT

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Zackige 3vs3-Schlachten mit einer saftigen Portion Skill-basiertem Gameplay und Charakteren aus einer Reihe so berühmt wie geliebt. Das verspricht Square Enix mit ihrem Multiplayer-Brawler Dissidia Final Fantasy NT. Bevor es Anfang nächsten Monat in der offenen Beta so richtig zur Sache geht und der Titel am 30. Januar offiziell erscheint, haben wir uns als Sephiroth, Tidus und Co. in die Arena gestürzt, um kurzen Prozess mit den Jungs von Square zu machen. Warum das erstaunlich gut funktioniert hat, verraten wir euch in unserem „Angespielt“.

Was in Japan als erfolgreiches Arcarde-Franchise begann, findet nun endlich den Weg auf die heimischen Konsolen. Nachdem Dissidia Final Fantasy und Dissidia 012 Final Fantasy vor einigen Jahren auf Sonys PlayStation Portable den Grundstein gelegt haben, hat sich Square Enix gedacht: Warum die starke Marke nicht weiterhin nutzen und sich am blühenden Mehrspieler-Markt versuchen? Gesagt, getan – Doch auch wenn Dissidia NT ohne den charakteristischen Münzeinwurf auskommt, haben die Entwickler sich bemüht, dem 3D-Brawler ein Spielgefühl zu verpassen, das an die Arcade-Zeiten erinnert. Die starken Charaktere der Marke machen die Nostalgie anschließend perfekt.

Das Who is Who aus Final Fantasy

Angespielt: Dissidia Final Fantasy NT2

Final Fantasy lädt zum Meet & Greet – Viele kommen, wenn auch nicht alle. Wie es sich für einen Brawler gehört, setzt auch Dissidia NT auf eine ganze Menge verschiedener Charaktere aus sämtlichen Iterationen der prestigeträchtigen Reihe. Zum ersten Mal seit den Vorgängern treten Helden wie Schurken wieder in gemeinsamen Kämpfen gegen- bzw. miteinander an. Und das macht unglaublich viel Laune.

Zum einen liegt das an ihrer schieren Masse. Mehr als 20 (In unserem Preview-Build waren es 24) Charaktere aus sämtlichen Ablegern des Franchise warten darauf, nicht nur ihren Erzfeinden, sondern langjährigen Weggefährten ordentlich eins auf die Mütze zu geben. Unter anderem mit dabei sind VIPs wie Cloud Strife, Sephiroth, Tidus, Kefka oder Shantotto. Zum Zeitpunkt des Events bereits angekündigt, wird sich zu Release auch Noctis aus dem aktuellen Final Fantasy XV unter die Riege der Kämpfer mischen.

Bei einem entsprechenden Erfolg kann sicher noch der ein oder andere Final Fantasy-Liebling nachgeschoben werden. Wir hoffen auf langfristig geplante Erweiterungen der Kämpferschaft.

Masse mit Klasse

Angespielt: Dissidia Final Fantasy NT4

Doch nicht nur in Sachen Quantität kann sich Dissidia NT sehen lassen. Auch die Umsetzung der Charaktere verspricht launige Partien auf dem Sofa oder über die Online-Leaderboards. Um die Schlachten ausbalanciert zu halten, wurde deshalb jede Figur einer bestimmten Klasse zugeordnet. Gerade für Anfänger bietet dieses System, das nach dem üblichen Schere-Stein-Papier-Prinzip funktioniert, erste Hinweise darauf, für welchen Charakter man sich entscheiden sollte.

Seid ihr als Vanguard unterwegs, kann euch im Nahkampf nicht allzu viel passieren, denn ihr gehört zu den zähesten Kämpfern in Dissidia NT. Assassinen hingegen richten viel Schaden in kurzer Zeit an, was sie zu den größten Feinden der folgenden Klasse macht. Als Marksman möchtet ihr natürlich möglichst unbehelligt hinter den Linien agieren, um eure Gegner mit präzisen Fernkampfangriffen einzudecken. Dir größte spielerische Herausforderung stellen allerdings die Spezialisten dar, denn sie sind meist mit einzigartigen Fähigkeiten ausgestattet oder sowohl im Nah- als auch Fernkampf geübt.

