Frisch von der Gamescom: Sekiro: Shadows Die Twice

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Sekiro: Shadows Die Twice – Angespielt auf der gamescom

Der König ist tot, es lebe der König. Hidetaka Miyazaki hat es wieder geschafft. Bereits nach einem Jahr ohne Dark Souls kommt der Meister der Action-RPGs mit einem neuen Projekt um die Ecke. Sekiro: Shadows Die Twice schimpft sich die inoffizielle Fortsetzung, welche mit asiatischem Setting und frischen Mechaniken in große Fußstapfen tritt. Wir haben uns den brandneuen Greifhaken geschnappt und auf der gamescom die ersten Einblicke zum bockschweren Action-Giganten an Land gezogen. Soviel vorab: Selbst 20 Tode in Folge konnten uns das verliebte Grinsen nicht vom Gesicht wischen.

Von Kirschblüten und Schwertschwingern

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Fragt man zehn Soulsborne-Veteranen nach dem besten Feature der Reihe, erhält man im Regelfall zehn verschiedene Antworten. Ist es das ausgeklügelte World Building? Sind es die verschrobenen und doch liebenswürdigen Charaktere? Steht die düstere Atmosphäre an der Spitze des Spiels? Oder ist es doch das revolutionäre Kampfsystem, mit dem From Software ein Genre für Jahre geprägt hat?

Unsere Meinung; Es sind alle diese und keiner dieser Punkte. Denn nur im Zusammenspiel der Komponenten entsteht aus einem simplen Action-Adventure ein spielerisches und narratives Meisterwerk. Stellt sich natürlich die Frage: Wie schneidet Sekiro: Shadows Die Twice in diesen Kategorien ab? Nach rund einer Stunde Spielzeit lässt sich das pauschal natürlich nicht sagen, wir wollen aber trotzdem eine vorsichtige Prognose wagen.

Die Welt von Sekiro ist so japanisch wie der Name es vermuten lässt. Fallende Kirschblüten versetzen die bergigen Dörfer der Demo in ein sanftes Rot, während hölzerne Festungsanlagen, auf denen unser Held herumturnt, an Relikte aus der Sengoku-Zeit erinnern. Zahlreiche Wachen erwarten uns, allesamt in schimmernde Brustpanzer gewandelt und die fernöstlichen Speere im Anschlag. Hinzu kommen knorrige Bäume, die auffällig unauffällig über die Klippen der Festung ragen und das erste neue Feature subtil andeuten. Dazu aber später mehr.

Doch irgendwie Soulsborne

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Die Spielwelt lässt in Sachen Stil und Setting doch starke Parallelen zum Konkurrenten Nioh offen, das seinerzeit zwar gut angenommen wurde, aber nie den selben Erfolg wie Dark Souls feiern konnte. Sekiro bedient in dieser Hinsicht deutlich weniger den Bereich Dark Fantasy an und driftet nur gelegentlich in fernöstliche Mythologie ab. In der kurzen Demo traten wir vornehmlich gegen humanoide Gegner – meist Samurai – an, die uns deshalb allerdings nicht weniger hart in den Arsch getreten haben.

Aber keine Panik. Natürlich führt Miyazaki San wieder eine Vielzahl widerlicher und entarteter Kreaturen ins Feld, die euch allesamt ans Leder wollen. Besonders beeindruckend: Ein mit Warzen bedeckter Riese, der uns innerhalb weniger Sekunden per Dropkick über die nächste Klippe beförderte. Schnell war klar: Auch in Sekiro ist der Tod allgegenwärtig. Jeder Gegner kann für euch das Ende bedeuten, selbst wenn er auf den ersten Blick noch so harmlos scheint. Allerdings bedeutet das Ableben eures Charakters in Sekiro nicht immer Game Over.

Auferstanden von den Toten

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Statt dem guten alten „YOU DIED“ Schriftzug erwartet euch nach dem Tod nämlich ein Auswahlmenü, das kryptischer nicht sein könnte. Zwei schimmernde Buttons fordern eine Entscheidung. Entweder ihr wählt den schnellen Ausweg und sterbt, wie üblich, oder aber ihr nehmt die zweite Chance wahr und macht einen auf Stehaufmännchen. Was From Software zunächst als große, spielverändernde Mechanik angepriesen hat, entpuppte sich bei uns jedoch recht schnell als untergeordnetes Feature, das nicht den allergrößten Einfluss auf das Spielgeschehen nimmt.

Wartet ihr lang genug, bevor ihr euch wiederbelebt, verlieren Gegner das Interesse an eurem totgeglaubten Körper und kehren zu ihrer Routine zurück. Das gibt euch wiederum die Möglichkeit, erneut aus dem Hinterhalt zuzuschlagen und den eigenen Tod als taktisches Mittel zu nutzen. Einfacher wird das Spiel deshalb jedoch keinesfalls, denn auch eure Gegner kehren gelegentlich von den Toten zurück.

Anhand kleiner Kästchen über dem Portrait lassen sich somit die verschiedenen Phasen in Bosskämpfen schneller und einfacher nachvollziehen, während ihr bei besonders hartnäckigen „Trashmobs“ immer das Gefühl habt, auf Augenhöhe zu kämpfen. In Sekiro ist der Tod eben nur der Anfang.

