Angespielt: Shadow of the Tomb Raider – Mit Lara in die Maya-Apokalypse

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Endspurt: Das Finale der Reboot-Trilogie steht kurz bevor

Vom Großstadtdschungel in den dichten Urwald – Wir waren für euch im sonnigen London und konnten vier Monate vor Release bereits einen ersten Blick auf Shadow of the Tomb Raider werfen. Im finalen Teil der Trilogie reist Lara Croft in die grüne Hölle Südamerikas und wandelt dort auf den Spuren einer uralten Maya-Zivilisation. Wie sich die knallharte Lara im Rennen gegen die Zeit und die Verbrecherorganisation Trinity schlägt und welche Neuerungen auf uns warten, verraten wir euch in unserer kleinen Vorschau.

Die Maya-Götter rufen

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Schleichpartie am Tag der Toten

Wenn uns Indiana Jones eins gelehrt hat, dann Folgendes: Abenteuer leben von abwechslungsreichen Szenerien. Und mit Shadow of the Tomb Raider erwartet uns nicht weniger als das größte Abenteuerspiel unserer Generation. Nachdem wir Lara in Tomb Raider (2013) auf ein verfluchtes Archipel mitten im japanischen Teufelsmeer gefolgt sind und in Rise of the Tomb Raider (2016) verschneite sibirische Gipfel bestiegen, dürfen sich Frostbeulen nun über tropische Temperaturen und eine reichhaltige Pflanzenwelt freuen. Die rigorose Archäologin beginnt ihre Reise nämlich in der mexikanischen Kleinstadt Cozumel, wo die Einheimischen gerade den Tag der Toten feiern.

Wie zuvor Daniel Craig in Spectre (2015) verfolgt sie den ominösen Dr. Dominguez (mit dem Namen wäre er auch ein guter Bond-Bösewicht) durch maskierte Menschenmassen sowie enge, mit Kerzen und in wilden Farben dekorierte Gassen und erfährt von einem Opferdolch, der tief in einem archaischen Maya-Tempel verborgen sein soll. Die Einheimischen sprechen dem Relikt magische Kräfte und die Fähigkeit zu, eine religiöse Säuberung in Gang zu bringen, wenn es aus seiner angestammten Truhe entwendet wird.

Ihre Neugierde ist natürlich sofort geweckt und so macht sie sich auf den Weg nach Peru, um dem charismatischen Antagonisten, der sich später als Oberhaupt von Trinity herausstellen soll, zuvorzukommen und die finsteren Pläne der Organisation zu vereiteln. Tatsächlich erreicht sie das sagenumwobene Artefakt als erste und wird vor eine Entscheidung mit katastrophalen Konsequenzen gestellt. Soviel vorab: Lara Croft ist vielleicht nicht mehr die strahlende Heldin, die wir in den Vorgängern kennengelernt haben.

Eins mit dem Dschungel

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Auf der Jagd nach Schergen von Trinity

Mit dem durchwucherten südamerikanischen Setting gehen natürlich etliche spielerische Herausforderungen einher, die nicht nur das Team von Square Enix, sondern auch Lara selbst bewältigen muss. Rückten Tarnung, Interaktion mit der Umgebung und Stealth-Passagen bei Rise eher in den Hintergrund, so feiern sie in Shadow of the Tomb Raider ihr fulminantes Comeback. Inmitten des peruanischen Dschungels stießen wir auf ein Basislager von Trinity, in dem wir mithilfe von Laras einzigartigen Fähigkeiten für Ordnung sorgten.

Mit von der Partie ist natürlich ihr Bogen, mit dem sie Ziele aus der Entfernung leise unschädlich macht, während sie das Messer zückt, um den seelenlosen Trinity-Handlangern an die Kehle zu gehen. Neu sind auffällig unauffällige Efeuwände, in denen sich Lara versteckt, um auf ahnungslose Opfer zu warten. An den Animationen und Exekutionen hat das Team ordentlich geschraubt, die nun deutlich interessanter daherkommen. Besonders brutal wird es, wenn Lara einen Schergen kopfüber an den nächsten Baum hängt.