Mut führt zum Sieg

Angespielt: Dissidia Final Fantasy NT1

An grundsätzlichen Spielprinzip von Dissidia hat sich seit den Anfängen als Arcade nicht viel getan. Auf jeder Seite kämpfen drei Spieler um die Vorherrschaft in der offenen 3D-Arena. Ihr bekommt es  also nicht mit einem klassischen Beat-’em-up à la Street Fighter zu tun, sondern müsst euch sowohl um eure Geschwindigkeit als auch die Position im Raum Gedanken machen. Vertikale Elemente wie Kisten und Hügel sind dementsprechend auch fester Bestandteil von Dissidia NT. Jedes Team besitzt drei Leben. Es reicht also, einen gegnerischen Charakter drei Mal in Folge über den Jordan zu schicken und ihr habt gewonnen. In der Praxis gestaltet sich das simple Grundprinzip jedoch weitaus schwieriger.

Im Kampf arbeitet ihr mit einem einfachen Ressourcensystem unter dem Titel Mut (eng. Bravery). Je mehr Mut ihr während der Schlachten aufbaut, desto mehr Schaden fügt ihr den gegnerischen Spielern zu. Um die Ressource langsam zu steigern, benutzt ihr den Mut-Angriff, welcher selbst allerdings keinerlei Schaden anrichtet. Anschließend könnt ihr einen LP-Angriff entfesseln, der dem Widersacher genau so viel Schaden zufügt wie ihr Mut in eurer Leiste gespeichert habt.

Der Clou hierbei: Überschreitet der Mut-Wert eine bestimmte Grenze, färbt sich die Leiste violett und der nächste getroffene LP-Angriff resultiert in einem garantierten Kill. Das System ist simpel, sorgt aber für unglaublich intensive Kämpfe, da ihr jederzeit auch die Mut-Leiste des Gegners angezeigt bekommt. In langen Gefechten bekommt ihr so gern mal Nervenflattern, wenn ihr bemerkt, dass Cloud Strife mit violetter Leiste auf euch zuspringt und es heißt: Ausweichen oder Sterben!

Ex-orbitante Neuerungen

Angespielt: Dissidia Final Fantasy NT6

Für noch mehr taktische Tiefe sorgen die neuen Ex-Fähigkeiten und Beschwörungen. Anders als normale Angriffe unterliegen Ex-Fähigkeiten einer Abklingzeit, präsentieren sich aber dementsprechend mächtig in hitzigen Gefechten. Vor jedem Match habt ihr die Wahl aus mehreren dieser Moves und gestaltet euren Charakter somit nach den eigenen Vorlieben. Eine Ex-Fähigkeit heilt alle umliegenden Charaktere, während eine andere euch mit stattlichen Schadensboni versorgt. Mit drei verschiedenen Ex-Attacken im Gepäck, wovon eine charakterspezifisch ist, stürzt ihr euch anschließend in die Arena.

Dort erscheinen gelegentlich Kraftkristalle, denen eine besondere Rolle in Dissidia NT zukommt. Zerstört ihr einen der umkämpften Steine, ladet ihr damit die Leiste für eure Beschwörung auf. Ist diese voll, könnt ihr einen mächtigen Verbündeten an eure Seite rufen. Dazu müsst ihr lediglich das Touchpad des Controllers gedrückt halten. Je mehr Mitspieler das gleichzeitig tun, desto schneller erscheint das riesige Monster. Problematisch dabei ist natürlich, dass ihr euren Gegnern während dieser Zeit hilflos ausgeliefert seid. Gelingt die Beschwörung jedoch, rückt der Sieg ein ganzes Stück näher, denn jeder der sieben Giganten deckt das Spielfeld mit todbringenden Effekten ein. Ob ihr Ifrit, Bahamut oder doch lieber Shiva herbeiruft, entscheidet ihr vor dem Match per Team-Voting.

UI? Anfangs eher pfui!

