Frisch von der Gamescom: Twin Mirror

Twin Mirror ein blick in die Welt

Twin Mirror: Ein Blick in die Welt

Gespaltene Persönlichkeit trifft Gedächtnisverlust – Twin Mirror bringt zwei Parteien zusammen, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Das emotionale Portfolio des französischen Entwicklers Dontnod trifft auf den detailverliebten Publisher Bandai Namco. Ob der gefühlsechte Psychothriller, der dabei herauskommt, Potenzial zum echten Geheimtipp hat, konnten wir in einer kurzen Demo auf der Gamescom bereits herausfinden. Also taucht mit uns in den Spiegel der Seele ein!

Rückzug in den Gedankenpalast

Nach einer heftigen Trennung ist Sam, ein Durchschnittstyp, wie er im Buche steht, am Boden zerstört. Er flüchtet sich nicht nur in seine eigene Einsamkeit, sondern verlässt auch gleich seine Heimatstadt Baskwood. Der Versuch, sich von der gescheiterten Beziehung freizumachen, gelingt allerdings nur bedingt. Sam versinkt in tiefen Depressionen und bleibt auch von Wahnvorstellungen nicht verschont. Eskapismus ist an der Tagesordnung.

Glücklicherweise hat der gebrochene Mann eine letzte Zufluchtsstätte, seinen Gedankenpalast. Der Gedankenpalast ist ursprünglich ein mentales Werkzeug, um sich komplexe Zusammenhänge besser erschließen oder sich wichtige Informationen schneller einprägen zu können, um sie später jederzeit abzurufen. Sams Gedankenpalast ist sogar so weit fortgeschritten, dass er geistig darin herumlaufen kann und Erinnerungen wie Räume des Palastes rekonstruiert.

Eines Tages reißt ihn jedoch ein tragisches Ereignis jäh aus seinem täglichen Kampf gegen den eigenen Geist. Als ein guter Freund bei einem Unfall ums Leben kommt, sieht sich Sam gezwungen, in seine Heimat zurückzukehren, um an der Beerdigung teilzunehmen. Auf eine vernebelte Nacht folgt am nächsten Tag ein böses Erwachen. Sam hat jegliche Erinnerungen an den vergangenen Abend verloren und entdeckt in seinem Hotelzimmer ein blutgetränktes T-Shirt. Was hat er getan?

Alles auf Anfang

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Um den Ereignissen auf den Grund zu gehen, nutzen wir in Twin Mirror nicht nur unseren eigenen Verstand und zahlreiche Hinweise, die überall im Hotelzimmer verteilt sind, sondern greifen auch auf Sams praktischen Gedächtnispalast zurück. Genau um dieses Feature soll sich in unserer Demo alles drehen. Immer wieder wechseln wir zwischen der realen Welt und dem synthetischen Gedankenkonstrukt hin und her, entdecken neue Hinweise und verbauen diese anschließend in einem mentalen Abbild der Ereignisse.

Spielerisch bedeutet das vor allem eins: Rumprobieren. Der Verlauf schien dabei recht schematisch. Wir finden einen Gegenstand, wechseln anschließend per Knopfdruck (und ohne Ladezeit) in den Gedankenpalast und verknüpfen ihn dort mit einer Handlung. Anschließend lassen wir Sam die Szene „nachspielen“ und bekommen Feedback darüber, ob es sich dabei um eine logische Verkettung der Umstände handelt oder sich das Ganze vielleicht doch anders zugetragen hat. Ist dies der Fall, habt ihr die Möglichkeit, auf andere Art und Weise mit dem Gegenstand zu interagieren.

Kleines Beispiel gefällig? Auf dem Boden des Hotelzimmers erspähen wir Sams kaputtes Handy. Direkt darüber findet sich ein Loch in der Wand. Bei den Hobbydetektiven unter euch sollten nun bereits die Alarmglocken schrillen. Gibt es zwischen den beiden Beobachtungen vielleicht einen Zusammenhang. Wir begeben uns also in den Gedankenpalast, nähern uns dem Bett und werden nun vor die Entscheidung gestellt, was genau Sam getan hat, als er ins Hotelzimmer kam. Hat er zunächst den Fernseher angeschaltet und ihm ist dabei das Handy heruntergefallen? Oder hat er sich stattdessen über etwas aufgeregt und sein Telefon vor lauter Wut an die Wand geworfen? Gesunder Menschenverstand ist gefragt.

Doppelt thrillt besser

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Ob dieses Zusammenpuzzeln einzelner Handlungsstränge im finalen Spiel eine so große Rolle einnimmt wie in unserer Demo, können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Fakt ist jedoch, dass der stetige Wechsel zwischen realer und fiktiver Welt einige kreative Kniffe im Bereich Storytelling ermöglicht. Dass Dontnod weiß, wie man emotionale Geschichten auf den Monitor bringt, haben sie mit Life is Strange oder zuletzt Vampyr eindrucksvoll bewiesen. Einem psychotischen Niemand auf eine Reise durch den eigenen Geist zu folgen, scheint jedenfalls der perfekte Aufhänger für einen packenden Psychothriller.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass der unscheinbare Sam gar nicht so allein ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Denn eine amtliche Depression ist nicht die einzige Störung, mit der er zu kämpfen hat. Problematisch ist vielmehr seine gespaltene Persönlichkeit, deren Stimme er nicht nur in seinem Kopf hört, sondern sie sogar vor seinem geistigen Auge ausmacht.

Während der durchschnittliche Sam mit weißem T-Shirt, Jeans und Kurzhaarfrisur alles widerspiegelt, was er an sich selbst verabscheut, steht seine geistige Abspaltung für das exakte Gegenteil. Gut gekleidet, selbstbewusst – ein echter Gewinnertyp eben! Das Verhältnis dieser beiden Persönlichkeiten, die im ewigen Zwiestreit miteinander stehen und Sam sukzessive in die Ecke treiben, gehört zu den Kernelementen von Twin Mirror. Das Spiel will nicht nur seinem Protagonisten, sondern auch dem Spieler den sprichwörtlichen Spiegel vorhalten und ihn seine eigene Persönlichkeit ergründen lassen.

Twin Mirror erscheint 2019 für PlayStation 4, Xbox One und PC.

Vielversprechend

Christian

Mit Twin Mirror erwartet uns Anfang des nächsten Jahres ein Psychothriller mit einer ungewöhnlichen Ausgangssituation. Dontnod und Bandai Namco tun sich zusammen, um eine Geschichte zu erzählen, die bis in die hintersten Winkel der menschlichen Psyche vordringt. Besonders vielversprechend: Clevere Erzählstrukturen, die ständig zwischen Realität und Fiktion wandeln und sowohl Protagonist als auch Spieler den Spiegel vorhalten. Thriller-Fans und Freunde emotionaler Geschichten sollten Twin Mirror unbedingt im Auge behalten.
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