Man of Medan in der Vorschau: Mit diesem überraschenden Feature soll es Until Dawn überflügeln

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Man of Medan: Unser Zwischenfazit nach 90 Minuten Horrorshow

Man of Medan tritt in die erfolgreichen Fußstapfen von Until Dawn und ist die erste Episode der neuen Dark Pictures Anthology von Supermassive Games. Wir konnten das gruselige Story-Adventure bereits 90 Minuten anspielen und verraten, mit welchem alles-verändernden Feature Supermassive noch mehr Horror herauskitzeln will.

Man of Medan: Der Vorhang fällt für ein interaktives Großprojekt

Man nehme eine Bande hormongesteuerter Teenager, den prototypischen Horrorwald, übernatürliche Fabelwesen und fertig ist der B-Movie Horrorstreifen. Dieses simple Konzept machte sich vor vier Jahren Until Dawn zunutze, um daraus einen interaktiven Film mit einzigartigen Spielelementen zu zimmern. Eure Entscheidungen nahmen massiven Einfluss auf den Verlauf der Story, sodass ihr ständig darauf Acht geben musstet, die feierwütigen Kids am Leben zu halten – wenn ihr das denn wolltet. Verkörpert wurden die Todeskandidaten unter anderem von Hollywood-Größen wie Rami Malek oder Hayden Panettiere.

Man of Medan: Keine Angst vor Horror aus der Klischeekiste

Mit Man of Medan bringt Entwickler Supermassive im August eine inoffizielle Fortsetzung. Am Genre hat sich dabei nichts geändert. Noch immer erwartet euch ein wilder Mix aus sämtlichen Horror-Subgenres, in eine leicht verdauliche Geschichte eingebettet. Allerdings ist MoM (wie wir es liebevoll nennen) nur der erste Teil einer groß angelegten Grusel-Odyssee. Im Interview mit Art Director Robert Craig und Marketing-Director James Scalpello konnten wir in Erfahrung bringen, dass insgesamt acht voneinander unabhängige Episoden für die Dark Pictures Anthology geplant sind – jeweils mit neuem Regisseur, Cast und Setting.

Ein Geisterschiff voll B-Movie-Charme

Zunächst entführt uns Man of Medan jedoch auf hohe See. Modell für die Gruselgeschichte rund um eine Handvoll Teenager, die mitten im Pazifik auf Schatzsuche geht, stand eine urbane Legende. 1947 kam die komplette Besatzung eines Marine-Kreuzers auf unerklärliche Art und Weise ums Leben. Der Name des Geisterschiffs: Ourang Medan. 70 Jahre später macht sich eine neugierige Truppe ahnungsloser Touristen auf, das Wrack des Dampfers zu finden und nach Reichtümern zu durchforsten. Was soll da schon schiefgehen? In einem rund 20-minütigen Prolog springen wir zurück in die Vergangenheit und erfahren – ganz im Stil von Until Dawn – welche tödlichen Gefahren auf die naiven Schatzjäger warten.

Man-of-Medan-Kriegsschiff

Der Ourang Medan-Mythos als interaktiver Film

Anschließend findet der Rest der Geschichte im 21. Jahrhundert statt. Ein harmloser Bootstrip wandelt sich binnen Minuten in einen Albtraum auf hoher See. Und wir sind live dabei, um die Fäden zu ziehen und ein frühzeitiges Ableben der Truppe zu verhindern. Auch in Man of Medan nehmen wir also die Puppenspieler-Perspektive ein und haben das Schicksal der fünf Teenager selbst in der Hand. Im Minutentakt wechseln wir deshalb den Blickwinkel, treffen Entscheidungen für unsere Schützlinge und bestimmen in hitzigen Dialogen, wohin die Reise gehen soll. Damit das Ganze nicht zu verkopft wird, bedienen die Figuren sämtliche Klischees, die man aus zweitklassigen Horror-Streifen so kennt. Romantik, gute Laune und hemmungslose Brutalität bilden den thematischen Außenborder, der Man of Medan unaufhörlich in Richtung Katastrophe schippert.

Horror zum Nachladen

Als einer der großen Pluspunkte stellte sich in den ersten 90 Minuten die Inszenierung heraus. War Until Dawn noch recht vorhersagbar im Aufbau der Geschehnisse, präsentiert sich Man of Medan schon fast erfrischend und führte uns das ein oder andere Mal auf die falsche Fährte. Nicht zuletzt ist das auch der starken Leistung von Shawn Ashmore und Co. geschuldet. Erneut greift Supermassive nämlich auf echte Schauspieler zurück, die den nachmodellierten Figuren ihre Gestik, Mimik und Stimme leihen. Ganz so prominent wie in Until Dawn fällt der Cast allerdings nicht aus. Unter anderem mit dabei: Charakterdarsteller Pip Torrens und X-Men Stuntfrau Ayisha Issa. Zum Release soll auch eine komplette deutsche Synchronisation verfügbar sein, die wir allerdings noch nicht austesten konnten.

