Angespielt: Insurgency: Sandstorm

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Half Life schafft Leben – Genau wie Counter Strike entsprang auch Insurgency aus einer Mod des legendären First-Person-Shooters von Valve. Wurde der Vorgänger noch als Kickstarter-Projekt finanziert,  mit mehr oder minder großem Erfolg, steht hinter dem Nachfolger ein großer Name: Focus Home Interactive. Insurgency: Sandstorm fährt einen taktischen Ansatz und setzt Teamplay ganz oben auf die Prioritätenliste. Zusammen mit den Entwicklern haben wir uns in den Kampf gestürzt und verraten, was euch im Sandsturm erwartet.

Ego-Shooter à la Mod

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Seine Mod-Herkunft merkt man Insurgency: Sandstorm recht schnell an. Das Konzept ist unkonventionell, die Beteiligten sehr auf das Feedback der Spieler fokussiert. Was einst als 2-Mann-Projekt in der Freizeit begann, hat sich inzwischen zu einem waschechten Entwicklerstudio gemausert. 30 Leute arbeiten mittlerweile bei New World Interactive und wagen den Balanceakt zwischen den Wurzeln des Vorgängers und neuen, modernen Shooter-Ideen. Dank Player Unknown’s Battlegrounds feiern Shooter mit einem realistischen Ansatz zurzeit Hochkonjunktur und so kommt der Nachfolger genau zur richtigen Zeit. Dabei sollen die Modder und Bastler jedoch nicht verloren gehen. Die Script-Oberfläche bleibt ähnlich simpel und ermöglicht eine Vielzahl neuer Waffen, Szenerien und kosmetischer Änderungen.

Beim ersten Blick auf Insurgency: Sandstorm werden viele garantiert an den Taktikshooter Counter Strike denken. In Sachen Optik und Teamplay ist dieser Eindruck auch gar nicht so verkehrt. Das Wüstensetting, entweder angesiedelt im Nahen Osten oder Nordafrika – wir konnten es nicht genau bestimmen – erinnert doch sehr an Map-Klassiker wie Dust2, Arabstreets oder Mirage. Auch die Gebäude ähneln stark anderen Genre-Vertretern, was sich beim gewählten Setting allerdings auch schwer vermeiden lässt. Grafisch spielt Insurgency: Sandstorm dank Unreal 4 Engine oben mit, liefert aber kaum optische Neuerungen. Trotzdem haben wir es hier nicht mit einem billigen Abklatsch zu tun, denn die einzigartige Formel aus dem Vorgänger findet auch hier Anwendung. So sind die Karten deutlich größer, offener und weitläufiger gestaltet als z.B bei CS:GO. Tiefe Gräben, unheilvoll enge Brücken sowie unübersichtliche Straßenfluchten warten nur darauf, euch in eine Todesfalle zu locken.

Nichts für verwöhnte Arcade-Schützen

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Denn soviel ist sicher: Der Tod wartet an jeder Ecke. Insurgency: Sandstorm ist zwar kein super-realistischer Militär-Shooter wie etwa ARMA 3, grenzt sich aber klar vom schnellen Arcade-Bombast im Stil eines Battlefield ab. Wie in der Realität segnet ihr nach ein bis zwei Schüssen das Zeitliche und könnt euch auch nicht damit retten, kurz in Deckung zu gehen. Regeneration oder Schilde sucht ihr hier vergeblich. Stattdessen wird die Deckung schnell euer bester Freund – zumindest so lang, bis ihr an der Reihe seid, den Gegner mit einem gezielten Schuss aus dem Weg zu räumen. Das Sterben ist generell eine lästige Angelegenheit, denn einen schnellen Respawn gibt es nicht. Ihr müsst warten, bis eure Teamkameraden den nächsten Zielpunkt eingenommen haben, um neu einsteigen zu können.