Wie in den Vorgängern bleibt euch letztlich immer die Möglichkeit, Konflikte mit Waffengewalt zu lösen, falls ihr doch einmal aufgeflogen seid. Am präzisen Gunplay des Vorgängers scheint sich auch in Shadow nicht allzu viel geändert zu haben. Ihr geht mit der Klinge oder Schrotflinte zu Werke, verschanzt euch hinter praktisch platzierten Deckungen und jagt mächtig Blei in die KI. Allzu viel Interaktion mit den wunderschön gestalteten Urwald-Abschnitten konnten wir bis dato jedoch nicht bestaunen, obwohl die Entwickler vollmundig versprachen, Lara werde im letzten Teil der Trilogie eins mit dem Dschungel.

Lara Croft: Wasserball des Schicksals

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Den Urgewalten ausgeliefert

Dafür haben wir eine ganze Menge Wasser gesehen. In den Vorgängern spielte das kühle und gleichsam gefährliche Nass noch eine untergeordnete Rolle, Shadow of the Tomb Raider scheint allerdings ein feuchtfröhliches Vergnügen zu werden. Und das ist auch gut so. Unsere Heldin hat Schwimmen gelernt und lässt sich nun unter Wasser aktiv steuern, was dazu führt, dass deutlich mehr Dinge im Tauchgang stattfinden. Auf der Suche nach versteckten Eingängen taucht Lara durch atmosphärische Wasserfälle, findet sich in schimmernden Lagunen wieder und wird, anders als zuvor, sogar sichtbar nass dabei.

Das Wasser in Shadow sieht absolut umwerfend aus und ermöglicht packende Passagen, in denen sich Miss Croft immer wieder durch winzige Felsspalten zwängen muss, um nicht in der nächsten Sekunde zu ertrinken. Die Demo kostet solche haarscharfen Momente in voller Länge aus und schickt Lara somit ein weiteres Mal auf einen Leidensweg, in dem sie zum Spielball des Schicksals wird. Erstmals in der Reihe schafft es Shadow allerdings, diesen Augenblicken richtig Wucht zu verleihen. Wir jedenfalls haben uns dabei ertappt, dass wir genau wie Lara angestrengt die Luft anhalten.

Zum permanenten Nach-Luft-Schnappen gesellen sich natürlich auch wieder die ikonischen Schmerzensschreie der Britin, gepaart mit gelegentlichen Todesszenen, in denen sie ungebremst auf Speerfallen und spitze Steine kracht. Von der knallharten Lara der ersten Spiele, die ihre Abenteuer ohne mit der Wimper zu zucken bestreitet, ist auch im letzten Teil der Reboot-Trilogie nichts zu spüren. Wir sind gespannt wie die Entwickler den Bogen zwischen den so unterschiedlichen Versionen von Lara Croft schlagen wollen, wenn sich ihr Schatten Stück für Stück verdichtet.

Fallen, Rätsel, Labyrinthe

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Deutlich mehr Anspruch in den Rätseln

Natürlich kommt auch der neueste Teil nicht ohne zwei essenzielle Features aus, die für Tomb Raider stehen wie eckige Polygonbrüste: Klettereinlagen und Gräber. In unserer Demo durchquerten wir ein mit Fallen gespicktes Labyrinth innerhalb eines uralten Tempels, das zwar nicht allzu viele verschiedene Wege eröffnet, uns aber dafür mit gut durchdachten Rätseln überraschte. Die Plattform- und Kletterpassagen bleiben – wenn man von der weiterhin recht ruckartigen Steuerung einmal absieht – überwiegend simpel und erfordern nicht viel mehr als gutes Timing beim Absprung. Auch Backtracking ist in den Gräbern möglich, wenn ihr die entsprechenden Gadgets freigeschaltet habt, um beispielsweise verstärkte Wände zu durchbrechen.

