Angespielt: The Council

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Gestelzter Knigge-Talk à la Downtown Abbey, Charaktere aus Dishonored und Rätsel frei nach Cluedo – The Council verspricht ein gesunder Mix aus altbekannten Zutaten zu werden und ist doch überraschend unkonventionell. Das Adventure in Episodenform setzt dabei voll und ganz auf seine Kriminalgeschichte und soll noch in diesem Jahr erscheinen. Wir hatten schon jetzt die Möglichkeit, die erste Episode anzuspielen und die Council of the Golden Order kennenzulernen.

Cluedo mit Persönlichkeit

Angespielt: The Council7Nachdem Telltale Games es in den vergangenen Jahren vorgemacht hat, springen nun auch andere Entwickler auf den rollenden Zug episodischer Spiele auf. So auch die Big Bad Wolf Studios, die Ende des vergangenen Jahres ein sogenanntes Narrative Adventure ankündigten. The Council heißt das gute Stück, welches euch innerhalb von fünf Episoden in die höchsten Kreise der Gesellschaft führt. Dabei scheut das Spiel nicht davor zurück, die fiktionale Geschichte mit historischen Persönlichkeiten aufzupeppen.

Ihr findet euch in der Rolle von Louis de Richet wieder, einem Aristokratensohn mit dem Hang, in verzwickte Situationen zu stolpern. Im Jahre 1793 wird der charismatische Jüngling auf ein privates Eiland an den Ausläufern der britischen Inseln zitiert, um dort Bekanntschaft mit dem sagenumwobenen Lord Mortimer zu machen. Neben etlichen Mitgliedern der High-Society gehört auch seine Mutter zu den geladenen Gästen.

Zunächst zögert Louis, doch als ihn die Nachricht ereilt, dass diese auf mysteriöse Weise verschwunden sei, macht er sich schleunigst auf den Weg zum prachtvollen Anwesen des Lords. Dort trifft er auf schillernde Persönlichkeiten wie Napoleon Bonaparte oder George Washington und begibt sich auf die Suche nach seiner Mutter. Stück für Stück dämmert dem Detektiv wider Willen, dass auf dieser Insel etwas im Argen liegt. Ob die eigenartigen Mitglieder des elitären Clubs dafür verantwortlich sind, gilt es herauszufinden. Manipulativ sind sie allesamt.

Wenn Okkultes Kult ist

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Die erste Episode trägt den Titel „The Mad Ones“ und bildet den Auftakt für eine klassische Kriminalgeschichte nach dem Whodunnit-Prinzip. Eure Aufgabe besteht also darin, das Anwesen nach Hinweisen zu durchforsten, mit Gästen zu sprechen und herauszufinden, welche Agenda die dubiosen Partygäste verfolgen. Denn eins steht fest: Die Wahrheit erzählt euch hier kaum jemand. Stattdessen müsst ihr aus dem hochtrabenden Kauderwelsch, das euch Lords, Ladies und zu kurz geratene Diktatoren um die Ohren hauen, essenzielle Informationen filtern, mit denen die Geschichte vorangetrieben wird.

Hierzu gibt euch The Council ein Arsenal verschiedener Fähigkeiten an die Hand. Zunächst müsst ihr euch entscheiden, welchen Weg ihr als frischgebackener Privatschnüffler einschlagt. Seid ihr ein waschechter Detektiv, der mit einem Auge für Details an die Untersuchung herangeht? Oder wählt ihr doch lieber den Pfad des Diplomaten, ausgestattet mit Schirm, Charme und goldener Zunge. Etwas düsterer scheint eine Karriere als Okkultist, die es euch gestattet, mithilfe fauler Tricks an Informationen zu gelangen. Diese Wege gipfeln in drei simplen Skilltrees, die euch mit der Qual der Wahl zurücklassen. Stecke ich alle meine Punkte in okkultes Wissen und punkte damit seltener oder stelle ich Louis breit auf, in der Angst, etwas nicht zu können?