Angespielt: Dissidia Final Fantasy NT3

Hat man nicht schon etliche Stunden in die beiden Vorgänger gepumpt, ist das erste Match im neuen Dissidia NT eine absolute Clown-Fiesta. Man ist schlichtweg überfordert mit allem, was so vor sich geht. UI-Elemente blinken scheinbar wahllos auf, die Linien zwischen den Kämpfern wechseln permanent ihre Farbe und die Kamera springt wie vom Affen gebissen durch die Kampfarena- In Sachen Benutzerinterface bleibt der Neuling den Wurzeln der Reihe absolut treu, denn er ist auch nach drei Stunden Eingewöhnungszeit noch etwas überladen mit Anzeigen.

Dementsprechend steil gestaltet sich auch die Lernkurve. Haben wir in den ersten Matches ausschließlich auf unsere Spielfigur geachtet, wanderten unsere Augen mit gewonnener Erfahrung immer mehr zu unseren Ex-Fähigkeiten, Beschwörungen und der Mut-Leiste. Hat man die grundsätzlichen UI-Elemente erst einmal verstanden, die Grenzen von Attacken und Helden austariert und die vierzehn verschiedenen Arenen aus sämtlichen Final Fantasy-Teilen erkundet, sorgen die Skill-basierten Matches einfach nur für jede Menge Spaß. Die Kämpfe sind schnell, fordernd und bestrafen hirnloses Button-Mashing mit der groben Kelle. Doch auch wenn das Gameplay bis dato nahezu fehlerfrei erscheint, hat uns Dissidia Final Fantasy NT bei der ersten Begegnung nicht zu 100 Prozent überzeugt.

Noch viel zu tun

Angespielt: Dissidia Final Fantasy NT5

Die Begriffe Japan, Action und Kamera wollen auch hier wie so oft nicht miteinander in einen Topf geworfen werden. Gerade in einem schnellen Spiel wie Dissidia NT, das auf gutes Timing und Übersicht setzt, muss die Kamera mitspielen. Bis zum Release haben die Jungs und Mädels von Square Enix hier noch viel Potenzial nach oben. Vor allem, wenn Umgebungsobjekte den Weg zum angewählten Gegner versperren, wandert die Kamera gern wild umher und zeigt alles, nur nicht den auf uns zustürmenden Gegner. Auch die Partikeleffekte von marodierenden Monstern machen der Übersicht gelegentlich einen Strich durch die Rechnung.

Wie wahrscheinlich schon dem ein oder anderen aufgefallen sein dürfte: Dissidia NT ist kein über die Maßen einsteigerfreundliches Spiel. Gerade bei einer solch steilen Lernkurve und mehreren Stunden Eingewöhnungszeit bietet sich deshalb ein umfassendes Tutorial an. Auf Nachfrage kam die Bestätigung: Eine Art Tutorial sei in Planung. Wie dieses aussehen soll, ist aktuell leider nicht bekannt. Ähnliches gilt auch für den versprochenen Storymodus. Wir hoffen, bis zur offenen Beta Mitte Januar werden es beide Features in das Spiel schaffen, damit wir uns ein ganzheitliches Bild zu Dissidia NT machen können.

Dissidia Final Fantasy NT erscheint am 30. Januar 2018 exklusiv für die PlayStation 4
Vielversprechend

Christian Böttcher

DIssidia Final Fantasy NT ist ein reiner Multiplayer-Titel wie er im Buche steht. Hinter dem Projekt steckt nicht nur die starke Franchise-Lizenz mit Lieblingen aus sämtlichen Final Fantasy-Teilen, sondern auch ein richtig starkes Konzept. Die 3vs3 Schlachten legen ihren Fokus auf skill-basierte, blitzschnelle Kämpfe, die bis dato sowohl kurzweilig unterhalten, als auch langfristig taktisches Geschick erfordern. Der Einstieg ist dementsprechend aufwendig, doch wenn die vielen prominent platzierten UI-Elemente und das simple, aber durchdachte Gameplay in eurem Kopf erst ineinander greifen, dann hat sie die Mühe gelohnt. Mit kleineren Änderungen an der Kamera und einem stetigen Nachschub neuer Arenen, Musikstücke und Figuren könnte Dissidia NT PS4-exklusiv zu einem echten Dauerbrenner werden.
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