Neu sind allerdings Rätsel, in denen sich alles um Gewichtsverlagerung und Seilwinden dreht. Hier wird euch die Lösung nicht auf dem Silbertablett präsentiert, sondern erfordert ein gewisses Maß von Gehirnaktivität. Wirklich knackig scheint das Ganze nicht zu werden, aber deutlich anspruchsvoller als noch bei Rise of the Tomb Raider. Auch die zahlreichen Fallen innerhalb der verwaisten Gräber sind kein Zuckerschlecken, kommen wie aus dem Nichts und führen nicht selten zum Game Over. Shadow of the Tomb Raider ist also kein Spiel, das ihr im Autopilot runterspielt, sondern es fordert zu jeder Zeit eure volle Aufmerksamkeit.

Verschnaufpause in Paititi

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So schön war Tomb Raider noch nie

In den spektakulär inszenierten Kletterpassagen von Miss Crofts neuem Abenteuer konnten wir gleich zwei unbekannte Skills entdecken. Lara hat nun immer ihr Kletterseil mit im Gepäck und kann sich somit von Felsvorsprüngen abseilen, an denen sie vorher mühevoll vorbeiklettern musste. Dieses Feature ermöglicht ganz neue Wege und eine Levelarchitektur mit deutlich mehr Ebenen und vertikalen Elementen. Dank dem Seil kann Lara außerdem in klassischer Prince of Persia-Manier an glatten Wänden entlanglaufen und sich von einer Klippe zur nächsten schwingen. Ebenfalls neu: In höheren Schwierigkeitsgraden werden poröse Wände und erkletterbare Vorsprünge nicht mehr mit klar erkennbaren Texturen versehen, was den Nervenkitzel beim Kraxeln noch einmal in die Höhe treibt.

Um Lara nach all den Strapazen eine kurze Verschnaufpause zu gönnen, bietet sich ein Abstecher in die versteckte Siedlung Paititi an. Das von der Zivilisation völlig abgeschottete Idyll stellt in Shadow of the Tomb Raider eine Art Hub dar, wo ihr eure Ausrüstung aufstockt, neue Gadgets freischaltet oder mit Einheimischen sprecht, um an wertvolle Informationen zu kommen. Auch die Maya-Kultur wird euch dort nähergebracht, wenn ihr mit Anhängern von Kukulkan, dem Gott der Schöpfung, sprecht. Oder aber ihr streichelt sämtliche Lamas der Siedlung, um vor der nächsten Expedition die Nerven zu beruhigen. Besonders in Paititi zeigt sich, wie grafisch opulent das Finale der Trilogie ausfällt. Soviel ist schon jetzt klar: Der Ausflug in den südamerikanischen Dschungel wird ein optisches Meisterwerk.

Shadow of the Tomb Raider seilt sich am 14. September 2018 auf PS4, Xbox One und PC ab.

Bombastisch

Christian Böttcher

Shadow of the Tomb Raider verspricht ein würdiger Abschluss der Reboot-Trilogie zu werden. Grafik, Inszenierung und Abenteuerfeeling spielen erwartungsgemäß auf dem höchsten Niveau und können zu unserer Überraschung besonders in den vielen neuen Unterwasserpassagen glänzen. Auch wenn sich Lara weiterhin etwas hakelig steuert und es in den Kletter- und Sprungabschnitten mehr auf Timing als eine kluge Vorgehensweise ankommt, fordern zumindest die Rätsel im neuen Teil eine gute Portion Hirnschmalz. Zur Geschichte können wir zu diesem Zeitpunkt nicht allzu viel sagen, die drohende Maya-Apokalypse, immer wieder unterbrochen von stillen Entdeckermomenten wie im malerischen Paititi, dürfte jedoch besonders für Fans südamerikanischer Mythologie einiges parat halten. Wie Lara ihre Leidensgeschichte als Spielball des Schicksals beendet und zu der knallharten Grabräuberin wird, die wir alle kennen, erfahren wir in vier Monaten.
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