Eine Entscheidungs fürs Überleben

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Die Bäume wiederum sind verpackt in ein Progression-System, das euch belohnt, wenn ihr neue Hinweise erlangt oder die Unzulänglichkeit eines Charakters schamlos zu eurem Vorteil nutzt. Denn jeder der zwölf Partygäste verfügt im Rahmen seiner Persönlichkeit über ganz eigene Stärken und Schwächen, auf die ihr ihn zunächst abklopfen müsst. The Council legt den Fokus klar auf die liebevollen und gut durchdachten Konversationen, die Louis mit jedem einzelnen führt. Erwartet also kein bodenständiges Schnellschuss-Abenteuer wie The Wolf among Us, sondern eher ein dialoglastiges Kriminaldrama. Das spiegelt sich auch im Design der Charaktere wieder, die allesamt an überzeichnete Schurken aus Dishonored erinnern. Wirklich neu ist das nicht, passt aber hervorragend zum Stil des Spiels.

Um die Geschichte knackig und flott zu halten, hat jede Entscheidung, die Louis trifft, erhebliche Konsequenzen auf den Verlauf der Ereignisse. Folgt ihr dem gebrechlichen Priester in den Salon, um über Louis verschollene Mutter zu sprechen oder begebt ihr euch uns zum Dinner mit George Washington, um mehr über die 12 mysteriösen Persönlichkeiten zu erfahren. Am Ende der zwei- bis vierstündigen Episoden wartet schließlich eine Übersicht, auf der verpasste Hinweise, alternative Lösungen und eine Punktzahl dazu einladen, beim nächsten Mal alles anders zu machen.

Gelegentlich fordert das Spiel von uns, blitzschnell markante Äußerlichkeiten einer Person zu identifizieren. Das klingt zunächst nach Quick-Time-Event, beinhaltet aber ebenfalls eine Komponente der Entscheidung. Schließlich hebt auch das Haushalten mit Ressourcen The Council von ähnlichen Genrevertretern ab. Jede Spezialaktion, Lügen, Prahlen, Einschüchtern ua. kostet Louis wertvolle Aktionspunkte. Nur mit versteckten Items könnt ihr diese wiederherstellen und euer geballtes Wissen mit in den nächsten Schwatz nehmen.

Bezeichnend überzeichnet

Angespielt: The Council6Inszeniert wird The Council in einem leicht düsteren Cell-Shading-Look, der die überzeichneten Charaktere gut zur Geltung bringt. Grafisch ist an der ein oder anderen Stelle noch Potenzial nach oben und auch die Animationen könnten in Anbetracht der Tatsache, dass Dialoge eine solch große Rolle spielen, etwas kraftvoller gestaltet sein. Die englische Synchronisation spielt allerdings auf dem höchsten Niveau, die gewählten Stimmen hinterlassen einen digitalen Abdruck, der in Erinnerung bleibt. Alles in allem sind wir mit der Aufmachung zufrieden, auch wenn sie den wohl schwächsten Part von The Council ausmacht.

The Council erscheint für PS4, Xbox One und PC. Die erste Episode, „The Mad Ones“, soll bereits in wenigen Monaten veröffentlicht werden.

Vielversprechend

Christian Böttcher

Bei The Council erwartet euch eine Art Cluedo in Episodenform. Ihr schlüpft in die Rolle von Louis de Richet, der in diesem Dialog-lastigen Adventure das mysteriöse Verschwinden seiner eigenen Mutter untersucht. Dazu nehmt ihr an einer etwas anderen Party teil und trefft auf schillernde Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Mit detektivischen, okkulten oder diplomatischen Fähigkeiten geht ihr Hinweisen nach, befragt die dubiose Gestalten und kommt der Council of the Golden Order stückweise auf die Schliche. Mögt ihr eure Adventures überzeichnet und die Hinweise vielschichtig, legen wir euch Episode Eins, die in wenigen Monaten kommt, wärmstens ans Herz.
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