Eine Frage der Haltung

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Ganz anders verhält es sich mit dem Kampfsystem. Aus Rittern in klobiger Rüstung sind in Miyazakis neuestem Machwerk agile und gewitzte Samurai geworden. Und trotzdem fühlten wir uns bei den fordernden Duellen in Sekiro gleich wie Zuhause. Glasklare Movesets à la Dark Souls, gepaart mit blitzschnellen Ausweich-Manövern aus Bloodborne: From Software weiß, wie man selbst aus dem kleinsten Scharmützel eine nervliche Zerreißprobe macht.

Schilde gehören ebenso der Vergangenheit an wie das Ausdauer-System, das wir über die Jahre schmerzlich erlernt haben. Stattdessen müsst ihr euch defensiv auf gutes Timing verlassen, denn eure einzige Verteidigung besteht darin, Schläge zu parieren oder ihnen gekonnt auszuweichen. Das beherrschen allerdings auch eure Gegner bis zur Perfektion und es entstehen taktische Kämpfe, in denen es vornehmlich darum geht, das Gegenüber aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Dazu verfügt sowohl ihr als auch eure Widersacher über eine Status-Leiste, die preisgibt, wie gut ihr bzw. sie sich auf den Beinen halten können. Überwindet ihr diese „Haltung“ des Gegners erst einmal, reicht meist schon ein Hieb und die flinken Krieger liegen im Staub. Ebenfalls neu sind Spezialangriffe, die anstatt eures schweren Schlages zum Einsatz kommen. Der „einarmige Wolf“ (übersetzt: Sekiro) verfügt schließlich über eine Vielzahl an nützlichen Prothesen, die seinen Stumpf zu einer todbringenden Waffe machen.

Mit der brachialen Wucht einer Axt zerlegt ihr gegnerische Schilde im Nu, während Shuriken sicheren Schaden aus der Distanz ermöglichen. Das Ganze kommt jedoch zu einem Preis, denn die besonderen Angriffe kosten euch wertvolle Geisterembleme, eine der Ressourcen in Sekiro. Habt ihr diese verbraucht, seid ihr voll und ganz auf herkömmliche Attacken angewiesen. Glücklicherweise findet ihr immer wieder neue Embleme, die – wie es aussieht – als eine Art Ersatz für eure Seelen dienen sollen.

Eingesogen – ausgespuckt

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Zum World-Building und Kontext der einzelnen Level können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht allzu viel sagen, denn bisher stand uns lediglich eine Mission zum Spielen zur Verfügung. Überrascht waren wir allerdings davon, dass Sekiro: Shadows Die Twice deutlich mehr auf Verstohlenheit setzt als wir zunächst vermutet hatten.

Per Greifhaken schwingen wir uns über die Dächer der Zitadelle und können somit der ein oder anderen Konfrontation geschickt aus dem Weg gehen – ein Feature, das ganz neue Möglichkeiten im Bereich Leveldesign eröffnet und für deutlich mehr Vertikalität sorgen soll.

Davon profitiert letztlich auch die Atmosphäre, die selbst bei der neuen IP ungebrochen intensiv und beeindruckend bleibt. Innerhalb weniger Sekunden saugt euch Sekiro ein und spuckt erst wieder aus, nachdem der Endboss den Boden küsst – selbstverständlich mit einer amtlichen Gänsehaut und gefühlte zehn Jahre älter. Dabei verzichtet das Spiel übrigens gänzlich auf Multiplayer-Elemente.

In unserer Demo erlebten wir  die verheißungsvolle Stille japanischer Gärten, kontrastiert von einer über die Maßen wütenden Riesenschlange, der wir nur mit größter Mühe zu entkommen vermochten – Sekiro verspricht Inszenierung auf ganz hohem Niveau! Auch wenn grafisch durchaus noch Luft nach oben ist, kann das Frühjahr 2019 für uns nicht schnell genug kommen.

Sekiro: Shadows Die Twice erscheint am 22. März 2019 für PlayStation 4, Xbox One und PC

Bombastisch

Christian Böttcher

Sekiro: Shadows Die Twice verspricht das zu werden, was sich alle Soulsborne-Fans gewünscht haben: Ein bockschweres Action-Adventure, auf dem Hidetaka Miyazaki in Großbuchstaben seine Handschrift hinterlassen hat. Ihr werdet ins feudale Japan des 15. Jahrhunderts katapultiert und erlebt somit eine erfrischende Abwechslung zum Dark Fantasy-Setting der Soulsborne-Reihe. Trotzdem kann das Spiel seine Wurzeln nicht verleugnen und ihr kommt kaum aus dem Grinsen heraus, sobald ihr bemerkt, wie sehr sich das perfekt abgestimmte Kampfsystem doch wie ein Archetypus aus dem Hause From Software anfühlt. Schnell, atmosphärisch und epochal - Sekiro: Shadows Die Twice wird 2019 garantiert zu den ganz Großen gehören!
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