Man-of-Medan-Tauchgang

Bei nachladenden Texturen kann euch schon mal die Luft ausgehen

Zweifel an der Präsentation weckt aktuell lediglich die Grafik von Man of Medan. Den Wechsel der Engine von Decima zu Unreal spürt man deutlich, denn so scharf die Gesichter der Figuren auch ausfallen; mit den üblichen Texturen hat das Spiel derzeit noch arg zu kämpfen. Dadurch, dass diese ständig nachladen müssen, geht gelegentlich nicht nur Atmosphäre flöten, in Einzelfällen kann in Folge dessen sogar Verwirrung beim Spieler auftreten, wenn Schrift nicht lesbar oder Objekte nicht klar erkennbar sind. Bis zum Release sollte das Studio unbedingt nachbessern.

Mehr zum Spiel: The Dark Pictures: Man of Medan – Release und Vorbesteller-Bonus bekanntgegeben

Until Dawn 2.0

Man-of-Medan-Gruselgeschichte

Die Figuren in Man of Medan sind eure Marionetten

Man könnte also meinen, Man of Medan wäre lediglich Until Dawn im neuen Setting. Grundsätzlich ist das auch so. Noch immer fallen die Konsequenzen von Dialogen und Handlungen recht nebulös aus, sodass sich ihre Folgen erst weit später im Spielverlauf offenbaren. Die Dialoge glänzen durch kurzweilige Unterhaltung und es werden Phrasen gedroschen, bis der Zombie dreimal klingelt. Auch spielerisch dürft ihr vom neuen Story-Adventure keine Meilensteine erwarten. Zwar habt ihr in Dialogen inzwischen die Möglichkeit, einfach zu schweigen, anstatt eine ungeliebte Gesprächsoption zu wählen, Gespräche unter Zeitdruck und recht großzügig getaktete Quick-Time-Events bilden jedoch weiterhin den Kern der maritimen Gruselgeschichte.

In unseren 90 Minuten an Bord konnte uns Man of Medan nur in einer Szene wirklich spielerisch überraschen. Auf der Flucht vor einem übernatürlichen Gegner verstecken wir uns hinter einer Ecke und müssen in Panik die Luft anhalten. Bedeutet spielerisch: Im unteren Bildschirmbereich erscheint ein Fenster, das den Herzschlag unserer Figur visualisiert. Jetzt gilt es, im Rhythmus der Kurve eine Taste zu hämmern, um nicht entdeckt zu werden – im Grunde also auch nur ein erweitertes QTE. Erst in Kombination mit Soundtrack und den Zeitabständen, die immer kürzer werden, entsteht so der Eindruck als schwebe der von uns verkörperte Matrose in ernsthafter Gefahr. Hier darf Supermassive gern weiter nachlegen. Bevor es allerdings dazu kommt, muss das Studio noch Hand an der Physik legen.

Man of Medan: Unerwartetes Feature stellt alles auf den Kopf

Man-of-Medan-Schiff-Korridor

In Man of Medan seid ihr nicht so allein wie ihr vielleicht denkt

Trotzdem gibt es ein Feature von Man of Medan, mit dem sich die Gruselgeschichte super massiv vom inoffiziellen Vorgänger abheben kann. Erstmals dürft ihr nämlich gemeinsam ins Gras beißen. Während des Events ließ Publisher Bandai Namco die Bombe platzen und kündigte an, dass ihr die Gruselgeschichte sowohl im Online-Koop mit einem Partner als auch mit bis zu vier weiteren Mitspielern an einer Konsole genießen könnt. In der Praxis nennt sich das Ganze dann „Shared Story“ bzw. „Movie Night“ und soll die Spielerfahrung gehörig auf den Kopf stellen. Beide Modi setzen grundsätzlich auf eine kooperative Erfahrung, auch wenn ihr euren Freunden im Gespräch problemlos in die Suppe spucken könnt.

Geteilte Story ist doppelte Story

Der Shared Story-Modus fungiert dabei als klassischer Online-Koop für zwei Spieler. Der kommt überraschend für ein so story-lastiges Horror-Spektakel wie Man of Medan, funktioniert aber ganz ausgezeichnet. Genau wie im Solo-Modus (den es natürlich immer noch gibt) erlebt ihr die Geschichte immer nur aus einer Perspektive und solltet das Spiel deshalb mindestens zwei Mal durchspielen. Entscheidet ihr euch stattdessen für die geteilte Geschichte, erlebt euer Gegenpart immer genau das, was ihr gerade verpasst. Kleines Beispiel: Während ihr gemeinsam mit dem Macho der Gruppe und der starrköpfige Kapitänin tauchen geht, um das Wrack unter die Lupe zu nehmen, bleibt euer Partner mit den übrigen drei Figuren an Bord und durchlebt seinen ganz eigenen Horrortrip.

