Frisch von der Gamescom: RICO

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Auf der gamescom haben wir eine Menge Spiele gesehen, die das Prädikat „over the top“ verdient hätten. RICO hingegen ist nicht nur völlig drüber. RICO ist grenzdebil. Der actiongeladene First-Person Shooter vom Entwickler Groundshatter will euch nicht mit taktischen Feinheiten auf die Cojones gehen oder tiefgründig die Lebensgeschichte eines mexikanischen Grenzgängers erzählen. Nein, die Buddy-Cop-Ballerorgie will nur eins: Türen eintreten – ungebremste Gewalt und brutale Adrenalin-Orgasmen inklusive! Wir haben uns den kurzweiligen Spaß angeschaut und ballern euch die unzensierten Eindrucke mit voller Wucht in den Neocortex.

Doppelt knallt besser

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Dass RICO nicht allzu viel Wert auf eine langatmige Geschichte oder die Inszenierung legt, bekamen wir recht schnell zu spüren, als – kaum hatten wir den Raum betreten – die Aufforderung kam, uns hinzusetzen und selbst Hand an den Controller zu legen. Keine Einführung, kein Abriss der Story, keine Präsentation der Spielinhalte. Stattdessen lassen die selbstbewussten Entwickler den Coop-Shooter für sich selbst sprechen. Trotzdem wollen wir euch die narrative Schablone, in die sich RICO zwängt, doch einmal kurz aufdröseln. Ihr seid Teil einer schießwütigen Eliteeinheit, die sich zum Ziel gesetzt hat, sämtliche Verbrecher der Großstadt zu jagen, zu finden und zu töten – Liam Neeson Style!

Gemeinsam mit Partner oder Partnerin stürmt ihr deshalb ohne groß nachzudenken jedes Haus, in dem ihr einen Gangster vermutet und schießt wild um euch. Fragen stellen bedeutet schließlich nur lästigen Papierkram. Neben tätowierten Drogendealern, Waffenschiebern und Freizeitpimps sitzt euch ein Feind ganz besonders im Nacken: Die Zeit. Ihr habt nämlich nur 24 Stunden, um euer Missionsziel zu erreichen. Warum nur 24 Stunden? Wir haben nicht den blassesten Schimmer. Worin genau dieses Ziel besteht, hängt letztlich vom Zufall ab, denn die Karten in RICO sind prozedural generiert und somit gleicht kein Spieldurchgang dem vorangegangenen – so zumindest die Theorie.

Kick, Breach, Kill, Repeat

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Das Spielprinzip ist dabei denkbar einfach: Gemeinsam mit einem Couch-Buddy oder Online-Partner (Im Couch-Coop habt ihr die Wahl, ob ihr den Bildschirm lieber vertikal oder horizontal aufteilt)  wirft euch RICO in einen Raum mit vielen Türen. Hinter jeder von ihnen warten etliche Gegner darauf, eine pralle Ladung Blei in den Gangsterarsch gepustet zu bekommen. Dementsprechend sind die Kernelemente des Spiels schnelle Reaktionen und ein noch schnellerer Finger am Abzug. Bevor ihr jedoch mit voller Wucht die Tür eintretet, solltet ihr euch gut absprechen. Stürmt ihr den Raum nämlich von zwei Seiten oder brecht gleichzeitig durch eine Tür, belohnt euch RICO mit einer kurzen Slow-Motion-Phase – ein entscheidender Vorteil im blutigen Kugelhagel.

Wie zuvor steht ihr nun in einem Raum, von dem wiederum einige Türen tiefer in den Komplex führen. Die Vorgehensweise bleibt die gleiche, lediglich das Layout der Gebäude und die Waffen der Gegner verändern sich. Im wilden Adrenalinrausch schießt ihr euch durch Treppenhäuser, pulverisiert Kriminelle mit Baseballschlägern, Schrotflinten oder Doppelpistolen – alles stilecht und in vollem Tempo. Sicher kann man RICO nun vorwerfen, dass es über die Maßen repetitiv ist und in Sachen Gameplay irgendwo zwischen Goldeneye und Wolfenstein 3D hängengeblieben ist. Aber genau dieser kurzweilige Oldschool-Charme ist es, der die Buddy-Cop-Action so genial macht. Dank sattem Trefferfeedback und Zeitdruck im Nacken ist es der perfekte Shooter für Zwischendurch – Hirn ausschalten und drauflosballern lautet die Devise.

Ich bin derjenige, der klopft

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Für etwas mehr Abwechslung sorgen zwei weitere Modi, die RICO ein Mindestmaß an Tiefgang verleihen. Während ihr im Case-Modus unter Zeitdruck durch die Räume hetzt, stehen bei Lockdown alle Zeichen auf Überleben. Hier erwartet euch ein klassischer Horde-Modus, in dem nicht ihr, sondern eure Gegner die Türen eintreten, um euch in immer größerer Zahl die Hölle heiß zu machen. Leider verliert das Spiel ein wenig an Wucht, wenn ihr nicht mehr in engen Räumen kämpft, sondern auf weitläufigen Dächern einer Gegnerwelle nach der nächsten gegenübersteht. Wer’s kompetitiv mag, dürfte schließlich im Daily-Modus auf seine Kosten kommen. Jeden Tag auf’s Neue präsentiert euch das Spiel ein Kartenlayout, das für alle Spieler gleich ausfällt. Wer sich am schnellsten ans Ziel ballert, bekommt nicht nur einen Ehrenplatz auf dem Leaderboard, sondern darf sich auch über neue Waffen oder Skins für seinen Charakter freuen.

Wie ihr sicher schon bemerkt habt: RICO ist kein AAA-Titel mit Monsterbudget, sondern siedelt sich ohne jeden Zweifel in der Indie-Sparte an. Das macht sich natürlich auch in der Präsentation der exzentrischen Ballerorgie bemerkbar. Auch wenn die Grundrisse der Räume dank polygonalem Rendering immer ein bisschen voneinander abweichen, lässt die Vielfalt der Texturen noch etwas zu wünschen übrig. Bedeutet allerdings nicht, dass der Artstyle von RICO nicht trotzdem überzeugen kann. Nicht nur die Action ist gnadenlos überzeichnet, auch Charaktere, Waffen und dekorative Elemente bleiben ihrem Cell-Shading-Look treu und wirken wunderbar plastisch – besonders deshalb interessant, weil das Spiel über ein schickes Schadensmodell verfügt und ihr somit sichtbare Ecken in die Umgebung ballert. Die Grafik harmoniert enorm gut mit dem den Gameplay-Elementen und lässt ferne Erinnerungen an Borderlands wach werden.

RICO erscheint im Herbst diesen Jahres für PlayStation 4, Xbox One, PC und Nintendo Switch.

Vielversprechend

Christian Böttcher

Euch juckt der Finger am Abzug? Dann seid ihr bei RICO goldrichtig. Der kompromisslose First-Person-Shooter erscheint im Herbst und ist so absurd gewalttätig, dass ihr vor lauter Blut nur Schmunzeln könnt. Prozedural generierte Räume, die ihr innerhalb weniger Sekunden von Knarren-schwingenden Gangstern säubert und das immer und immer wieder? Klingt eigentlich ganz geil. Das Prinzip erinnert an eine krude Mischung aus Goldeneye und Borderlands und will nur eins von euch: Schnelle Reaktionen und Lust an zerspratzenden Gliedmaßen. Wer auf überzeichnete Oldschool-Shooter steht, die sich nicht allzu ernst nehmen, kann bei RICO mit einem Couch-Coop-Hit für Zwischendurch rechnen.
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