Ähnlich kompromisslos zeigt sich der Shooter auch bei seiner Benutzeroberfläche. Es gibt schlichtweg keine. Alles, was ihr auf dem Bildschirm zu sehen bekommt, ist die eigene Waffe und das Geschehen vor euch. Kein Fadenkreuz hilft euch beim Zielen, wenn ihr nicht in den entsprechenden Zielmodus geht – Bei Insurgency werden die Gegner per Kimme und Korn auf die Hörner genommen. Gleiches gilt auch für die Munition. Spirenzien wie automatisches Nachladen oder Patronen, die beim Nachladen magisch wieder in eure Tasche wandern, findet ihr vielleicht in der fluffigen Wölkchenwelt namens CoD, aber garantiert nicht hier. Für mehr Spieltiefe sorgt hingegen schnelles Nachladen, das ihr mit einem doppelten Tastendruck ausführt. Allerdings müsst ihr dazu das aktuelle Magazin mit allen übrigen Patronen fallen lassen. Insurgency: Sandstorm spielt sich ungewöhnlich, ist hart zu erlernen und fühlt sich doch unglaublich befriedigend an, wenn ihr die Basics erstmal auf dem Kasten habt.

Kommunikation in panischer Atmosphäre

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Zusammen mit den Entwicklern haben wir uns in einen kooperativen Modus gestürzt, in dem wir uns von einem Schauplatz zum nächsten kämpfen und dort jeweils ein Gebäude einnehmen und halten müssen. Vor dem Kampf nimmt jeder eine von fünf Rollen ein. Dabei ist der Captain, ausgestattet mit Assault Rifle und einem Gerät, mit dem er Luftschläge anordnet. Dazu braucht er jedoch die Hilfe des Spotters, denn nur gemeinsam lassen sich die verheerenden Bombardements auslösen. Hinzu kommen Shooter-typische Soldaten wie Scharfschützen, Frontkämpfer oder Sprengstoffspezialisten – jeder mit seinem eigenen Arsenal ausgestattet, das ihr vor dem Match auswählt. Einmal im Spiel wurde und schnell klar wie atmosphärisch die Kämpfe werden, wenn jeder Schuss tödlich und kein sperriges UI im Weg ist. Die Angst vor dem Tod, sprich dem Versagen, schwingt immer mit und Kommunikation über den spielinternen Sprachchat ist das A und O, um koordiniert vorzurücken oder sich zurückzuziehen.

Der Modus, an dem wir uns versucht haben, dauerte mehr als eine halbe Stunde an und endete schließlich damit, dass alle Teammitglieder den staubigen Boden küssten. Ihr könnt auf den weitläufigen Karten also vergleichsweise lange Matches erwarten. Dabei handelte es sich allerdings um eine Spielvariante mit PVE-Elementen. Im PVP tummeln sich bis zu 32 Spieler auf noch größeren Karten und werden mit Helicoptern, Fahrzeugen und sogar Dronen konfrontiert. Im Fokus steht dabei jedoch immer das Missionsziel, sei es ein Gebäude, das gestürmt werden muss oder eine Person, die es zu eskortieren gilt. Eine Kampagne oder Singleplayer-Abschnitte wird es nicht geben.

Insurgency: Sandstorm erscheint im Frühjahr 2018 für PC, PS4 und Xbox One.

Vielversprechend

Christian Böttcher

Insurgency: Sandstorm verströmt mit anspruchsvollen Multiplayer-Partien ganz ohne Fadenkreuz, Regeneration, Respawn und Co. echtes Suchtpotenzial - zumindest wenn ihr als Team unterwegs seid. Der First-Person-Shooter bleibt seinen Wurzeln dabei treu, bringt mit Luftschlägen, Ranked-Modi und grafischen Upgrades allerdings auch einige Neuerungen in das Spiel, dessen Ursprünge in einer Half Life Mod liegen. Dementsprechend kommt auch die Steam-Community nicht zu kurz, denn die Entwickler bieten weiterhin vollen Mod-Support an. Letztlich kommen dieses Mal auch Konsolenspieler auf ihre Kosten, denn Insurgency: Sandstorm erscheint ebenfalls für PS4 und Xbox One.
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