Close to the Sun: An Bord von Nikola Teslas Horrorschiff – Preview

Close to the Sun: Tesla meets Bioshock

Das kleine italienische Studio Storm in A Teacup hat mit Nero und Lantern bewiesen, dass atmosphärisches Storytelling weit oben auf der ihrer Agenda steht. Für den ganz großen Durchbruch hat es bislang aber nicht gereicht. Daran soll sich mit Close to the Sun einiges ändern. Wir konnten das Horror-Abenteuer um den weltberühmten Nikola Tesla rund eine Stunde lang anspielen. Alle Infos zum Spiel: In unserer Vorschau!

Tesla lädt zur Kreuzfahrt

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Volle Fahrt in den Wahnsinn

Wie der Titel verrät, dreht sich in Close to the Sun alles um das Streben nach Vollkommenheit und den schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn – ganz wie bei Ikarus eben. Das First-Person-Adventure rückt eine historische Figur dabei ganz besonders in den Vordergrund: Das verkannte Genie Nikola Tesla. Allerdings schreibt das Spiel kurzerhand die Geschichte um und zeichnet ein Weltbild des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in dem Tesla nicht nur für all seine Erfindungen Anerkennung erhält, sondern wie ein Rockstar gefeiert wird. Mit dem Erfolg kommen kreative Freiheiten und so konstruiert er die Helios. Dabei handelt es sich um ein gigantisches Forschungsschiff, eine Arche für alle Wissenschaftler des Planeten.

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Hallen statt Korridore

Wir schlüpfen in die Haut von Journalistin Rose Archer, die einem Hilferuf ihrer Schwester folgt und so auf die Helios gelangt. Bereits nach kurzer Zeit stellt sie jedoch fest, dass an Bord allerhand unmoralische Experimente stattfinden und ihre Schwester Ada womöglich in größerer Gefahr schwebt als gedacht. Woran genau dort geforscht wird, konnten wir bislang nicht in Erfahrung bringen, doch schon bald finden wir uns auf einer blutigen Kreuzfahrt wieder, ohne Chance auf frühzeitigen Landgang. Optisch erinnert Close to the Sun dabei an das pompöse Rapture aus den ersten beiden Bioshock-Teilen, während der spielerische Part sich ganz klar am Ego-Horror von Outlast oder Soma orientiert.

Im Labyrinth der Wissenschaft

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Experimente ohne Grenzen

Trotzdem schafft es der italienische Entwickler, dem Abenteuer seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken. Besonders die Atmosphäre an Bord konnte uns innerhalb weniger Minuten in ihren Bann ziehen. Statt winziger Korridore entführt uns das Spiel in ausladende Hallen, vollgestopft mit Art-deco-Elementen. Was auf den ersten Blick einladend beleuchtet erscheint, verwandelt sich im Laufe der Zeit jedoch in ein größenwahnsinniges Labyrinth der Wissenschaft, aus dem Rose verzweifelt zu entkommen versucht.

Überall finden sich die beeindruckenden Erfindungen des Physikers, die in ihrer Teslapunk-Komplexität immer auch ein gewisses Unbehagen mit sich bringen. Während die Anfangsminuten noch recht ruhig verlaufen und ihr ausreichend Zeit zum Erkunden der extrem linearen Spielwelt habt, ist spätestens mit dem ersten Wahnsinnigen, der euch verfolgt, Schluss mit Kreuzfahrt-Idylle. Plötzlich liegen überall zerfleischte Körper und blutige Botschaften pflastern euren Weg.

Seenot in Blutrot

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Horror in plastisch

Von da an heißt es: Beine in die Hand nehmen und die Flucht ergreifen. Denn spielerisch handelt es sich bei Close to the Sun um astreinen Hide&Seek-Horror, bei dem ihr nur ein Ziel habt: Überleben. Ob Rose dabei auf hilfreiche Gadgets zurückgreifen oder ihre Verfolger sogar in die Flucht schlagen kann, konnten wir bislang nicht herausfinden. Stattdessen drehte sich vorerst alles darum, den richtigen Fluchtweg ausfindig zu machen und per Tastendruck schnell genug zu reagieren, um das Böse im Nacken abzuhängen.

Anschließend gilt es, ein gutes Versteck zu finden, bis sich die Monster an Bord wieder beruhigt haben. Heißt jedoch nicht, dass der nächste Schockeffekt nicht schon auf euch wartet. Zwischendurch sorgen kleine Puzzle für eine Verschnaufpause, die sich allerdings wenig anspruchsvoll zeigten und stattdessen eher dazu dienen, die bedrückende Atmosphäre voranzutreiben.

Atmosphärische Horror-Perle?

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Die schönen Ecken der Helios

Die Balance zwischen blutigem Horror und unbehaglicher Erforschung der Helios gelingt auch, weil Close to the Sun in puncto Optik und Sound gut verschleiern kann, dass lediglich ein kleines Team am Spiel geschraubt hat. Die Unreal 4 Engine kommt zum Einsatz, wird allerdings mit eigens entwickelten Texturen und Interieurs ordentlich aufgebohrt, sodass die Helios stets den Eindruck erweckt als stamme sie direkt aus einem AAA-Titel.

Gleiches gilt für das minimalistische Sounddesign. Nikola Teslas Horror-Achterbahn verzichtet größtenteils auf musikalische Einlagen und lässt euch stattdessen mit pointierten Geräuschen einen Schauer über den Rücken laufen. Wenn die Inszenierung über die Spielzeit von 6-8 Stunden das Niveau hält, könnte sich Close to the Sun als atmosphärische Horror-Perle herausstellen.

Close to the Sun erscheint Ende Frühling für PC (exklusiv im Epic Games Store) und im Sommer für PlayStation 4 und Xbox One.
Vielversprechend

Christian Böttcher

Close to the Sun entführt euch auf das Forschungsschiff Helios und breitet dort sein erfrischendes Setting in voller Pracht aus. Nikola Tesla als Sonne um die sich in diesem Horror-Abenteuer alles dreht - eine tolle Idee, die den Teslapunk auf die Spitze treibt und so für ein stets unbehagliches Gefühl sorgt. Dabei hält sich das Entwicklerteam nicht zurück und wagt den Spagat zwischen pompösem Art-déco-Charme und blutigen Gore-Elementen, die spielerisch mit Hide&Seek-Horror a la Outlast unterfüttert werden. Mit ein bisschen Feinschliff könnte Storm in a Teamcup in ein paar Monaten eine elektrisierende Horror-Perle vom Stapel lassen. Wir freuen uns drauf!
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