Dabei ist es aber nicht so, dass ihr völlig abgekapselt aneinander vorbeispielt und kaum mitbekommt, was euer Gegenüber für Entscheidungen trifft. Ganz im Gegenteil: Immer wieder führt Man of Medan die Erzählstränge zusammen, sodass ihr erfahrt, was die letzten zehn Minuten an anderer Stelle so vor sich gegangen ist. Trotzdem lässt das Spiel ausreichend große Lücken in der Erzählung, sodass ihr an einem zweiten Durchlauf kaum vorbeikommt. Der Clou am Shared Story-Modus liegt allerdings in der Dynamik zwischen den Spielern begründet.

Man-of-Medan-Shared-Story-Unterschiede

Zwei Spieler – zwei Geschichten – Ein Horrortrip

Man of Medan ist sozusagen das Spiel-gewordene Gefangenendilemma, denn wie von selbst passt ihr eure Art, Entscheidungen zu treffen, an die eures Partners an. Im Gegenzug könnt ihr euch natürlich auch dazu entscheiden, das Gegenüber zu sabotieren, wo ihr nur könnt. Das Ergebnis in beiden Fällen: Eine organische Spielerfahrung mit gigantischem Wiederspielwert. Eine eingebaute Kommunktion per Headset soll es zum Release übrigens nicht geben und das ist auch gut so. Nicht genau zu wissen, mit wem ihr es auf der anderen Seite zu tun habt, macht das dynamische Spielerlebnis schließlich noch reizvoller.

Filmabend mit Spätfolgen

Im Movie Night-Modus läuft das Ganze etwas lockerer ab. Hier spielt ihr mit bis zu fünf Leuten gleichzeitig an einer PS4, Xbox One oder einem PC – übrigens ein Novum für Supermassive, denn bislang entwickelte das Studio ausschließlich für die PlayStation. Praktisch: Mehr als einen Controller braucht es für den interaktiven Filmabend nicht. Jeder Mitspieler bekommt vor dem Start der Geschichte ein festes Set an Charakteren zugewiesen, die er im Laufe der verhängnisvollen Bootsfahrt verkörpert. Sobald es daran geht, sich zu entscheiden, wird dann einfach der Controller an die entsprechende Person weitergereicht, was in einem flotten Hin- und Her – sowohl im Spiel als auch auf der Couch – mündet.

Man-of-Medan-Movie-Night-Charakter-Assignment

Im Movie Night-Modus werden die Figuren auf alle Mitspieler verteilt.

In Grundzügen erinnert das an klassisches Pen&Paper, denn obwohl alle Figuren gnadenlos überzeichnet sind, fällt die Identifikation mit den unbeschwerten Teenies recht leicht. Auch die Angst um die eigene Figur nimmt im Movie Night-Modus ganz neue Formen an, denn wer will schon vor dem großen Finale ausscheiden und dem Rest der Truppe beim gemütlichen Gruseln über die Schulter schauen? Trotzdem dürften euch im Laufe des Spiels etliche kreative Todesarten begegnen, ob ihr nun wollt oder nicht. In Until Dawn gab es damals 38 verschiedenen Arten zu sterben. Man of Medan setzt noch einen drauf und gibt euch ganze 69 Szenarien, in denen ihr euch nach Herzenslust aufspießen, vierteilen, verbrennen, erdrosseln oder zerhacken lassen könnt.

Auch interessant: Inzwischen haben Bandai Namco und Supermassive Games die Systemanforderungen für den PC enthüllt.

Man of Medan erscheint am 30. August für PlayStation 4, Xbox One und PC

Vielversprechend

Christian Böttcher

Man of Medan ist mehr als nur Until Dawn im neuen Setting - wenn auch nicht viel mehr. Erneut warten sämtliche B-Movie Horrorklischees darauf, von euch auf Axt und Hakenhand geprüft zu werden, während sich an Quick-Time-Events, weitreichenden Entscheidungen und den 69 maximal brutalen Arten, ins Gras zu beißen, kaum etwas tut. Trotzdem steht der Geisterschiff-Grusel bei uns ganz oben auf der To-Play-Liste, denn mit den beiden großartigen Koop-Modi stellt Supermassive das eigene Genre völlig auf den Kopf. Gemeinsam am Schicksal der naiven Teenager herumzudoktern, fühlt sich schlichtweg besser an als sämtliche Fäden allein in der Hand zu halten. Nicht zuletzt deshalb, weil euch das Spiel regelmäßig voneinander trennt, um noch mehr verzweigte Erzählstränge zu eröffnen und so auch beim dritten Durchlauf nicht an Spannung zu verlieren. Wenn bis zum Release technische Feinheiten glattpoliert sind, steht dem interaktiven Filmabend mit sechs Stunden Gruppengruseln also nichts mehr im Weg.
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