Angespielt: Masters of Anima

Angespielt: Masters of Anima2Seid ihr es auch leid, eure Kämpfe immer selbst austragen zu müssen? Wünscht ihr euch nicht nur einen willenlosen Diener, sondern gleich eine ganze Armada entbehrlicher Handlanger, mit denen ihr eure Feinde zerschmettert und Rätsel löst? Dann seid ihr bei Masters of Anima goldrichtig. Inspiriert vom grandiosen Overlord, das auf dem PC leider unter dem Radar lief und mit großen Anleihen bei Nintendos Pikmin möchte das Action-Adventure all jene ansprechen, die ihre Drecksarbeit gern von anderen machen lassen. Wir haben unsere Vasallen in den Kampf geschickt und sind begeistert vom erfrischenden Spielsystem.

Otto und sein animatöses Abenteuer

Angespielt: Masters of Anima6Anders als in Overlord schlüpft ihr in Masters of Anima nicht in die Rolle einer frostigen, übellaunigen Blechbüchse mit Allmachtsphantasien, sondern bekommt es mit einem sympathischen, wenn auch etwas tollpatschigen Helden zu tun. Otto heißt der gute Mann, dessen großes Ziel es ist, den Vater seiner verlobten Ana davon zu überzeugen, dass er mehr ist als nur ein unsicherer Taugenichts. Wie seine Zukünftige möchte auch Otto ein angesehener Meister des Anima werden, eine Art Magier, der die Elemente der Natur dazu nutzt, tatkräftige Wächter zu erwecken, um die Welt vor drohendem Unheil zu bewahren.

Mitten in seiner Aufnahmeprüfung stellt der aufgekratzte Novize, an seiner Seite ein strenger Lehrmeister, jedoch fest, dass etwas im Argen liegt. Riesige Golems stürzen auf die Erde hinab und zermalmen alles Leben, was sich ihnen in den Weg stellt. Auch Ottos Verlobte scheint wie vom Erdboden verschluckt. Jetzt liegt es an ihm, seine magischen Fähigkeiten auf die Probe zu stellen, um seine Herzensdame aus den Fängen des dämonischen Zahr zu befreien. Mit seinen Wächtern im Gepäck begibt sich der Held wider Willen auf eine Reise durch verschneite Bergketten, staubige Einöden und finstere Wälder – alles im Namen der Liebe.

Wie die Zyniker unter euch sicher schon zwischen den Zeilen gelesen haben: Masters of Anima legt seinen Fokus weder auf eine innovative Geschichte noch auf glaubwürdige Charaktere. Stattdessen dümpeln die Geschehnisse rund um den tölpelhaften Otto im Hintergrund seicht auf und ab. Kurze Zwischensequenzen führen euch dabei von Level zu Level und geben einen groben Eindruck davon, was euch als nächstes erwartet. Passend zu den überzeichneten Charakteren haben sich die Entwickler von Passtech Games für einen Comic-Look in Pastelfarben entschieden, der nicht nur das Fantasy-Setting, sondern auch die Themen Anima und Kreation gelungen einfängt.

Den Vasallen verfallen

Angespielt: Masters of Anima5Die eigentliche Stärke von Masters of Anima, und daraus machen die Entwickler im Gespräch keinen Hehl, liegt jedoch nicht in der Inszenierung, sondern im erfrischend taktischen Gameplay. Den spielerischen Dreh- und Angelpunkt machen natürlich die fünf verschiedenen Wächter-Typen aus, die Otto nicht nur in die Schlacht ruft, sondern auch eigenhändig steuert. Hier liegt der Vergleich zu Pikmin deutlich näher als der zu Overlord, denn das Micro-Management der Vasallen ist recht anspruchsvoll und fordert nicht nur eure grauen Zellen heraus, sondern auch Skills am Controller. Die wuseligen Kämpfe nehmen den Großteil euer Zeit in Anspruch, fallen schön schnell aus und so hat das Spiel keine Probleme, sich vom großen Nintendo-Idol abzuheben.

Besonders gelungen ist dabei die Tatsache, dass ihr bis zu 100 der treuen Gesellen gleichzeitig aktiv halten könnt und deren Aufteilung sogar selbst bestimmt. Wer volles Risiko geht, beschränkt sich auf wenige Nahkämpfer und setzt stattdessen voll auf Bogenschützen. Mehr Schaden und eine bessere Wertung am Ende des Levels ist euch damit sicher, doch ihr lebt immer mit der Gefahr, alle wertvollen Krieger in einem fatalen Streich zu verlieren. Zum intensiven Micro- kommt also auch recht schnell ein Macro-Management hinzu, das euch vielfältige Kombinationsmöglichkeiten bietet und zum Tüfteln einlädt.

Bosskämpfe wie im MMO

Angespielt: Masters of Anima3Wir haben Masters of Anima von Anfang an spielen können und wurden somit zunächst mit den grundlegenden Mechaniken des Spiels betraut. Anfangs waren wir noch recht allein und blickten in Iso-Perspektive auf Otto und einige Wächter, die wir mithilfe der Schultertasten herbeigerufen haben. Als Ressource verwenden wir das sagenumwobene Anima, welches wir aus besiegten Gegnern looten oder aus Vasen bergen. Im Laufe des Spiels gesellen sich noch vier weitere Arten von Elementarwesen zu den kernigen Berserkern, die ihr im Laufe der ersten Missionen Stück für Stück freischaltet und damit deren Funktionsweise kennenlernt. Schon bald wuselt eine ganze Horde quicklebendiger Anima-Wesen um Otto herum. Chaos entsteht dabei selten, denn ihr behaltet stets die Kontrolle. über eure Kreationen.

Das grundsätzliche Konzept in Kämpfen verglichen die Macher mit einem Raid in World of Warcraft. Um einen relativ eintönigen Golem-Bossgegner nach dem anderen zu legen, benötigt ihr nicht nur hartnäckige Nahkämpfer, die den Zorn des Fieslings auf sich ziehen, sondern auch Fernkämpfer, Heiler und Co. Jede der fünf Klassen bringt andere Vor- und Nachteile mit sich, die ihr nach eigenem Gusto nutzen könnt. Gesteuert wird das Ganze entweder, indem ihr per Knopfdruck durch die verschiedenen Klassen schaltet oder mithilfe der praktischen Auswahl-Funktion. Haltet ihr  die entsprechende Taste gedrückt, könnt ihr so blitzschnell einen Rahmen um die Handlanger ziehen, die euren Befehlen willenlos gehorchen sollen. Zusätzlich könnt ihr das Pack mit einer Eingabe direkt an eure Seite zurückrufen.

Ab geht’s mit Upgrades

Angespielt: Masters of Anima4Nützlich ist das vor allem dann, wenn ihr dem austauschbaren Kanonenfutter zur Abwechslung mal das Leben rettet. Zahrs Golems verfügen schließlich über todbringende Angriffe, denen ihr mit gekonntem Micro-Management ausweicht. Aber auch für die simplen Rätselpassagen ist es oft notwendig, eure Einheiten aufzuteilen. Nach dem Prinzip: Das Tor zum nächsten Abschnitt ist verschlossen, also schicken wir unsere Vasallen los, um alles zu erforschen, was nicht niet- und nagelfest ist, sind die Rätsel nicht gerade innovativ, aber durchaus spaßig. Highlight des Spiels sind aber ohne Zweifel die knackigen Kämpfe. Die Steuerung über den Controller bereitete uns kaum Probleme und so erwischten wir uns selbst das ein oder andere Mal wie wir Bewegungsabläufe bereits ganz unterbewusst zu optimieren versuchten.

Um für etwas Langzeitmotivation zu sorgen (Multiplayer-Modi, Leaderboards oder New Game+ sind nicht geplant) ergattert ihr nach jedem Level wertvolle Upgrade-Punkte, die ihr in passive Fähigkeiten eurer Vasallen investiert. So verbessert ihr eure Bogenschützen mit einem Angriffsboost, wenn sie auf der Stelle stehen oder gebt den Berserkern ein gehöriges Plus auf ihre Lebensenergie. Letztlich könnt ihr auch Otto selbst verstärken, der die Kämpfe gelegentlich mit seinem Kampfstab aufmischt. Im Vergleich zu seinen Vasallen wirkt der Held wider Willen allerdings etwas schwach auf der Brust. Wer in Masters of Anima Min-Maxing betreiben will, wird an ihm aber wohl oder übel nicht vorbeikommen.

Masters of Anima erscheint im Frühjahr 2018 für PC, PS4, Xbox One und Nintendo Switch

Vielversprechend

Christian Böttcher

Nach rund zwei Stunden Spielzeit sind uns zwei Dinge über das neue Indie-Projekt von Passtech Games klargeworden. Erstens: Geschichte, Charaktere, Grafik und Sound sind weder innovativ noch besonders liebevoll gestaltet und lediglich dazu da, die spielerischen Elemente des Action-Adventures in Iso-Perspektive zu unterfüttern. Zweitens: Masters of Anima macht trotzdem unglaublich viel Laune. Grund dafür sind schnelle Kämpfe, in denen ihr hektisch versucht, all eure Handlanger mit minutiöser Präzision zu beschützen und gleichzeitig so viel Schaden wie möglich auszuteilen. Hinzu kommt ein Macro-Management, das euch unfassbar viele Möglichkeiten gibt, die Stellvertreterkämpfe in MMO-Manier zu euren Gunsten zu zu drehen. Schnelles Taktieren und die Wahl der richtigen Anima-Wesen sind hierbei das A und O. Wahrscheinlich bekommen wir es nicht mit einem besonders langwierigen Spiel zu tun, aber garantiert mit einer erfrischenden Neuinterpretation im Stil von Pikmin und Overlord.
Vorschau: Final Fantasy XV Windows Edition Angespielt: Insurgency: Sandstorm